„Det er den draumen me ber på“ – Norwegen Gastland 2019

Nur 5,2 Millionen Einwohner, dafür zwei Sprachen, drei Literaturnobelpreisträger und 438 Verlage: Norwegen ist das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse im kommenden Jahr. Als Leser, der sehr eng mit dem Land und seiner Kultur verbunden ist, war es damals für mich eine große Freude zu erfahren, dass „Norge“ den Zuschlag erhält. Dabei soll nicht nur die vielfältige und reiche Literatur des skandinavischen Landes im Fokus stehen. Das Land der Fjorde kommt mit einer wichtigen politischen Botschaft auf die weltgrößte Buchmesse. „Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse zu sein, ist eine herausragende Chance für Norwegen. Unsere Autoren und Künstler können an einer globalen Diskussion über Kunst, Redefreiheit und unsere gemeinsame Zukunft teilnehmen, wofür die Frankfurter Buchmesse schon immer eine ausgezeichnete Plattform bot“, sagte Norwegens Kulturministerin Trine Skei Grande zur Präsentation; auch mit Blick auf die politischen Entwicklung in mehreren Ländern Europas.

Im Auftrag der Regierung

Gerade deshalb wurde Norwegen auch ausgewählt. „Das Land belegt Platz eins in der Pressefreiheit, hier wird der Friedennobelpreis vergeben. Wir können sicher sein, dass sie offen zu uns sprechen werden und dass wir von ihnen etwas lernen können“, betonte Juergen Boos, Direktor und Geschäftsführer der Frankfurter Buchmesse. Laut Trine Skei Grande setzt das nordische Land dafür einiges in Bewegung, um ein würdiger Ehrengast zu sein: „Es ist die größte kulturpolitische Initiative unseres Landes in der modernen Zeit und wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst“, so die Kulturministerin. Organisator des Gastlandauftritts im Auftrag der norwegischen Regierung ist Norla (Norwegian Literature Abroad). Zu den Unterstützern zählen die Ministerien für Kultur, für Handel, Industrie und Fischerei und das Außenministerium, die Stadt Oslo sowie die Tourismusabteilung Visit Norway. Weitere Partner sind Unternehmen, Stiftungen, Universitäten, Autorenvereinigungen und Museen. Das Amt der Botschafterin der norwegischen Literatur übernahm Kronprinzessin Mette-Marit. Bereits mit Blick auf diese umfassende Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Kultur, Politik, Bildung und Wirtschaft wird deutlich, welchen hohen Stellenwert die Literatur in dem Land besitzt.

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Literatur und eine besondere Botschaft vereinen sich dabei in dem Motto „Det er den draumen me ber på“, auf Deutsch „Der Traum in uns“. Die erste Zeile aus dem Gedicht „Det er den Draumen“ des norwegischen Lyrikers und Übersetzers Olav H. Hauge (1908 – 1994) steht über dem Auftritt als Gastland. Während eines Wettbewerbs des Rundfunksenders NRK im Jahr 2016 wurde dieses Gedicht, das 1966 in dem Band „Dropar i austavind“ erschienen war, als schönstes Gedicht gewählt. Präsentiert wurde es während der Pressekonferenz in einer eindrucksvollen Musikperformance der Gruppe „Ferdigsnakka“.

„Det er den draumen“

Det er den draumen me ber på
at noko vedunderleg skal skje,
at det må skje –
at tidi skal opna seg,
at hjarta skal opna seg,
at dører skal opna seg,
at berget skal opna seg,
at kjeldor skal springa –
at draumen skal opna seg,
at me ei morgonstund skal glida inn
på ein våg me ikkje har visst um.                 

Das ist der Traum

Das ist der Traum, den wir tragen
daß etwas Wunderbares geschieht,
geschehen muß –
daß die Zeit sich öffnet,
daß das Herz sich öffnet,
daß Türen sich öffnen,
daß der Berg sich öffnet,
daß Quellen springen –
daß der Traum sich öffnet,
daß wir in einer Morgenstunde gleiten
in eine Bucht, um die wir nicht wußten.  

(Übersetzung Klaus Anders)

Nahezu in 80 deutschsprachigen Verlagen in Deutschland, der Schweiz und Österreich stehen für die Jahre 2018 und 2019 Übersetzungen der Werke norwegischer Autoren an, aus ganz verschiedenen Genres und Themen, darunter hierzulande bereits berühmte Namen, aber auch noch unbekannte Autoren. Während der Präsentation im Pavillon auf der Agora der Frankfurter Buchmesse sprachen Linn Ullmann, Erling Kagge sowie Maja Lunde über ihre aktuellen Bücher und die Rolle der Literatur. „Ich schreibe, weil ich als Leser angefangen habe“, sagt Linn Ullmann. Für 2019 sind in zahlreichen deutschen Städten Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen, Seminare und Lesungen geplant. Besonderes Augenmerk gelte dabei der Zusammenarbeit mit Buchhändlern, die eine zentrale Rolle in der Literaturvermittlung einnehmen, so Projektleiter Halldór Guðmundsson.  Doch bereits im November zur Literaturreihe „Stadt, Land, Buch“ in Berlin und Brandenburg wird Norwegen im Rampenlicht stehen, widmet sich die diesjährige Auflage doch der Literatur der nordischen Länder.  Erwartet werden unter anderem der Kinderbuch-Autor Øyvind Torseter, Krimi-Autor Gard Sveen, die Schriftstellerin Merethe Lindstrøm, der Jazz-Pianist und Autor Ketil Bjørnstad und Weltenbummler, Verleger und Autor Erling Kagge. Außerdem stellen die Schwestern Ylva Østby und Hilde Østby ihr Buch „Nach Seepferdchen tauchen. Ein Buch über das Gedächtnis vor“.

Von Mehrwertsteuer befreit

Dabei lohnt sich mit dem Gastland-Auftritt Norwegens durchaus auch ein Blick in den Literaturbetrieb des Landes. Das norwegische Literatursystem gilt als einzigartig. So gibt es die staatlich finanzierte Abnahmereglung, bei der jährlich zwischen 550 bis 1500 Exemplare aus einer Liste von etwas 600 Neuerscheinungen angekauft  und öffentlichen Bibliotheken zugeführt werden. Wie in Deutschland herrscht die Buchpreisbindung, Bücher sind jedoch in Norwegen von der Mehrwertsteuer befreit.  82 Prozent der Bevölkerung haben mindestens ein Buch im Jahr gekauft, 88 Prozent lesen mindestens ein Buch jährlich, so gibt die Statistik des Jahres 2017 Auskunft. Mehr als 20 Millionen Bücher wurden in jenem Zeitraum verkauft.

Ich persönlich freue mich vor allem auf die kommenden Bücher, die eine oder andere Neuentdeckung sowie die kommenden Veranstaltungen und schließlich den großen Auftritt in Frankfurt – vom 16. bis 20. Oktober 2019.

Wer noch einen interessanten und persönlichen Einblick in aktuelle Titel und die Literaturlandschaft Norwegens erhalten möchte, dem lege ich die Beitragsreihe „Norwegian Short Stories“ von Jaqueline Masuck auf ihrem Blog „masuko13“ sehr ans Herz.

Foto: pixabay

6 Gedanken zu „„Det er den draumen me ber på“ – Norwegen Gastland 2019“

  1. Vielen Dank für deinen schönen Ausblick auf das Gastland Norwegen! Ich freue mich auf einige Perlen im Sachbuch-Bereich, doch auch von den Literaten habe ich schon einiges gelesen und möchte Neues entdecken. Daher bin ich sehr gespannt auf diesen Messeauftritt 2019.

    Gefällt 2 Personen

    1. Sehr gern, liebe Petra. Es war mir eine große Freude an der Präsentation teilzunehmen und darüber zu schreiben. Im Moment denke ich darüber, vielleicht einen Blog zum Thema zu initieren und andere Blogger zur Mitarbeiter anzusprechen. Ich gehe noch einmal in mich. Viele Grüße und noch einmal einen großen Glückwunsch an Dich

      Gefällt 1 Person

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