Das Böse – Louise Penny „Hinter den drei Kiefern“

„Und er fragte sich, ob einem, so wie die Liebe, auch der Hass aus früheren Leben folgte.“

Malerisch gelegen, erscheint Three Pines wie ein Ort, in dem man die ruhigen Töne des Lebens anstimmen und hier alt werden könnte. In dem kleinen Dorf in der Region Quebec unweit von Montreal hat sich eine Schar leicht schrulliger, aber liebenswürdiger Männer und Frauen niedergelassen und eine eingeschworene Gemeinschaft gebildet. Dieser gehören unter anderem die Ex-Psychologin und nunmehr als Buchhändlerin tätige Myrna, die in die Jahre gekommene Dichterin Ruth, die an ihrer Seite keinen Hund, aber eine Ente weiß, oder die Malerin Clara, die Bilder entstehen lässt, die irgendwie unfertig wirken, an. Auch der angesehene Chief Superintendent Armand Gamache hat sich mit seiner Frau Reine-Marie in dem Ort eingelebt. Doch eines Tages, zu Halloween, kommt mit einer schwarzen maskierten Gestalt das Grauen in das Dorf. Ein unheilvolles Geschehen nimmt im zweiten Kriminal-Roman rund um Kommissar Gamache aus der Feder der Kanadierin Louise Penny seinen Lauf.

Spur der Drogenmafia führt ins Dorf

Diese dunkle, furchteinflößende Gestalt ist Bote des Todes. Wenig später wird die Leiche einer Frau im Kartoffelkeller der Dorfkirche entdeckt. Gamache und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Dabei hat der erfahrene Kommissar, der mittlerweile die Polizeiarbeit in der Region Quebec leitet, ein ganz anderes Problem zu lösen: Das Gebiet ist Territorium der organisierten Kriminalität. Hier bündeln sich die Wege, auf denen Drogen in den verschiedensten Formen und in großen Mengen zwischen Kanada und den USA transportiert werden. Auch nach Three Pines führt eine nicht unerhebliche Spur.

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Dieses Thema gibt dem äußerst vielschichtigen Roman einen ernsthaften und aktuellen Hintergrund sowie besondere Tiefe, wenngleich allein die Geschichte rund um die dunkle Gestalt, die mehrere Tage auf dem Dorfanger steht und die Bewohner zu beobachten scheint, sehr interessant wirkt. Denn die Recherchen von Gamaches Schwiegersohn, Inspektor Beauvoir, führen bis nach Spanien. Zudem steht das Motiv des Mörders in Zusammenhang mit einem tragischen Tod vor einigen Jahren und in Verbindung mit vier Personen, die sich alljährlich in Three Pines treffen, darunter eine bekannte Politikerin.

„Aber er wusste, was die sogenannte Zivilisation mit sich brachte, und auch, dass in den Städten genauso viele Raubtiere lebten wie in den Wäldern.“

Mit „Hinter den drei Kiefern“ erschien erstmals ein Band aus der Gamache-Reihe in deutscher Übersetzung. In der Vorschau des Frühjahrprogramms 2019 kündigt der neu gegründete Kampa Verlag mit Sitz in Zürich einen weiteren Band der Reihe an. Mit „Das Dorf in den roten Wäldern“ erscheint im Februar der erste Fall des charismatischen und erfahrenen Ermittlers. Penny gilt als die erfolgreichste Krimi-Autorin ihres Landes. Weltweit hat sie bisher sechs Millionen Bücher verkauft. Der zweite Band um Chefinspektor Gamache sprang nach Erscheinen direkt an die Spitze der New-York-Times-Bestsellerliste.

Cleverer Aufbau der Handlung

Bereits die ersten Seiten zeigen, warum die 1958 in Toronto geborene Kanadierin mit ihren Romanen so erfolgreich ist. „Hinter den drei Kiefern“ bereitet nicht nur eine spannende Lektüre. Sie stellt auch mit Blick auf den Aufbau der Handlung ein besonderes Werk dar: Penny verwebt verschiedene Zeitebenen, die schließlich zusammengeführt werden. Erzählt wird sowohl von einer Verhandlung, in der Gamache als Hauptzeuge des Staatsanwalts Barry Zalmanowitz aussagt, als auch darin eingewoben von jenen Ereignissen, die im Zusammenhang mit der Anklage stehen. Richterin Corriveau ahnt noch nicht, dass der Ermittler mit dem Staatsanwalt einen Pakt geschlossen hat, um einen dickeren Fisch als den Angeklagten an den Haken zu bekommen. Diese Heimlichkeit und auch Gamaches Hinhalte-Taktik sorgen indes bei seinen Kollegen und in den Reihen der Polizei für Frust und Unverständnis. Was indes den Leser womöglich etwas stören könnte, ist der leicht pathetische Zug in einigen Szenen.Letztlich ist der Roman, der auch auf Literatur-Klassiker wie „Der Herr der Fliegen“ oder „Pu der Bär“ verweist und natürlich nicht ohne einen Showdown auskommt, jedoch ein herausragender Krimi, der viel erzählt vom Umfang und den Folgen internationaler Drogengeschäfte sowie der Zeit der einstigen Prohibition in Nordamerika. Zudem fährt das Buch ein wundervolles und unvergessliches Personenensemble auf, das in das sehr ernste, teils sogar düstere Geschehen eine heitere, sehr menschliche Note hineinbringt.


Louise Penny: „Hinter den drei Kiefern“, erschienen im Kampa Verlag; in der Übersetzung aus dem kanadischen Englisch von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck; 496 Seiten, 16,90 Euro

Foto: pixabay

2 Gedanken zu „Das Böse – Louise Penny „Hinter den drei Kiefern““

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