Meine Blogbuster-Kandidatin oder Von zwei, die es verdient hätten

Eine Qual ist diese Wahl nicht. Eher schleicht sich ein Gefühl der Betrübtheit ein, nachdem ich mich entschieden hab, wen ich im Blogbuster, den Preis der Literaturblogger, in die nächste Runde entsende.  Nach der Premiere 2017 nahm ich nun zum zweiten Mal als Bloggerin an dem Wettbewerb teil. Von fünf der insgesamt sieben Kandidaten, die an meine Blog-Tür geklopft haben, ließ ich mir das jeweilige Manuskript zusenden. Eines las ich mit Spannung sogar zweimal, gleich im Anschluss widmete ich mich einem zweiten Text komplett, der mich nicht minder fasziniert. Beide sind thematisch sehr verschieden. Doch beiden würde ich viele Leser wünschen. Also, was nun? Für den alles entscheidenden Entschluss ließ ich mir einige Tage Zeit, entschied jedoch, dass ich beide Verfasser in meinem Text würdige.

Mit der Vergangenheit konfrontiert

„Kahn“ von Franziska Gänsler ist jener Text, den ich zweimal las. Der gleichnamige Held verliert bereits in der Kindheit seinen Vater, der sich mit einer Pistole das Leben nimmt. Der Vater diente im Krieg als Soldat, galt als Held, wirkte als Mediziner. Als Jahre später die Mutter stirbt, kehrt Kahn zurück in die Heimatstadt und wird mit der Vergangenheit der Familie konfrontiert – vor allem nach der Begegnung mit Magdalena, einer jungen Frau, die in einem Café bedient. Der Text entwickelt vor allem durch seine klare Sprache, teils aus kurzen Sätzen beziehungsweise Fragmenten bestehend, einen großen Sog und zeichnet sich durch wiederkehrende Symbole und die Psychologie des Protagonisten aus. Franziska Gänsler ist mit ihrem Manuskript „Kahn“ meine Kandidatin für die nächste Runde und die Longlist im Blogbuster-Reigen.

„Er hatte neunzehn Jahre in dieser Stadt gelebt und doch war er ein Fremder, einer, den man nicht kannte, wie auch die Mutter niemand gekannt hatte, einer, der wie ein Durchreisender behandelt wurde. Mit dem Sterben der Mutter war ihm die Heimat abhanden gekommen.  Eine andere gab es nicht.“

Sören Heim mit seinem Text „Lenz“ steht in meiner Auswahl indes ebenfalls auf dem Treppchen ganz oben – auch wenn ich ihn nicht weiter delegieren kann, was ich sehr bedauere. Darin führt er den Leser ins Russland des 18. Jahrhunderts und in das Leben des Schriftstellers Jakob Michael Lenz (1751 – 1792). Heims Manuskript ist nicht umfangreich, aber sehr dicht, weil es interessante Einblicke sowohl in die wichtigsten Lebenstationen von Lenz sowie sein kulturelles wie politisches Wirken als Lehrmeister und Dramatiker als auch in die einstige politische wie gesellschaftliche Situation Russlands gibt. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Text gedruckt und gelesen wird.

Logo_Blogbuster2020

An dieser Stelle darf natürlich ein großes und herzliches Dankeschön an all jene nicht vergessen werden, die mir ihren Text als Leseprobe beziehungsweise als vollständiges Manuskript anvertraut haben. Es ehrt mich sehr. Es ist etwas Besonderes, sein Werk anderen, fremden Augen zu überlassen.  Für mich und meine Kandidatin heißt es nun Warten und Daumendrücken! Ein Interview mit Franziska Gänsler kommt in Kürze.

Siegertitel erscheint zur Frankfurter Buchmesse 2021

Noch neun weitere Blogs nehmen an der aktuellen Ausgabe des Blogbuster-Preises teil, die ich nicht unerwähnt lassen will. Dies sind – verlinkt auf ihren Kandidaten beziehungsweise die Homepage (wird aktualisiert):

Stefan Härtel – „Bookster HRO“

Karolin Hagendorf – „Fiktion fetzt“

Julia Schmitz – „Kulturjournal Fräulein Julia“

Anne Sauer – „fuxbooks“

Marius Müller – „Buch-Haltung“

Andrea Schuster – „Lesen … in vollen Zügen“

Isabella Caldart – „novellieren“

Romy Henze – „Travel without moving“

Sophie Palme – „VerStand. Booktube“

Der Preisträger und damit das Gewinner-Manuskript, das im Eichborn Verlag erscheinen wird. Der Titel wird schließlich als „richtiges Buch“ zur Frankfurter Buchmesse 2021 präsentiert. Wer wohl letztlich das Rennen machen wird? Ich bin sehr gespannt und dankbar, dabei sein zu dürfen.


Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

14 Gedanken zu „Meine Blogbuster-Kandidatin oder Von zwei, die es verdient hätten“

      1. Danke. Schwierig. Da das Buch nur knapp 140 Normseiten hat, bekommt man zwar doch manchmal positive Einschätzungen zurück, was ich bestärkend werte, da ja Verlage und Agenturen bei Absagen meißt gar nichts antworten, aber bei den „Großen“ kriegt man kurzes nur als Berühmtheit oder Nachwuchspreisträger verlegt. Und umfassend passende kleine Verlage auszugucken, die aber trotzdem fähig sind das Buch auch einem Leserkreis zu erschließen, der über meine 100-200 „Fans“ hinaus geht… naja, da müsste ich eigentlich schon wieder wen für einstellen ;)

        Gefällt 3 Personen

      2. Könnte ich.

        Ob das angesichts der Tatsache, dass ich nicht mal weiß, was in dem Zusammenhang „üblich“ bedeutet, eine aus Deiner Sicht gute Idee wäre, lasse ich dann aber mal so dahingestellt. ;-)

        Gefällt 2 Personen

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