Lucia Jay von Seldeneck & Florian Weiß – „Logbuch“

„Es gibt nur noch Segel, Wind und Wellen.“ 

Wer das weite Meer erobern will, braucht Mut – und ein Schiff. Das ist seit Menschengedenken so. Und wer von der Geschichte großer Entdeckungen sowie wagemutiger Reisen erzählen will, kommt an den mal großen mal kleinen Schiffen nicht vorbei. Viele von ihnen haben Geschichte geschrieben und Eingang in das Wissen der Welt gefunden. In ihrem zweiten Gemeinschaftswerk „Logbuch“ versammeln die Autorin Lucia Jay von Seldeneck sowie Illustrator Florian Weiß berühmte und auch weniger bekannte Schiffe – auf besondere Art und Weise.

27 Schiffsporträts

Nach ihrem großartigen, 2017 erschienenen Gesamtkunstwerk „Ich werde über diese Merkwürdigkeit noch etwas drucken lassen“ mit Tiermeldungen aus zwei Jahrtausenden lädt das kreative Duo aus Berlin nun zu einer wundersamen Reise auf die Weltmeere ein. In ihrem neuen Band stellen sie Schiffe vor, die im Laufe der Zeit zu Legenden wurden. Von der biblischen Arche Noah und den ersten Surfbrettern auf Hawaii bis hin zum Fliegenden Holländer und dem Raumschiff „Wostok“, mit dem der Russe Juri Gagarin die Erde umrundete. Mit dabei sind zudem die „Beagle“, auf der Charles Darwin die Grundlage seiner Theorien sammeln konnte, die „Santa Maria“ von Kolumbus sowie das Sklavenschiff Amistad. In der Sammlung aus insgesamt 27 Geschichten finden sich auch die MV Ross Revenge, auf der 1964 der Piratensender „Radio Caroline“ erstmals auf Sendung ging, und die Schiffsmodelle des Bauhauskünstlers Lyonel Feininger.

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Jedes Schiffsporträt nimmt vier Seiten ein. Neben Text und Illustration geben auf einer Seite Daten und Fakten beispielsweise Auskunft zum Typ und Größe – wie bei einem Autokartenspiel zum Sammeln und Tauschen. Jedes Schiff ist dabei anders in seiner Form, seiner Größe und Ausstattung oder in der Art der Materialien, mit dem es gebaut wurde. Den Begriff „Schiff“ sollte man indes nicht allzu eng sehen. Auch von den Booten „Lucia“ auf dem Comer See, benannt nach der Heldin in Alessandro Manzonis Klassiker „Die Brautleute“, wird berichtet.

„Ich kann mich manchmal nicht sattsehen an dieser Welt mit all ihren Wundern, die sich mir in dieser großen Kathedrale des Ozeans offenbaren.“

In den unterhaltsamen wie lehrreichen Texten werden fiktive Geschehnisse und Figuren mit realen Begebenheiten und Personen verbunden und führen in ganz verschiedene Regionen unseres Planeten und Zeiten; sogar in die Zukunft. Oft wird der Frage nachgegangen, wie schaut man von der jüngsten Vergangenheit oder Gegenwart auf die einstigen Ereignisse. Einige der Texte beinhalten Botschaften mit Blick auf die Verantwortung des Menschen, sein Handeln in seiner Umwelt und Umgebung  – damals wie heute. Botschaften, die zum Nachdenken einladen. Die Geschichten können humorvoll, aber auch melancholisch sein. Meist geht es um den Eroberungsgeist, ohne den wohl die Karten unserer Welt noch einige weiße Flecken beinhalten würden, aber auch vom Scheitern wird erzählt. Der Untergang der „Titanic“ 1912 und der „Vasa“ während des Dreißigjährigen Krieges sind Beispiele.

Punktiermaschine selbst gefertigt

Die Illustrationen erstaunen und bannen den Blick des Lesers. Auf ganz spezielle Weise illustrierte Florian Weiß die Texte. Dabei griff er nicht zum Bleistift oder Pinsel. Vielmehr nutzte er eine selbst gefertigte Punktiermaschine, mit der er Punkt für Punkt jedes Bild schuf. Bereits das bezaubernde Kinderbuch „Ringel Seepferdchen“, bei dem der kleine Held auf der Suche nach einer Krone ist und verschiedene Unterwasserbewohner trifft, entstand auf diese Art.

„Logbuch“ ist ein wunderschön gestaltetes Buch, das in das Regal jedes Meeresmenschen wie mich und Schiffsenthusiasten gehört und zugleich ein Geschenk an sich selbst und andere ist, so dass es von Hand zu Hand auf Reise gehen kann und soll – um von der Begeisterung für das Meer und Schiffen zu erzählen.


Lucia Jay von Seldeneck und Florian Weiß: „Logbuch. Schiffe, die Legenden wurden“, erschienen im Kunstanstifter Verlag, mit der Buchgestaltung von Laura Fronterré; 116 Seiten, 24 Euro

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