Frühlingserwachen – Ein Blick in die Vorschauen

Die letzten Tage des Jahres brechen an. Statt eines Rückblicks gibt es an dieser Stelle mal wieder einen Ausblick auf die kommenden Bücher in der ersten Hälfte des Jahres 2022. In den vergangenen Wochen und Tagen habe ich in den Frühjahrsvorschauen – ob digital oder gedruckt – großer und kleiner Verlage geblättert und gelesen. Dabei habe ich mich in diesem Jahr etwas mehr auf die Literatur des Nordens konzentriert. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird mit jeder weiteren Entdeckung – ich bin dankbar für jeden Tipp – ergänzt. 

Norwegen und seine Bücher

2019 war das große Jahr der norwegischen Literatur mit dem faszinierenden Auftritt des Landes auf der Frankfurter Buchmesse. Viele Bücher und Autoren erhielten Aufmerksamkeit. Umso mehr freue ich mich, dass das kommende Halbjahr wieder reichlich Nachschub bietet. Fangen wir mit einer Nobelpreisträgerin an: Der dritte und letzte Teil des Mammutwerkes „Kristin Lavranstochter“ von Sigrid Undset „Das Kreuz“ erscheint (Kröner Verlag, März). Eine Fortsetzung gibt es auch in dem autobiografischen Rückblick des Schriftstellers und Jazz-Pianisten Ketil Bjørnstad „Die Welt, die meine war“. Der dritte Band führt in die 80er-Jahre (Osburg Verlag, März).  Auch in der Heptalogie von Jon Fosse, der in diesem Jahr den renommierten Brage-Prisen erhalten hat, geht es weiter: „Ich ist ein anderer“ (Rowohlt, Januar). Auch Fans von Erik Fosnes Hansen können sich mit „Zum rosa Hahn“ auf einen neuen Roman freuen (Kiepenheuer & Witsch, Juni). Einer meiner Lieblingsautoren ist Jan Kjærstad, dessen Roman „Mr. Woolf“ erscheint (Septime Verlag, März). 

Kaum zu glauben: Karl-Ove Knausgård hat wieder einen dicken Wälzer geschrieben: „Der Morgenstern“ (Luchterhand, April). Mit ihrem Roman „Am Ende der Polarnacht“ führt Heidi Sævareid auf das arktische Archipel Svalbard/Spitzbergen (Insel, Februar). Begeistert war ich von Helga Flatlands Werk „Eine moderne Familie“. Nun erscheint ihr Buch „Zuunterst immer Wolle“ (Weidle Verlag, März). Ganz neu ist für mich der Name Kenneth Moe. Es erscheint sein Roman „Rastlos“ (Residenz, März). Von der Musikerin und Autorin Jenny Hval gibt  es mit dem Roman „Perlenbrauerei“ einen kompromisslosen Blick auf Politik und Sexualität, Begehren und Körper  (März Verlag, Februar). Malin C.M. Rønning erzählt in „Skabelon“ von einem Mädchen im Wald (Karl Rauch Verlag, März). 

Nach Schweden und Dänemark

Die autobiografisch geprägte Kopenhagen-Trilogie mit den Bänden „Kindheit“, „Jugend“ und „Abhängigkeit“ von Tove Ditlevsen war in diesem Jahr wohl die Wiederentdeckung des Jahres. Wiederentdeckt werden kann nun auch ihr Roman „Die Gesichter“ (Aufbau Verlag, Februar). Zu den schillerndsten Gestalten der literarischen Stimmen zählt Madame Nielsen, deren Roman „Lamento“ erscheint (Kiepenheuer & Witsch, April). Die historischen Krimis „1793“ und „1794“ des Schweden Niklas Natt och Dag sind Bestseller. Mit „1795“ gibt es den neuesten Fall von Winge und Cardell, die wieder im Stockholm des 18. Jahrhunderts ermitteln (Piper, Januar). „Unter dem Sturm“ heißt der Nummer-1-Krimi aus Schweden von Christoffer Carlsson (Rowohlt Hundert Augen, Juli). 

In Dänemark gilt „Meter pro Sekunde“ von Stine Pilgaard als einer der erfolgreichsten Romane der vergangenen Jahre. Für ihn wurde die Autorin mit dem Goldenen Lorbeer geehrt (kanon Verlag, Februar). In der Klassiker-Reihe kann „Babettes Gastmahl“ von Tania Blixen in einer Neuausgabe wieder- oder neu entdeckt werden (Manesse Verlag, Februar). Über einen unbekannten Künstler und die Unvorhersehbarkeit von Ruhm und Scheitern schreibt Frederik Sjöberg in „Mama ist verrückt und Papa ist betrunken“ (Hanser, März). Von der preisgekrönten schwedischen Kinderbuch-Autorin Frida Nilsson gibt es „Sommer mit Krähe (und ziemlich vielen Abenteuern)“ (Gerstenberg Verlag, Januar). 

Island und Finnland übernehmen nun

„Nachtdämmern“ heißt ein Gedichtband der Isländerin Steinunn Sigurdardottir (Dörlemann, April). Nach ihrer Dystopie „Blackout“ gibt es von Sigriđur Hagalín Björnsdóttir einen Thriller über Vulkanismus mit dem Titel „Islandfeuer“ (Suhrkamp, Juli). Bergsveinn Birgisson zählt zu den Autoren, die Karl-Ove Knausgård sehr schätzt. Von dem Isländer erscheint der Roman „Antwort auf den Brief von Helga“ (Residenz Verlag, Februar). Einen politischen Thriller hat die Isländerin Lilja Sigurðardóttir mit „Betrug“ geschrieben (Dumont, März).

Mit „Wer ohne Sünde ist“ findet die Rebecka-Martinsson-Reihe von Åsa Larsson ihren Abschluss (C. Bertelsmann, März). Das preisgekrönte Debüt des finnischen Autors Juhani Kurila „Der Fluch des Hechts erzählt von einer tragischen Liebe sowie eine Geschichte über die unberechenbare Macht der Natur (Homunculus Verlag, März). Einen tierischen Titel trägt ebenso der Roman von Mooses Mentula: „Der Schildkrötenpanzer“ (Weidle Verlag, April). 

Und sonst so? 

Vom hohen Norden ist es gar nicht so weit bis nach Belgien und zu den Niederlanden, deren Literatur ich sehr schätze. So freue ich mich auf den neuen Roman von Mathijs Deen „Der Holländer“ (mare Verlag, Februar) sowie auf das neue Werk von Stefan Hertmanns „Der Aufgang“ (Diogenes, April). Für „Wir sind das Licht“ wurde die niederländische Autorin Gerda Blees mit dem Europäischen Literaturpreis geehrt (Zsolnay Verlag, Januar). Das Debüt „Zugvögel“ der australischen Autorin Charlotte McConaghy hat mich sehr beeindruckt. Von ihr erscheint „Wo die Wölfe sind“ (S. Fischer, März). Auch „Speicher 13“ hat mich einst fasziniert. Von Jon McGregor gibt es den neuen Roman „Stürzen Liegen Stehen“ (Liebeskind, Februar). Kennenlernen möchte ich gern aus dem „osteuropäischen Regal“: Andrea Tompa mit „Omertà“ (Suhrkamp, März), Marica Bodrožić mit „Die Arbeit der Vögel“ (Luchterhand, März), Ferenc Barnás mit seinem Roman „Bis ans Ende unserer Leben“ (Schöffling, März) sowie den Erzählband „Schnee im Mai“ von Kseniya Melnik (Nagel & Kimche, März). „Ein schönerer Schluss“ des bereits 2020 verstorbenen bosnischen Autors Bekim Sejranović erzählt von den Erlebnissen eines Landsmanns in Norwegen (Folio Verlag, Februar). Mit „Die Stadt“ erscheint eine Neuausgabe des ukrainischen Klassikers von Walerjan Pidmohylnyj (Guggolz, März). 

Aus Übersee erwarten uns „Die Propheten“ von Robert Jones Jr. (dtv, April), „Das gelbe Haus“ von Sarah M. Broom (Hanser Berlin, April), „Erschütterung“ von Percival Everett (Hanser, Januar), von Dantiel W. Moniz der Erzählband „Milch Blut Hitze“ (C.H. Beck, Januar) und mit „The Narrows“ ein Werk der jüngst wiederentdeckten Autorin Ann Petry (Nagel & Kimche, März). Ebenfalls wieder ins Blickfeld rückte Richard Wright, von ihm erscheint „Der Mann im Untergrund“ (Kein & Aber, Mai). Jackie Polzin nennt ihren Roman ganz schlicht „Brüten“ (dtv, März).  Aus dem deutschsprachigen Raum gibt es den neuen Roman von Nino Haratischwili „Das mangelnde Licht“ (Frankfurter Verlagsanstalt, Februar), den Science-Fiction-Roman „Seltene Erde“ der Physikerin Eva Raisig (Matthes & Seitz, März)  und den  historischen Roman „Die Verschwörung der Krähen“ des Österreichers Markus Gasser (C.H. Beck, Januar) zu entdecken. Auch Willi Achten legt nach mit „Rückkehr“ (Piper, Januar). Tobias Friedrich hat hingegen mit „Der Flussregenpfeifer“ sein Debüt geschrieben (C. Bertelsmann, März). 

Als Krimi-Fan bin ich gespannt auf „Terminus Leipzig“, ein Gemeinschaftsprojekt von Jeromé Leroy und Max Annas (Edition Nautilus, März), auf „Sechszehn Pferde“ von Greg Buchanan (S. Fischer, Februar), den Roman „Amen“ des niederländischen Autors Marcel Möring (Luchterhand, Mai) und „Am roten Strand“, den neuen Band in der Ben-Neven-Reihe von Jan Costin Wagner (Galiani, März). Inspiriert ist der neue Roman von Christoph Poschenrieder „Ein Leben lang“ von einem realen Gerichtsprozess (Diogenes, März). Und aus der Sachbuch-Ecke fielen mir besonders auf: „Papyrus. Die Geschichte der Welt in Büchern“ von Irene Vallejo (Diogenes, April), „1922. Das Wunderjahr der Worte“ von Norbert Hummelt (Luchterhand, Februar), „Seeraum. Ein Inselleben“ von Adam Nicolson (Matthes & Seitz, April) sowie „Das Walmuseum, das Sie nie besuchen werden“ über eine Reise nach Island der Amerikanerin A. Kendra Greene (Liebeskind, Februar) – wo wir damit nun wieder im Norden gelandet sind…

Weitere spannende Einblicke in die Vorschauen gibt es auf den Blogs „Buch-Haltung“, „LiteraturReich“, „Die Buchbloggerin“ und „Elementares Lesen“.


Foto von Patrick Tomasso auf Unsplash

2 Kommentare zu „Frühlingserwachen – Ein Blick in die Vorschauen

Kommentar schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.