Gedanken an Pa

Es ist Sonntag, Totensonntag. In Gedanken gehe ich zum Friedhof in Röderau, öffne das schmiedeeiserne Tor, laufe auf dem Weg zu den Urnengräbern, vorbei an der schmucken Kirche. Ich stehe vor einer roten Granittafel, vor einem Strauß mit Rosen, einem Gesteck, einem kleinen grauen Gedenkstein. Auf der Tafel ist der Name meines Vaters zu lesen. Der Herbst 2012 wird nicht als der goldene mir in Erinnerung bleiben, sondern als jener, in dem mein Vater starb. Mit 64 Jahren. Mein Leben geht weiter, doch vieles ist anders. Allzu gern würde ich den Telefonhörer in die Hand nehmen, ihn anrufen, mit ihm über dies und das reden, über Fußball, das Wetter und ja auch das Auto. Nie mehr wird er mich an der Haustür empfangen, mir Kartoffelpuffer machen, mich ermahnen, dass ich auf mich aufpassen soll. Und nie mehr werde ich ihn ermahnen, doch nicht die Bild-Zeitung zu kaufen.

Vieles erscheint mit seinem Tod banal, sogar jene Dinge des Alltags, die das Leben schön machen: gutes Essen, ein Kinobesuch, die Musik im Radio. Als er im Sterben lag, habe ich kaum Musik gehört, obwohl ich sie doch so liebe. Ich hatte die Gelegenheit, mich von ihm zu verabschieden, nicht in der frühen Stunde des 12. Oktober, als er einschlief, sondern an jenem Tag, an dem ihm bewusst war, dass er nicht mehr viel Lebenszeit hat. Wir sprachen nicht über das Traurige, sondern über die schönen gemeinsamen Erinnerungen: die Reisen nach Norwegen, die Urlaubstouren an die Ostsee. Als ich ihm von meiner jüngsten Reise an die Ostsee erzählte, blickte er stumm zum Fenster, als ob da draußen das Meer wäre. Später weinte ich. Schmerzlicher dann der Abschied mit der Beisetzung. Du hättest Dich gefreut, die gesamte Familie beieinander zu sehen, vor allem Deine Geschwister. Solveig hat mir gesagt, sie hätte dich gern mit nach Norwegen genommen. Du fehlst sehr – mir, Ma, Torsten und all den anderen. Mein Leben geht weiter, auch für Dich. Im Stillen werde ich Dir erzählen, was ich erlebt und gesehen habe. Und ganz sicher bin ich: Du bist immer bei mir.

Foto: Gerd Altmann/pixelio.de

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