Richard Wagamese – „Das weite Herz des Landes“

„Sein Leben war auf die Geschichten verschwommener Geister gebaut.“

Die Gastland-Auftritte auf den Buchmessen Frankfurt und Leipzig ermöglichen es uns, in die Literatur eines Landes einzutauchen, bekannte wie unbekannte Autoren und ihre Werke kennen- und schätzen zu lernen. Das nordamerikanische Land Kanada wird coronabedingt nach der diesjährigen Frankfurter Online-Ausgabe im kommenden Jahr in der Main-Metropole erneut im Mittelpunkt stehen; hoffentlich in voller Präsenz mit vielen Gästen. Wer an Kanada, den zweitgrößten Staat der Erde, denkt, wird wohl atemberaubende Landschaften und menschenleere Wildnis vor Augen haben, die auch die Kulisse des großen Romans „Das weite Herz des Landes“ des Kanadiers Richard Wagemese bilden. Richard Wagamese – „Das weite Herz des Landes“ weiterlesen

Zora del Buono – „Die Marschallin“

„Zora hätte man in die Reihe der Männer stellen können, als ihr Anführer, Dirigent, Marschall, Patriarch: Alles hätte gepasst.“

Überzeugte Kommunistin, Anhängerin Titos und Unterstützerin der Partisanen-Bewegung, Frau eines weltberühmten Radiologen und dreifache Mutter: Das Leben von Zora Del Buono, geboren in Slowenien, war ein wechselvolles, ein von der Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägtes, sie selbst eine schillernde Person. In ihrem meisterhaften Roman „Die Marschallin“ erzählt ihre Enkelin Zora del Buono über ihre Großmutter und die Familie, über große Politik und das Grauen der Kriege sowie private Schicksale. Zora del Buono – „Die Marschallin“ weiterlesen

Sorj Chalandon – „Wilde Freude“

„Wir haben sie aufgelesen, ein Vögelchen, das aus dem Nest gefallen war.“

Krebs ist tückisch, unerbittlich. Er schlägt zu, wenn du es am wenigsten ahnst, er fällt dir unbarmherzig in den Rücken, wenn du aufstehen willst. Wer mit dieser furchtbaren Krankheit schon in Berührung gekommen ist, auch einen geliebten Menschen verloren hat, wird die schrecklichen und herzzerreißenden Auswirkungen sowohl auf den Erkrankten als auch dessen Angehörige, Familie wie Freunde, kennen. Dem Franzosen Sorj Chalandon und seiner Frau ereilte die Hiobsbotschaft, daran erkrankt sein, vor wenigen Jahren. Diese auch persönliche Beziehung und die eigenen Erfahrungen sind seinem neuesten Roman „Wilde Freude“ deutlich anzumerken. Sorj Chalandon – „Wilde Freude“ weiterlesen

Backlist #17 – Elizabeth Strout „Mit Blick aufs Meer“

„Ein Rätsel, diese Welt. Noch war sie nicht fertig mit ihr.“

Es gibt Bücher, die haben etwas an sich, das sich schwer beschreiben lässt. Häufig genutzte Wörter wie „berührend“ oder „wunderbar“ erfassen nicht die ganze Faszination des Lesers für ein solches Werk. Der Roman „Mit Blick aufs Meer“, für den die Amerikanerin Elizabeth Strout bereits 2009 den renommierten Pulitzer-Preis erhalten hat und den sie mit ihrem Werk „Die langen Abende“, kürzlich in deutscher Übersetzung erschienen, weiterführt, ist solch ein Werk.

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Andri Snær Magnason – „Wasser und Zeit“

„Das menschengemachte Feuer ist fast zweihundertmal größer als die gesamte vulkanische Tätigkeit auf der Erde.“ 

Island ist bekannt durch seine Geysire und Vulkane, seine bizarren Landschaften und seine besondere Tierwelt.  Doch wie wird die Insel, dieses faszinierende Naturparadies im Norden Europas, in 100 Jahren ausschauen? Denn die Welt ist durch den Menschen im Wandel. Bereits 2014 verlor Island wegen der Erderwärmung den Gletscher Okjökull, der 2019 offiziell für tot erklärt wurde. Nur noch eine Gedenktafel und vergangene Nachrichten erinnern an ihn. Oder Fotos wie jene aus einer vergangenen Zeit im Buch des Isländers Andri Snær Magnason „Wasser und Zeit. Eine Geschichte unserer Zukunft“, in dem er erzählt, was war und was kommen könnte. Andri Snær Magnason – „Wasser und Zeit“ weiterlesen

Regina Nössler – „Die Putzhilfe“

„Die alte und die neue Arbeit. Von der geistigen Elite zum Putzen.“

Es ist ein Mittwochabend im November. Sie packt drei Koffer, schließt die Tür hinter sich zu, fährt mit dem Bus zum Bahnhof und steigt in den Zug nach Berlin. Franziska Oswald verlässt das Haus, die Stadt, ihren Mann. Ohne eine einzige Nachricht zu hinterlassen. Aus der Wissenschaftlerin mit einer vielversprechenden Zukunft wird eine Putzhilfe, die ihr Leben hinter sich lässt, den schicken Hosenanzug gegen robuste Kleidung tauscht und ein dunkles Geheimnis verbergen muss. Doch damit ist sie im preisgekrönten Thriller von Regina Nössler nicht allein. Denn nichts ist, wie es scheint, bis ein furioser Showdown alles für den faszinierten Leser aufklärt und die Teile der ganzen Story zusammenführt. Regina Nössler – „Die Putzhilfe“ weiterlesen

Nuruddin Farah – „Im Norden der Dämmerung“

„Es gibt Augenblicke im Leben, wenn sich alles, was man für einen Sieg hält, in der Praxis als Niederlage erweist.“ 

Es sind schon viele Jahren vergangen, als Mugdi und seine Frau Gacalo ihre Heimat Somalia verlassen haben. Mittlerweile lebt der frühere Botschafter mit seiner Frau in Oslo. Das Ehepaar hat sich integriert, die Sprache gelernt, Freunde gefunden. Er übersetzt norwegische Bücher ins Englische, sie arbeitet im Staatsdienst. Trotz des guten und sicheren Lebens in Norwegen zog es ihren Sohn Dhaqaneh indes wieder nach Afrika zurück, wo er sich einer islamistischen Terrorgruppe anschloss und bei einem Selbstmordattentat ums Leben kam. Gacalo lässt nichts unversucht, die Schwiegertochter Waliya mit ihren Kindern nach Oslo zu holen – gegen den Willen ihres Mannes. Mit „Im Norden der Dämmerung“ hat der somalische Autor Nuruddin Farah einen eindrücklichen Roman geschrieben, der sich den noch immer und weiterhin aktuellen Themen Extremismus und Integration annimmt. Nuruddin Farah – „Im Norden der Dämmerung“ weiterlesen

Ulrike Draesner – „Schwitters“

„Es gibt keinen Ort, der ein Zuhause ist. Man musste ein Zuhause immer erfinden.“

Wenn die Heimat das eigene Leben bedroht, wird die fremde Ferne zum rettenden Land. Doch Kurt will nicht gehen. Hier sind seine Heimat, seine Frau, seine Kunst. Doch sie reden auf ihn ein: Freunde, Kollegen, sogar Helma. In den ersten Tagen des Jahres 1937 setzt er seinen Zweifeln ein Ende. Der Mann, der Künstler, verlässt Frau und Haus und reist dem Sohn Ernst gen Norden hinterher. Es sollte eine Reise ohne Wiederkehr werden. Ulrike Draesner widmet sich in ihrem meisterhaften Roman Kurt Schwitters (1887 – 1948), dem eigenwilligen Künstler der Moderne und Mitbegründer der internationalen Dada-Bewegung, sowie seinen letzten elf Lebensjahren. Ein Buch, das weit mehr erzählt als von einem berühmten Mann, der die Kunst zur Lebensform erhoben hat.

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Joachim B. Schmidt – „Kalmann“

„Unter einem Eisbären ist es dunkel. Und es ist still.“ 

Kalmann trägt Cowboy-Hut, Sheriffstern und eine Pistole – und das im tiefsten Island, das zu den am dünnbesiedelsten Regionen auf der Welt zählt und trotz der allseits beliebten Kriminal-Literatur eine Kriminalitätsrate hat, über die sich andere Länder wohl freuen würden. Doch auch ein kleiner Ort wie Raufarhöfn braucht seinen Helden, einen Beschützer. Selbst wenn er nicht zu den hellsten Köpfen gehört und eher Grönland-Haie jagt als Verbrecher. In seinem neuesten Werk erzählt der Schweizer und auf Island lebende Schriftsteller Joachim B. Schmidt mit Humor, aber auch Melancholie von einem Außenseiter, der über seine Fähigkeiten hinauswächst und ungewollt viel Aufmerksamkeit erhält. Joachim B. Schmidt – „Kalmann“ weiterlesen

Garrett M. Graff – „Und auf einmal diese Stille“

„Aber das hier war jenseits von allem, was man sich überhaupt vorstellen konnte.“

Jeder weiß, was er an diesem Tag gemacht hat, wo er gewesen ist. Der 11. September 2001 hat sich mit seinen schockierenden Ereignissen und Bildern in das Weltgedächtnis gebrannt. Rund 3.000 Menschen starben bei vier Flugzeugentführungen. Drei Maschinen flogen in das World Trade Center (WTC) in New York sowie in das Pentagon, den Hauptsitz des amerikanischen Verteidigungsministeriums in Washington, ein entführtes Flugzeug stürzte in Shanksville (Pennsylvania) nach dem Aufstand von Passagieren ab. Die Bilder der Terroranschläge, die kurz als Nine Eleven bezeichnet werden, gingen um die Welt, vor allem die der brennenden und einstürzenden Doppel-Türme des WTC. In seinem Band „Und auf einmal diese Stille“ vereint der amerikanische Journalist und Autor Garrett M. Graff mehrere Hundert Stimmen zu einer beeindruckenden Oral History dieses bedeutsamen Tages. Garrett M. Graff – „Und auf einmal diese Stille“ weiterlesen

Lucia Jay von Seldeneck & Florian Weiß – „Logbuch“

„Es gibt nur noch Segel, Wind und Wellen.“ 

Wer das weite Meer erobern will, braucht Mut – und ein Schiff. Das ist seit Menschengedenken so. Und wer von der Geschichte großer Entdeckungen sowie wagemutiger Reisen erzählen will, kommt an den mal großen mal kleinen Schiffen nicht vorbei. Viele von ihnen haben Geschichte geschrieben und Eingang in das Wissen der Welt gefunden. In ihrem zweiten Gemeinschaftswerk „Logbuch“ versammeln die Autorin Lucia Jay von Seldeneck sowie Illustrator Florian Weiß berühmte und auch weniger bekannte Schiffe – auf besondere Art und Weise. Lucia Jay von Seldeneck & Florian Weiß – „Logbuch“ weiterlesen