Lene Therese Teigen – „Schatten der Erinnerung“

„Ich selbst bin es, der ich in deinem Schrei begegne.“

1905 entstanden, zeigt ein Öl-Gemälde den berühmten Künstler als Selbstporträt und seine Geliebte an seiner Seite. Längst war da die wechselvolle Beziehung in die Brüche gegangen. Gut drei Jahren waren Edvard Munch (1863 – 1944) und Mathilde „Tulla“ Larsen (1869 – 1942), die Frau mit den roten Haaren, ein Paar. Doch die Dominanz Munchs, der körperlich wie seelisch angeschlagen war und unter erheblichen Selbstzweifeln leidete, brachte auch Tulla Larsen an den Rand der Verzweiflung. Die norwegische Autorin, Dramatikerin und Regisseurin Lene Therese Teigen hat sich intensiv mit beiden und deren Beziehung beschäftigt. Entstanden ist ein faszinierender wie erhellender Roman, der nicht nur den Fokus auf die Sicht der Frau auf diese schwierige Partnerschaft lenkt, sondern auch von der fehlenden Anerkennung von Künstlerinnen in dieser Zeit erzählt.

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Constantin Schwab – „Das Journal der Valerie Vogler“

„Kunst kennt keinen Kompromiss.“ 

Wir nennen sie Spitzbergen, die Norweger Svalbard. Die Inselgruppe im Nordatlantik und im Arktischen Ozean ist sowohl Raum für Forscher als auch zunehmend Ziel von kälteaffinen Reisenden. Hier lässt sich staunen über das schillernde Nordlicht und zottelige Eisbären. In die Literatur hat Spitzbergen als Schauplatz hingegen noch wenig Eingang gefunden. Der Österreicher Constantin Schwab verlegt nun die Handlung seines Debütromans nach Spitzbergen, der von einem geheimnisumwobenen Künstlerkollektiv erzählt, das zum ersten Mal eine Außenstehende zu sich einlädt. „Constantin Schwab – „Das Journal der Valerie Vogler““ weiterlesen

Lukas Hartmann – „Schattentanz“

„Es ist meine Art. Ich bin kein Sonnenwesen.“

Er starb arm und vereinsamt. Verkannt von der Welt. In einem Altersheim für Bedürftige in Ballaigues verbrachte der Schweizer Künstler Louis Soutter (1871 – 1942) fast 20 Jahre seines Lebens – von der Familie als ungeliebtes und unverstandenes Mitglied abgeladen, ja regelrecht verbannt. Erst nach seinem Tod wird seinem Werk die verdiente Aufmerksamkeit und Würdigung geschenkt. Heute zählt Soutter zu den wichtigsten Vertretern der Art brut. Hermann Hesse widmete dem Künstler ein Gedicht, über dessen Leben und Schaffen Lukas Hartmann in seinem jüngsten Roman „Schattentanz“ auf eine informative, aber auch berührende Art und Weise erzählt.

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Sien Volders – „Norden“

„Der Norden ist verflucht verführerisch.“

Wodurch erhält ein Ort eine besondere Anziehungskraft, die ganz verschiedene Menschen nahezu magisch in den Bann zieht? Forty Mile ist solch ein Ort. Das einstige Goldgräberstädtchen inmitten einer imposanten Landschaft hoch im Norden Kanadas hat zwar schon bessere Zeiten erlebt, doch noch immer ist eine Reihe eigenwilliger Männer und Frauen gewillt, in diesem verlassenen Kaff zu leben. Über diese besonderen Menschen an jenem besonderen Ort erzählt die belgische Autorin Sien Volders in ihrem Debütroman „Norden“.

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Maria Popova – „Findungen“

„Doch es gibt Menschen, die unsere Schubladen sprengen (…).“

Was macht nur dieses Buch mit mir. Ich bemerke, wie ich ein buntes Fähnchen nach dem anderen an die Seitenränder des Bandes klebe. Auf diese Weise markiere ich kluge Gedanken und Zitate, um sie später schnell zu finden. Mit der Zeit hat der sonst weiße Schnitt blaue, grüne und orangefarbene Flecken. Für die Lektüre des zugleich umfangreichen Bandes „Findungen“ von Maria Popova ist ein Vorrat an solchen bunten Klebezetteln überaus praktisch, ja notwendig. Denn dieses wundersame Buch ist voller kluger Gedanken.

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Ulrike Draesner – „Schwitters“

„Es gibt keinen Ort, der ein Zuhause ist. Man musste ein Zuhause immer erfinden.“

Wenn die Heimat das eigene Leben bedroht, wird die fremde Ferne zum rettenden Land. Doch Kurt will nicht gehen. Hier sind seine Heimat, seine Frau, seine Kunst. Doch sie reden auf ihn ein: Freunde, Kollegen, sogar Helma. In den ersten Tagen des Jahres 1937 setzt er seinen Zweifeln ein Ende. Der Mann, der Künstler, verlässt Frau und Haus und reist dem Sohn Ernst gen Norden hinterher. Es sollte eine Reise ohne Wiederkehr werden. Ulrike Draesner widmet sich in ihrem meisterhaften Roman Kurt Schwitters (1887 – 1948), dem eigenwilligen Künstler der Moderne und Mitbegründer der internationalen Dada-Bewegung, sowie seinen letzten elf Lebensjahren. Ein Buch, das weit mehr erzählt als von einem berühmten Mann, der die Kunst zur Lebensform erhoben hat.

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Julia Voss – „Hilma af Klint“

„Vergiss nie, dass du bestimmt bist für das Werk der Zukunft.“ 

Zu Lebzeiten verkannt, ignoriert und belächelt, erhält die schwedische Künstlerin Hilma af Klint (1862 – 1944) erst mehr als sieben Jahrzehnte nach ihrem Tod die respektvolle Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihr Leben und Schaffen verdienen. Nach einer Ausstellung mit ihren Werken im New Yorker Guggenheim-Museum 2018 setzte ihre Wiederentdeckung ein. 1.300 Gemälde, Skizzen und Aquarelle, 26.000 Seiten an Notizen hat sie hinterlassen. Ein reiches Œuvre, das in einem wechselvollen Leben entstanden ist und dem sich die Journalistin und Autorin Julia Voss in einer meisterhaften und akribisch recherchierten Biografie widmet, die viel erzählt über eine bemerkenswerte Künstlerin und die Zeit, in der sie lebte. „Julia Voss – „Hilma af Klint““ weiterlesen

Øistein Borge – „Kreuzschnitt“

„Wieso sollten auch Werke von einigen der anerkanntesten Künstlern Europas an der Wand dieses unansehnlichen Bauernhauses hängen?“

Geld schützt nicht vor Mord. Der Immobilienmogul Axel Krogh, einer der reichsten Männer Norwegens, wird in seiner Villa an der Côte d’Azur tot aufgefunden. Sein Leichnam wurde geschändet, im Rücken des bereits betagten Mannes hat der Mörder ein blutiges Kreuz hinterlassen. Kroghs Tochter Ella und Erik Jacobsen, Konzernchef der Krogh-Gruppe, finden den Toten und entdecken, dass auch ein Gemälde eines unbekannten Künstlers aus dem Anwesen gestohlen wurde. Der Osloer Kommissar Bogart Bull wird für die Ermittlungen nach Frankreich entsendet, wo er auf ein dunkles Geheimnis der Familie stößt und dass der Maler des Bildes nicht wirklich unbekannt ist. „Øistein Borge – „Kreuzschnitt““ weiterlesen

Johan Harstad „Max, Mischa & die Tet-Offensive“

„Und wer waren wir geworden? Erinnerten wir uns überhaupt noch an uns selbst? Und wenn ja, wie lange noch?“ 

Schon als ich die norwegische Originalausgabe während einer der früheren Frankfurter Buchmessen in der Hand gehalten habe, war da dieses Gefühl, ein besonderes Buch vor sich zu haben. Dieser Name, dieses Gewicht, dieser Umfang… Sechs Jahre hat der Norweger Johan Harstad an seinem bereits 2015 in seinem Heimatland erschienenen Roman mit dem ungewöhnlichen Titel „Max, Mischa & die Tet-Offensive“ geschrieben. „Johan Harstad „Max, Mischa & die Tet-Offensive““ weiterlesen

Tom Rachman „Die Gesichter“

„Ein Künstler, Charlie, sieht die Welt anders als normale Menschen (…).“

Der Vater – ein berühmter und gefeierter Künstler, die Mutter – nicht minder begabt, aber erfolglos. Mittendrin – der Sohn. Charles, von allen meist nur Pinch genannt, steht zwischen beiden, blickt zu seinem Vater hinauf, während er seiner Mutter, die ihm die meiste Liebe gibt, weitaus weniger Beachtung schenkt. Tom Rachman hat mit seinem neuen Roman „Die Gesichter“ ein bewegendes und kluges Buch geschrieben, in dem jeder Leser seine Geschichte findet und eine besondere Seite mögen wird.

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