Backlist #3 – Per Petterson „Nicht mit mir“

„Es war allerhand passiert. Die Zeit war passiert.“

Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, wird von meiner Leidenschaft für die skandinavische, speziell für die norwegische Literatur wissen. Wie Lars Saabye Christensen, Tomas Espedal oder Jan Kjærstad verfolgt mich auch sein Name und seine Bücher schon seit einigen Jahren: Die Rede ist von Per Petterson. „Pferde stehlen“ war der Roman, mit dem ich auf Petterson aufmerksam wurde. Vor einiger Zeit las ich „Ist schon in Ordnung“ und besprach es auch hier. Für die Reihe „Backlist“ griff ich kürzlich zu seinem jüngsten Werk mit dem Titel „Nicht mit mir“, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – um neugierig auf die norwegische Literatur zu machen und um angesichts der Schnelllebigkeit der Buch-Branche an ein vor wenigen Jahren erschienenes Buch zu erinnern, das es wert ist, jederzeit gelesen zu werden.    Backlist #3 – Per Petterson „Nicht mit mir“ weiterlesen

Flucht – Mooses Mentula „Nordlicht – Südlicht“

Es gibt Regionen und Völker auf der Welt, die finden sich nur in einer überschaubaren Anzahl an Romanen wieder. Der äußerste Norden Nordeuropas und das Leben der Samen zählen zweifellos zu den nahezu weißen Flecken auf der literarischen Landkarte beziehungsweise zu den eher „exotischen Protagonisten“. Der finnische Lehrer und Autor Mooses Mentula entführt in seinem Debütroman „Nordlicht – Südlicht“ den Leser nach Lappland, wo das Leben von Traditionen und Konflikten bestimmt wird. Flucht – Mooses Mentula „Nordlicht – Südlicht“ weiterlesen

Abschied – Milena Busquets „Auch das wird vergehen“

„Ich glaube, dass wir ein paar Dinge für immer verlieren. Ich glaube, sogar, dass wir mehr das sind, was wir verloren haben, als das, was wir besitzen.“

Nahezu jeder spürt die Furcht vor dem eigenen Tod sowie dem  Verlust eines geliebten Menschen. Wie wir mit dem unwiederbringlichen Ende umgehen, wird verschieden sein. Manchmal weigern wir uns, uns der Trauer zu stellen. Bis auch sie sich einstellt. Wenige Wochen nach dem Tod ihrer Mutter ist Blanca hin und hergerissen. Auf der einen Seite fühlt sie den Schmerz, auf der anderen Seite ist da das pure Leben mit Freundinnen, Männern und den beiden Söhnen. Der Sommersitz der Familie in dem beschaulichen Fischerdorf Cadaqués an der spanischen Mittelmeer-Küste verspricht Rückzug und Ablenkung zugleich.  Abschied – Milena Busquets „Auch das wird vergehen“ weiterlesen

Lebenslügen – Richard Yates „Cold Spring Harbor“

„In der Realität konnte einen alles auf Schritt und Tritt daran erinnern, dass das eigene Leben verknäuelt und gefährlich unvollständig war.“

Was haben wir nicht alle für Lebenspläne. Eine Weltumsegelung, den Doktor-Titel, Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen. Wir machen Ideen für unser Dasein auf Erden, als ob sie wie auf einer Liste nur nach und nach abgehakt werden müssen. Wir ahnen nicht, dass wir auf Hindernisse stoßen könnten, zu denen das Leben selbst gehört. In seinem Roman „Cold Spring Harbor“ erzählt der Amerikaner Richard Yates von Menschen, die Großes wollen, aber schlichtweg im Alltag versumpfen. Lebenslügen – Richard Yates „Cold Spring Harbor“ weiterlesen

Liebesleid – Tomas Espedal „Wider die Natur“

„Unsere Kinder nicht, unsere Eltern nicht, unsere eigene Geschichte nicht, auch unsere Kindheit und Jugend nicht oder unsere Freunde und Freundinnen, die Liebsten nicht; nichts gehört uns.“

Die Liebe lässt sich nicht anhand des Faktors Zeit bemessen. Eine kurze intensive Partnerschaft kann deutlichere Spuren im Inneren hinterlassen als eine Beziehung, die über Jahre und Jahrzehnte andauert. Doch was schmerzt mehr – die Entscheidung des Einen, dass eine Partnerschaft gescheitert ist, oder die Überraschung des Anderen, der danach plötzlich verlassen wird? Tomas, ein Schriftsteller, zählt zu jenen, die zurückgelassen werden. Seine Freundin verabschiedet sich, verlässt die gemeinsame Wohnung. Daraufhin zieht er sich zurück, findet im Alkohol und im Schreiben seinen Trost. In seinen Notizbüchern schreibt er seinen Schmerz nieder. Tomas ist dabei kein fiktiver Unbekannter. Tomas ist Tomas Espedal, der norwegische Schriftsteller und Freund des etwas bekannteren norwegischen Autors Karl-Ove Knausgård, was seinem Roman „Wider die Natur“ auch anzumerken ist. Liebesleid – Tomas Espedal „Wider die Natur“ weiterlesen

Ein Paar auf Augenhöhe – Ingeborg Gleichauf "Ingeborg Bachmann und Max Frisch"

„Beide inszenieren sich in verschiedenen Rollen hinein, sind ihre eigenen Regisseure in selbst erfundenen Stücken, die sich schließlich als erschütternd real enthüllen.“

Sie war die dichtende Diva, von einer geheimnisvollen Aura und unzähligen Bewunderern umgeben, er der berühmte Schriftsteller, der sich eher in einer familiären Bürgerlichkeit wohlfühlte. Zusammen galten Ingeborg Bachmann (1926-1973) und Max Frisch (1911-1991) als das Traumpaar der deutschsprachigen Literaturszene. Obwohl von ihrer gemeinsamen Zeit nicht ein Foto existieren soll. Diesem besonderen Kapitel im Leben beider und nicht minder der deutschen Literaturgeschichte widmet sich die Germanistin Ingeborg Gleichauf in ihrem Band, der als Titel den Namen beider berühmter Autoren und die Unterzeile „Eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit“ trägt. Die Autorin ist sehr vertraut mit dem Leben und Schaffen beider Schriftsteller. Gleichauf promovierte über Ingeborg Bachmann, verfasste eine Biografie über Max Frisch. Und dieses umfangreiche Wissen trägt auch dazu bei, dass ihr neuestes Werk herausragend ist.  Ein Paar auf Augenhöhe – Ingeborg Gleichauf "Ingeborg Bachmann und Max Frisch" weiterlesen