Iwan Heilbut – „Zugvögel“

„Werden wir jemals wieder ins Helle kommen?“

Ende Dezember 1940 geht der Autor Iwan Heilbut mit seiner Frau Charlotte und seinem kleinen Sohn Francis in Lissabon an Bord des Schiffes „Serpa Pinto“. Wie viele der Passagiere flüchtet er als Jude vor Krieg und Verfolgung. Am 9. Januar 1941 erreicht er in New York das rettende Ufer. Nach Jahren des Exils und des Lagerlebens. Seine traumatischen Erfahrungen hat er in seinem Roman „Zugvögel“ verarbeitet, das nun nach seiner Wiederentdeckung erstmals in einer deutschen Ausgabe gelesen werden kann.

„Iwan Heilbut – „Zugvögel““ weiterlesen

Jardine Libaire – „Dein Herz, ein wildes Tier“

„Dass die Raubkatze so knuffige Kuschelohren hatte, schien irgendwie das Allertraurigste an der ganzen Sache zu sein.“

Sie sind ein zusammengewürfelter Haufen windiger Kleinkrimineller, aber auch gescheiterter Existenzen. Eine unfreiwillige Katastrophe sprengt sie auseinander. Im Camp des Drogenbosses Tim in Oklahoma fliegt die Meth-Küche in die Luft. Vier von ihnen, Ernie, Coral, Ray und Staci, rettet der Zufall. Sie waren in der Stadt, um Drogengeld zu holen. Bei der Rückkehr sehen sie, wie das Lager in Flammen aufgeht. Sie fliehen samt der Moneten zusammen nach Texas. In ihrem Roman „Dein Herz, ein wildes Tier“ erzählt die US-Amerikanerin Jardine Libaire von einer besonderen Gemeinschaft.

„Jardine Libaire – „Dein Herz, ein wildes Tier““ weiterlesen

Octavia E. Butler – „Die Parabel vom Sämann“

„Die Erde ist in furchtbarer Verfassung.“

Das Jahr 2024 liegt hinter uns. Mit all den dunklen und dramatischen Nachrichten und Entwicklungen, die Sorgen bereiten. Vor etwas mehr als drei Jahrzehnten erschien in den USA ein Roman, der einen Blick in die Zukunft, eben in das Jahr 2024, wirft. „Die Parabel vom Sämann“ von der US-amerikanischen Autorin Octavia E. Butler (1947-2006) ist eine beklemmende Dystopie, aus der so einiges mittlerweile Wirklichkeit wurde. Im Netz geht die Wendung „Octavia knew“ (übersetzt: „Octavia wusste“) viral. Der Titel zählt zu einer Reihe Klassikern wie Ray Bradbury, Margaret Atwood und George Orwell, deren Verkaufszahlen in den vergangenen Monaten sprunghaft gestiegen sind.

„Octavia E. Butler – „Die Parabel vom Sämann““ weiterlesen

Ivy Pochoda – „Sing mir vom Tod“

„Wir sind nichts als unsere Narben.“

Nicht jede düstere Story muss in der Dunkelheit beginnen. Aber sie kann. Ein Frauengefängnis ist bekanntlich kein Ort der Freude und Harmonie. Hier herrscht das Recht der Stärkeren, der immergleiche Alltag. Gewalt, Drogen und Missbrauch sind an der Tagesordnung. Auch die Aufseher mischen mit oder schauen weg, wenn es brenzlig wird. Wir sind zu Beginn in Arizona – hinter Gittern. Florence „Florida“ Baum und Diosmary „Dios“ Sandoval verbüßen ihre Haft für unterschiedliche Delikte, beide waren einige Zeit Zellengenossinnen.

„Ivy Pochoda – „Sing mir vom Tod““ weiterlesen

Anne Reinecke – „Hinter den Mauern der Ozean“

„Die fünf, das sind wir. Aber wer hat uns Rettung gewährt? Wir selbst? Die Fremden? Wir wissen so wenig.“

Irgendwann in Berlin. Eine unüberwindliche Doppel-Mauer umringt den Stadtkern, dahinter erstreckt sich das weite Meer. Berlin – eine Insel. Vieles ist zerstört, einige Gegenden gelten als ungesichert. In der einstigen Millionen-Metropole leben nur noch eine Handvoll Menschen. Auserwählte, die sogenannten Ewigen, die zu unterschiedlichen Zeiten als Kinder in die Stadt gebracht worden sind. Darunter Lola, die die Geschichte der Fünf erzählt, die nicht viel wissen über ihre Herkunft.

„Anne Reinecke – „Hinter den Mauern der Ozean““ weiterlesen

Uwe Wittstock – „Marseille 1940“

„Der europäische Kontinent ist wohl verloren.“

Wer das Viertel rund um den Potsdamer Platz in Berlin aufmerksam erkundet, wird womöglich ein Straßenschild länger in Augenschein nehmen, das auf den amerikanischen Journalisten Varian Fry (1907-1967) hinweist. Fry war Fluchthelfer und Initiator eines Netzwerkes, das mit Sitz in Marseille während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung Frankreichs Hunderte Menschen vor Verfolgung und Tod bewahrt hat. Uwe Wittstock erzählt in seinem großartigen Band „Marseille 1940“ dessen Geschichte und die vieler anderer.

„Uwe Wittstock – „Marseille 1940““ weiterlesen