Backlist #22 Paul Lynch – „Das Lied des Propheten“

„Das Gefühl jetzt, dass sie in einem anderen Land lebt, das Gefühl, dass sich ein Chaos auftut, das sie alle in sein Maul ruft.“

Manche Bücher brauchen ihre Zeit, den richtigen Moment. Kaum etwas anderes ist geduldiger. Lange hat Paul Lynchs preisgekrönter Roman „Das Lied des Propheten“ ungelesen auf einem der unzähligen Stapel in meinem Zuhause gelegen. Irgendwie tauchte eine Empfehlung des Romans in meinem Insta-Feed auf. Nichts ist mittlerweile zufälliger als ein solcher Post. Es war rund um die Landtagswahlen hier in Sachsen-Anhalt.

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Backlist #21 Anne Berest – „Die Postkarte“

„Die Geister waren keine namenlosen Wesen mehr, keine Zahlen in irgendwelchen Geschichtsbüchern.“

Manchmal gibt es Zeiten, in denen besondere Erfahrungen aufeinandertreffen, die reale Erlebnisse mit Literatur und deren Lektüre verknüpfen. Es ist der 28. März, als ich mit mehr als 30 Schülern kurz vor 3 Uhr in Naumburg einen Bus besteige, der acht Stunden später und nach mehr als 700 Kilometern die südpolnische Stadt Oświęcim erreicht. Auschwitz – das ist der Ort, der heute als Symbol des Holocaust und für eine beispiellose Auslöschung von Leben gilt, der 1942 auch Ephraim und Emma Rabinovitch sowie ihre beiden Kinder Noémie und Jacques, 19 und 17 Jahre alt, zum Opfer fallen. Drei von ihnen starben in der Gaskammer, Noémie überlebte eine Typhus-Erkrankung nicht.

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Backlist #20 Gaito Gasdanow – „Nächtliche Wege“

„Platon, das ist unerträglich.“

Nicht nur Debüts und Neuerscheinungen bekannter Autoren sorgen Jahr für Jahr für gespannte Aufregung. Erwartungsvoll schaue ich immer wieder in die Vorschauen mit der Hoffnung auf Wiederentdeckungen. Welche Schätze in den vergangenen Jahren gehoben werden konnten und welche Folgen sie auf den Buchmarkt haben, wären wohl ein interessantes Thema für eine wissenschaftliche Arbeit; wenn es sie vielleicht nicht schon gibt. 2012 trat ein Autor ins Rampenlicht, dessen Werke nach und nach wieder ins Bewusstsein gebracht worden sind: der russische Schriftsteller Gaito Gasdanow (1903-1971), der den neuerlichen Ruhm und die breite Rezeption, die bis heute anhält allerdings nicht mehr erleben durfte.

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Thomas Savage – „Die Gewalt der Hunde“

„Verdammt, es ist ja auch der wilde Westen.“ 

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Schriftsteller in den vergangenen Jahren aus den Tiefen des Vergessens gehoben und wiederentdeckt worden sind; sowohl europäische als auch amerikanische. Man denke an die Dänin Tove Ditlevsen oder die US-Amerikaner John Williams und James Baldwin. Ein Autor, der da unbedingt eingereiht werden kann und sollte, ist Thomas Savage (1915 – 2003). Mit der Verfilmung seines Romans „Die Gewalt der Hunde“ aus dem Jahr 1967 unter dem Titel „The Power Of The Dog“ und mit der deutschen Erstausgabe wird an ein Meisterwerk erinnert, dessen Lektüre unbedingt lohnt – nicht nur für Western-Fans.

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Backlist #19 Niccolò Ammaniti – „Ich habe keine Angst“

„Papa war der schwarze Mann.“

Es ist Sommer. Eine scheinbar sorgenlose Zeit. Eine drückende Hitze und Trockenheit schweben über dem kleinen süditalienischen Dorf Acqua Travese. Aller zwei Wochen kommt der Tankwagen in den Ort, um Wasser zu bringen. Mit weiteren Kindern und seiner kleinen Schwester Maria streift der neunjährige Michele durch die Gegend. Bei einem ihrer Ausflüge erreichen die Kinder ein verlassenes und verfallenes Haus. Dort macht der Junge eine schauerliche Entdeckung, die sein Leben verändern soll. In seinem 2001 erschienenen Roman „Ich habe keine Angst“ („Io non ho paura“) blickt der preisgekrönte italienische Schriftsteller Niccoló Ammaniti in die Abgründe der menschlichen Seele, erzählt aber auch von Freundschaft und Loyalität. „Backlist #19 Niccolò Ammaniti – „Ich habe keine Angst““ weiterlesen →

Backlist #19 – Tomas Bannerhed „Die Raben“

„Hier sein. Gehen, sehen, fühlen, lauschen.“

Die Literatur Skandinaviens verbinde ich sehr oft mit eindrücklichen Naturbeschreibungen. Schließlich haben die nordischen Länder beeindruckende Landschaften zu bieten. Und die  Literatur dieser Regionen verbindet noch eine weitere nicht minder markante Eigenschaft: Sie gilt oft als düster, melancholisch. Beide Seiten verbindet auch der Schwede Tomas Bannerhed in seinem preisgekrönten Debüt „Die Raben“. Der Roman führt in die 70er-Jahre und erzählt die Geschichte von Klas, einem elfjährigen Jungen, der mit seinen Eltern und dem jüngeren Bruder Goran auf einem Hof lebt, der durch verschiedene Umstände in seiner Existenz bedroht ist.

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