James Baldwin – „Giovannis Zimmer“

„Vielleicht begann in dem Sommer meine Einsamkeit, (…)“

Kein bereits verstorbener amerikanischer Schriftsteller scheint derzeit wohl wieder so öffentlich präsent zu sein wie James Baldwin. Die auf ihn gerichtete Aufmerksamkeit setzte indes bereits vor der aktuellen Debatte rund um Rassismus und dessen Folgen ein. Gefeiert wurde hierzulande seine Wiederentdeckung 2018, als sein stark autobiografisch geprägtes Debüt „Go Tell it on the Mountain“ aus dem Jahr 1953 in einer Neuübersetzung unter dem Titel „Von dieser Welt“ erschien. Nicht nur dem Rassenhass und der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung widmete sich der Afroamerikaner in seinen Büchern. Mit „Giovannis Zimmer“, 1956 veröffentlicht, schrieb Baldwin eines der wohl frühesten und heutzutage bekanntesten Werke über Homosexualität, das nunmehr ebenfalls in einer Neuübersetzung aus der Feder der preisgekrönten Übersetzerin Miriam Mandelkow wieder zu entdecken ist.

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Mensch sein – Romain Gary „Du hast das Leben vor dir“

„Wenn man sich um Kinder kümmert, muss man sich viele Sorgen machen, Doktor, sonst werdens Ganoven.“

Es gibt Bücher, da kann man Rotz und Wasser heulen, andere bringen einen mit ihrer heiteren Art zum Schmunzeln, ja zum Lachen. Der Roman des Franzosen Romain Gary (1914 – 1980) „Du hast das Leben vor Dir“ vermag beides. Melancholie und Trauer sowie ein provokanter wie rotzfrecher Humor bilden eine eng verschmolzene Einheit und fließen in einer Geschichte mit unvergesslichen Charakteren zusammen, die Vorbild sein können in einer Zeit des wachsenden Hasses, der Vorurteile und des Rassismus. 1975 veröffentlicht, zählt der Roman mittlerweile zu den neueren Klassikern der französischen Literatur und erschien nun in einer Neuübersetzung, die es wert ist, das Buch neu oder auch wieder zu entdecken. Mensch sein – Romain Gary „Du hast das Leben vor dir“ weiterlesen

Liebesschmerz – Ulrich Schacht „Notre Dame“

„Die Seele ist schwach, wenn sie um Stärke bittet, und es ist keine Schande, schwach zu sein, wie Stärke kein Verdienst ist.“

Hinter der Mauer existierten viele Träume, Sehnsüchte. Auch Reisen in fremde Länder und ferne Orte waren für viele nur ein Traum und blieben es auch. Als die Mauer in der DDR 1989 bröckelte und schließlich fiel, galt die Freude der nun gewonnenen Freiheit. Jeder konnte reisen, geteilte Familien im geteilten Land konnten wieder zueinander finden, jeder konnte Menschen kennenlernen, die mit dem geteilten Deutschland wohl nie zusammengekommen wären. Eine dieser Geschichten erzählt Ulrich Schacht in seinem neuen Roman „Notre Dame“. Es ist die Geschichte einer großen, aber kurzen Liebe in den ersten Jahren der Nachwendezeit.  Liebesschmerz – Ulrich Schacht „Notre Dame“ weiterlesen

Lebensauftrag – Barbara Beuys „Helene Schjerfbeck“

„Es ist, als ob die Kunst die Materie aufhebt und alle Dinge, an denen der Mensch haftet, aus dem Blick schafft.“ 

Wirft man einen Blick auf die Namen der Künstler, die die moderne Kunst zur Jahrhundertwende und darüber hinaus geprägt haben, fällt wohl eines auf: Es sind meist nur Männer. In einer Biografie wendet sich die Autorin Barbara Beuys mit Helene Schjerfbeck (1862 – 1946) einer Frau zu, die mit ihren Bildern und Ausstellungen über ihr Heimatland Finnland hinaus und europaweit für Erstaunen gesorgt hat und mit ihrem Selbstverständnis als Frau und Künstlerin viele bis heute inspirieren könnte.     Lebensauftrag – Barbara Beuys „Helene Schjerfbeck“ weiterlesen

Über den großen Teich – Cynthia Ozick „Miss Nightingale in Paris“

„Ein Karneval, um sich die Zeit zu vertreiben. Ihr kommt hierher und wisst nicht einmal, warum.“

Die USA sind ein großes Land mit vielen Menschen, mit vielen interessanten Autoren. Und immer wieder schafft es auch hierzulande ein neuer und noch unbekannter Name, Aufmerksamkeit zu erlangen. So manche literarische Entdeckung hat es in den vergangenen Jahren gegeben. Persönlich stieß ich nun beim Stöbern in einer Buchhandlung auf den Roman „Miss Nightingale in Paris“ der Amerikanerin Cynthia OzickÜber den großen Teich – Cynthia Ozick „Miss Nightingale in Paris“ weiterlesen

Mann mit den Masken – Pierre Lemaitre „Wir sehen uns dort oben“

„Das Geschäft des Jahrhunderts. Der Wirtschaft brachte ein Krieg viele Vorteile ein, sogar noch hinterher.“

Zwei Männer ziehen in den Krieg – und überleben. Der eine ist Bankmitarbeiter, der andere stammt aus gutem Hause und ist künstlerisch begabt. Bei einem Angriff in den letzten Kriegstagen im November 1918 wird Albert verschüttet. Sein Kamerad Edouard rettet ihn und wird bei einem Granaten-Einschlag jedoch schwer am Kopf verletzt. Nach ihrem Fronteinsatz sind beide miteinander verschweißt, wie Pech und Schwefel, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein können.   Mann mit den Masken – Pierre Lemaitre „Wir sehen uns dort oben“ weiterlesen

Ehrgeiz – Jean Prévost „Das Salz in der Wunde“

„Ein Erfolg ist nichts dagegen, und keiner der Ehrgeizigen hört auf, wenn sein Ziel erreicht ist: Alle wollen zu diesem ersten Moment zurück, ziehen von Neuem los und reiten ihr Glück zu Tode.“

Von einem Moment auf den anderen kommt der Fall. Eine falsche Verdächtigung bringt Dieudonné Crouzon um seine Zukunft. Er soll die Geldbörse eines Freundes gestohlen haben. Von da an verändert sich das Leben des Studenten komplett. Er flieht – von Paris in die Provinz nach Châteauroux. Dank der Hilfe seines Freundes Boutin, der noch immer zu ihm hält und auch weiterhin halten wird. Crouzon findet eine Stelle als einfacher Schreiber bei einer Wahlkampfzeitung – und was er wohl kaum für möglich gehalten hat: Sein Aufstieg beginnt.  Ehrgeiz – Jean Prévost „Das Salz in der Wunde“ weiterlesen