Frühlingserwachen – Ein Blick in die Vorschauen 2019

Es ist der letzte Tag im Jahr 2018. Ein neues steht bevor. Statt eines Rückblicks gibt es an dieser Stelle von mir einen Ausblick – auf die kommenden Bücher in den ersten Monaten des Jahres 2019. In den vergangenen Wochen habe ich die Abende oft genutzt, um in den Frühjahrsvorschauen großer und kleiner Verlage zu blättern. Hier ein Überblick über interessante Titel. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird mit jeder weiteren Entdeckung auch ergänzt. Frühlingserwachen – Ein Blick in die Vorschauen 2019 weiterlesen

Von Stimme und Lampenfieber – Warum ich vorlese

Denke ich an meine Kindheit zurück, fallen mir vor allem natürlich das Lesen und das Verschwinden in den geliebten Büchern und Geschichten ein. Aber es gab da noch eine andere Szene: Ich mit der Haarbürste in der Hand „singe“ einen Hit der Pet Shop Boys. Warum nun gerade die Pet Shop Boys kann ich nicht genau sagen. Aber ich gab jedenfalls als Sängerin in meinem Playback mein Bestes. Gestenreich sprang und tanzte ich in meinem Kinderzimmer umher, die Bürste als Mikrofon vor meinem Gesicht. Warum ich nicht wirklich sang, bis heute nur allein meist während des Autofahrens, liegt daran, dass ich meine Stimme, ihre Tonlage und den sächsischen Akzent, in den ich immer noch leicht verfalle, nicht wirklich mochte und bis heute nicht wirklich mag. Auch das obligatorische Sprechtraining während meines Studiums hat mir nicht geholfen, ein A eben wie ein A auszusprechen und nicht wie ein Zwischending von A und O.

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Bücher mit Geschichte(n) – Meine persönlichen Schätze

Spätestens mit einem Umzug wird jeder, der Bücher aus Leidenschaft liest und sammelt, bemerken, was über die Jahre, ja Jahrzehnte zusammengekommen ist. Als ich im Herbst vergangenen Jahres von einer Wohnung in die andere ziehen wollte, entstanden in meinem früheren Wohnzimmer, im Flur und im Schlafzimmer regelrechte Kistenberge. Es ist schwer, mit Worten zu beschreiben, welchen Gesichtsausdruck die Mitarbeiter des Umzugsunternehmens machten, als ich ihre  Frage, was denn in den Kisten denn so sei, kurz und knapp, aber durchaus selbstbewusst zu beantworten wusste: Bücher. Rund 80 Prozent der Kisten waren mit Büchern gefüllt, im Rest der Kartons waren Kleidung sowie Geschirr untergekommen. Doch nicht die Menge ist entscheidend. Einige der Bücher verbinde ich mit besonderen Erinnerungen. Sie erzählen Geschichten, zeigen auch, welche Bücher ich besonders schätzen gelernt habe. Es sind eben Schätze, bei denen nicht der einstige Kaufpreis entscheidend ist. Von einigen dieser Geschichten möchte ich Euch nun berichten.

Londiste

Ich bin in der DDR aufgewachsen. In früheren Berichten habe ich dann und wann geschrieben, wie schwer es damals war, an bestimmte Bücher zu kommen. Beziehungen waren wichtig, um an die sogenannte Bückware, jene unter dem Ladentisch, zu kommen oder sich aus dem „Westen“, verbotene und geliebte Titel und Autoren schicken zu lassen. Es konnte auch geschehen, dass man zu Reisen in die Sowjetunion auf Bücher stieß, die hier zwar gedruckt worden waren, aber nie den Weg in die hiesigen Buchläden fanden. Mein Vater brachte mir in den 80er Jahren einen Band mit Ludwig Bechsteins Märchen mit, als er ein paar Tage in Leningrad weilte. Zu Geburtstagen und zum Weihnachtsfest erhielt ich stets ein Buch, mein Taschengeld floss meistens in den Kauf neuer Lektüre. Eines dieser geliebten Bücher aus Kindheitstagen ist „Der Elefant Londiste“ des estnischen Dramatikers Iko Maran (1915 – 1999). Das Buch mit Illustrationen von Heldur Laretei erzählt die Geschichte des Jungen Siim, der zu seinem Geburtstag einen Spielzeug-Elefanten geschenkt bekommt. Es ist noch antiquarisch erhältlich.

Söhne

Zu den prägenden Erinnerungen an meine Kindheit zählen auch Winnetou und Old Shatterhand,  die wohl bekanntesten Figuren der Welt von Karl May (1882 – 1912). Der gebürtige Sachse zählt zu den produktivsten Autoren seiner Zeit und wohl bis heute zu den meist gelesenen. Von Kult zu sprechen, scheint mir nicht übertrieben zu sein. Bis heute wird sein literarisches Erbe gepflegt, gibt es unter anderem auch eine Karl-May-Gesellschaft, die mit zu den größten literarischen Vereinigungen Deutschlands zählt und in diesem Jahr in Bad Kösen tagen wird. Doch ich komme etwas vom Thema ab, denn mit May und seiner Welt, die er erschuf, ohne jemals die Weiten Amerikas gesehen zu haben, habe ich bisher wenig am Hut. Vielmehr machte ich in der Jugend die Bekanntschaft mit der Autorin Liselotte Welskopf-Henrich (1901 – 1979) und ihrem mehrbändigen Werk „Die Söhne der großen Bärin“. Welskopf-Henrich reiste in den 60er und 70er Jahren in die USA und Kanada, um das Leben der Dakota-Indianer zu studieren. Während ich Winnetou und Old Shatterhand nur auf dem Fernsehbildschirm in Form der schon legendären Verfilmung mit Pierre Brice und Lex Barker sah, den Tod des Indianerhäuptlings zutiefst betrauerte und als Kind das Karl-May-Museum in Radebeul besucht habe, las ich später den ersten Teil „Harka“ der Welskopf-Henrich-Reihe und war begeistert. Irgendwie war es mir in jener Zeit nicht möglich, weitere Bände in die Hand zu bekommen. Jahre und Jahrzehnte vergingen, bis ich in der Stadtbibliothek Naumburg, die ich regelmäßig und häufig besuche, im dortigen Bücherflohmarkt auf eine Komplett-Ausgabe, erschienen als Paperback im Altberliner Verlag, stieß und sie natürlich (für wenig Geld) erwarb.

Muzot

Geht es um Bücher und meine Bücherleidenschaft kann und muss ich von meiner Mutter erzählen. Sie führte mich früh an die Literatur, besuchte mit mir die Dorfbücherei, kaufte die eben erwähnten Buchgeschenke. Die Literatur verband uns. Wir sprachen oft darüber, empfahlen oder liehen uns Titel aus. Bis sie im Januar verstarb und eine riesige, nicht und niemals zu schließende Lücke entstand. Unter ihren Bücher-Nachlass fand ich jenen Roman, der zu ihren Lieblingsbüchern zählte und von dem sie mir häufig berichtet hat: „Der Zauberer von Muzot“ von Ernst Moritz Mungenast (1898 – 1964). Ihre Ausgabe stammt aus der Büchergilde Gutenberg von 1939 und aus dem Bestand meines Urgroßvaters väterlicherseits. Der nicht unumstrittene Roman erzählt von der Geschichte einer Familie in Metz und zugleich von der Historie von Mungenasts Heimat Lothringen. Die Ausgabe hat mit der Zeit sehr gelitten und braucht  dringend die Zuwendung  eines Buchbinders.

Märchen

Ein Blick in meine Bücherregale verrät meine Leidenschaft für die Literatur des Nordens. Neben zahlreichen zeitgenössischen Romanen gehört zur Sammlung auch ein recht dicker Band: „Eventyr“, mit den gesammelten Märchen von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Die beiden Schriftsteller könnte man als die „Grimm-Brüder“ Norwegens bezeichnen, sammelten sie doch wie Jakob und Wilhelm Grimm Märchen ihrer Heimat, nachdem sie das Land mehrfach bereist haben. Wer erfahren will, was es mit den mystischen und wohl auch gefürchteten Trollen auf sich hat, sollte die norwegischen Volksmärchen lesen. Dieser illustrierte und mehr als 600 Seiten umfassende Pracht-Band aus dem J.M. Stenersens Forlag Oslo hat eine weite Reise hinter sich. Ihn fand ich in einer Buchhandlung in Trondheim, während ich im Januar/Februar 2015 mit der Hurtigruten die norwegischen Küste entlang reiste; eine atemberaubende Tour auf der MS Polarlys von Bergen bis Kirkenes und zurück, bei der ich auch das Nordlicht sehen konnte.

Polar

Apropos Schwergewicht und Kälte: Gehen wir noch ein wenig weiter in Richtung Norden oder auch ganz weit in den Süden. Seit einigen Jahren bin ich fasziniert von den eisigen Welten der Arktis und Antarktis. Ob Reiseberichte, Bildbände oder Bücher über die großen Entdecker – ich lese sie sehr gern. Vor einigen Jahren machten einstige Kollegen mir ein besonderes Geschenk: „Mythos Nordpol. 200 Jahre Expeditionsgeschichte“ des französischen Polar-Forschers Jean Malaurie. Klar, dass da wenig später mit „Der Ruf des Nordens“ ein weiterer Band den Weg in meinen mehr und mehr anwachsenden Polar-Bestand fand.


Foto: pixabay

Über Leidenschaft – Stefan Zweig „Buchmendel & Die unsichtbare Sammlung“

„Jeder Schatten ist im letzten doch auch Kind des Lichts, und nur wer Helles und Dunkles, Krieg und Frieden, Aufstieg und Niedergang erfahren, nur der hat wahrhaft gelebt.“ 

Dieser Besprechung und Vorstellung des Buches schicke ich eine Warnung voraus: Dieser Band verlangt viel Zeit und Aufmerksamkeit. Allerdings nicht weil er so umfangreich ist, der Inhalt schwer verständlich erscheint. Vielmehr weil er es schlichtweg verdient und jeder Bücherfreund seine große Freude daran haben wird. Der Band enthält zwei Novellen von Stefan Zweig (1881 – 1942): „Die unsichtbare Sammlung“ aus dem Jahr 1927 sowie „Buchmendel“ von 1929. Was das Buch indes zu einem wahren Schatz über die Sprache Zweigs und der beiden teils wundersamen, berührenden Geschichten hinaus werden lässt, sind die Illustrationen von Florian L. Arnold und Joachim Brandenberg sowie die künstlerische und liebevolle Gestaltung des Werkes. Über Leidenschaft – Stefan Zweig „Buchmendel & Die unsichtbare Sammlung“ weiterlesen

Norwegens „Bragepris“

In der Reihe „And the winner is…- Literaturpreise“ soll es nach dem Auftakt mit einem Beitrag über den Literaturpreis des nordischen Rates mit dieser zweiten Folge weitergehen. Und wir reisen an dieser Stelle noch einmal nach Skandinavien. Nicht nur, weil Nordeuropa bekanntlich sehr eng mit Literatur verbunden ist und die Nordeuropäer als sehr lesefreudig gelten, sondern auch um die Gelegenheit zu nutzen, um auf die Literatur jener Länder hinzuweisen. Konkret geht es mit dem „Brageprisen“, dem „Brage-Preis“, nach Norwegen.  Norwegens „Bragepris“ weiterlesen

Frühlingserwachen – Ein Blick in die Verlagsvorschauen

Das Leben besteht bekanntlich aus Entscheidungen. Manchmal muss eine von zwei Möglichkeiten gewählt werden. Schwieriger wird es, wenn mehrere bestehen. Ob in Lebensphasen oder konkreten Situationen. Bücherfans stehen immer wieder vor der Frage, welches Buch lese ich als nächstes, welche Bücher kaufe ich – angestachelt von Rezensionen in den Medien, Lesetipps von Freunden, Bücherbergen in den Buchhandlungen. Vor allem zweimal im Jahr scheint das Meer aus Möglichkeiten sich zu einem Ozean auszudehnen, in denen Bibliophile jedoch mit Begeisterung hineinspringen. Im Frühjahr und Herbst ist Hochkonjunktur  für Neuerscheinungen, die mit Verlagsvorschauen angekündigt werden. Frühlingserwachen – Ein Blick in die Verlagsvorschauen weiterlesen

Zwischen den Seiten – Norbert Gstrein „Eine Ahnung vom Anfang“

„Ich hatte tatsächlich gesagt, dass es manchmal gerade die Sehnsucht nach Unschuld und Reinheit sei, die einen dazu bringe, Schuld auf sich zu nehmen.“ 

Es ist ein Rückzugsort, abgeschieden und ruhig gelegen: die Hütte am Fluss. Dorthin flüchtet der Deutschlehrer Anton, wenn er die hektische Welt hinter sich lassen will. Gemeinsam mit seinem Lieblingsschüler Daniel verbringt er hier Stunden, Tage, ganze Wochen; skeptisch beobachtet von Wanderern oder Schaulustigen, die sich dem Gelände nähern. Jahre später erschrecken eine Bombenattrappe auf dem Bahnhof sowie zwei Bombendrohungen die Einwohner der nahe gelegenen Provinzstadt. Auf einem Fahndungsfoto glaubt Anton, seinen Schüler wieder zu erkennen. Zwischen den Seiten – Norbert Gstrein „Eine Ahnung vom Anfang“ weiterlesen

Die Macht der Bücher – Almudena Grandes „Der Feind meines Vaters“

„Die Wahrheit ist das, was passiert ist und uns gefällt, aber auch das, was passiert ist und uns so abscheulich vorkommt, dass wir alles darum geben würden, es ungeschehen zu machen.“

Nichts ist, wie es scheint. Das merkt Antonio Perez, von allen nur Nino oder wegen seiner Körpergröße auch Knirps genannt, schnell. Er ist zehn und lebt mit seinen Eltern und den beiden Schwestern Dulce und Pepe in der Kaserne des kleinen andalusischen Dorfes Fuensante de Martos. Ninos Vater ist Beamter in der Guardia Civil, der paramilitärischen Polizei, deren Aufgabe es ist, gegen politisch Andersdenkende vorzugehen. Denn man schreibt das Jahr 1947 und Diktator Franco ist an der Macht. Die Macht der Bücher – Almudena Grandes „Der Feind meines Vaters“ weiterlesen