Was uns der Herbst so bringt – Einblick in die Vorschauen

Während der Mai sich als heißer Frühsommer offenbarte, wird bereits im Juli der Herbst eingeläutet – der Leseherbst. Denn zahlreiche Verlage bringen die ersten neuen Titel ihres kommenden Programms auf den Markt. Obwohl auch ich noch nicht das Frühjahrsprogramm „abgearbeitet“ habe und mir zudem vornehme, weiterhin mehr Titel aus den Backlisten zu lesen, konnte ich es mir nicht verkneifen, in die Vorschauen der kleinen und großen Vorlage zu lunschen. In den letzten Tagen und Wochen ist eine ansehnliche Liste aus Titeln entstanden, die ich sicherlich nicht gänzlich alle lesen kann und werde. Aber kein Buchnerd kann bekanntlich ohne seine Wunschliste leben, und vielleicht findet Ihr auch das eine oder andere Buch für Euch selbst. Was uns der Herbst so bringt – Einblick in die Vorschauen weiterlesen

Was ist „MyPoolitzer“? – Gespräch mit Gründer Tilo Gehrke

Mit „MyPoolitzer“ hat sich in Berlin ein Unternehmen gegründet, das Autoren und Verlage zusammenbringen will. „Bist Du der nächste Jonathan Franzen?“ heißt es auf der Internetseite. Mit Gründer Tilo Gehrke sprach Zeichen & Zeiten über Ziele und die Rolle, die das Unternehmen innerhalb der Buchbranche einnehmen will.

Wie ist die Idee zur Plattform „MyPoolitzer“ entstanden?

Tilo Gehrke: Mein alter Schulfreund hatte Schwierigkeiten, sein Erstlingswerk bei einem Verlag zu platzieren. Zum einen war das ein Zugangsproblem, zum anderen lag es am mangelnden Selbstvermarktungstalent des Autors. Viele Autoren sind ja eher leise Menschen, die ihre Kraft dem Schreiben und nicht dem Marktwettstreit widmen möchten. Was ist „MyPoolitzer“? – Gespräch mit Gründer Tilo Gehrke weiterlesen

Blätterrascheln – Ein Blick in die Frühjahrsprogramme

Ein neues Regal musste her. Die Bücher stapelten sich unkontrolliert in den Räumen. Und wieder begleitete mich das bange Gefühl, noch zu viele ungelesene Bücher zu haben. Trotzdem warf ich in den vergangenen Tagen einen Blick in die kommenden Frühjahrsprogramme großer und kleiner Verlage und wurde vielerorts fündig. Wie sollte es auch anders sein. Obwohl ich sicherlich nicht alle Titel lesen werde und kann, hier ein Überblick über Bücher, die mir besonders aufgefallen sind. Und vielleicht ist ja auch das eine oder andere Buch für Euch dabei.

Deutschsprachige Literatur

Bereits auf der Frankfurter Buchmesse erhielt ich die überaus gute Nachricht, dass ein neuer Roman von Ralf Rothmann mit dem  Titel „Der Gott jenes Sommers“ (März, Suhrkamp) erscheinen wird. Freuen werde ich mich ebenfalls über ein neues Werk von Monika Maron: „Munin oder Chaos im Kopf“ (Februar, S. Fischer). Da aus Sachsen stammend, fiel mir „Die Sintflut von Sachsen“, ein in Wurzen spielender Roman von Bernd Wagner, auf (März, Schöffling). Mit „Unter der Drachenwand“ legt auch Arno Geiger wieder etwas Neues vor (Januar, Hanser). Svenja Leibers Debüt „Das letzte Land“ habe ich mit viel Begeisterung gelesen. Nun erscheint ihr zweiter Roman „Staub“ (März, Suhrkamp). Ihren Erstling mit dem Titel „Leinsee“ legt hingegen Anne Reinecke vor (Februar, Diogenes). Auch Mareike Fallwickl und Gunnar Kaiser, in der Bloggerszene sehr bekannt, legen jeweils ihr Debüt vor: „Dunkelgrün fast schwarz“ (März, Frankfurter Verlagsanstalt) und  „Unter der Haut“ (März, Berlin Verlag). Hans Pleschinski hat mit „Wiesenstein“ einen Roman über Gerhart Hauptmann geschrieben (Januar, C.H.Beck).

Auch Bernhard Schlink ist wieder zurück. Sein neuer Roman heißt „Olga“ (Januar, Diogenes). Spannend fand ich den Vorausblick auf den Roman „Die Gewitter-Schwimmerin“ von Franziska Hauser (Februar, Eichborn) sowie auf das neue Buch von Wolfram Fleischhauer „Das Meer“ (März, Droemer). Mit „Skizzen eines Sommers“ stand André Kubiczek 2016 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Nun erscheint „Komm in den totgesagten Park und staune“ (März, Rowohlt Berlin).  Große Schriftsteller sind ebenfalls wieder mit dabei: Es erscheinen das Gesamt-Gedichtwerk von Paul Celan (März, Suhrkamp), eine Biografie über Bertolt Brecht  von Stephen Parker (Juni, Suhrkamp) sowie weitere Werke von Hans Fallada (Februar, Juni, Aufbau). Für mich immer wieder besonders interessant: Werke, die wieder entdeckt werden. Ich bin gespannt auf  „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz (Februar, Klett-Cotta).

Über den großen Teich

Um beim Sprung über den großen Teich beim Thema zu bleiben: Auch Felix Jacksons Tagebuch-Roman „Berlin, April 1933“ ist eine Wiederentdeckung. Der gebürtige Hamburger schreibt ebenfalls über die Anfänge des Dritten Reiches (März, Weidle). Mit William Finnegans „Barbarentage“ (März, Suhrkamp) sowie George Sanders „Lincoln in Bardo“ (März, Luchterhand) gibt es die Werke zweier Preisträger, die mit dem Pulitzer-Preis beziehungsweise mit dem Man Booker Prize geehrt worden sind. Nominiert für den National Book Award war hingegen Jacqueline Woodson mit „Ein anderes Brooklyn“ (März, Piper).  Als Liebling der Buchhändler gelang Emily Fridlund mit „Eine Geschichte der Wölfe“ der Sprung in die Bestseller-Listen (März, Berlin Verlag).

Sehr interessant wohl auch: „Von dieser Welt“ von James Baldwin (März, dtv), Nickolas Butlers „Die Herzen der Männer“ (Februar, Klett-Cotta), Lionel Shrivers Zukunftsvision „Eine amerikanische Familie“ (März, Piper) sowie „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ von Jesmyn Ward (Februar, Kunstmann),  deren Roman „Vor dem Sturm“ ich sehr empfehlen kann.  Joshua Cohen gilt als eine der  spannendsten Stimmen der jüngeren amerikanischen Literatur. Es erscheint sein Roman „Das Buch der Zahlen“ (Januar, Schöffling). Ein Sprung nach Südamerika: Nach seinem viel gelobten Roman „Flut“ ist Daniel Galera mit „So enden wir“ zurück (März, Suhrkamp).

Literatur aus dem hohen Norden

Gleich zwei große norwegische Autoren sind mit neuem Werk vertreten: Lars Saabye Christensen mit „Magnet“ (März, btb) und Linn Ullmann mit „Die Unruhigen“ (Juni, Luchterhand). Nach ihrem Bestseller „Die Geschichte der Bienen“ widmet sich Maja Lund mit „Die Geschichte des Wassers“ dem Meer (März, btb). Johan Bargums „Nachsommer“ führt in die südfinnische Schären-Welt (Februar, mare). Der Finne Tommi Kinnunen hat mit „Wege, die sich kreuzen“ einen Generationenroman geschrieben (März, DVA). „Krokodilwächter“ heißt ein Krimi der Dänin Katrine Engberg (März, Diogenes), „Blackout Island“ ein Krimi der Isländerin Sigríður Hagalín Björnsdóttir (August, Suhrkamp). Madame Nielsen, ein Star in Skandinavien, ist künftig mit ihrem Roman „Der endlose Sommer“ in deutschen Buchläden vertreten (März, Kiwi).

In Europa – von Ost nach West

Georgien ist Gastland der kommenden Frankfurter Buchmesse. In deutscher Übersetzung erscheint „Der Korb“ von Otar Tschiladse (März, Matthes & Seitz).  Um im Osten zu bleiben: „Internat“ heißt der neue Roman des Ukrainers Serhij Zhadan (März, Suhrkamp). Die Kroatin Daša Drndic legt nach „Sonnenschein“ ihren neuen Roman „Belladonna“ vor (Februar, Hoffmann & Campe). Den Balkan-Krieg thematisiert Sara Nović in „Das Echo der Bäume“ (April, btb). Familienhistorie trifft auf Weltgeschichte in dem Roman „Die Heimkehrer“ von Edna Krasikow (April, Luchterhand). Neu übersetzt erscheinen Erzählung von Maxim Gorki unter dem Titel „Jahrmarkt in Holtwa“ (Januar, Aufbau). Die Tschechin Bianca Bellová erzählt in „Am See“ eine Coming-Age-Geschichte (Februar, Kein & Aber).

Der Engländer Ian McGuire führt in seinem Roman „Nordwasser“ den Leser auf ein Walfangschiff (Februar, mare). John Boyne neuester Streich trägt den Titel „Cyril Avery“ (März, Piper). Den Kriegserlebnissen Samuel Becketts widmet sich der Roman „Ein Ire in Paris“ von Jo Baker (April, Knaus). „Von Vögeln und Menschen“ heißt der neue Roman der Niederländerin Margriet de Moor (Februar, Hanser), „Eine bessere Zeit“ das neue Werk des Katalanen Jaume Cabré (März, Insel). Preisgekrönt: „Patria“ des Spaniers Fernando Aramburu (Januar, Rowohl). Eine Familiengeschichte erzählt die Italienerin Maria Rosaria Valentini in „Magnifica“ (März, Dumont). Das Meer spielt eine Hauptrolle in „Der Strand“ der Französin Marie Nimier (April, Dörlemann). Der Leser kann sich mit „Teich“ der Engländerin Claire-Louise Bennett in die Einsamkeit eines ruhig gelegenen irischen Cottages zurückziehen (April, Luchterhand). In die Natur führt auch „Das große Spiel“ der Französin Céline Minard (Februar, Matthes & Seitz).

Zukunftswelten

Science-Fiction-Literatur und interessante Zukunftsvisionen stehen immer öfter auf meiner Lektüreliste. Mit „Der dunkle Wald“ legt der vielfach preisgekrönte Chinese Cixin Liu den Folgeband von „Die drei Sonnen“ vor (Juli, Heyne). Auch Andy Weir, Autor des verfilmten Bestsellers „Der Marsianer“, ist mit „Artemis“ zurück (März, Heyne). Wohin und in welche Zeit Kim Stanley in seinem Roman „New York 2140“ führt, verrät schon  allein der Titel (Mai, Heyne). Der Mars und zugleich New York finden sich in „Central Station“ von Lavie Tidhar wieder (Februar, Heyne). In meinem Urlaub in Ahrenshoop kaufte ich mir eine Neuausgabe des neu übersetzten Klassikers „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert. In Kürze erscheint der Folgeband „Der Herr des Wüstenplaneten“ (August, Heyne).

Besonderes

Fans von Haruki Murakami werden wohl Luftsprünge machen. Mit „Die Ermordung des Commendatore“  Teil 1 und 2 erscheinen gleich zwei neue Bücher des Japaners (Januar, April, Dumont). Mit Wehmut werden Anhänger der Ferrante-Saga auf den Abschlussband „Die Geschichte des verlorenen Kindes“ reagieren (Januar, Suhrkamp). Zum Trost gibt es mit „Frantumaglia“ ein Selbstporträt der erfolgreichen Autorin (Juni, Suhrkamp). Mit der wundervollen Biografie von Andrea Wulf erhielt ich vor einiger Zeit einen Einblick in das spannende Leben von Alexander von Humboldt.

Mit „Das Buch der Begegnungen“ erscheint ein Prachtband mit Auszügen aus seinen Reisetagebüchern (Juni, Manesse). Stets fasziniert vom Meer, entdeckte ich mit sehr viel Freude den Band „Wächter der See – Die Geschichte der Leuchttürme“ von R. G. Grant (Mai, Dumont). Und zu guter Letzt noch ein Muss für jeden Bücherfreund: In seiner Reportage „Die Bücherschmuggler von Timbuktu“ erzählt Charlie English von einer besonderen Rettungsaktion (März, Hoffmann & Campe).

Da einige wenige Verlage ihre jeweilige Frühjahrsvorschau noch nicht veröffentlicht haben, werde ich den Beitrag womöglich mit einigen weitere Titeln ergänzen. Wem das noch nicht reicht – auf den Blogs „Muromez“, „Die Buchbloggerin“, „Bücherherbst“, „Buzzaldrins Bücher“, „SchöneSeiten“ und auf der Seite von Stefan Mesch gibt es noch weitere Einblicke in die Frühjahrvorschauen und Lesetipps. Für das kommende Jahr habe ich mir fest vorgenommen, hin und wieder einen Backlist-Titel zu lesen und auf dem Blog vorstellen.

Nur Neulinge – Ein Blick in die Herbstvorschauen

Zugegeben: Den zweimal jährlich erscheinenden Vorschauen blicke ich mittlerweile mit Vorfreude, aber auch mit einigem Grausen entgegen. Klar, neuen Bücher haftet etwas Faszinierendes an, zugleich wird die Wunsch-Leseliste gefühlt um einiges länger, und die Titel der letzten Monate sind alles andere als „abgearbeitet“. Ich habe mich in den vergangenen Tagen mit den Programmen der Verlage trotzdem etwas näher beschäftigt. Doch während ich mich in den Vorausblicken der Vergangenheit sowohl mir bereits vertraute als auch mir noch unbekannte Autoren und ihre Werke aufgezählt habe, konzentriere ich mich diesmal nur auf die „Neulinge“, auf die ich mich besonders freue. Nur Neulinge – Ein Blick in die Herbstvorschauen weiterlesen

Buntes Frühjahr – ein Blick in die Vorschauen

Für Bücherfreunde sind die zweimal jährlich erscheinenden Vorschauen für Frühjahr und Herbst wie Reisekataloge. Es geht in ein literarisches Schlaraffenland, in dem die Bibliophilen unter uns nie genug bekommen. Auch ich habe mich durch die Vorschauen geblättert und gebe einen Einblick in meine Wunschliste, die sich sicherlich noch vergrößern wird. Denn neben Wiederbegegnungen mit großen Namen beziehungsweise geschätzte Schriftsteller gibt es sicherlich die eine oder andere Entdeckung zu machen.

Aus hiesigen Landen

Auch die kommenden Frühjahrsvorschauen erinnern ein wenig an die Lektürliste eines Germanistik-Studiums, finden sich unter anderem Siegfried Lenz  (Hoffmann & Campe) und Hans Fallada (Aufbau-Verlag) wieder. Von Johannes Bobrowski wird es ein Band mit den gesammelten Gedichten geben (DVA, März). Zudem erscheint mit  „Trutz“ ein neuester Streich von Christoph Hein (Suhrkamp, März). Nach ihrem Erfolgsroman „Wald“ legt Doris Knecht mit „Alles über Beziehungen“ ein neues Werk vor (Rowohlt Berlin, März). Mit Begeisterung habe ich Natascha Wodins Schlüsselroman „Nachtgeschwister“ über ihre Beziehung zu dem Schriftsteller Wolfgang Hilbig gelesen. Mit „Sie kam aus Mariupol“ erscheint ein Buch über Wodins Mutter (Rowohlt, Februar). Noch nicht gelesen habe ich indes Birk Meinhardts DDR-Roman „Brüder & Schwestern“. Nun ist es Zeit für einen zweiten, gleichnamigen Teil, der von den Jahren nach der Wende erzählt (Hanser, Februar).  Ulrich Schacht habe ich kürzlich mit seiner Novelle „Grimsey“ kennengelernt. Sein kommendes Buch trägt den Titel „Notre Dame“ (Aufbau, Februar). Gespannt bin ich auch auf das Buch „Arbeiterroman“ von Gerhard Henschel (Hoffmann & Campe, Februar) sowie „Die Poesie der Hörigkeit“ von Lea Singer (Hoffmann & Campe, März), letzteres Buch erzählt die Liebesgeschichte von Gottfried Benn. Mit dem Schweizer Buchpreis wurde Henriette Vásárhelyi für „immeer“ bedacht. Nun erscheint ihr neuestes Werk „Seit ich fort bin“ (Dörlemann, Februar). Einen dicken Wälzer mit einer besonderen Familiengeschichte gibt es von Chris Kraus: „Das kalte Blut“ (Diogenes, März).

Blick ins Nachbarland

Nach Niederlande und Flandern wird Frankreich im kommenden Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse sein. Das zeigt sich bereits jetzt mit einem Blick in die Frühjahrsvorschauen. Eine Robinsonade der besonderen Art, bei der ein Paar auf eine abgelegene Insel nahe dem Kap Hoorn strandet, legt die gebürtige Pariserin Isabelle Autissier mit ihrem Roman „Herz auf Eis“ vor (mare, März).  Der in Kabul geborene, aber in Frankreich lebende Atiq  Rahimi, Preisträger des renommierten Prix Goncourt, wird mit seinem neuesten, ins Deutsche übersetzte Werk „Heimatballade“ in die Buchläden kommen (Ullstein, Februar). Für ihren nun in Deutschland erscheinenden Roman „Die Zeit der Ruhelosen“ war Karine Tuil für den Prix Goncourt nominiert. Von Olivier Adam, bekannt für „Klippen“ und „An den Rändern der Welt“, gibt ebenfalls einen neuen Roman. Er trägt den Titel „Die Summe aller Möglichkeiten“ (Klett & Cotta, Juni).

Über den großen Teich

Fans von Paul Auster können sich freuen: „4321“ heißt sein neuester Roman (Rowohlt, Januar). Auch die große Margaret Atwood ist noch nicht schreibmüde. Es erscheint „Hexensaat“ (Knaus, April). Von T.C. Boyle gibt es „Terranauten“ zu lesen (Hanser, Januar), von Dave Eggers „Bis an die Grenze“ (Kiepenheuer & Witsch, März). In deutscher Neu-Übersetzung erscheint „Boston“ von Upton Sinclair (Manesse, Juni). Nach seinem wunderbaren Roman „Diese gottverdammten Träume“ freue ich mich auf einen neuen Streich von Richard Russo: „Ein Mann der Tat“ (Dumont, Mai).  Das Buch, das dank Verlagsnewsletter zuerst auf die Wunschliste kam, war „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara (Hanser Berlin, Januar). Gespannt bin auf die mir noch unbekannte Jennifer Haigh mit „Licht und Glut“ (Droemer, April), „Ich bin niemand“ von Patrick Flanery (Blessing, März) sowie Laird Hunt mit seinem Bürgerkriegsroman „Die Zweige der Esche“ (btb, April).

Aus dem hohen Norden

In den vergangenen Jahren haben mich besonders zwei Schriftstellerinnen aus Finnland imponiert: Sofi Oksanen sowie Katja Kettu. Von beiden gibt es mit „Die Sache mit Norman“ (Kiepenheuer & Witsch, März) beziehungsweise „Feuerherz“ (Ullstein, Februar) neue Werke. Von Landsmann Jussi Valtonen kann „Zwei Kontinente“ gelesen werden (Piper, Mai). Von „Wir Ertrunkenen“ begeistert, herrscht deshalb Vorfreude auf einen neuen Roman des Dänen Carsten Jensen: „Der erste Stein“ (Knaus, März). Auch der Isländer Jón Kalman Stefánsson ist mit „Etwas von der Größe des Universums“ zurück (Piper, Februar). Auch Fans von Tomas Espedal können sich freuen. „Biografie, Tagebuch, Briefe“ gibt es bald in den Buchläden (Matthes & Seitz, April). Von dessen Freund und Kollegen Karl Ove Knausgård erscheint der letzte Band der „Min kamp“-Reihe mit dem Titel „Kämpfen“ (Luchterhand, Mai). Auch Jostein Gaarder bringt sich mit „Ein treuer Freund“ wieder in Erinnerung (Hanser, März). Neu sind für mich die beiden Norwegerinnen Maja Lunde mit den Roman „Die Geschichte der Bienen“ (btb, März) sowie Erika Fatland mit ihrem Reisebericht „Sowjestistan“ (Suhrkamp, März). Beide sind in ihrem Heimatland mit dem Buchhandelspreis geehrt wurden. Aus Schweden kommen Jonas Hassem Khemiri mit „Alles, was ich nicht erinnere“ (DVA, März) sowie Tom Malquist mit „In jedem Augenblick unseres Lebens“ (Klett & Cotta, März). Nicht zu vergessen an dieser Stelle der Blick in die Krimi-Ecke. Nach seinem spannenden wie tiefgründigen Debüt „Der letzte Pilger“ wartet Gard Sveen mit einem neuesten spannenden Fall des Kommissars Tommy Bergmann auf. „Teufelskälte“ heißt das Buch (List, Juni). Auch Anne Holt steht mit „Ein kalter Fall“ im Regal der Neuerscheinungen (Piper, März).  Gespannt bin ich auf „… und morgen werde ich dich vermissen“ von Heine Bakkeid (Rowohlt, Juli).

Und, und, und…

Die Romanreihe von Elena Ferrante zählt wohl zu den erfolgreichsten Literatur-Importen der letzten Jahre. Nach „Meine geniale Freundin“ freue ich mich auf die Bände zwei und drei (Suhrkamp, Januar, Mai). Auch Folge vier wird bereits angekündigt (Suhrkamp, Oktober). Auch Haruki Murakami ist bei den Neuerscheinungen wieder mit von der Partie – mit „Birthday Girl“, eine illustrierte Erzählung des Japaners. Von Claudio Magris gibt es ebenfalls ein neues Buch: „Verfahren eingestellt“ (Hanser, März). Mit Interesse begegne ich zunehmend Literatur aus dem Osten. Auf die Wunschliste schafften es Artjom Wesjoly mit „Blut und Feuer“ (Aufbau, Juni) sowie Michael Schischkin mit „Die Eroberung von Ismael“ (DVA, Mai). Von Primo Levi erscheint mit „So war Auschwitz“ erstmals übersetzte Erinnerungen (Hanser, März).  Interessant erschienen mir zudem die Romane „Die Reise“ von Murray Bail (Dörlemann, April), „Das Floß der Medusa“ von Franzobel (Zsolnay & Deuticke, Januar),  „Am Ende der Via Condotti“ von Sándor Lénárd (dtv, April) sowie „Hier treffen sich fünf Flüsse“ von Barney Norris (Dumont, März). Im Bereich Sachbuch gibt es zwei für mich spannende Titel: „Die Anfänge von allem“ von Jürgen Kaube (Rowohlt Berlin, Juli) sowie Gaston Dorren „Sprachen. Eine verbale Reise durch Europa“ (Ullstein, März).


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Von Kreuzberg bis Prenzlauer Berg – Literarische Tour durch Berlin

Am Morgen fällt mein Blick auf die Wand meines Hotelzimmers. In großen geschwungenen Lettern steht ein Zitat aus dem Märchen „Hans im Glück“ geschrieben: „Hans ging mit vergnügtem Herzen weiter; seine Augen leuchteten vor Freude, ich muss in einer Glückshaut geboren sein, rief er aus.“ In der Lounge grüßen mich am Frühstücksbüfett schließlich Worte aus „Tischlein deck ich“. Rundum literarisch gestaltete sich mein Wochenende in Berlin, nicht nur mit der Auswahl meiner Herberge für zwei Nächte, dem Grimms Hotel in der Alten Jakobsstraße. Die Agentur Kirchner Kommunikation hatte zum Bloggertag „Spreepartie“ geladen.  Und alles begann in den Räumen der Agentur in der Gneisenaustraße im Stadtteil Kreuzberg.  Tatjana Kirchner, Stephanie Haerdle, Judith Polte, Judith Tings und Katrin Ritte begrüßten mit Jochen Kienbaum („lustauflesen.de“), Marina Büttner („literaturleuchtet“), Gérard Otremba („Sounds & Books“), Mareike Dietzel („Herzpotenzial“), Jacqueline Masuck („masuko13“) und Elina Penner („Schnitzel & Schminke“) sechs weitere Blogger.

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Vier Stationen, vier Neuerscheinungen aus vier Verlagen standen auf dem abwechslungsreichen Programm. Den Anfang machte die Leipziger Illustratorin Christina Röckl. Die Absolventin der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale im Fach Illustration hatte nicht nur ihr Notebook und Fotos mitgebracht, um über ihr aktuelles Projekt, die Gestaltung des Buches „Liegender Akt“ von Nathalie Chaix (Kunstanstifter Verlag, Oktober 2016), zu sprechen. In Papier umhüllt war eines ihrer Arbeiten, die sie, wie sie erzählte, mit Farbe auf Holzplatten bringt. Die Auseinandersetzung mit der Lebens- und Liebesgeschichte des Künstlers Nicolas de Staël (1914-1955)  sei sehr intensiv, wie Christina Röckl erzählte. So besuchte sie die Lebensstationen des französischen Malers, sprach mit der Autorin und mit Übersetzerin Lydia Dimitrow. „Für jedes Kapitel führe ich ein Heft. Ich erstelle Skizzen und Listen, versuche, die Struktur zu erfassen“, sagte die Leipzigerin, die mit der Gestaltung des Bandes „Und dann platzt der Kopf“ – er wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis gewürdigt – ihr Studium abschloss und gleichzeitig ihr Debüt beging. Christina Röckl zeichnet nicht nur verantwortlich für die Illustrationen des kommenden Bandes, sie übernimmt vielmehr die komplette Gestaltung des Werkes – von der Auswahl der Typografie über Format und Papier. „Es ist mir wichtig, alles zu konzipieren“, bemerkte sie.

Mit U- und S-Bahn ging es schließlich in die Kantstraße 76 im Stadtteil Charlottenburg; in eine besondere Buchhandlung. „Hedayat“ ist die größte persische Buchhandlung in Europa. Die Tische sind übersät mit Büchern, hoch ragen hier die Regale auf. Zwischendrin ein Stuhl, ein Sessel, um gemütlich Platz zu nehmen. Abbas Maroufi und seine Tochter begrüßten ihre Gäste. Der Iraner lebt seit nunmehr 1996 in Deutschland. Er war mit Hilfe des Deutschen PEN-Verbandes aus seinem Heimatland geflohen, nachdem er wegen „Beleidigung der islamischen Grundwerte“ verurteilt wurde. Maroufi berichtete von der aktuellen Lage in seinem Heimatland, seiner Arbeit, die weit über das Schaffen als Autor, Buchhändler und Verleger reicht: Der 59-Jährige unterrichtet in Online-Kursen zu verschiedenen literarischen Themen. „In Deutschland habe ich viel gelernt, die deutsche Literatur hat mich sehr geprägt“, sagte er. Gemeinsam mit Lisa Schöttler, Lektorin der Edition Büchergilde, sprach er zudem über seinen künftigen Roman: „Fereydun hatte drei Söhne“ (Edition Büchergilde, Oktober 2016).  Am Beispiel von vier Brüdern erzählt Maroufi darin von unterschiedlichsten politischen Wegen, die bis nach Deutschland und bis in den Tod führen.

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Der Berenberg Verlag in der Sophienstraße in Berlin-Mitte bildete die dritte Station. Im Mittelpunkt stand diesmal ein literarisches Sachbuch, das von Lektorin Beatrice Faßbender und Autorin Bettina Baltschev vorgestellt wurde. Mit „Hölle und Paradies“ erscheint im September ein Band, der sich der Geschichte des renommierten Amsterdamer Querido-Verlages beschäftigt. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933, der Bücherverbrennung sowie des Verbotes namhafter Autoren wie Irmgard Keun, Arnold Zweig, Joseph Roth, Anna Seghers und Klaus Mann bekamen die Werke der ins Exil gegangenen Schriftsteller in diesem Verlag ein neues Zuhause. Die Autorin und MDR-Redakteurin ist schon seit Jahren in Amsterdam heimisch. Für ihre intensive Recherche suchte sie  nicht nur Schauplätze auf. Sie studierte zudem Quellen und führte Gespräche. Besonders die Biografie des Verlegers Emanuel Querido (1871–1943) habe sie fasziniert, wie Bettina Baltschev erzählte: „Je mehr ich über ihn erfahren habe, desto wichtiger wurde mir die Geschichte.“ Für deutsche Leser werde es so manche Überraschung geben, versprach die Autorin. Lektorin Beatrice Faßbender stellte zudem in Aussicht: „Das Buch überzeugt durch seine Lebhaftigkeit.“

Den besonderen Abschluss bildete am frühen Abend das Verlagshaus Berlin im Stadtteil Prenzlauer Berg. Ein Trio – die beiden Verleger Andrea Schmidt und Dominik Zille sowie Lyrikerin, Übersetzerin und Sinologin Lea Schneider – begrüßte die Gruppe. Im Oktober wird mit dem Band „Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik“ die erste Anthologie chinesischer Lyrik in Deutschland seit rund 20 Jahren erscheinen. Sie habe mehrere Ziele verfolgt, berichtete Herausgeberin Lea Schneider. Zum einen sollen in diesem Werk Gedichte von zeitgenössischen Autoren erscheinen, die noch nicht im deutschen Sprachraum präsent sind. Zum anderen wollte sie den Prozess des Übersetzens abbilden. Die Autoren habe sie auf Lesungen kennengelernt. Manche habe sie während ihrer Eigenrecherche gefunden, andere seien ihr durch Empfehlungen zugetragen worden.  „Der Band hat allerdings nicht den Anspruch, ein vollständiges Abbild der zeitgenössischen Lyrik in China zu vermitteln“, betonte Lea Schneider, die für „Invasion rückwärts“ 2014 mit dem Lyrikpreis der Stadt Dresden geehrt wurde.  Bei der Übersetzung verfolgte sie eine besondere Strategie: „Ich wollte stets den richtigen Sound des Textes finden.“

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Doch auch außerhalb des reichhaltigen wie erlebnisreichen Bloggertages begegnete ich Literatur und Kultur auf Schritt und Tritt: So auch während eines Besuches der Buchhandlung in Thaer im Stadtteil Schöneberg-Friedenau – Buchhändlerin Elvira Zellner-Hanemann, die das Geschäft gemeinsam mit ihrem Mann Walter Hanemann führt – kenne ich seit einigen Jahren. Bei Begegnungen, ob in Berlin oder zuletzt auch auf der Buchmesse Leipzig, sprechen wir natürlich vor allem über Bücher.  Zudem besuchte ich die aktuelle Ausstellung im Martin-Gropius-Bau mit Fotografien der legendären amerikanischen Fotografin Berenice Abbott (1898 – 1991). Für Freunde der Fotografie ist diese Schau ein Muss! Und dann trifft man in einer Großstadt wie Berlin auf unzählige Zitate an Wänden, dem Boden oder eben auch an der Wand des Hotelzimmers.

Weitere Berichte zum  Bloggertag gibt es auf „Literatur leuchtet“„Sounds & Books“, „masuko13“, „Herzpotenzial“, und „lustauflesen.de“.

Frühlingserwachen – Ein Blick in die Verlagsvorschauen

Das Leben besteht bekanntlich aus Entscheidungen. Manchmal muss eine von zwei Möglichkeiten gewählt werden. Schwieriger wird es, wenn mehrere bestehen. Ob in Lebensphasen oder konkreten Situationen. Bücherfans stehen immer wieder vor der Frage, welches Buch lese ich als nächstes, welche Bücher kaufe ich – angestachelt von Rezensionen in den Medien, Lesetipps von Freunden, Bücherbergen in den Buchhandlungen. Vor allem zweimal im Jahr scheint das Meer aus Möglichkeiten sich zu einem Ozean auszudehnen, in denen Bibliophile jedoch mit Begeisterung hineinspringen. Im Frühjahr und Herbst ist Hochkonjunktur  für Neuerscheinungen, die mit Verlagsvorschauen angekündigt werden. Frühlingserwachen – Ein Blick in die Verlagsvorschauen weiterlesen