Herbstlese(n) – Blick in die Vorschauen

Mit Blick in die im Frühjahr nach und nach veröffentlichten Vorschauen der verschiedenen Verlage ist ja schon seit einigen Wochen gefühlt wieder Herbst. Was uns die bunte Jahreszeit so bringt, stelle ich nach dem Durchstöbern der künftigen Programme an dieser Stelle vor. Welche kommenden Titel mein Interesse geweckt haben? Ich kann nur soviel sagen, es sind nicht wenige. Besonders auffällig: die Vielzahl an historischen Stoffen. Allgemein sollte nicht vergessen werden, dass durch die Absage der Leipziger Buchmesse und wegen einer Vielzahl fehlender Lesungen, die Frühjahrsbücher weniger Aufmerksamkeit erhalten haben, die sie allerdings vollauf verdient hätten. Deshalb lohnt sich ein bewusster Blick in die Vorschauen gleich doppelt.

Deutschsprachige Literatur

Bekannte Namen werden uns in den kommenden Wochen wieder begegnen: Ralf Rothmann mit seinem Erzählband „Hotel der Schlaflosen“ (Suhrkamp, Oktober), Robert Seethaler mit seinem literarischen Porträt von Gustav Mahler „Der letzte Satz“ (Hanser Berlin, August), Rolf Lappert mit „Leben ist ein unregelmäßiges Verb“ (Hanser, August), André Kubiczek mit „Straße der Jugend“, der Fortsetzung seines erfolgreichen Romans „Skizze eines Sommers“ (Rowohlt Berlin, September), Roman Ehrlich mit „Malé“ (S. Fischer, September), Charles Lewinsky mit „Der Halbbart“ (Diogenes, August) sowie Ulrike Draesner mit ihrem Kurt-Schwitters-Roman (Penguin, August). Gespannt bin ich auch auf „Die Unverhofften“ von Christoph Nußbaumeder (Suhrkamp, September), auf „Die Gespenster von Demmin“ von Verena Keßler (Hanser Berlin, August) sowie den neuen Roman von Olga Grjasnowa „Der verlorene Sohn“ (Aufbau, September). Nach Island führt der Roman „Kalmann“ von Joachim B. Schmidt (Diogenes, August), an die Westküste der USA indes Jens Rosteck mit „Big Sur“ (mare, September). Der neue Roman von Kristof Magnusson heißt „Ein Mann der Kunst“ (Kunstmann, August).

Über eine Serie von Gewaltakten in der Schweiz und ihre Folgen schreibt Jens Steiner in „Ameisen unterm Brennglas“ (Arche, August), Minka Pradelski hingegen in „Es wird wieder Tag“ von einer Familie im Nachkriegsdeutschland (Frankfurter Verlagsanstalt, August). Frauke Volkland widmet sich in ihrem Roman „Dies kostbar kurze Leben“ dem Schriftsteller Wolfgang Borchert (Osburg, September). Mit „Die Forelle“ erscheint das Debüt des Österreichers Leander Fischer (Wallstein, August). Mit „Briefe von Toni“ hat Frank Bresching ein Buch über die Schrecken des Krieges, über Liebe und Schuld geschrieben (Osburg Verlag, September). Andreas Schäfer erzählt in „Das Gartenzimmer“ von der Geschichte der Villa Rosen am Rande des Berliner Grunewalds und ihren Bewohnern (Dumont, Juli), Alexa Hennig von Lange in ihrem Roman „Die Wahnsinnige“ von Johanna von Kastilien (Dumont, August). Als treue Leserin von Siegfried Lenz freue ich mich auf die Taschenbuchausgaben von „Der Geist der Mirabelle“ und „Das Heimatmuseum“ (beide Hoffmann & Campe, September).

In den hohen Norden

Obwohl Norwegen sich im vergangenen Jahr als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse herausragend präsentiert hat, gibt es auch im kommenden Herbst einige Perlen zu entdecken: Dag Solstads Roman „16.7.41“ (Dörlemann, September), Karl Ove Knausgårds Debüt „Aus dieser Welt“ (Luchterhand, Oktober), ein neuer Roman von Hanne Ørstavik mit dem Titel „Roman.Milano“(Karl Rauch Verlag) sowie mit „Femina Erecta“ ein neues Werk von Jan Kjærstad (Septime, August). Matias Faldbakken kann mit „Wir sind fünf“ wieder gelesen werden (Heyne, August). Auf „Das Eis-Schloss“ von Tarje Vesaas folgt sein Roman „Die Vögel“ (Guggolz, November).

Hallgrimur Helgason zählt zu den Kulturautoren Islands. Von ihm erscheint der Roman „60 Kilo Sonnenschein“ (Tropen, Oktober). Wer eher isländische Klassiker mag, dem seien die Taschenbuch-Ausgaben von „Die Islandglocke“ und „Atomstation“ von Halldor Laxness ans Herz gelegt (Steidl).

Über den großen Teich – Fokus Kanada

Kanada ist Gastland der diesjährigen Buchmesse. Eine wunderbare Gelegenheit, die Literatur des nordamerikanischen Landes kennen- und schätzen zu lernen. Ich freue mich mit „Was dir bleibt“ auf ein neues Werk von Jocelyne Saucier (Insel, September). Mit „Volkswagen Blues“ von Jacques Poulin kommt ein kanadischer Kultroman in die deutschen Buchläden (Hanser, September). Gespannt bin ich auf: Rye Curtis mit „Cloris“ (C. H. Beck, August), auf „Der Junge“ von Nadia Bozak (Karl Rauch Verlag, September) und „Zugvögel“ von Charlotte McConaghy (S. Fischer, August). Mit „Der Himmel über Bay City“ kann die kanadische Autorin Catherine Mavrikakis entdeckt werden (Secession, September). Gleich zwei Romane erscheinen von Michael Crummey: „Sweetland“ (Mitteldeutscher Verlag, Juli) sowie die „Die Unschuldigen“ (Eichborn, September). Réjean Ducharme führt in „Von Verschlungenen verschlungen“ auf eine Insel im Sankt-Lorenz-Strom (Matthes & Seitz, Juli). Sharon Bala erzählt hingehen in „Boat People“ von Flucht und Vertreibung (Mitteldeutscher Verlag, Juli). Merilyn Simonds schildert in „Zuflucht“ von einer 96-jährigen Frau und ihren Erinnerungen (btb, September). Mit „Das Gewicht von Schnee“ erscheint ein Roman des preisgekrönten Schriftstellers Christian Guay-Poliquin (Hoffmann & Campe, Oktober). Ein Buch über Menschen und Tiger ist „Tiger“ von Polly Clark (Eisele, November). Science Fiction mit einer Dystopie verbindet Karoline Georges in „Totalbeton“ (Secession, September).

Paul-Auster-Fans können sich freuen: „Mit Fremden sprechen“ vereint ausgewählte Essays des Amerikaners (Rowohlt, Januar). Mit „Das Hohe Lied“ kommt ein neuer Roman von Nell Zink (Rowohlt, September). Nach ihrem vielbeachteten Roman „Ice Cream Star“ gibt es mit „Himmel“ ein neues Werk von Sandra Newman (Matthes & Seitz, September). Mit „Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind“ erscheint ein Buch von Esther Safran Foer, der Mutter des bekannten amerikanischen Autors Jonathan Safran Foer (Kiepenheuer & Witsch, November). Gespannt bin ich auf Ben Lerners Roman „Die Topeka Schule“ sowie Garrett M. Graffs Band über den 11. September und seine Folgen „Und auf einmal diese Stille“ (beide Suhrkamp, August). Von der New Yorkerin und gebürtigen Bulgarin Maria Popova gibt es den Band „Findungen“ (Diogenes, Oktober). Die US-Amerikanerin Michaela Carter hat mit „Die Surrealistin“ ein Buch über Leonce Carrington, Künstlerin und Frau an der Seite des Malers Max Ernst, geschrieben (Kindler, August). Von Lionel Shriver erscheint auch ein neues Werk: „Die perfekte Freundin“ (Piper, November). Ayad Akhtar widmet sich in seinem Roman „Homeland Elegien“ dem zerrütteten Zustand des heutigen Amerika (Claasen, Oktober). Janet Lewis führt in ihrem Roman „Verhängnis“ in die Ära des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (dtv, Oktober).

Julian Brian Moore lässt in „Schwarzrock“ das Amerika des frühen 17. Jahrhunderts plastisch werden (Diogenes, September). Der neu übersetzte Klassiker „Die rote Tapferkeitsmedaille“ von Stephen Crane berichtet vom amerikanischen Bürgerkrieg (Pendragon, September). Auch einen historischen Stoff bearbeitet Zora del Buono in „Die Marschallin“ (C. H. Beck, Juli). Die kolumbianische Autorin Pilar Quintana erzählt in „Hündin“ von einem südamerikanischen Dorf und seinen Menschen (Aufbau, September). Der Argentinier Santiago Amigorena schildert in „Kein Ort ist fern genug“ die bewegende Geschichte seines Großvaters (Aufbau, Juli). Auf Schusters Rappen unterwegs zu sein, bleibt ein Thema: unter anderem mit „Wo wir gehen“ von Robert Moor (Insel, November).

Nach Ost und West

Fans des Engländers Julian Barnes können sich freuen: „Der Mann im roten Rock“ berichtet vom Arzt Samuel Pozzi (Kiepenheuer & Witsch, Januar). Geert Mak zählt zu den großen Publizisten der Niederlande. Von ihm erscheint der Band „Große Erwartungen“ über die Jahre 1999 bis 2019 (Siedler, August). Mit „Morgen wartet eine neue Welt“ wird die niederländische Journalistin Henriette Roosenburg wiederentdeckt (Aufbau, November). Nach seinem vielbeachteten Roman „Bonita Avenue“ gibt es mit „Otmars Söhne“ einen neuen Roman des Belgiers Peter Buwalda (Rowohlt, Januar). Von der faszinierenden Welt der Wale schreibt der Brite Philip Hoare in „Leviathan oder der Wal“ (mare, Oktober). Die Französin Bérengère Cournut führt in „Das Lied der Arktis“ in eisige Welten (Ullstein, November). Ihr Landsmann und Goncourt-Preisträger Pierre Lemaitre hat mit „Spiegel unseres Schmerzes“ das Finale seiner historischen Trilogie geschrieben (Klett & Cotta, Oktober). Jean-Paul Dubois hat diesen renommierten Literaturpreis 2019 für seinen Roman „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“ erhalten (dtv, Juli). Nach „Am Tag zuvor“ erscheint mit „Wilde Freude“ ein neuer Roman von Sorj Chalandon (dtv, August).

Wer „Tage ohne“ von Sebastian Barry wie ich mit großer Freude gelesen hat, kehrt mit „Tausend Monde“ zurück in das Amerika des 19. Jahrhunderts und zu Thomas, John und Winona (Steidl, September). Der Pole Szcepan Twardoch zählt zu den erfolgreichsten Autoren seines Landes. Von ihm erscheint der neue Roman „Das schwarze Königreich“, der in die Zeit des Zweiten Weltkriegs führt. (Rowohlt Berlin, Oktober). Sergej Maximow vereint in „Taiga“ Erzählungen aus dem Gulag (Mitteldeutscher Verlag, August). Vom Franzosen Thomas Reverdy erscheint dessen preisgekrönter Roman „Ein englischer Winter“ (Berlin Verlag, Januar). Die Nordsee, ein Orkan und das einst überflutete „Doggerland“ stehen im Mittelpunkt des gleichnamigen Romans von Elisabeth Filhol (Edition Nautilus, Oktober). Mit „Die Geschichte einer afrikanischen Farm“ von Olive Schreiner kann ein Klassiker der südafrikanischen Literatur dank Neuübersetzung wiederentdeckt werden (Manesse, Oktober).

Spannende Krimizeit & Zukunftswelten

Der Norweger Jørn Lier Horst ist gleich in zwei Verlagsvorschauen vertreten: Erscheinen werden sein Roman „Blindgang“ aus dem Roman 2015 (Droemer Knaur, September) sowie die Fortsetzung der aktuellen Cold-Case-Reihe ebenfalls um Kommissar Wisting „Wisting und der Atem der Angst“ (Piper, November). Von seinem Landsmann Jo Nesbø gibt es mit „Ihr Königreich“ einen neuen Fall für Ermittler Harry Hole (Ullstein, September). Auch Håkan Nesser ist wieder mit von der Partie – mit seinem Roman „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ (btb, September).

Mit Anders Roslund Roman „Geburtstagskind“ kommt ein Bestseller aus Schweden (Ullstein, August). Nach Mexico entführt der Thriller „Der erste Tote“ von Tim MacGabhann (Suhrkamp, November). Ein spektakuläres Gerichtsverfahren steht im Mittelpunkt des Romas „Verweigerung“ von Graham Moore (Eichborn, Januar). Ein Thriller und Gesellschaftsporträt hat Steven Uhly mit seinem neuen Roman „Finsternis“ geschrieben (Secession, September). In die 80er-Jahre entführt Martin Maurer mit seinem Krimi „Die Krieger“ (Dumont, November). Mit „Lange Nacht“ erscheint der Abschluss der Darktown-Trilogie von Thomas Mullen (Dumont, November).

Aus dem Bereich Science Fiction haben mein Interesse geweckt: „Die Störung“ von Brandon Q. Morris über die Anfänge des Universums (Fischer Tor, Januar), das Debüt von Andrew Hunter Murray mit dem Titel „The Last Day“ (Piper, Oktober) sowie Philip P. Petersons Roman „Vakuum“ (Fischer Tor, September).

Auf welche Bücher freut Ihr Euch besonders? Ich bin gespannt auf Eure Tipps!

Einen weiteren Blick in die Herbstvorschauen gibt es jeweils bereits auf den Blogs „LiteraturReich“, „Die Buchbloggerin“ und „Buch-Haltung“.


Bild von kerttu auf Pixabay

10 Gedanken zu „Herbstlese(n) – Blick in die Vorschauen“

  1. Also wenn du alle diese Bücher in der zweiten Jahreshälfte schaffst, dann ziehe ich wirklich meinen Hut. 😉
    Aber in Ernst tolle Liste und wirklich exzellente Auswahl. Das wird ein guter Herbst!

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    1. Ich glaube, eine gute Auswahl ist immer hilfreich. Man nimmt ja auch mehr Bücher in den Urlaub mit, als man letztlich braucht. 😉 Aber ich bin ganz bei dir – es wird ein toller Leseherbst. Viele Grüße

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  2. Wahnsinn, wie Du den Überblick über diese ganzen Neuerscheinungen behältst. Das war für mich jetzt echt hilfreich, vielen Dank! :) Und großes Kompliment zu deinem Buchgeschmack, da finden sich darunter echte Schätze, zumindest wenn man den Klappentexten trauen kann. :)

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Icb hatte in den vergangenen Wochen Zeit, mir die Vorschauen vorzunehmen. Das macht ja auch furchtbar viel Freude zu sehen, was für spannende Titel erscheinen. Ich freue mich, wenn Du etwas finden konntest. Dafür soll der Beitrag auch gedacht sein. Viele Grüße

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  3. Endlich finde ich mal die Zeit, hier zu stöbern. Ich bin froh, dass ich mit meiner Einschätzung, dass es ein ganz reicher Literaturherbst wird, nicht alleine bin. Ich hätte noch endlos interessante titel aufführen können… Wie schön, dass du viele andere Titel gewählt hast. Da freue ich mich auf den Austausch. Vielleicht wird der ja auch bald mal wieder „in natura“ möglich sein. Liebe Grüße!

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    1. Es wird ein wunderbarer Leseherbst, ich hätte noch mehr Titel nennen können, aber da wäre der Beitrag wohl etwas ausgeufert. Ich hoffe auch, dass wir uns mal wieder „in natura“ austauschen können. Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Kommentar

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