Begegnung – Marie Nimier „Der Strand“

„Von dem Augenblick, da sie versteht, dass sie existiert, allein, der Natur zugewandt.“

Das Meer – Sehnsuchtsziel, Ort der Erinnerungen. Es gibt wohl kaum einen Menschen, den die weite Wasserlandschaft mit ihren intensiven Zusammenwirken der Elemente nicht geprägt hat. In der Kindheit mit ihren Entdeckungen, mit immer wiederkehrenden Reisen und langen Spaziergängen am Strand. Auch die Protagonistin im neuen Roman der Französin Marie Nimier ist dem Meer zugewandt. Nach einer ersten Reise mit ihrem Partner fährt sie nach wenigen Jahren per Fähre abermals auf  jene Insel und mit dem Bus wieder an jenen Strand, an dem sie gemeinsam mit ihrer früheren Liebe einige Tage verbracht hat. Doch die erneute Tour an jenen Ort verläuft anders als gedacht. Begegnung – Marie Nimier „Der Strand“ weiterlesen

Überleben – Gusel Jachina „Suleika öffnet die Augen“

„Als ob man sie ans andere Ende der Welt bringen will …“

Mit 15 Jahren wird sie mit dem weit älteren Murtasa verheiratet. Vier Töchter bringt sie zur Welt, die alle kurz nach der Geburt sterben. Mit 30 ist Suleika bereits Witwe, ein Rotarmist erschießt ihren Mann. Haus und Hof werden beschlagnahmt. Wenige Tage später findet sie sich in einem Waggon mit anderen Einwohnern ihres Heimatortes Julbasch, unweit von Kasan gelegen, wieder – eingepfercht mit weiteren Gefangenen auf der Fahrt gen Osten. Was sie zum Beginn der Reise noch nicht weiß: Sie ist schwanger und bis zum Ziel sind es noch mehrere Monate. Viel ist schon über die zahlreichen Lager geschrieben worden, die sich wie ein Netz über die Weite Sibiriens erstrecken. Doch bisher hat wohl niemand in einer so eindrucksvollen Bildhaftigkeit die Entstehung eines solchen Lagers aus der Sicht einer Frau geschrieben wie Gusel Jachina in ihrem Debüt „Suleika öffnet die Augen“, das von den 1930er- und 1940er-Jahren erzählt. Überleben – Gusel Jachina „Suleika öffnet die Augen“ weiterlesen

Geschärfte Sinne – Andreas Pflüger „Endgültig“

„Jeder hat sein Leben, hält es fest, nimmt es für selbstverständlich. Die Wenigsten wissen, dass es das nicht ist.“

Als ein Einsatz verheerend endet, ahnt sie nicht, dass dies erst der Beginn eines Kampfes auf Leben und Tod ist. Der Fall rund um ein gestohlenes Gemälde von Marc Chagall führt Jenny Aaron und Niko Kvist, zwei verdeckte Ermittler einer deutschen Polizei-Eliteeinheit, nach Barcelona. Während der vereinbarten Übergabe werden beide lebensbedrohlich verletzt. Seitdem hat Aaron ihr Augenlicht verloren. Trotzdem bleibt sie der Polizei als Vernehmungsspezialistin erhalten und gerät fünf Jahre nach dem Fiasko in der katalanischen Metropole erneut in einen gefährlichen Strudel der Gewalt.  Geschärfte Sinne – Andreas Pflüger „Endgültig“ weiterlesen

Zwei Frauen – Sofi Oksanen „Fegefeuer“

„Mein Mädchen, aus der Erde der Verzweiflung wachsen schlechte Blumen.“ 

Zwei Generationen treffen in einem Dorf im Westen Estlands aufeinander. Eines Tages findet die alte Aliide ein Bündel nur wenige Meter von ihrem Haus entfernt. Das Bündel erweist sich nach genauerem Hinsehen als ein Mensch. Es ist die junge Zara, die vor ihren Peinigern, zwei Zuhältern, geflohen war und sich in einem erbärmlichen Zustand befindet. Die eine nimmt die andere auf, beiden Frauen wohnen fortan unter einem Dach. Sie vereint ein trauriges Schicksal, das die finnische Autorin Sofi Oksanen in ihrem mehrfach preisgekrönten Roman „Fegefeuer“ auf atemberaubende und berührende Weise erzählt.  Zwei Frauen – Sofi Oksanen „Fegefeuer“ weiterlesen

Abschied – Milena Busquets „Auch das wird vergehen“

„Ich glaube, dass wir ein paar Dinge für immer verlieren. Ich glaube, sogar, dass wir mehr das sind, was wir verloren haben, als das, was wir besitzen.“

Nahezu jeder spürt die Furcht vor dem eigenen Tod sowie dem  Verlust eines geliebten Menschen. Wie wir mit dem unwiederbringlichen Ende umgehen, wird verschieden sein. Manchmal weigern wir uns, uns der Trauer zu stellen. Bis auch sie sich einstellt. Wenige Wochen nach dem Tod ihrer Mutter ist Blanca hin und hergerissen. Auf der einen Seite fühlt sie den Schmerz, auf der anderen Seite ist da das pure Leben mit Freundinnen, Männern und den beiden Söhnen. Der Sommersitz der Familie in dem beschaulichen Fischerdorf Cadaqués an der spanischen Mittelmeer-Küste verspricht Rückzug und Ablenkung zugleich.  Abschied – Milena Busquets „Auch das wird vergehen“ weiterlesen

Auflösung – Olivier Adam „Klippen“

„Niemand weiß, was zwei Menschen miteinander verbindet, auch sie selbst wissen es oft nicht und kommen erst dahinter, wenn sie sich verlieren.“

Tragische Ereignisse kommen nicht immer auf leisen Sohlen daher. Manche kündigen sich an, erste Vorboten des Kommenden werden sichtbar. Nur erkennen möchte sie oftmals keiner. Der selbst gewählte Tod von Oliviers Mutter war konsequenter Abschluss ihrer Depression und Weltabgewandtheit. Nur wenige Tage zuvor war sie nach einer mehrmonatigen Behandlung aus der Psychiatrie entlassen worden. Der Ausflug nach Étretat in der französischen Normandie sollte ein Neubeginn für die Familie sein. Letztlich war es der Auftakt einer Reihe schmerzlicher Ereignisse, die das Leben von Olivier und seinem älteren Bruder Antoine für immer verändern sollen.  Auflösung – Olivier Adam „Klippen“ weiterlesen

Zwei Welten – Catalin Dorian Florescu „Der Mann, der das Glück bringt“

„Nach dem großen Lachen kam immer das große Schweigen, denn jeder hoffte. Jeder befand sich unterwegs zu irgendeinem Amerika.“

Wo ist das Glück zu finden, wenn nicht dort, wo andere ihr Glück suchen und finden. Wenn wir auch nicht alle unbedingt im Strom schwimmen wollen, sind es doch die anderen Lebensgeschichten, Wünsche und Hoffnungen, die uns oftmals leiten. Amerika war und ist so ein Ziel für viele. Über dessen Geschichte als legendäres Einwanderer-Land, das von den einen erreicht wurde, von anderen unerreicht bliebt, schreibt der gebürtige Rumäne Catalin  Dorian Florescu in seinem neuen Roman „Der Mann, der das Glück bringt“. Zwei Welten – Catalin Dorian Florescu „Der Mann, der das Glück bringt“ weiterlesen

Unfassbar – David Garnett „Dame zu Fuchs“

„Wo eben noch seine Frau gewesen war, stand, mit leuchtend  rotem Fell, ein kleiner Fuchs.“

Wollen wir uns nicht ab und an in ein Tier verwandeln? Wenn uns Stress plagt in ein Faultier, wenn eine peinliche Situation droht in eine winzige Maus oder in der kalten Winterszeit in einen Delfin, der über die Wellen eines tropischen Meeres springt. Allerdings sollte es sicher sein, dass wir wieder zu einem Menschen werden. Denn das berührende Schicksal von Mr. und Mrs. Tebrick in dem Roman „Dame zu Fuchs“ von David Garnett zeigt uns die andere Seite der Verwandlung.  Unfassbar – David Garnett „Dame zu Fuchs“ weiterlesen

Weltenbrand – Katja Kettu „Wildauge“

„Wir sind dazu bestimmt, diese Welt mit zwei Augen zu betrachten, nur wir gemeinsam, denn ohne unsere Liebe ist diese Welt ein gähnender Lautsprecher, in dem der grausame und faulige Sturm des Todes brüllt.“

In Zeiten des Krieges verlieren selbst Orte der Idylle ihre Schönheit. Auch vor ihnen machen der Kampf und das Töten nicht halt. Deutsche Truppen, sowohl die SS-Elitegarde als auch die Wehrmacht, eroberten Europas Norden. Selbst das Gebiet oberhalb des Polarzirkels wurde besetzt. Eine besondere Geschichte aus dieser Zeit und aus jener Region hat die finnische Autorin Katja Kettu in ihrem Roman „Wildauge“ verarbeitet. Weltenbrand – Katja Kettu „Wildauge“ weiterlesen

Entdeckt – Irmgard Keun „Das kunstseidene Mädchen“

„Ich bin so oft doch mal unglücklich gewesen, aber es geht immer vorüber. Geht es denn bestimmt immer vorüber?“

Es gibt Autoren und Werke, die ähneln Sternschnuppen. Sie glänzen für eine kurze Zeit, lenken die Blicke vieler Menschen auf sich, um wenig später schnell zu verglühen und nahezu in Vergessenheit zu geraten. Einst galt Irmgard Keun (1905-1982) als großes literarisches Talent, war die meistgelesene Autorin der 30er Jahre, wurde zuvor von Alfred Döblin entdeckt, von Kurt Tucholsky gepuscht. Während des Dritten Reiches verschmäht, geriet sie nach dem Krieg jedoch in Vergessenheit.  Entdeckt – Irmgard Keun „Das kunstseidene Mädchen“ weiterlesen

Abstieg – Tim Winton „Schwindel“

„Engel ziehen weg, Kumpel. Sie sterben. Sie werden alt. Sie lassen dich allein.“

Er ist ganz unten, allerdings zugleich auch oben. Der einst berühmte Umweltaktivist Tom Keely steht nach der Scheidung und dem Jobverlust vor den Scherben seines Lebens. Er wohnt im zehnten Stock eines Hochhauses in Fremantle, nicht weit von der westaustralischen Metropole Perth entfernt. In seinem unaufgeräumten Appartement lebt er zurückgezogen in einer selbst gewählten Isolation. Trübsinn und Selbstmitleid bestimmen seine Gedanken, Untätigkeit, Alkohol und Tabletten seinen von Geldnöten beherrschenden Alltag. Dann tritt mit Gemma und ihrem sechsjährigen Enkel Kai die Vergangenheit in sein Leben und verändert es schlagartig.  Abstieg – Tim Winton „Schwindel“ weiterlesen

Duell – Jennifer Dubois „Das Leben ist groß“

„Ich sah die Schönheit, das verrückte, eigenartige Glück, das darin lag, allein und unbeachtet und barfuß irgendwo draußen in der weiten Welt  zu sein. Vielleicht war es ein Segen, irgendwie. Es war wie der freie Fall von jemandem, dessen Fallschirm nicht funktioniert.“

Ihr bleibt nicht viel Zeit. Das Leben sagt „Schach“. Irina Ellison wird vermutlich an dem heimtückischen Hirn-Leiden Chorea Huntington erkranken. Wie ihr Vater, der nach dem Verlust der motorischen Fähigkeiten auch die geistigen verliert und nach einigen Jahren stirbt. Ein Gen-Test ergibt, dass ihre Chance, ebenfalls eines Tages davon betroffen zu sein, 50:50 steht. Irina, die Philosophie und Literaturwissenschaft studiert, über Vladimir Nabokov promoviert hat, entscheidet sich für einen kompletten Lebenswandel. Sie zieht sich zuerst in eine selbst gewählte Einsamkeit zurück, um schließlich ihren Partner, Freunde und Familie zu verlassen und von Amerika nach Russland zu fliegen. Dort will sie den einstigen Schachweltmeister Alexander Besetow treffen, von dem ihr Vater, ein Pianist und College-Lehrer, einst geschwärmt und an den er damals einen Brief geschrieben hatte. Eine besondere Geschichte nimmt ihren Lauf, die in ein scheindemokratisches Land  führt. Duell – Jennifer Dubois „Das Leben ist groß“ weiterlesen

Gemeinschaft am See – Jocelyne Saucier „Ein Leben mehr“

„Ob die Sonne scheint oder es schneit, es ist ein schöner Moment, denn es gibt immer etwas zu beobachten, den Schnee, die Sonne, den Wind, eine Hasenspur, eine vorbeifliegende Krähe, das erwachende Leben, nichts, was sie nicht kennen.“

Eines Tages ist sie einfach da. Gertrude oder besser gesagt Marie-Desneige. Die betagte, aber rüstige Tante von Bruno bekommt einen neuen Namen, nachdem ihr Neffe sie vor der Rückkehr in die Psychiatrie bewahrt hat. Eine kleine Gemeinschaft am See wird zu ihrer neuen Heimat. Abgeschieden von der modernen Zivilisation haben sich Charlie und Tom, Freunde von Bruno und wie der weibliche Neuzugang ebenfalls über 80, in die Wildnis der nordkanadischen Wälder zurückgezogen. Sie leben in bescheidenen Holzhütten, jeweils mit einem treuen Hund an der Seite. Marie-Desneige wirbelt ihr bisher beschauliches Leben, mit dem der Roman „Ein Leben mehr“ der Kanadierin Jocelyne Saucier beginnt, gehörig durcheinander. Nicht nur durch rosa Gardinen in ihrem neu errichteten Holzhaus. Gemeinschaft am See – Jocelyne Saucier „Ein Leben mehr“ weiterlesen

Vom Menschsein – Lily King „Euphoria“

„Ich glaube, mehr als alles andere ist es die Freiheit, nach der ich in meiner Arbeit suche, in all diesen entlegenen Gegenden der Welt – nach einer Gruppe von Menschen, die einander den Raum geben, so zu sein, wie es den Bedürfnissen eines jeden entspricht. Und vielleicht werde ich niemals in einer einzigen Kultur fündig werden, sondern finde Teile davon in verschiedenen Kulturen, die ich dann wie ein Mosaik zusammensetzen und der Welt vorführen kann.“

Der Zufall bringt sie zusammen. Weihnachten 1932 begegnen sich die drei Ethnologen Nell Stone, Schuyler Fenwick und Andy Bankson auf der Regierungsstation in Angoram/Neuguinea. Nell und Fen sind verheiratet und wollen nach ihrem Aufenthalt bei verschiedenen Völkern die Insel wieder in Richtung Australien verlassen, um dort das Leben der Aborigines zu erforschen. Doch Andy kann die beiden überreden zu bleiben. Er verspricht ihnen, ein Volk zu finden, das sie untersuchen können. Zu Beginn eher eine rein berufliche Verbindung, entwickeln sich zwischen Nell und Andy tiefe Gefühle und eine Abhängigkeit, die später dramatische Folgen haben werden.  Vom Menschsein – Lily King „Euphoria“ weiterlesen

Zurück nach Fetknoppen – Leena Parkkinen „Die alte Dame, die ihren Hut nahm und untertauchte“

„Als junger Mensch bildete man sich ein, dass einem irgendwie die Zeit davonlaufe. Im Alter verstand man erst, dass außer Zeit nichts anderes mehr übrig war.“ 

Es gibt viele Orte, die bekannt dafür sind, die besondere Begegnung zweier Menschen zu fördern: der Supermarkt, eine Bar, ein Park, vielleicht auch ein Fußballspiel in einem Stadion. Im Fall von Karen und Azar ist es eine schnöde Tankstelle. Hier sehen sich die alte Dame und das 17-jährige Mädchen zum ersten Mal, wobei man an dieser Stelle unbedingt erwähnen sollte, dass Azar einen Überfall begehen will und Karen das Opfer ist. Doch die „kleine Gangsterbraut“ und ihr nicht gerade pfiffiger Mitganove haben die Rechnung ohne die Cleverness der alten und ebenfalls bewaffneten Frau gemacht. Karen verfrachtet die zudem hochschwangere Azar in ihr Auto, und zusammen gehen sie auf eine besondere Reise. Zurück nach Fetknoppen – Leena Parkkinen „Die alte Dame, die ihren Hut nahm und untertauchte“ weiterlesen

Projekt „Fluß ohne Ufer“ – Annäherung an Hans Henny Jahnn Teil 1

„Und so werden wir gleich zu lesen beginnen, diese Sätze, Ausfahrt, Erster Akt, Erster Band, und so wird es sein. Und ich denke an den Maler William Turner. Und ich sehe die Bilder. Und das verwirrende Licht des Impressionismus, und denke an den Sturm des Expressionismus.“ Clemens Meyer

Lieber möchte ich ein Buch empfehlen, als vor ihm zu warnen. Doch in diesem Fall werde ich eine Ausnahme machen. Denn dieses Werk soll und muss gelesen werden, aber weder zur falschen Zeit noch am falschen Ort. „Fluß ohne Ufer“ ist keine leichte und unterhaltsame Lektüre für den Strand oder für eine kurze Fahrt mit der Bahn oder dem Bus. Um das Mammut-Werk von Hans Henny Jahnn (1894 – 1959) zu lesen, braucht es Zeit und einen Ort der Versenkung. Weil es mit mehr als 2 000 Seiten nicht nur die Maße herkömmlicher Lektüre sprengt und weil es mehr Herausforderung denn reines Vergnügen ist – durch seine Sprache und einen Stil der seinesgleichen sucht.   Projekt „Fluß ohne Ufer“ – Annäherung an Hans Henny Jahnn Teil 1 weiterlesen

Zwei Getriebene – Patrick Modiano "Der Horizont"

„Alles, was man tagaus, tagein erlebt, ist gekennzeichnet von den Ungewissheiten der Gegenwart.“

Ihre Begegnung ist ein Zufall, wie es die meisten im Leben sind. Während einer Demonstration stoßen Margaret Le Coz und Jean Bosmans nahe der Pariser Metro zusammen. Womöglich hätten andere sich nach wenigen Sekunden mit einer kurzen Entschuldigung und einem Wort des Abschieds voneinander getrennt. Nicht Margaret und Jean, die fortan zusammengehören und ein Paar bilden. Er holt sie von der Arbeit ab, begleitet sie bei ihren Spaziergängen durch die Straßen der Stadt und ihren Besuche in einem der vielen Cafés. Was Jean erst nach einiger Zeit weiß: Er ist auch ein besonderer Beschützer für die junge Frau, die schon seit einiger Zeit von einem merkwürdig erscheinenden Mann verfolgt wird.  Zwei Getriebene – Patrick Modiano "Der Horizont" weiterlesen

Zugeständnisse – Stephan Thome "Gegenspiel"

„Was sie wirklich die ganze Zeit machte, war, davon zu träumen, etwas anderes zu tun.“

Manchmal findet sich auch in Popsongs ein wenig Philosophie. Wie heißt es da ab und an so schön: „There’s always two sides of every story.“ Selbst der große, von mir sehr geschätzte Phil Collins nannte einen Titel und sein fünftes Album „Both Sides“. Auch Stephan Thome hat sich den beiden Seiten einer Geschichte gewidmet. Besser gesagt: den zwei Seiten eines gemeinsamen Lebens. Nach seinem 2012 erschienenen Roman „Fliehkräfte“ über Hartmut Hainbach, Professor für Philosophie, der während einer Pilgerreise auf Sinnsuche geht, beschreibt Thome nun die andere Seite der Geschichte und ihre Geschehnisse – aus der Sicht von Hainbachs Frau Maria. Und dabei taucht der Leser tief hinab in das frühere Leben der interessanten Protagonistin.  Zugeständnisse – Stephan Thome "Gegenspiel" weiterlesen