Goran Vojnović „Unter dem Feigenbaum“

„Und am meisten enttäuschen uns Menschen, von denen wir am meisten erwarten.“

Zugegeben: In meiner Lesebiografie gibt es einige weiße Flecken. Wenn man leidenschaftlich für Autoren und die Literatur einiger Länder brennt, werden andere schlichtweg vergessen oder überhaupt nicht wahrgenommen. Seitdem ich diesen Blog schreibe und damit auch vermehrt Mitteilungen der verschiedensten kleinen oder großen Verlage erhalte, lerne ich vor allem eins: zu entdecken – und stoße dabei auf literarische Perlen, die mir beim Stöbern in Buchhandlungen wohl nicht aufgefallen wären. Der neue Roman des slowenischen Autors Goran Vojnović „Unter dem Feigenbaum“ hätte ich ignoriert, weil Osteuropa, speziell der Balkan eben noch immer zu jenen weißen Flecken zählt und weil sicherlich nicht jede Buchhandlung diesen Titel führt. Doch wie im Fall des grandiosen Romans „Belladonna“ der Kroatin Daša Drndić wäre es ein großer Fehler, hätte ich nun dieses Buch nicht gelesen.

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Wunden – Franziska Hauser „Die Gewitterschwimmerin“

„Was nicht erzählt wird, ist nicht aus der Welt.“

Familiengeschichten führen ihr Eigenleben. Je nach dem subjektiven Blickwinkel verändern sich ihre Bedeutungen, Facetten und Schattierungen. Ereignisse oder Familienmitglieder erscheinen anders, als sie womöglich in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Und Helden sind nicht immer nur Helden. Die Berliner Autorin Franziska Hauser erzählt in ihrem nunmehr zweiten Roman „Die Gewitterschwimmerin“ eine spezielle Familiengeschichte: Es ist teils ihre eigene, die ihr als Grundlage für die Handlung gedient hat. Anderes hat sie hingegen erfunden, wie sie dem Leser vor dem Beginn des Romans in einem kurzen Vorwort erklärt.  Wunden – Franziska Hauser „Die Gewitterschwimmerin“ weiterlesen

Bilder – Attila Bartis „Das Ende“

„Im Grunde gibt es nichts, das dem Tode näher wäre als das Fotografieren.“

Wir versuchen, uns der Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern zu nähern. Ein für uns bedeutenden Moment gilt es festzuhalten – mit dem Smartphone, der Kamera, dem Gedächtnis. Obwohl man sich sicherlich fragen kann und sollte, welche Beziehung die Fotografie und das Gedächtnis zueinander eingehen. András Szabad, Held und Ich-Erzähler in dem neuen Roman von Attila Bartis, ist Fotograf und zugleich Chronist seines eigenen Lebens, der von seinen vielen Leidenschaften, seinen Erlebnissen und seinen Schicksalsschlägen berichtet.  Bilder – Attila Bartis „Das Ende“ weiterlesen

Das Meer im Mann – Daniel Galera "Flut"

„Darauf lief es immer hinaus, auf die Ungerechtigkeit im Blick zurück. Sich eine andere Vergangenheit vorzustellen als die, die uns an den Punkt gebracht hat, an dem wir uns jetzt befinden.

Die Waffe liegt griffbereit neben seinem Vater. Die ihm treu ergebene Hündin Beta hat vor dessen Füßen Platz genommen. Es ist der Moment, in dem er vom zweifachen Sterben erzählt bekommt. Der Vater nimmt sich kurz nach der Ankündigung seines Selbstmordes das Leben, zuvor berichtet er seinem erwachsenen Sohn von der angeblichen Ermordung des Großvaters. Er – das ist der namenlose Held im Roman „Flut“ des Brasilianers Daniel Galera. Der Held des Buches ist Trainer, hat als Extremsportler unter anderem am legendären Ironman auf Hawaii teilgenommen. Seine Freundin hat ihn verlassen, um an der Seite seines Bruders zu leben. Nach dem Tod des Vaters zieht es den 33-Jährigen in das idyllisch gelegene Küstenstädtchen Garopaba, wo es einst eine Walfangstation gegeben hat. An seiner Seite: die Hündin Beta, die er eigentlich nach dem Wunsch des Vaters einschläfern sollte.  Das Meer im Mann – Daniel Galera "Flut" weiterlesen