Alice Horáčková – „Geteiltes Haus“

„Weißt du, man hat immer eine Wahl.“

Benetzko – im malerischen Riesengebirge gelegen. Nur wenige Seelen, Deutsche wie Tschechen, leben hier in der Grenzregion. Aus nachbarschaftlicher Verbundenheit wird mit der Zeit indes erbitterte Feindschaft, nachdem die Deutschen im Herbst 1938 in das Sudetenland einmarschieren. Zahlreiche Einwohner werden die kommenden dunklen Jahre nicht überstehen beziehungsweise von ihnen für immer gezeichnet sein – egal auf welcher Seite sie sich stellen, zu welcher Identität sie sich bekennen.

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Simon Stranger – „Museum der Mörder und Lebensretter“

„Welche dunklen Schluchten und Abgründe konnten sich in den Tiefen eines Menschen verbergen?“

Donau. Ich denke da an Wasser, einen durch Länder strömenden Fluss. An bekannte Städte. Wien, Budapest, Bratislava, Belgrad. An eine Schiffsfahrt. Norwegische Juden verbinden diesen Namen jedoch mit einem niemals endenden Schmerz. Mit Leid, Tod und Auslöschung. Die MS „Donau“ brachte während des Zweiten Weltkriegs Hunderte Juden von Oslo nach Polen, wo die meisten in den dortigen Konzentrationslagern ermordet wurden. Dass Ellen und ihre Familie im Herbst 1942 nicht auf das deutsche Frachtschiff kamen, ist Fluchthelfern zu verdanken, die die Glotts über die Grenze nach Schweden brachten. Zwei von ihnen haben jedoch ein düsteres Geheimnis, das erst Jahre später aufgedeckt wird.

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Benjamin Koppel – „Annas Lied“

„Wer doch nur sein Schicksal ändern könnte?“

Der Lauf der Welt und an sich jedes Leben birgt die Frage in sich: Was wäre wenn? Wenn es einschneidende und dramatische historische Ereignisse und besondere gesellschaftliche wie familiäre Umstände nicht gegeben hätte, wäre Anna als Pianistin wohl bekannt geworden? Diese Frage stellt sich nach der Lektüre des Romans des dänischen Jazz-Musikers und -Komponisten Benjamin Koppel, der in seinem Buch der Schwester seines Großvaters ein literarisches Denkmal setzt. „Benjamin Koppel – „Annas Lied““ weiterlesen →

Kristin Valla – „Das Haus über dem Fjord“

„Nur Papa sank, kam nie an die Oberfläche, hatte etwas in sich, das ihn schwer machte.“

Es sind nur wenige Sekunden, in denen die zehnjährige Elin ihren Vater und ihre beiden älteren Brüder Thomas und Vegard für immer verliert. Auf dem Weg zu einer Familienfeier kommen sie infolge eines Erdrutsches ums Leben. Das Mädchen und ihre Mutter sind an jenem Tag daheim geblieben. Mehr als 20 Jahre später und nach dem Tod der Mutter kommt die nunmehr erwachsene Elin einem streng gehüteten Geheimnis auf die Spur, das die gesamte Familiengeschichte nicht nur infrage stellt. In ihrem berührenden wie atmosphärischen Roman „Das Haus über dem Fjord“ erzählt die Norwegerin Kristin Valla von Trauer und Schmerz und welche Folgen die Geheimnisse der Eltern auf die nächste Generation haben können.

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Inger-Maria Mahlke „Archipel“

„Seltsam, wie einen das Leben die Bedeutung von Zeit lehrt.“

Inger-Maria Mahlke hat mit ihrem Roman „Archipel“ im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis gewonnen. Mehr und mehr scheinen die Schauplätze der ausgezeichneten Werke das „Weite zu suchen“. Bodo Kirchhoffs Novelle „Widerfahrnis“ führt nach Sizilien, Robert Menasses Roman „Die Hauptstadt“ nach Brüssel. „Archipel“ setzt den Leser wieder auf eine Insel aus, wie der Titel bereits verrät. Die Autorin erzählt in ihrem Roman eine auf Teneriffa angesiedelte Familiengeschichte. Und das auf besondere und beeindruckende Art und Weise. „Inger-Maria Mahlke „Archipel““ weiterlesen →

Goran Vojnović „Unter dem Feigenbaum“

„Und am meisten enttäuschen uns Menschen, von denen wir am meisten erwarten.“

Zugegeben: In meiner Lesebiografie gibt es einige weiße Flecken. Wenn man leidenschaftlich für Autoren und die Literatur einiger Länder brennt, werden andere schlichtweg vergessen oder überhaupt nicht wahrgenommen. Seitdem ich diesen Blog schreibe und damit auch vermehrt Mitteilungen der verschiedensten kleinen oder großen Verlage erhalte, lerne ich vor allem eins: zu entdecken – und stoße dabei auf literarische Perlen, die mir beim Stöbern in Buchhandlungen wohl nicht aufgefallen wären. Der neue Roman des slowenischen Autors Goran Vojnović „Unter dem Feigenbaum“ hätte ich ignoriert, weil Osteuropa, speziell der Balkan eben noch immer zu jenen weißen Flecken zählt und weil sicherlich nicht jede Buchhandlung diesen Titel führt. Doch wie im Fall des grandiosen Romans „Belladonna“ der Kroatin Daša Drndić wäre es ein großer Fehler, hätte ich nun dieses Buch nicht gelesen.

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