Tove Alsterdal – „Sturmrot“

„Familie kann ein verdammt gefährlicher Ort sein.“ 

Er war es, ganz sicher. Die Bewohner von Ådalen haken den schrecklichen Fall für sich ab. Ein Schuldiger ist schnell gefunden. Doch als Olof seinen Vater Sven erstochen in dessen Haus findet, kehren die Erinnerungen an die einstigen Geschehnisse von vor 23 Jahren zurück. Denn Olof hatte damals gestanden, Lina vergewaltigt und ermordet zu haben. Nie wurde er vor ein Gericht gestellt ob seines jungen Alters, nie tauchte sein Name in der Presse, in den Akten auf. Der Junge war 14 Jahre alt, noch ein Teenager. Und nie konnte die Leiche des jungen Mädchens gefunden werden. Ist der Mord an seinem Vater eine späte Rache? Polizeimeisterin Eira Sjödin wird ins Ermittlerteam gerufen, um diesen Fall aufzuklären. Die junge Polizistin steht im Mittelpunkt einer neuen Trilogie der schwedischen Autorin Tove Alsterdal – und „Sturmrot“ ist ein spannender, atmosphärischer und komplexer Auftakt nach Maß. 

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Liz Nugent – „Auf der Lauer liegen“

„Es ist absolut furchtbar, mit so etwas zu leben – dem Wissen um einen Mord und dem Beweis direkt vor unserer Nase (…).“

Ein Garten ist eine grüne Oase – in manchen Fällen kann er auch Ort eines dunklen Geheimnisses sein. So haben die Fitzsimons auf jeden Fall etwas zu verbergen, als Andrew und seine Frau Lydia die 22-jährige Prostituierte Annie an einem Novemberabend 1980 töten und kurzerhand auf ihrem herrschaftlichen Anwesen vor den Toren Dublins verscharren. All dies geschieht auf den ersten Seiten des Romans „Auf der Lauer liegen“ der irischen Schriftstellerin Liz Nugent, so dass ich an dieser Stelle nichts verrate und damit angespannte Krimi-Leser verärgere. Denn Nugent rollt die Story in eine andere Richtung auf – und das ist der Clou an ihrem großartigen psychologischen Thriller. „Liz Nugent – „Auf der Lauer liegen““ weiterlesen

Christoffer Carlsson – „Was ans Licht kommt“

„Vieles, was sichtbar ist, sieht man nicht, weil es zu schmerzhaft wäre.“ 

Es ist der Abend, als Olof Palme stirbt. Am 28. Februar 1986 wird der schwedische Ministerpräsident nach einem Kinobesuch auf offener Straße in Schwedens Hauptstadt Stockholm erschossen.  An jenem Tag in der Provinz Halland beobachtet ein Junge ein merkwürdiges Geschehen. Später wird dort in einem Auto die Leiche einer jungen Frau gefunden. In beiden Fällen tappt die Polizei bei ihren Ermittlungen lange im Dunklen, sind die Menschen geschockt von dem grausamen Verbrechen. Der schwedische Kriminalautor und Kriminologe Christoffer Carlsson erzählt in seinem Roman „Was ans Licht kommt“ von einer Mordserie in der schwedischen Provinz, vor allem aber von den Menschen, die dort leben.

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Philip Kerr – „Metropolis“

„Heutzutage gibt es sehr viel Hass.“

Berlin, 1928. Auf den Straßen bekämpfen sich Linke und Rechte. In den Bars und Clubs wird hingegen gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Alkohol, Drogen und Sex sorgen für den perfekten Rausch. Frauen gehen auf den Strich, um finanziell über die Runden zu kommen. Der Name eines erfolglosen Malers aus Österreich ist als Heilsbringer in aller Munde. In seinem letzten Roman „Metropolis“ führt der schottische Schriftsteller Philip Kerr in die goldenen 20er-Jahre, in denen das kommende Unheil schon angelegt ist, und erzählt darin die Vorgeschichte seines Ermittlers Bernie Gunther und von brutalen Tötungsverbrechen an Prostituierte und Kriegsinvaliden.

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Charlotte McConaghy – „Wo die Wölfe sind“

„Ich glaube, uns macht die Zivilisation gewalttätig.“

Wohl kein anderes Tier löst im Menschen so gegensätzliche Gefühle aus wie der Wolf. Die einen fürchten und jagen ihn, weil er als Raubtier Nutztiere tötet. Für andere ist er der Inbegriff eines ökologischen Gleichgewichts und ein Tier voller Anmut und Schönheit. Beide Positionen lassen sich auch in dem neuen, vorrangig in Schottland angesiedelten Roman der australischen Autorin Charlotte McConaghy finden, die mit „Wo die Wölfe sind“ wieder eine starke Frauenfigur und die Dringlichkeit des Natur- und Artenschutzes in den Mittelpunkt rückt.

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Greg Buchanan – „Sechzehn Pferde“

„Mit einem Geschöpf, das kein Mensch ist, kann man nach Belieben verfahren.“

Der schaurige Anblick erinnert an eine mystische, symbolisch aufgeladene Opferzeremonie. 16 Pferdeköpfe werden mit einem Auge gen Himmel blickend nebst einigen abgetrennten Schweifen kreisförmig in den Acker eingegraben nahe einer Farm gefunden. Die Polizei wird gerufen. Neben dem hiesigen Detective Sergeant Alec Nicols kommt auch Cooper Allen als Spezialistin hinzu. Beide können da noch nicht ahnen, dass sie mit ihren wochenlangen Ermittlungen in den Abgrund der menschlichen Seele blicken werden. Der schottische Autor Greg Buchanan hat mit seinem Debüt „Sechzehn Pferde“ einen Roman von verstörender Dunkelheit geschrieben. „Greg Buchanan – „Sechzehn Pferde““ weiterlesen

Mathijs Deen – „Der Holländer“

„Das Meer macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.“

Es sind keine unendlichen Weiten, aber die Weite ist hier mehr als deutlich zu spüren. Wenn das Meer sich zurückgezogen hat, der Blick gen Horizont geht, keine Gischt die Aufmerksamkeit an sich bindet. Das Watt ist eine ganz eigentümliche, karge wie wilde und von der Kraft der Gezeiten geprägte Landschaft, die indes auch ihre Tücken hat. In seinem ersten Kriminalroman weist der Niederländer Mathijs Deen ihr eine besondere Rolle zu, die mehr ist, als nur reine Kulisse zu sein.

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Anne Holt – „Ein Grab für zwei“

„Inoffizielle Macht ist lebensgefährlich.“ 

In jedem Sprichwort liegt ein Fünkchen Wahrheit. Auch in jenem, das besagt, dass Norweger mit Ski an den Füßen geboren werden. Wer sich die Medaillenlisten von Weltmeisterschaften oder den Olympischen Spielen zu Gemüte führt – man denke an die großen Erfolge von Bjørn Erlend Dæhlie oder Ole Einar Bjørndalen -, wird es sehen, wer das Land im Norden kennt, weiß es sowieso. Es gibt wohl keine Familie, in der es nicht für jeden Ski gibt. Schon Kleinkinder erhalten sie als Geschenk. Skifahren ist für die Norweger sowohl Alltag als auch Identitätssport, ein Stolz, den sich die „Krimi-dronningen“ des Landes, Anne Holt, in ihrem neuesten, ins Deutsche übertragenen Roman „Ein Grab für zwei“ annimmt – durchaus auf sehr kritische Art und Weise. 

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Katrine Engberg – „Das Nest“

„Was ist ein Atemzug? Ein Zischen, ein Zeichen von Leben.“ 

Kriminalromane erzählen meistens nicht nur von Verbrechen und Ermittlungen, von abgebrühten wie brutalen Tätern sowie Polizisten, die mal mehr mal weniger verzweifelt erscheinen. Titel dieses Genres sind oft auch sehr eng verknüpft mit dem Ort ihrer Handlung, der manchmal so genau beschrieben wird, dass man dank der Schilderungen eine Karte zeichnen könnte. Katrine Engbergs Krimi-Reihe führt nach Kopenhagen. Und auch ihr neuester Streich „Das Nest“ lässt einen nahezu die Koffer packen, um in die Hauptstadt Dänemarks, der Heimat der Autorin, zu reisen.      

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Javier Cercas – „Terra Alta“

„Aber die wahren Wunden sind andere. Die niemand sieht. Die die Leute im Geheimen tragen. Und die erklären alles.“

Seine Mutter war eine Prostituierte. Seinen Vater kennt er nicht. Als Jugendlicher wurde er straffällig und Handlanger eines kolumbianisches Kartells. Bis er verhaftet wurde, ins Gefängnis kam – und sich wandelt. Aus dem Kriminellen Melchor Marin wird ein Polizist. Mit „Terra Alta. Geschichte einer Rache“ startet der Spanier Javier Cercas seine Reihe um den Ermittler mit der ungewöhnlichen Vergangenheit. Ein spannender Auftakt, der 2019 mit dem Premio Planeta, dem höchstdotierten spanischen Literaturpreis, ausgezeichnet wurde und das vielschichtige Porträt eines besonderen Mannes mit einem dunklen Kapitel spanischer Geschichte verbindet.

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