Charlotte McConaghy – „Wo die Wölfe sind“

„Ich glaube, uns macht die Zivilisation gewalttätig.“

Wohl kein anderes Tier löst im Menschen so gegensätzliche Gefühle aus wie der Wolf. Die einen fürchten und jagen ihn, weil er als Raubtier Nutztiere tötet. Für andere ist er der Inbegriff eines ökologischen Gleichgewichts und ein Tier voller Anmut und Schönheit. Beide Positionen lassen sich auch in dem neuen, vorrangig in Schottland angesiedelten Roman der australischen Autorin Charlotte McConaghy finden, die mit „Wo die Wölfe sind“ wieder eine starke Frauenfigur und die Dringlichkeit des Natur- und Artenschutzes in den Mittelpunkt rückt.

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Greg Buchanan – „Sechzehn Pferde“

„Mit einem Geschöpf, das kein Mensch ist, kann man nach Belieben verfahren.“

Der schaurige Anblick erinnert an eine mystische, symbolisch aufgeladene Opferzeremonie. 16 Pferdeköpfe werden mit einem Auge gen Himmel blickend nebst einigen abgetrennten Schweifen kreisförmig in den Acker eingegraben nahe einer Farm gefunden. Die Polizei wird gerufen. Neben dem hiesigen Detective Sergeant Alec Nicols kommt auch Cooper Allen als Spezialistin hinzu. Beide können da noch nicht ahnen, dass sie mit ihren wochenlangen Ermittlungen in den Abgrund der menschlichen Seele blicken werden. Der schottische Autor Greg Buchanan hat mit seinem Debüt „Sechzehn Pferde“ einen Roman von verstörender Dunkelheit geschrieben. „Greg Buchanan – „Sechzehn Pferde““ weiterlesen

Mathijs Deen – „Der Holländer“

„Das Meer macht keinen Unterschied zwischen den Menschen.“

Es sind keine unendlichen Weiten, aber die Weite ist hier mehr als deutlich zu spüren. Wenn das Meer sich zurückgezogen hat, der Blick gen Horizont geht, keine Gischt die Aufmerksamkeit an sich bindet. Das Watt ist eine ganz eigentümliche, karge wie wilde und von der Kraft der Gezeiten geprägte Landschaft, die indes auch ihre Tücken hat. In seinem ersten Kriminalroman weist der Niederländer Mathijs Deen ihr eine besondere Rolle zu, die mehr ist, als nur reine Kulisse zu sein.

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Anne Holt – „Ein Grab für zwei“

„Inoffizielle Macht ist lebensgefährlich.“ 

In jedem Sprichwort liegt ein Fünkchen Wahrheit. Auch in jenem, das besagt, dass Norweger mit Ski an den Füßen geboren werden. Wer sich die Medaillenlisten von Weltmeisterschaften oder den Olympischen Spielen zu Gemüte führt – man denke an die großen Erfolge von Bjørn Erlend Dæhlie oder Ole Einar Bjørndalen -, wird es sehen, wer das Land im Norden kennt, weiß es sowieso. Es gibt wohl keine Familie, in der es nicht für jeden Ski gibt. Schon Kleinkinder erhalten sie als Geschenk. Skifahren ist für die Norweger sowohl Alltag als auch Identitätssport, ein Stolz, den sich die „Krimi-dronningen“ des Landes, Anne Holt, in ihrem neuesten, ins Deutsche übertragenen Roman „Ein Grab für zwei“ annimmt – durchaus auf sehr kritische Art und Weise. 

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Katrine Engberg – „Das Nest“

„Was ist ein Atemzug? Ein Zischen, ein Zeichen von Leben.“ 

Kriminalromane erzählen meistens nicht nur von Verbrechen und Ermittlungen, von abgebrühten wie brutalen Tätern sowie Polizisten, die mal mehr mal weniger verzweifelt erscheinen. Titel dieses Genres sind oft auch sehr eng verknüpft mit dem Ort ihrer Handlung, der manchmal so genau beschrieben wird, dass man dank der Schilderungen eine Karte zeichnen könnte. Katrine Engbergs Krimi-Reihe führt nach Kopenhagen. Und auch ihr neuester Streich „Das Nest“ lässt einen nahezu die Koffer packen, um in die Hauptstadt Dänemarks, der Heimat der Autorin, zu reisen.      

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Javier Cercas – „Terra Alta“

„Aber die wahren Wunden sind andere. Die niemand sieht. Die die Leute im Geheimen tragen. Und die erklären alles.“

Seine Mutter war eine Prostituierte. Seinen Vater kennt er nicht. Als Jugendlicher wurde er straffällig und Handlanger eines kolumbianisches Kartells. Bis er verhaftet wurde, ins Gefängnis kam – und sich wandelt. Aus dem Kriminellen Melchor Marin wird ein Polizist. Mit „Terra Alta. Geschichte einer Rache“ startet der Spanier Javier Cercas seine Reihe um den Ermittler mit der ungewöhnlichen Vergangenheit. Ein spannender Auftakt, der 2019 mit dem Premio Planeta, dem höchstdotierten spanischen Literaturpreis, ausgezeichnet wurde und das vielschichtige Porträt eines besonderen Mannes mit einem dunklen Kapitel spanischer Geschichte verbindet.

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Michael Connelly – „Night Team“

„Wenn man den Staub von einem alten Verfahren bläst, passieren manchmal schlimme Dinge.“

Los Angeles – Stadt der Reichen und Schönen, aber auch von Armut, Gewalt und Verbrechen geprägt. Die Metropole an der Pazifikküste zählt zu den Orten mit der höchsten Kriminalitätsrate in den Vereinigten Staaten und zu den Städten, die niemals schlafen.  In der berühmt-berüchtigten Nachtschicht, der sogenannten Late Show, arbeitet die junge Polizistin Renée Ballard. Eines Nachts sieht sie, wie sich ein ihr unbekannter grauhaariger Mann an den Aktenschränken im Departement zu schaffen macht. Es ist ihre erste Begegnung mit Harry Bosch, dem erfahrenen Ermittler. Doch es wird nicht ihre letzte sein. Ein noch ungeklärtes Verbrechen, ein sogenannter Cold Case, bringt die beiden Detectives zusammen. Wer ermordete vor neun Jahren die junge Prostituierte Daisy? Der zweite Band der neuen Ballard-Reihe aus der Feder des Amerikaners Michael Connelly gibt spannende Einblicke in die Polizeiarbeit und erzählt von zwei charismatischen Einzelgängern. „Michael Connelly – „Night Team““ weiterlesen

Jurica Pavičić – „Blut und Wasser“

„In diesem Krieg gibt es keinen Sieg, nur aufgeschobene Niederlagen.“

In den 90er-Jahren tobten mehrere Kriege auf dem Balkan. Sie brachten den Menschen unermessliches Leid. Ein Land zerfiel. Trotz der Entsendung von UN-Truppen, unzähliger Flüchtlingsschicksale und späterer Verfahren am Internationalen Strafgerichtshof  in Den Haag blieb das Interesse des überwiegenden Teils der Europäer eher gering. Diese Kriege nahezu vor unserer „Haustür“ haben mittlerweile Eingang in die Literatur gefunden, die an die einstigen Geschehnisse und Folgen erinnert. In seinem Roman „Blut und Wasser“ verbindet der kroatische Schriftsteller Jurica Pavičić einen Kriminalfall mit der Geschichte seines Landes auf beeindruckende Weise. „Jurica Pavičić – „Blut und Wasser““ weiterlesen

Regina Nössler – „Die Putzhilfe“

„Die alte und die neue Arbeit. Von der geistigen Elite zum Putzen.“

Es ist ein Mittwochabend im November. Sie packt drei Koffer, schließt die Tür hinter sich zu, fährt mit dem Bus zum Bahnhof und steigt in den Zug nach Berlin. Franziska Oswald verlässt das Haus, die Stadt, ihren Mann. Ohne eine einzige Nachricht zu hinterlassen. Aus der Wissenschaftlerin mit einer vielversprechenden Zukunft wird eine Putzhilfe, die ihr Leben hinter sich lässt, den schicken Hosenanzug gegen robuste Kleidung tauscht und ein dunkles Geheimnis verbergen muss. Doch damit ist sie im preisgekrönten Thriller von Regina Nössler nicht allein. Denn nichts ist, wie es scheint, bis ein furioser Showdown alles für den faszinierten Leser aufklärt und die Teile der ganzen Story zusammenführt. „Regina Nössler – „Die Putzhilfe““ weiterlesen

Ragnar Jónasson – „Dunkel“

„Der Vorteil von Dunkelheit ist, dass es keine Schatten gibt.“

Dass Bücher aus Skandinavien mit Verspätung auf den deutschen Buchmarkt landen, ist bekannt. Keine Seltenheit ist dies bei der Belletristik. Dass allerdings auch nordische Kriminalromane betroffen sind, die vor allem hierzulande ein großes Fan-Publikum haben und schon im Voraus in anderen Ländern erfolgreich waren, ist wohl weniger der Fall. Bereits 2015 erschien in Island „Dimma“, der Beginn der sogenannten Hulda-Trilogie von Ragnar Jónasson.  Die britische Tageszeitung „The Times“ kürte den Roman als einer der 100 besten Krimis und Thriller seit 1945. Mit fünf Jahren Zeitverzug ist er endlich in Deutschland erschienen – welch ein großes Glück. „Ragnar Jónasson – „Dunkel““ weiterlesen