Blut für Blut – Jo Nesbø „Macbeth“

„Dies ist die ird’sche Welt, wo Böses tun oft löblich ist, und Gutes tun zuweilen schädliche Torheit heißt.“ (William Shakesspeare „Macbeth“)

Aus meiner Leseerinnerung heraus ist „Macbeth“ das wohl düsterste und blutigste Drama William Shakespeares. Eines, das von der Gier nach Macht und über Mord, aber auch von Loyalität erzählt. Um 1606 geschrieben, ist es neben „Hamlet“ die bekannteste Tragödie aus der Feder des berühmten Engländers, der die Weltliteratur bis heute und darüber hinaus bestimmt. Anlässlich seines 400. Todestages initiierte der Verlag The Hogarth Press ein besonderes internationales Projekt, mit dem eine Handvoll Werke Shakespeares in ein neues modernes literarisches Gewand gekleidet werden. Knaus verlegte die deutschen Übertragungen.

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Verstrickt – Håkan Nesser „Der Fall Kallmann“

„(…), aber das ganze Leben ist eine ganze Aneinanderreihung unwahrscheinlicher Begebenheiten.“ 

Um es schon einmal vorwegzunehmen: Obwohl der Name Håkan Nesser auf dem Roman mit dem Titel „Der Fall Kallmann“ draufsteht, ist es kein typischer skandinavischer Krimi. Wer sich schon auf düstere Szenerien und die eine oder andere entsetzlich zugerichtete Leiche nebst einem eigenbrötlerischen Kommissar gefreut hat, sollte sich an anderer Stelle umsehen. Oder vielleicht doch weiter lesen!? Denn der berühmte wie geachtete schwedische Autor zeigt einmal mehr, dass er für Überraschungen gut ist, neue Wege beschreitet und aktuelle Themen literarisch umsetzt, ohne dass seine tiefgründigen wie psychologischen Romane an Spannung verlieren.  Verstrickt – Håkan Nesser „Der Fall Kallmann“ weiterlesen

Echo der Vergangenheit – Andreas Pflüger „Niemals“

„Blind zu sein hat auch Vorzüge.“

Ihre Rückkehr beschließt sie in der Stille Schwedens. Hier hat sich Jenny Aaron nach ihrem letzten Einsatz zurückgezogen, um sich an der Seite von Lissek, dem einstigen Chef der Spezialeinheit, zu kurieren – seelisch wie körperlich. Vor wenigen Wochen hat die blinde Ermittlerin ihren Partner Niko verloren, und fast ihr Leben. Doch für ihre Genesung bleibt wenig Zeit: Erneut meldet sich die Vergangenheit zurück, und ihr früheres Team fordert ihre besonderen Fähigkeiten – wie bereits im letzten Fall, mit dem Andreas Pflüger die Reihe über die charismatische wie außergewöhnliche Ermittlerin mit dem Band „Endgültig“ beginnen ließ.  Echo der Vergangenheit – Andreas Pflüger „Niemals“ weiterlesen

Blut – Jo Nesbø „Durst“

Es ist der Herbst des Jo Nesbø. In den deutschen Kinos läuft aktuell die Verfilmung seines Romans „Schneemann“, da liegt auch schon der neue Fall des charismatischen Ermittlers Harry Hole in den Auslagen der Buchläden. „Durst“ heißt das neue Buch, das dem Leser die Abgründe des Menschen, von Mörder wie Ermittler gleichermaßen, aufzeigt. Denn wer Hole kennt, weiß um seinen gebrochenen Charakter. Auf der einen Seite erfolgreich hat der Ermittler mit seiner Alkoholsucht, seinem dunklen Wesen und seiner extremen Arbeitswut zu kämpfen. Blut – Jo Nesbø „Durst“ weiterlesen

Verräter – Gard Sveen „Der letzte Pilger“

„Zufälle sind nicht anderes als Schicksal. und das Schicksal ist nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Zufällen.“ 

Er galt als Kriegsheld, war erfolgreicher Immobilienhändler, einst sogar Handelsminister seines Landes. An einem Junitag wird Carl Oscar Krogh ermordet aufgefunden, seine mit unzähligen Messerstichen versehene Leiche lässt sogar eingefleischte Kriminalisten das Blut in den Adern gefrieren. Selbst Kommissar Tommy Bergmann sucht vorsorglich die Toilette des Hauses auf. Wer trachtete dem einstigen heroischen Widerstandskämpfer nach dem Leben? Bergmann stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf Rätsel der Vergangenheit. Er ist sich auch sicher, dass der Fund dreier Skelette, die wenige Tage zuvor in der Nordmarka entdeckt worden waren, mit diesem Mord zu tun haben. Verräter – Gard Sveen „Der letzte Pilger“ weiterlesen

Blätterrascheln – Blick in die Herbstvorschauen

Ich muss gestehen: Meine Leseliste, erstellt nach einem Blick in die Frühjahrsvorschauen, habe ich nur ankratzen können. Viele Titel warten noch auf ihre Lektüre, und schon geben die Verlage die Programme für den kommenden Herbst und Winter heraus. Ergo: Die Wunschliste wird immer länger. Hier sind einige Titel, die mich neugierig machen oder deren Verfasser ich kenne und sehr schätze.  Blätterrascheln – Blick in die Herbstvorschauen weiterlesen

Geschärfte Sinne – Andreas Pflüger „Endgültig“

„Jeder hat sein Leben, hält es fest, nimmt es für selbstverständlich. Die Wenigsten wissen, dass es das nicht ist.“

Als ein Einsatz verheerend endet, ahnt sie nicht, dass dies erst der Beginn eines Kampfes auf Leben und Tod ist. Der Fall rund um ein gestohlenes Gemälde von Marc Chagall führt Jenny Aaron und Niko Kvist, zwei verdeckte Ermittler einer deutschen Polizei-Eliteeinheit, nach Barcelona. Während der vereinbarten Übergabe werden beide lebensbedrohlich verletzt. Seitdem hat Aaron ihr Augenlicht verloren. Trotzdem bleibt sie der Polizei als Vernehmungsspezialistin erhalten und gerät fünf Jahre nach dem Fiasko in der katalanischen Metropole erneut in einen gefährlichen Strudel der Gewalt.  Geschärfte Sinne – Andreas Pflüger „Endgültig“ weiterlesen

Tod im Park – Friedrich Ani „Der namenlose Tag“

„Manche Menschen wollen nicht erkannt werden; wir sitzen ihnen gegenüber und glauben, sie zu kennen, aber wir sehen nur das, was sie anhaben, und hören nur das, was sie sagen, wir haben keine Ahnung, wie sie nackt aussehen oder ob sie weinen, wenn sie allein sind. Wir lassen uns nur allzu gern täuschen; vielleicht, weil wir sonst nicht weiterleben könnten vor lauter Hilflosigkeit.“

Die Vergangenheit holt Jakob Franck ein. Zwei Monate, nachdem der Kommissar in den Ruhestand gegangen ist, erhält er einen Anruf von Ludwig Winther. Seine Tochter wurde vor 20 Jahren an einem 14. Februar erhängt an einem Baum im Park gefunden. Damals hatte Franck die Todesbotschaft der Mutter überbracht. Die Polizei ging in ihren Ermittlungen von Suizid aus. Der Vater glaubt an Mord. Franck beginnt, den Fall neu aufzurollen und stößt in die Abgründe der menschlichen Seele vor.  Tod im Park – Friedrich Ani „Der namenlose Tag“ weiterlesen

Beschützerinstinkt – Derek B. Miller "Ein seltsamer Ort zum Sterben"

„Seine Erinnerungen wurden mit dem Alter einfach immer lebendiger. Die Zeit verstrich auf eine neue Art. Wenn man keine Zukunft mehr hat, besinnt sich der Geist auf sich selbst. Das war keine Demenz. Es war die einzige rationale Antwort auf das Unvermeidliche.“ 

Das Leben liegt nahezu hinter ihm. Doch noch einmal wagt das Schicksal Sheldon heraus – mit einem gewaltigen Satz auf die andere Hälfte der Weltkugel geht es für ihn von New York nach Norwegen, wo seine Enkelin Rhea, verheiratet mit einem Norweger, mittlerweile lebt. Sheldons Frau ist zuvor gestorben, ihr gemeinsamer Sohn schon längst tot. Im Vietnam-Krieg hat er als Soldat sein Leben gelassen, angetrieben von den Ermunterungen seines Vaters. Jetzt könnte der kauzige Amerikaner seinen Ruhestand in einem der reichsten Länder der Welt verbringen, Norwegisch lernen, frischen Fisch genießen. Beschützerinstinkt – Derek B. Miller "Ein seltsamer Ort zum Sterben" weiterlesen