Friedrich Ani „All die unbewohnten Zimmer“

„Wir sind alle Geiseln unserer Erinnerung.“

In TV-Serien ist das sogenannte Crossover – das Zusammentreffen von Ermittlern beziehungsweise Kommissaren verschiedener Reihen – ein beliebtes Mittel, das meist für gute Einschaltquoten sorgt. In der Kriminalliteratur ist diese Besonderheit leider noch recht selten anzutreffen. Der neue Roman von Friedrich Ani bildet da eine interessante Ausnahme: Denn mit Jakob Franck, Polonius Fischer, Tabor Süden und Fariza Nasri kommen gleich vier, aus zahlreichen Büchern und Bänden bekannte Kommissare beziehungsweise Ex-Ermittler zusammen, und jeder hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Charakter. Es gilt zwei knifflige Fälle zu lösen, in denen Vergangenheit und Gegenwart auf beunruhigende Weise aufeinandertreffen.  Friedrich Ani „All die unbewohnten Zimmer“ weiterlesen

Abhängig – Katrine Engberg „Krokodilwächter“

„Monster verstecken sich im Schatten, nicht in der Sonne.“

Mit Blick auf seine Gestalt ist dieser Vogel ein Winzling, gerade mal rund 20 Zentimeter groß. Doch furchtlos wagt er sich auf den mächtigen Leib der Krokodile, um dort nach Nahrung zu suchen. Für das gefährliche Reptil ist diese Form der Körperpflege willkommen.  Eine tierische „Freundschaft“ der besonderen Art, wie es sie viele unter der Bezeichung „Symbiose“ in der Natur gibt. Doch seinen Namen hat der in Afrika heimische Krokodilwächter aus einem ganz anderen Grund: Er warnt mit seinem Ruf vor Gefahren. Die Dänin Katrine Engberg hat ihr Krimidebüt nach dem Vogel benannt. Und das nicht ohne Grund. Denn diese speziellen Beziehung zwischen dem vermeintlichen David und Goliath gibt es auch in der Welt der Menschen.  Abhängig – Katrine Engberg „Krokodilwächter“ weiterlesen

Geschärfte Sinne – Andreas Pflüger „Endgültig“

„Jeder hat sein Leben, hält es fest, nimmt es für selbstverständlich. Die Wenigsten wissen, dass es das nicht ist.“

Als ein Einsatz verheerend endet, ahnt sie nicht, dass dies erst der Beginn eines Kampfes auf Leben und Tod ist. Der Fall rund um ein gestohlenes Gemälde von Marc Chagall führt Jenny Aaron und Niko Kvist, zwei verdeckte Ermittler einer deutschen Polizei-Eliteeinheit, nach Barcelona. Während der vereinbarten Übergabe werden beide lebensbedrohlich verletzt. Seitdem hat Aaron ihr Augenlicht verloren. Trotzdem bleibt sie der Polizei als Vernehmungsspezialistin erhalten und gerät fünf Jahre nach dem Fiasko in der katalanischen Metropole erneut in einen gefährlichen Strudel der Gewalt.  Geschärfte Sinne – Andreas Pflüger „Endgültig“ weiterlesen

Spuren – Christoph Poschenrieder „Das Sandkorn“

„Viele werden zum Treibgut; indem sie mittreiben, spüren sie am wenigsten Widerstand.“

Es gibt Bücher, die verlangen nach dem richtigen Moment. Wenn der noch nicht gekommen oder bereits vergangen ist, kann es geschehen, dass das Buch in Vergessenheit gerät. „Das Sandkorn“ von Christoph Poschenrieder ist so ein Buch. Ich kaufte es im vergangenen Frühjahr auf der Leipziger Buchmesse, las es an und legte es wieder weg.  Spuren – Christoph Poschenrieder „Das Sandkorn“ weiterlesen

Mensch und Nichtmensch – Martin Walker „Germany 2064“

„Wir spielen Gott, indem wir empathische Wesen hervorbringen, mit denen wir Beziehungen eingehen und für die wir auch Zuneigung entwickeln können. Wir vertrauen ihnen unsere Kranken und unsere Alten an. Als deren Schöpfer tragen wir Verantwortung für sie.“

Der Blick in die Zukunft gleicht nicht der Tagträumerei. Wenn wir gut träumen, uns in Gedanken Wünsche erfüllen, hoffen wir vor allem. Dabei blenden wir aus, dass sich die Dinge anders, sich auch negativ entwickeln können. Martin Walkers Blick in die Zukunft in seinem neuesten Werk „Germany 2064“ hält befürchtete, aber auch überraschende Prognosen bereit – in einem Roman, der in einer spannenden Mischung Thriller und Prophezeiung vereint.   Mensch und Nichtmensch – Martin Walker „Germany 2064“ weiterlesen

Ganz unten – Ernst Haffner „Blutsbrüder“

„Geben, Schenken ist nicht des Reichen Sache. Die hetzen Hunde auf den Bettler oder schlagen die Tür zu. Geben mit der Selbstverständlichkeit des Wissens um Hunger und Elend wird nur der Arme. Der oberschlesische Kumpel, der italienische Tagelöhner oder der Berliner Arbeitslose.“

Ihr Zuhause sind die Straßen, die Wärmestuben, die Kneipen. Und Berlin ist voll davon. Wie auch von Männern und Frauen, die am Hungertuch nagen, die in der Wirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre nicht wissen, wie sie über die Runden kommen. Doch ganz unten sind vor allem die Kinder und Jugendlichen, die keine Familie mehr kennen. Wie Jonny und Fred, Willi und Ludwig. Ihre neue Familie ist die Clique der Blutsbrüder. Denn zusammen ist man stark – auf der Suche nach Geld für Essen oder auch gegen die Polizei.  Ganz unten – Ernst Haffner „Blutsbrüder“ weiterlesen