Frühlingserwachen – ein Blick in die Vorschauen

Das neue Jahr hat begonnen. Statt eines Rückblicks gibt es an dieser Stelle von mir einen Ausblick – auf die kommenden Bücher in der ersten Hälfte des Jahres 2021. An den vergangenen Tagen habe ich in den Frühjahrsvorschauen – ob digital oder gedruckt – großer und kleiner Verlage geblättert und gelesen. Hier ein Überblick über interessante Titel – von von mir geschätzten wie auch noch zu entdeckenden Autoren. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird mit jeder weiteren Entdeckung ergänzt.

Deutschsprachige Literatur

Von vielen wohl sehnlichst erwartet erscheint nun das Buch der Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert mit dem Titel „Vom Aufstehen“ (dtv, März). Gespannt bin ich auf den neuen Roman „Seeland Schneeland“ von Mirko Bonné (Schöffling, Februar), auf „Reise nach Maine“ von Matthias Nawrat (Rowohlt, Juni), auf „Der Fallmeister“ von Christoph Ransmayr (Fischer, März) sowie „Weiße Finsternis“ von Florian Wacker (Berlin Verlag, März). Auch von Norbert Gstrein gibt es ein neues Werk: „Der zweite Jakob“ (Hanser, Februar). Juli Zehs kommendes Buch heißt „Über Menschen“ (Luchterhand, März). Matthias Jügler führt mit seinem Roman „Die Verlassenen“ in die Zeit der DDR (Penguin, März). Das Buch „Wieseneck“ von Hans Pleschinski über die letzten Wochen im Leben von Gerhart Hauptmann hat mir wunderbar gefallen, deshalb freue ich mich auf „Am Götterbaum“ (C.H. Beck, Januar).

Mit „Fast hell“ gibt es wieder etwas Neues von Alexander Osang (Aufbau, Januar). Fans von dem Buch „Alte Sorten“ sehen vermutlich dem neuen Titel von Ewald Arenz mit Spannung entgegen: „Der große Sommer“ (Dumont, März). Anhänger von Benedict Wells können „Hard Land“ entdecken (Diogenes, Februar). Franzobel hat mit „Die Eroberung Amerikas“ wieder einen historischen Roman geschrieben (Zsolnay, Februar). „Die Linie zwischen Tag und Nacht“ heißt das neue Werk von Roland Schimmelpfennig (Fischer, Februar). Von dem Autor und Literaturkritiker Jörg Magenau erscheint der Roman „Die kanadische Nacht“ (Klett-Cotta, Februar). Ein holsteinisches Dorf in den 20er-Jahren steht im Mittelpunkt von „Kronsnest“ von Florian Knöppler (Pendragon, Februar). Der Roman „Feuerland“ von Michael Hugentobler führt auf die südamerikanische Inselgruppe (dtv, März). In „Was wir scheinen“ erzählt Hildegard E. Keller von Hannah Arendt (Eichborn, Februar). In „Die Gegenstimme“ von Thomas Arzt werden Geschehnisse rund um den Anschluss Österreichs ans Dritte Reich geschildert (Residenz Verlag, Februar). „Bei den großen Vögeln“ heißt das Debüt der Schweizer Autorin Annina Haab (Berlin Verlag, März).

In den hohen Norden

„Kristin Lavranstochter“ von Sigrid Undset zählt zu den Klassikern der norwegischen Literatur. Der erste Band „Der Kranz“ erscheint im Frühjahr, die beiden folgenden im halbjährlichen Abstand (Kröner, Mai). Von Auður Ava Ólafsdóttir gibt es „Miss Island“ (Insel, Juni). Nicht nur Georg Büchner hat den Mord von Johann Woyzeck an Johanna Woost literarisch verarbeitet. Auch der Schwede Steve Sam-Sandberg widmet sich in seinem Roman „W“ dem historischen Verbrechen (Klett-Cotta, Mai). Eine abenteuerlicher Geschichte aus dem 17. Jahrhundert erzählt der Finne Olli Jalonen in seinem Roman „Die Himmelskugel“ (mare, Februar).

Der Schwede Harry Martinson erhielt 1974 den Literaturnobelpreis, von ihm erscheint „Schwärmer und Schnaken“ in deutscher Übersetzung (Guggolz, März). Für ihr Debüt „Mein Bruder“ war die Schwedin Karin Smirnoff für den renommierten Augustpreis nominiert (Hanser Berlin, Januar). Ist sie die dänische Antwort auf Annie Ernaux? Von der dänischen Schriftstellerin Tove Ditlevsen erscheint die Kopenhagen-Trilogie mit den Bänden „Kindheit“, „Jugend“ und „Abhängigkeit“ (Aufbau, Januar, Februar). Nach „Ein Sturm wehte vom Paradies her“ erscheint mit „Sie werden in den Tränen ihrer Mutter ertrinken“ ein neuer Roman des Schweden Johannes Anyuru (Luchterhand, April). Die Norwegerin Linn Strømsborg kann man mit ihrem Roman „Nie, nie, nie“ über eine Frau, die nicht Mutter werden will, kennenlernen (Dumont, April). Die Bücher der Finnin Katja Kettu habe ich in der Vergangenheit sehr gern gelesen, deshalb freue ich mich auf „Die Unbezwingbare“ (Ecco-Verlag, März). Hoch gelobt wurde der Roman „Betreff: Falls ich sterbe“ über Tod und Trauer der Schwedin Carolina Setterwall (Kiepenheuer & Witsch, Juli).

Von West nach Ost

Mit seinen Werken begleitet mich der Niederländer Maarten `t Hart schon seit Jahren. Von ihm erscheint „Der Nachstimmer“ (Piper, Mai). Vom Literatur-Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro gibt es mit „Klara und die Sonne“ einen neuen Roman (Blessing, März). Der Franzose Sylvain Tesson kann mit „Der Schneeleopard“ wieder gelesen werden (Rowohlt, März). Seine Landsmännin Sylvie Schenk ist mit „Roman d‘ Amour“ vertreten (Hanser, März). Bleiben wir im Nachbarland: Von Patrick Modiano gibt es mit „Unsichtbare Tinte“ ebenfalls ein neues Buch (Hanser, Februar). Mit „Die Töchter des Nordens“ hat die Engländerin Sarah Hall eine Dystopie geschrieben – für „The Times“ eines der besten 100 Bücher des Jahrzehnts (Penguin, April). Von Zadie Smith erscheint mit „Grand Union“ der erste Erzählband (Kiepenheuer & Witsch, Juni).

Louise-Philippe Dalembert erzählt in „Die blaue Mauer“ von Migration und Exil (Nagel & Kimche, März). Mit „Schilf im Wind“ von der Nobelpreisträgerin Grazia Deledda kann ein italienischer Klassiker wiederentdeckt werden (Manesse, April). Gleich in mehreren Verlagen erscheinen die unvergesslichen Werke „1984“ und „Farm der Tiere“ von George Orwell. „Das Jahresbankett der Todesgräber“ heißt der neue Roman von Mathias Enard (Hanser Berlin, Mai). Mit „Mrs. Palfrey in Claremont“ wird an die englische Autorin Elizabeth Taylor erinnert (Dörlemann, Februar). Von dem Roman „Tod auf Raten“ des französischen Schriftstellers Louis-Ferdinand Céline gibt es eine Neuübersetzung (Rowohlt, Juni). Der Bestseller „Der Ozean am Ende der Straße“ von Neil Gaimann erscheint in einer illustrierten Ausgabe (Eichborn, April). Dževad Karahasan erzählt in „Tagebuch der Übersiedlung“ von der Belagerung Sarajevos (Suhrkamp, Mai). Nach seinem großartigen Roman „Nordwasser“ gibt es mit „Der Abstinent“ ein neues Buch von Ian McGuire (dtv, April). Donal Ryans Werk „Die Stille des Meeres“ stand auf der Longlist des Booker Prize (Diogenes, Mai).

Vielfach preisgekrönt – der Roman „Der Menschenheiler“ des belgischen Autors Koen Peeters (Osburg, März). Die Australierin Sophie Hardcastle hat mit „Unter Deck“ einen aufwühlenden Roman über eine junge Frau, die auf dem Ozean Glück und Grauen findet, geschrieben (Kein & Aber, Mai). Ljuba Arnautovic erzählt mit ihrer Familiengeschichte „Junischnee“ das Drama des 20. Jahrhunderts in Wien, Moskau und im Gulag (Zsolnay, Februar). Mehrfach ausgezeichnet: der Roman „Im Strom der Steine“ von Wladimir Medwedew (Aufbau, Februar). Einem ziemlich aktuellen Thema wendet sich Ljudmila Ulitzkaja zu: „Eine Seuche in der Stadt“ (Hanser, Januar). Nach „Der größte Reichtum“ erscheint mit „Die gefallene Stadt“ der zweite Teil der Balkan-Trilogie von Olivia Manning (Rowohlt, April). „Das Tal in der Mitte der Welt“ entführt auf die Shetland-Inseln, auf denen Malachy Tallack, der Autor des Buches, aufgewachsen ist (Luchterhand, Juni). „Trio“ heißt der neue Roman von William Boyd, dessen Bücher ich sehr gern lese (Kampa, Februar). Mit „Im Wasser sind wir schwerelos“ hat Tomasz Jedrowski ein von der Kritik gefeiertes Debüt geschrieben (Hoffmann & Campe, März). Wer den Zyklus „Das Büro“ von J. J. Voskuil liebt, wird wohl an „Die Mutter von Nivolien“ nicht vorbeikommen (Wagenbach, März).

Über den großen Teich

Kanada wird auf der kommenden Frankfurter Buchmesse erneut im Rampenlicht stehen – dann hoffentlich nicht nur virtuell. Bereits in den vergangenen Monaten erschienene Titel wecken weiterhin die Neugierde auf die Literatur des nordamerikanischen Landes. Neue kommen hinzu. Von Claude Charbonneau alias Aude kann der Roman „Das Wanderkind“ (Kröner Verlag, Februar) entdeckt werden. Einen Roman über Mut und Verzweiflung hat Nadia Bozak mit „Der Junge“ geschrieben (Rauch Verlag, April). Sehr ans Herz legen kann ich den kanadischen Autor Richard Wagemese. Nach „Das weite Herz des Landes“ erscheint in deutscher Übersetzung „Der gefrorene Himmel“ (Blessing, März).

Für „Das Verschwinden der Erde“ war die Amerikanerin Julia Philipps für den National Book Award nominiert (dtv, Januar). Mit „Cardiff am Meer“ erscheint ein Erzählband von Joyce Carol Oates (Osburg, Februar). Auch hierzulande sind die Werke der afroamerikanischen Schriftstellerin Maya Angelou bereits wiederentdeckt worden. Mit „Nur mit meiner Stimme“ erscheint ein neues Buch aus ihrer Feder in deutscher Übersetzung (Suhrkamp, Juni). Mit „Yosemite“ wird ein Klassiker des Nature Writing in deutscher Übertragung veröffentlicht (Matthes & Seitz, Mai). Nach der großen Wiederentdeckung von Ann Petry und ihrem Roman „The Street“ gibt es mit „Country Place“ literarischen Nachschlag (Nagel & Kimche, Mai). Eine Abenteuergeschichte und Meditation über die Bedeutung von Zuhause hat der Argentinier Hernan Diaz mit „In der Ferne“ geschrieben (Hanser Berlin, Februar).

Die Amerikanerin kroatisch-persischer Abstammung Ottessa Moshfegh hat hierzulande schon einige Fans, von ihr erscheint der neue Roman „Der Tod in ihren Händen“ (Hanser Berlin, Januar). T. C. Boyle ist zurück mit „Sprich mit mir“ (Hanser, Januar). Mit „Real Life“ stand der Amerikaner Brandon Taylor auf der Shortlist des Booker Prize (Piper, Mai). Sehr viel Resonanz erhielt auch Jenny Offill für ihren Roman „Wetter“ (Piper, Mai). Eine moderne Odyssee und eine Geschichte über Krieg und seine Folgen im Frieden hat der Amerikaner Savatora Scibona mit „Der Freiwillige“ geschrieben (Berlin Verlag, Mai). Nach ihrem Roman „Der amerikanische Architekt“ gibt es mit „Das ferne Feuer“ einen neuen Roman von Amy Waldman (Schöffling, Februar). Mit seinem Erzählband „Der letzte beste Ort“ hat mich Callan Wink sehr beeindruckt, nun erscheint sein Roman „Big Sur Country“ (Suhrkamp, Februar).

Kriminelles

Fans von Friedrich Ani können sich auf den neuen Roman „Letzte Ehre“ freuen (Suhrkamp, Mai). „Tokio, neue Stadt“ von David Peace führt in das Jahr 1948 (Liebeskind, April), Gert Uedings Krimi „Herbarium, giftgrün“ indes in die nicht immer gewaltfreie Welt des Wissenschaftsbetriebs (Kröner, März). Spannung herrscht auch in „Die Toten von Gare d‘ Austerlitz“ von Chris Lloyd (Suhrkamp, April). Doug Johnstones Roman „Der Bruch“ führt in die vernachlässigten Viertel von Edinburgh (Polar Verlag, Januar). Zu meinen Liebingskrimiautoren zählt der Norweger Jørn Lier Horst. Von ihm erscheint eine neue, die nunmehr vierte Folge in der Cold-Case-Reihe um Kommissar Wisting: „Wisting und der See des Vergessens“ (Piper, April). Auch aus der Ballard-Reihe von Michael Connelly gibt es mit „Night Team“ einen neuen Band (Kampa, Februar). Der Krimi „1981“ von Eloisa Diaz hat Buenos Aires zur Kulisse (Hoffmann & Campe, Juni).

Wissenswertes – Welt der Sachbücher

In „Crazy Horse“ widmet sich Till Hain dem Seepferdchen und seiner Welt unter Wasser (mare, März). Gleich zweimal erhielt der Amerikaner Peter Matthiessen für sein Werk „Der Schneeleopard“ den National Book Award (Matthes & Seitz, April). Der britische Naturforscher Stephan Moss erzählt „Über die Schwalbe“ (Dumont, März). Nach seinem hochgelobten Werk „Rückkehr nach Lemberg“ erscheint mit „Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht“ ein neues Buch von Philippe Sands. Der Tier- und Pflanzenwelt in der Zeit des Klimawandels widmet sich Bernhard Kegel in „Die Natur der Zukunft“ (Dumont, April).

Weitere Vorschau-Beiträge gibt es auf den Blogs „Buch-Haltung“, „LiteraturReich“, „Elementares Lesen“, „Fräulein Julia“ und „Die Buchbloggerin“.


Foto von John-Mark Smith auf Unsplash

11 Thoughts

      1. Das stimmt :-)! Bei mir ist es ja die Leseliste plus ein Billy-Regal mit den noch ungelesenen Büchern der letzten Leselisten.
        Übrigens: Köhlmeiers „Spielplatz der Helden“ ist da auch schon eingezogen.

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  1. Eine schöne literarische Auswahl, liebe Constanze! Bei den Sachbüchern haben wir ein paar Überschneidungen: das neue Buch von Bernhard Kegel und die Seepferdchen. Und ich freue mich auf die Gelegenheit, mit „Yosemite“ endlich mal etwas von John Muir zu lesen!

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