Das Böse – Ian McGuire „Nordwasser“

„Wunder geschehen. Wenn das große Böse existiert, warum nicht auch das große Gute.“

Zu Beginn ein Geständnis. Ich bin kein Freund von Horrorfilmen. Wenn ein solcher zur Sneak Preview im Kino läuft, verlasse ich trotz der Vorfreude hastig den Saal. Es bringt bekanntlich nichts, sich hinter dem Sessel der Vorreihe zu verstecken, um die blutig-grausigen Szenen nicht sehen zu müssen. Kinobesuch bedeutet nunmal, auf die Leinwand zu schauen. Und auch in drastischen Krimis blende ich für mich so manche Bilder der Gewalt aus, in dem ich die Augen schließe oder auf der Couch sitzend mir ein Kissen vor’s Gesicht halte. Wenigstens vorübergehend. Und dann kommt „Nordwasser“. Ein Buch in Blau und Weiß gehalten mit der Schwanzflosse eines Wals auf dem Cover als Blickfang, für dessen Lektüre man starke Nerven braucht und man nicht gar so ängstlich sein sollte.  Doch obwohl furchtsam gegenüber exzessiven Gewaltszenen habe ich trotzdem den Roman des britischen Schriftstellers Ian McGuire gelesen, weil es sich einem speziellen Thema widmet, das mich seit einigen Jahren ungemein fasziniert: dem ewigen Eis.

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Spuren – Anne von Canal „White Out“

„Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, sie ist noch in Bewegung.“

Von einem Eisberg sind nur ein Fünftel bis ein Achtel zu sehen, der überwiegende Teil des Kolosses liegt unter der Wasseroberfläche. Er ist ein beliebtes symbolisches Bild und kann wohl auch bemüht werden, wenn es um Dinge geht, die wir unterschätzen. Unterschätzt werden oft die Wirkungen von Erinnerungen. Sie sind das große Thema in dem neuen Roman von Anne von Canal mit dem Titel „White Out“, und dieser führt ins ewige Eis: in die Antarktis. Spuren – Anne von Canal „White Out“ weiterlesen

Im Eis – Hampton Sides „Die Polarfahrt“

„Wo immer man hinsieht, sind Schnee und Eis – ein großartiger Anblick.“

Eine Reise in das unwirtliche Land der Extreme rund um Nord- und Südpol, fern der sehr speziellen touristischen Angebote, stellt bis heute eine große Herausforderung dar. Die Erforschung der arktischen und antarktischen Regionen hat viele Opfer gefordert und war bis in das 20. Jahrhundert hinein Ziel vieler wagemutiger wie ehrgeiziger Expeditionen. Trotz einer Ausrüstung auf der Höhe der Zeit sowie erfahrener und mutiger Seeleute endete auch die Fahrt der USS Jeannette mit Start am 8. Juli 1879 in San Francisco unter dem Kommando des arktiserfahrenen Offiziers George DeLong in einer Katastrophe.  Von der Reise mit der Aufgabe, den Nordpol zu erreichen, kehrten von der 33 Mitglieder umfassenden Besatzung nur 13 Männer lebend zurück. An ihre Geschichte erinnert der amerikanische Autor und Journalist Hampton Sides  in seinem Buch „Die Polarfahrt“.     Im Eis – Hampton Sides „Die Polarfahrt“ weiterlesen

Allein – Isabelle Autissier „Herz auf Eis“

„Die Stille ist ein Nicht-Geräusch, wie die Nicht-Existenz, die sie leben. Wie ein Albtraum, in dem alles verschwunden ist.“

Die Welt hat glücklicherweise noch immer Regionen, an denen die menschliche Zivilisation nicht angekommen ist oder sich von dort wieder zurückgezogen hat. Wer dorthin reist, sollte besondere Fähigkeiten haben. Es braucht keinen  Flug zum Mond, um Abenteuer bestehen zu können. Ziel kann da auch der südliche Zipfel Südamerikas sein. Mit ihrem Segelschiff landen Louise und Ludovic nahe Kap Hoorn. Ohne dass sie es zuvor erahnen können, wird die  Insel Stromness ihr „Zuhause“, ein vielmehr unfreiwilliges Gefängnis. Denn ihr Schiff „Jason“, das mit seinem Namen nicht ohne Grund an den griechischen Helden und Führer der Argonauten erinnert, verschwindet nach einem schweren Sturm. Das Paar aus Paris bleibt zurück. Allein – Isabelle Autissier „Herz auf Eis“ weiterlesen

Arthur Conan Doyle „Heute dreimal ins Polarmeer gefallen“

„Es liegt ein Zauber auf diesen Regionen des Polarkreises, der jeden, der in sie vordringt, berühren muss.“ 

Die arktischen und antarktischen Regionen der Welt bilden in zweierlei Hinsicht weißes Land: Eis und Schnee sind die sichtbaren Zeichen einer kalten Welt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein fanden sich in der Gegend rund um die Pole die wohl noch meisten „weißen Flecke“ und unbekannten Landstriche des Erdballs. Deren Erforschung und Eroberung verbinden wohl viele mit bekannten Entdeckern wie Roald AmundsenFridtjof Nansen und Robert Edwin Peary. Doch auch ein englischer Schriftsteller hat sich auf einem Walfang-Schiff in den hohen Norden gewagt: Der Schöpfer des bekanntesten Detektiven-Duos Sherlock Holmes und Dr. Watson, Arthur Conan Doyle, hat seine Reise im Jahr 1880 in einem Tagebuch festgehalten, das in einer eindrucksvollen Ausgabe nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Arthur Conan Doyle „Heute dreimal ins Polarmeer gefallen“ weiterlesen

Gesellschaftsinseln – Ulla-Lena Lundberg „Eis“

„Tatzen und Schnauzen, Felle und Pelze, Flüstern und Schreie. Eine Eisente, eine Eiderente, eine Bachstelze, eine Himmelsziege. Ein Flügel streicht über eine Stirn, ein runder Robbenschädel durchstößt die Oberfläche. Ein Lächeln über allem, schnell verschwunden, ebenso schnell wieder da. Ohne zu kategorisieren und zu moralisieren.“

Ihre neue Heimat ist abgelegen, so weit abgelegen, dass sie abseits der bekannten Schiffsrouten auf kaum einer Karte vermerkt ist.  Die Öras, eine Inselgruppe in der Ostsee zwischen Finnland und Schweden, wird das neue Zuhause des Pfarrers Petter Kummel, seiner Frau Mona und der kleinen Tochter Sanna. Es ist für den jungen Mann die erste eigene Pfarrstelle. Doch allen Befürchtungen zum Trotz fühlt sich die kleine Familie von der ersten Minute an, nachdem sie ihre Füße von der Fähre auf das Eiland gesetzt hat, willkommen und pudelwohl. Die Gemeinde kümmert sich rührig um Petter und seine Frau, die sogleich am ersten Tag das Pfarrhaus einrichtet und im Stall die Kühe melkt.  Gesellschaftsinseln – Ulla-Lena Lundberg „Eis“ weiterlesen