Das Böse – Ian McGuire „Nordwasser“

„Wunder geschehen. Wenn das große Böse existiert, warum nicht auch das große Gute.“

Zu Beginn ein Geständnis. Ich bin kein Freund von Horrorfilmen. Wenn ein solcher zur Sneak Preview im Kino läuft, verlasse ich trotz der Vorfreude hastig den Saal. Es bringt bekanntlich nichts, sich hinter dem Sessel der Vorreihe zu verstecken, um die blutig-grausigen Szenen nicht sehen zu müssen. Kinobesuch bedeutet nunmal, auf die Leinwand zu schauen. Und auch in drastischen Krimis blende ich für mich so manche Bilder der Gewalt aus, in dem ich die Augen schließe oder auf der Couch sitzend mir ein Kissen vor’s Gesicht halte. Wenigstens vorübergehend. Und dann kommt „Nordwasser“. Ein Buch in Blau und Weiß gehalten mit der Schwanzflosse eines Wals auf dem Cover als Blickfang, für dessen Lektüre man starke Nerven braucht und man nicht gar so ängstlich sein sollte.  Doch obwohl furchtsam gegenüber exzessiven Gewaltszenen habe ich trotzdem den Roman des britischen Schriftstellers Ian McGuire gelesen, weil es sich einem speziellen Thema widmet, das mich seit einigen Jahren ungemein fasziniert: dem ewigen Eis.

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Im Eis – Hampton Sides „Die Polarfahrt“

„Wo immer man hinsieht, sind Schnee und Eis – ein großartiger Anblick.“

Eine Reise in das unwirtliche Land der Extreme rund um Nord- und Südpol, fern der sehr speziellen touristischen Angebote, stellt bis heute eine große Herausforderung dar. Die Erforschung der arktischen und antarktischen Regionen hat viele Opfer gefordert und war bis in das 20. Jahrhundert hinein Ziel vieler wagemutiger wie ehrgeiziger Expeditionen. Trotz einer Ausrüstung auf der Höhe der Zeit sowie erfahrener und mutiger Seeleute endete auch die Fahrt der USS Jeannette mit Start am 8. Juli 1879 in San Francisco unter dem Kommando des arktiserfahrenen Offiziers George DeLong in einer Katastrophe.  Von der Reise mit der Aufgabe, den Nordpol zu erreichen, kehrten von der 33 Mitglieder umfassenden Besatzung nur 13 Männer lebend zurück. An ihre Geschichte erinnert der amerikanische Autor und Journalist Hampton Sides  in seinem Buch „Die Polarfahrt“.     Im Eis – Hampton Sides „Die Polarfahrt“ weiterlesen

Inselsammler – Ulrich Schacht „Grimsey“

„Erinnere dich, sagte die Stimme: Eine Insel, nur von Gras überzogen, und ein Haus darauf, in das ich gehen kann oder aus dem ich komme, um vor dem Meer zu stehen. Das war doch dein erster großer Traum.“

Mit fünf Quadratkilometern ist sie nur ein Viertel so groß wie Hiddensee. Zahlreiche Vogelarten bestimmen die Fauna der Insel, deren Namen wohl den wenigsten bekannt sein wird. Obwohl Grimsey eine besondere Eigenschaft besitzt: Der Polarkreis verläuft über das nördlich von Island gelegene Eiland. Auf das es einen Mann verschlägt, der die knapp bemessene Zeit aus wenigen Stunden zwischen An- und Abreise für einen Rundgang nutzt, der indes von besonderen Erinnerungen begleitet wird.  Inselsammler – Ulrich Schacht „Grimsey“ weiterlesen

Reise ohne Rückkehr – Owen Beattie/John Geiger: Der eisige Schlaf

„Fast alle waren betroffen von dem Gefühl absoluter Isolation. Abgesehen von der Antarktis und vielleicht einer Handvoll anderer Plätze, gibt es auf dieser Welt keinen Ort, wo sich der Mensch in einer derartigen Einsamkeit ausgesetzt sieht wie in der kanadischen Arktis. Es ist dies eine Erfahrung, die vielleicht derjenigen der Astronauten im Weltall am nächsten kommt.“

Sie sollte der Garant für Erfolg, Ruhm und einen Platz in der Geschichte sein. Mit Selbstbewusstsein, Stolz und der modernsten Schiff-Ausstattung ihrer Zeit stechen am 19. Mai 1845 die Schiffe Erebus und Terror unter dem Kommando des Kapitäns Sir John Franklin in See. Ihr Ziel: die Nordwestpassage zu durchfahren und so die Verbindung zwischen dem Atlantik und dem Pazifik zu finden.  Reise ohne Rückkehr – Owen Beattie/John Geiger: Der eisige Schlaf weiterlesen

Eiszeit – Zehn Lesetipps, die in die Kälte führen

„Hier draußen (…) Auge in Auge der Natur gegenüberzustehen und seinen Scharfsinn an ihren Rätseln zu erproben, das gibt dem Leben einen ungeahnten Inhalt.“  Alfred Wegener über die Arktis

Alles fing an mit einem Film, den ich einst als Kind gesehen habe. Er beschreibt den Wettlauf zum Südpol zwischen Robert Falcon Scott und Roald Amundsen. Während der Norweger als Nationalheld seines Landes und bis heute als einer der großen Entdecker des 20. Jahrhunderts gilt, hat der Engländer den Wettstreit nicht überlebt. Seitdem ich diesen Film gesehen habe, brenne ich für den weißen Planeten, die Arktis und die Antarktis, die Kälte und Europas Norden. Vor einigen Wochen fragte Buchhändler Thomas Calliebe auf Facebook in der Gruppe „Blogger & Buchhandel“ nach Lesetipps rund um das Thema, um ein Schaufenster seines Geschäftes in Groß-Gerau zu gestalten. Aus jener Lektüreliste habe ich zehn herausgesucht, um sie hier vorzustellen – zum besten Zeitpunkt. Denn es herrscht hierzulande bekanntlich Hochsommer.  Eiszeit – Zehn Lesetipps, die in die Kälte führen weiterlesen

Der weiße Planet – Barry Lopez "Arktische Träume"

„Der gefrorene Ozean selbst wälzt sich in seinem Winterschlaf wie ein Drache.“ 

Es ist das Land abseits jeglicher Vorstellungen und des ewigen Eises, wo der Tag oder die Nacht endlos ist, wo alles in Bewegung erscheint oder im tiefen Schlaf versinkt. Der amerikanische Naturforscher Barry Lopez, 1945 in Port Chester geboren, war während seiner zahlreichen Reisen über den Polarkreis hinweg Teil dieser arktischen Welt. Seine Erlebnisse und Gedanken, sein Wissen über das Eisland hat er in seinem Buch „Arktische Träume“ zusammengefasst. Sein Werk ist dabei nicht irgendein Sachbuch, das staubtrocken und unemotional nach Erklärungen sucht, es hat, 1986 erschienen, den National Book Award erhalten und damit einen der renommiertesten Literatur-Preise. Und das nicht umsonst.  Der weiße Planet – Barry Lopez "Arktische Träume" weiterlesen