Kseniya Melnik – „Schnee im Mai“

„Die Welt fühlte sich wie eine dunkle Kiste an.“ 

Die russische Küstenstadt Magadan am Nordpazifik gibt heute fast 100.000 Menschen ein Zuhause. Ihre tragische Vergangenheit hat sie indes längst noch nicht ablegen können. Hier, knapp 6.000 Kilometer von Moskau entfernt im tiefsten Osten des riesigen Landes, befand sich eines der gefürchteten Gulag-Lager. Tausende Häftlinge errichteten Stadt und Hafen sowie die Kolyma-Trasse, deren Bau das Leben unzähliger Gefangener kostete. In Magadan geboren ist die Autorin Kseniya Melnik, die in ihrem eindrucksvollen Erzählband „Schnee im Mai“ die wechselvolle Geschichte der Stadt, aber auch die Rolle von Geschichte im Leben von Menschen in den Mittelpunkt stellt.

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Florian Wacker – „Weiße Finsternis“

„Jeder schreibt seine eigene Geschichte.“  

Meist erzählt die Geschichte von den Helden, den großen Entdeckern, deren Namen jeder kennt und die ihren festen Platz in der Ruhmeshalle haben. In seinem aktuellen Roman „Weiße Finsternis“ stellt der Frankfurter Schriftsteller Florian Wacker indes die Männer aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht und berichtet von einer wahren Begebenheit. Im Mittelpunkt stehen Peter Tessem und Paul Knutsen, zwei Männer aus dem nordnorwegischen Tromsø, die 1918 den berühmten Polarforscher Roald Amundsen (1872 – 1928) als Matrosen auf dessen gefahrvolle Fahrt mit der „Maud“ durch die Nordostpassage nördlich von Sibirien begleiten. Für Tessem und Knutsen, die seit der Kindheit befreundet sind, sollte es eine Reise ohne Wiederkehr werden. 

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Anna Nerkagi – „Weiße Rentierflechte“

„Das Alter ist die Weisheit der Seele.“

Die Nenzen leben in den nahezu menschenleeren und unwirtlichen Weiten der Tundra im äußersten Norden Russlands. Samt ihren unzähligen Rentieren, mit denen sie von Ort zu Ort ziehen. Dieses indigene Nomaden-Volk gehört zu den kleineren im Norden unserer Erde. Erstmals ist mit “ Weiße Rentierflechte“ von Anna Nerkagi ein Buch einer nenzischen Autorin ins Deutsche übertragen worden.  Ein Buch voller Weisheit und Schönheit, das Einblicke in die archaische Lebensweise der Nenzen gibt.
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Polly Clark – „Tiger“

„Die Natur verfügt über eine majestätische Kraft, die sich nur in eine Richtung bewegt: nach vorn.“ 

Wie viele andere Tierarten ist auch er vom Aussterben bedroht. Schätzungsweise nur noch 500 Exemplare des Amurtigers, auch Sibirischer Tiger genannt, leben auf der Welt. Die größte Katze unseres Planeten wurde gejagt. Weite Teile ihres Lebensraums in den nordöstlichen Regionen Sibiriens sind zerstört worden. Noch einmal so viele Exemplare sind in Zoos über die ganze Welt verstreut heimisch.  In ihrem zweiten Roman widmet sich die britische Schriftstellerin Polly Clark den seltenen Tieren, ihrer Gefährdung und ihrem Schutz sowie der Faszination des Menschen für die riesigen majestätischen Katzen.

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Jan Brokken „Sibirische Sommer mit Dostojewski“

„Schreiben sei sein Schicksal.“

Sicherlich stehen in den meisten gut gefüllten und gut sortierten Bücherregalen  wenigstens eines seiner Werke. Vielleicht „Schuld und Sühne“, „Die Brüder Karamasow“ oder „Der Idiot“, vielleicht auch alle hübsch nebeneinander. Die russische Literaturgeschichte wäre wohl ohne seinen Namen und seine weltliterarischen Werke um einiges ärmer: Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881) zählt zu den bedeutendsten Autoren seines Landes. Doch nur wenige wissen, dass seine schriftstellerische Karriere bereits an ihrem Beginn nahezu ein Ende hätte finden können und dass ein Mann und die gemeinsame Freundschaft ihn beflügelt haben. „Jan Brokken „Sibirische Sommer mit Dostojewski““ weiterlesen

Überleben – Gusel Jachina „Suleika öffnet die Augen“

„Als ob man sie ans andere Ende der Welt bringen will …“

Mit 15 Jahren wird sie mit dem weit älteren Murtasa verheiratet. Vier Töchter bringt sie zur Welt, die alle kurz nach der Geburt sterben. Mit 30 ist Suleika bereits Witwe, ein Rotarmist erschießt ihren Mann. Haus und Hof werden beschlagnahmt. Wenige Tage später findet sie sich in einem Waggon mit anderen Einwohnern ihres Heimatortes Julbasch, unweit von Kasan gelegen, wieder – eingepfercht mit weiteren Gefangenen auf der Fahrt gen Osten. Was sie zum Beginn der Reise noch nicht weiß: Sie ist schwanger und bis zum Ziel sind es noch mehrere Monate. Viel ist schon über die zahlreichen Lager geschrieben worden, die sich wie ein Netz über die Weite Sibiriens erstrecken. Doch bisher hat wohl niemand in einer so eindrucksvollen Bildhaftigkeit die Entstehung eines solchen Lagers aus der Sicht einer Frau geschrieben wie Gusel Jachina in ihrem Debüt „Suleika öffnet die Augen“, das von den 1930er- und 1940er-Jahren erzählt. „Überleben – Gusel Jachina „Suleika öffnet die Augen““ weiterlesen

Im Eis – Hampton Sides „Die Polarfahrt“

„Wo immer man hinsieht, sind Schnee und Eis – ein großartiger Anblick.“

Eine Reise in das unwirtliche Land der Extreme rund um Nord- und Südpol, fern der sehr speziellen touristischen Angebote, stellt bis heute eine große Herausforderung dar. Die Erforschung der arktischen und antarktischen Regionen hat viele Opfer gefordert und war bis in das 20. Jahrhundert hinein Ziel vieler wagemutiger wie ehrgeiziger Expeditionen. Trotz einer Ausrüstung auf der Höhe der Zeit sowie erfahrener und mutiger Seeleute endete auch die Fahrt der USS Jeannette mit Start am 8. Juli 1879 in San Francisco unter dem Kommando des arktiserfahrenen Offiziers George DeLong in einer Katastrophe.  Von der Reise mit der Aufgabe, den Nordpol zu erreichen, kehrten von der 33 Mitglieder umfassenden Besatzung nur 13 Männer lebend zurück. An ihre Geschichte erinnert der amerikanische Autor und Journalist Hampton Sides  in seinem Buch „Die Polarfahrt“.     „Im Eis – Hampton Sides „Die Polarfahrt““ weiterlesen

Entwurzelt – Ada Dorian „Betrunkene Bäume“

„Nur manchmal, im kurzen Moment des Erwachens, empfand er Mitleid mit den Bäumen, die hier ebenso gefangen waren wie er.“

Die meisten Menschen haben ihre Topfpflanzen auf dem Fensterbrett stehen, vielleicht auch auf dem Balkon. Es sind Zimmerpflanzen, die geeignet sind für das Leben unter dem Dach und durch Wände abgeschirmt werden. Erich Warendorf weiß hingegen in seiner Wohnung Ahorn, Birke, Weißdorn und Co. um sich, die er hegt und pflegt, die sich in seinem Schlafzimmer ausbreiten und so manchen geflügelten Mitbewohner anziehen.  Der über 80-Jährige sehnt sich nach den weiten Wäldern Sibiriens, in denen er einst geforscht hat. Es ist ein besonderes Leben eines charismatischen Menschen, von dem Ada Dorian in ihrem Debüt-Roman „Betrunkene Bäume“ erzählt. „Entwurzelt – Ada Dorian „Betrunkene Bäume““ weiterlesen