Die Verwandlung – Daniela Emminger „Kafka mit Flügeln“

„Den Beginn einer Metamorphose entschied man nicht, er wurde entschieden.“

Es gibt Länder, die sind hierzulande kaum im Bewusstsein verankert, sie sind nicht Teil einer inneren Landkarte – weil sie kein beliebtes Touristenziel sind und kaum in den Schlagzeilen der Medien auftauchen. Man weiß, dass es sie gibt, aber auf die simplen Fragen, wie die Hauptstadt heißt, welche anderen Staaten angrenzen oder welche Traditionen gepflegt werden, werden wohl viele nichtwissend mit den Schultern zucken. Kirgistan ist so ein weißer Fleck. In das zentralasiatische Land, das bis 1991 zur Sowjetunion gezählt hat, entführt die österreichische Autorin Daniela Emminger in ihrem Roman „Kafka mit Flügeln“, der nicht nur geografische Grenzen, sondern auch Genre-Grenzen aufhebt. Dies ist mein Beitrag zur Indiebookchallenge 2018-2019, in der es in den kommenden Tagen um das Thema Roadtrip geht.

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Der Zeit voraus – Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie“

„Man hat nur die Wahl, an der Masse zugrunde zu gehen oder an der Einsamkeit.“

Bereits als Kleinkind im Alter von nur 18 Monaten liest er tagtäglich die Zeitung, mit vier Jahren bringt er sich Latein und Griechisch bei, weitere Sprachen folgen. Als Zehnjähriger stellt er Studenten der renommierten Harvard-Universität seine eigene Theorie der vierten Dimension vor. William James Sidis (1898 – 1944) war ein Wunderkind, der damit schon früh das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen hat, von der Presse bis zu seinem frühen Tod regelrecht verfolgt wurde. Nach dem dänischen Autor Morton Brask, der in seinem Roman „Das perfekte Leben des William Sidis“ (Nagel & Kimche) bereits den Amerikaner in den Mittelpunkt stellt, erzählt nun auch Klaus Cäsar Zehrer in seinem Debüt „Das Genie“ vom filmreifen Aufstieg und Fall des Wunderkindes.   Der Zeit voraus – Klaus Cäsar Zehrer „Das Genie“ weiterlesen

Wunderkind – Morten Brask „Das perfekte Leben des William Sidis“

„Es gibt wohl kein Leben, das richtiger ist als ein anderes.“

Im Alter von 18 Monaten bringt er sich das Lesen selbst bei. Als Sechsjähriger lernt er Latein, entwickelt zudem eine eigene Sprache. Mit zehn Jahren liest er „Das Kapital“ von Karl Marx. Elfjährig wird er an der Elite-Universität Harvard immatrikuliert. William James Sidis (1898 – 1944) galt als Wunderkind. Er hätte ein großer Wissenschaftler werden, mit seinen Ideen die Welt womöglich ein wenig verändern können. Doch er zog sich in die Anonymität zurück und scheiterte – nicht wegen seiner beeindruckenden intellektuellen Fähigkeiten, sondern vor allem aufgrund seines teils feindlichen Umfeldes. Der Däne Morten Brask hat Sidis‘ Leben in seinem jüngst erschienenen Roman literarisch verarbeitet. Wunderkind – Morten Brask „Das perfekte Leben des William Sidis“ weiterlesen

Reise ohne Rückkehr – Owen Beattie/John Geiger: Der eisige Schlaf

„Fast alle waren betroffen von dem Gefühl absoluter Isolation. Abgesehen von der Antarktis und vielleicht einer Handvoll anderer Plätze, gibt es auf dieser Welt keinen Ort, wo sich der Mensch in einer derartigen Einsamkeit ausgesetzt sieht wie in der kanadischen Arktis. Es ist dies eine Erfahrung, die vielleicht derjenigen der Astronauten im Weltall am nächsten kommt.“

Sie sollte der Garant für Erfolg, Ruhm und einen Platz in der Geschichte sein. Mit Selbstbewusstsein, Stolz und der modernsten Schiff-Ausstattung ihrer Zeit stechen am 19. Mai 1845 die Schiffe Erebus und Terror unter dem Kommando des Kapitäns Sir John Franklin in See. Ihr Ziel: die Nordwestpassage zu durchfahren und so die Verbindung zwischen dem Atlantik und dem Pazifik zu finden.  Reise ohne Rückkehr – Owen Beattie/John Geiger: Der eisige Schlaf weiterlesen

Der Anfang vom Ende – Peter Høeg „Der Susan-Effekt“

„Mit den tieferen wissenschaftlichen Wahrheiten ist es wie mit der Ehrlichkeit: Sie müssen mit Maß dosiert werden.

Die Zeiten, in denen die Zukunft mit einem Blick in den Kaffeesatz oder die Glaskugel gelesen wird, sind vergessen. In Dänemark ist eine Kommission aus Experten verschiedener Gebiete ins Leben gerufen worden. Ihre Prognosen für die Zukunft haben eine hohe Trefferquote, erfüllen sich nahezu immer; ob es um politische Umbrüche oder Naturkatastrophen geht. Doch mehr als 40 Jahre nach der Gründung werden deren Mitglieder getötet. Susan Svendsen entdeckt nicht nur die erste Leiche. Die 43-jährige Experimentalphysikerin ist mit ihrem Mann und den beiden Kindern Thit und Harald mittendrin in diesem rätselhaften Geschehen auf der Suche nach dem Abschlussbericht des besonderen Gremiums. Den der ist die Währung, um sich nach heiklen Vorfällen in Indien, wohin die ganze Familie gereist war, aus drohenden Gefängnisstrafen „freizukaufen“.  Der Anfang vom Ende – Peter Høeg „Der Susan-Effekt“ weiterlesen