Jáchym Topol – „Ein empfindsamer Mensch“

„Überall wo es Menschen gibt, gibt es auch den Teufel“.

Wenn der stämmige französische Star-Schauspieler Gérard Depardieu in einer Nebenrolle, als Geisel und wohlgemerkt als kein Geringerer als sich selbst, auftaucht, kann es sich wohl nur um eine Satire handeln. In diesem Fall ist es keine Filmkomödie, sondern ein Roman. Der tschechische Schriftsteller Jáchym Topol erzählt in seinem neuesten wahnwitzigen Streich von einer Schausteller-Familie, die quer durch Europa reist, um am Ende in den heimischen Gefilden Tschechiens in die Taten einer umtriebigen Bande verwickelt zu werden. Jáchym Topol – „Ein empfindsamer Mensch“ weiterlesen

„Europa ist da“ – Autorengipfel in Berlin

Begrüßungen in mehreren Sprachen an die Wand projiziert, Gespräche in mehreren Sprachen in den verschiedenen Salons: Ein besonderer Abend in der Bertelsmann Repräsentanz in Berlin zeigte sich rundum international. Liegt auf den beiden Buchmessen in Leipzig und Frankfurt der Fokus meist gezielt auf einem speziellen Gastland, standen zum Europäischen Autoren-Gipfel  mit Unterstützung von 19 europäischen Botschaften und Kulturinstituten Schriftsteller aus 20 Ländern anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 im Mittelpunkt. Und nicht nur diese. „Europa ist da“ – Autorengipfel in Berlin weiterlesen

Das Grauen – Lee Miller „Krieg“

„Sie baten mich darum, amerikanisch zu sprechen, weil sie so großes Heimweh hätten, überbrachten mir Souvenirs und zogen dieselbe Nummer ab, die ich in Lazaretten, in der Schlacht und am Piccadilly Circus schon oft erlebt hatte: ,Hey Lady, machen Sie mal’n Foto und bringen Sie‘ s in der Zeitung‘.“

In den beiden vergangenen Jahren gab es sie in großer Zahl: Bücher über den Krieg, genauer die beiden großen Kriege in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sicherlich auch, weil Jahrestage Erinnerungen an die Vergangenheit stärker und bewusster hervorbringen. Das ist wohl im Privaten nicht anders wie in der großen Weltgeschichte. Unter der Vielzahl der Veröffentlichungen leuchten besondere Werke hervor, so die Kriegsreportagen der Amerikanerin Lee Miller.    Das Grauen – Lee Miller „Krieg“ weiterlesen

Das Leben des Einen und der Anderen – James Salter „Alles, was ist“

„Das Leben, das nicht vorhersehbar war, das Leben, das sich ihm eröffnet und das er gelebt hatte.“ 

Was bedeutet ein Leben? Das Fließen der Zeit zwischen Geburt und dem Tod, Erlebnisse und Begegnungen, Erfolge und Tiefschläge, Erfahrungen von Liebe, Freundschaft und Hass aneinandergereiht?  Vor allem aber hat es so viel zu bieten. In dieser Zeit kann viel geschehen. Auch im Leben von Philip Bowman. Als junger Mann erfährt er das schreckliche Ausmaß des Zweiten Weltkriegs hautnah aus nächster Nähe – als Marine-Soldat im Pazifik. Er überlebt, während andere Kameraden ihr Leben ließen. Bowman kehrt zurück, studiert, findet eine Anstellung als Lektor in einem renommierten New Yorker Verlag und mit Vivian die erste Liebe seines Lebens. Was dann kommt sind Veränderungen, nichts bleibt, wie gedacht und erhofft – das Leben halt. Aber das gibt ausreichend Stoff für Romane, andere Werke beweisen es. Bestes Beispiel: die beiden herausragenden Bücher „Stoner“ von John Williams und „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler. Und nun James Salters Roman „Alles, was ist“, der mit seinem eindeutigen wie sicherlich auch diskussionsanregenden Titel – das Original ist mit „All That is“ überschrieben –  die Neugierde weckt. Das Leben des Einen und der Anderen – James Salter „Alles, was ist“ weiterlesen