Von Leid und Hoffnung – Sebastian Barry „Tage ohne Ende“

„Schätze mal, letzten Endes ist das Land der Verheißung in Grautöne gehüllt.“

Der Wildwestroman hat es noch immer schwer, als anspruchsvolle Literatur wahrgenommen zu werden. Abgesehen von großen Namen wie James Fenimore Cooper und Jack London, und obwohl es in den vergangenen Jahren mit Antonin Varennes Roman „Äquator“ und die Wiederentdeckung von „Butchers Crossing“ von John Williams schon herausragende Titel gegeben hat, an die ich an dieser Stelle gern erinnern möchte. Denn allzu eng ist dieses Genre noch immer mit den dünnen Heftchen verknüpft, die in Bahnhofsbuchhandlungen, Supermärkten und am Kiosk verramscht werden. Der irische Schriftsteller und Dramatiker Sebastian Barry legt mit seinem neuen Werk „Tage ohne Ende“ Maßstäbe und beweist, dass eine große Geschichte im historischen Amerika und große Poesie durchaus zueinander finden können. Von Leid und Hoffnung – Sebastian Barry „Tage ohne Ende“ weiterlesen

Raubbau – Annie Proulx „Aus hartem Holz“

„Einst hatten endlose Wälder den Horizont gefüllt. Nun gab es Dutzende Straßen, und der Wald war ein ferner Schatten.“ 

Zwischen zwei Ozeanen ein Meer aus Bäumen: So sollte man sich Nordamerika vorstellen – bevor der Kontinent nach der Entdeckung von Christoph Kolumbus besiedelt wurde. Riesige Wälder wurden in kürzester Zeit vernichtet – wegen des Holzes und für Grund und Boden der Siedler. Welchen Tribut das Land zwischen Atlantik und Pazifik sowie die Ureinwohner zahlen mussten, erzählt die kanadisch-US-amerikanische Autorin Annie Proulx in ihrem neuen Roman „Aus hartem Holz“Raubbau – Annie Proulx „Aus hartem Holz“ weiterlesen

Amerika – Philipp Meyer „Der erste Sohn“

„Die Menschen verwandeln Erde zu Sand, Obst zu Dornen. Etwas anderes kriegen wir nicht zustande.“ 

Das Land ist weit und unermesslich reich. Es könnte für viele Menschen Heimat bieten, wo sie in Frieden und Eintracht leben. Doch die Gewalt kennt keine Grenzen. Als Eli im Jahr 1836 geboren und der Staat Texas aus der Taufe gehoben wird, liegen im Grenzgebiet die Siedler mit den Mexikanern und den Indianern im Clinch. Blut fließt auf allen Seiten. Er selbst und sein Bruder werden in jungen Jahren von den Comanchen entführt, während Mutter und Schwester während des Überfalls mehrfach vergewaltigt und schließlich getötet werden. Es ist der Beginn eines Lebens voller Erfolge und Verluste, der Beginn einer Familiendynastie, die in den folgenden Jahrzehnten einen unvergleichlichen Aufstieg erleben wird, und die entscheidende Szene zum Auftakt des Romans „Der erste Sohn“ von Philipp Meyer. Amerika – Philipp Meyer „Der erste Sohn“ weiterlesen