Rachel Kushner „Ich bin ein Schicksal“

„Nach und nach wurde mir das Leben ausgesaugt.“

W314159. Romy Leslie Hall ist nicht mehr als eine Nummer im Frauengefängnis von Stanville, eine Fallakte im amerikanischen Justiz-System. Sie war Stripperin in einer Bar, kannte sich mit Drogen aus, sie ist Mutter eines Sohnes und sitzt nun ein: zweimal lebenslänglich. Sie wird hinter Gittern sterben, weil sie ihren Stalker getötet hat. Die Amerikanerin Rachel Kushner, die für ihren 2015 in deutscher Übersetzung erschienenen Roman „Flammenwerfer“ gefeiert und gelobt wurde, rückt mit ihrem neuesten Werk „Ich bin ein Schicksal“ nicht nur eine einzelne Frau in den Mittelpunkt. Es ist ein eindrückliches Buch über Amerikas verlorenen Ruf, das längst nicht mehr als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erscheint.

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Freiheit – Gunnar Cynybulk „Das halbe Haus“

„Vater hat immer gesagt, alles hier bei uns ist eine einzige große Lüge, ein Scheißhaufen, der mit Häkeldeckchen aus Worten zugedeckt ist. Aber das stimmt nur halb. Es ist ein großer Mist, und zugleich ist es schön.“

Die einen preisen dieses Land, die anderen verfluchen es. Jeder hat seinen ganz eigenen Blick auf das Land DDR. Die Debatten über die „Zone“, wie der Osten vom Westen einst genannt wurde, sind noch längst nicht erschöpft; nicht zwischen den Generationen, nicht in Kunst und Kultur. Weiterhin werden Fotografien und Filme gezeigt, Bücher geschrieben. Im selben Jahr wie Lutz Seilers „Kruso“ erschien der Roman „Das halbe Haus“ von Gunnar Cynybulk. Der Autor des einen Buchs erhielt den Deutschen Buchpreis, der des anderen leider „nur“ wohlwollende Kritiken.  Doch beide Romane weisen Parallelen auf.  Freiheit – Gunnar Cynybulk „Das halbe Haus“ weiterlesen

Warum? – Noah Hawley „Der Vater des Attentäters“

„Wenn wir leiden, Schmerzen oder Angst haben, wenden wir uns nach innen. Mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert, interessieren wir uns nicht mehr für die täglichen Dramen dieser Welt.“ 

Es ist eine Geschichte, die überall auf der Welt geschehen könnte und aktueller denn je ist. Die Medien berichten in aller Regelmäßigkeit über entsetzliche Amok-Läufe, Attentate und Gewaltausbrüche, in denen junge Menschen plötzlich zu Tätern werden und eine große Schuld auf sich nehmen. „Der Vater des Attentäters“ von Noah Hawley erzählt nicht nur eindrucksvoll von einer aus den Fugen geratenen Vater-Sohn-Beziehung. Der Roman geht der Frage nach, wie ein junger Mensch zu einem Mörder werden konnte. Warum? – Noah Hawley „Der Vater des Attentäters“ weiterlesen