Familiengeschichte(n) – Katja Petrowskaja "Vielleicht Esther"

„(…) ich wollte so sehr erhört werden, erprobte meine Zunge, meine Sprache, ich versuchte, die Geschichten zu erzählen, sie in mein fremdes Deutsch zu übertragen, ich erzählte die Geschichten, eine nach der anderen, aber ich hörte selbst nicht, was ich sagte.“

Unser Leben ist nichts ohne die Geschichte der eigenen Familie. Wir sind, was wir waren. Uns formen frühere Ereignisse früherer Generationen genauso wie eigene Erfahrungen. Und wenn wir in jungen Jahren nur Zuhörer sind, werden wir später selbst zu Erzählern. Katja Petrowskaja, 1970 in Kiew geboren, nach ihrem Studium in Tartu (Estland) und Moskau als Journalistin in Berlin tätig, hat diese Rolle sehr früh übernommen. Es ist eine Rolle, die man nicht leichtfertig überstreift wie einen Lieblingspullover, der einem passt und der sich bequem anfühlt. Sie ist vielmehr eine Schlangenhaut, die mit uns wächst und die man nach einiger Zeit abstreift, weil eine neue entstanden ist. Familiengeschichte(n) – Katja Petrowskaja "Vielleicht Esther" weiterlesen