Auflösung – Olivier Adam „Klippen“

„Niemand weiß, was zwei Menschen miteinander verbindet, auch sie selbst wissen es oft nicht und kommen erst dahinter, wenn sie sich verlieren.“

Tragische Ereignisse kommen nicht immer auf leisen Sohlen daher. Manche kündigen sich an, erste Vorboten des Kommenden werden sichtbar. Nur erkennen möchte sie oftmals keiner. Der selbst gewählte Tod von Oliviers Mutter war konsequenter Abschluss ihrer Depression und Weltabgewandtheit. Nur wenige Tage zuvor war sie nach einer mehrmonatigen Behandlung aus der Psychiatrie entlassen worden. Der Ausflug nach Étretat in der französischen Normandie sollte ein Neubeginn für die Familie sein. Letztlich war es der Auftakt einer Reihe schmerzlicher Ereignisse, die das Leben von Olivier und seinem älteren Bruder Antoine für immer verändern sollen.  Auflösung – Olivier Adam „Klippen“ weiterlesen

Drei Brüder – Favel Parrett "Jenseits der Untiefen"

„Er lebte dafür, für diese Augenblicke, wenn alles stillstand außer dem eigenen Herz und die Zeit sich ausdehnte und wogte – sich Bild für Bild vor das innere Auge schob und man jenseits der Zeit und vor der Zeit war und einem niemand etwas anhaben konnte.“ 

Das Leben der Currens wird vom Meer bestimmt. Es liegt nahezu vor der Haustür – jene riesige Wasserfläche, die manchmal platt erscheint, sich oft jedoch aufbäumt, in der sich unzählige Lebewesen regen.  Der Vater verdient sein Geld mit dem Fischen und Muschelsuchen, wenn auch illegal. Auch Miles muss auf dem Kutter mithelfen und harte Arbeit leisten anstatt zur Schule zu gehen. Der kleine Bruder Harry fürchtet indes das große Wasser. Und Joe, der ältere der Drei, will einfach nur weg – mit dem selbst gebauten Boot. Die australische Autorin Favel Parrett, 1974 geboren, hat ihre Heimat, die Küste Tasmaniens, zum Schauplatz ihres Debütromans „Jenseits der Untiefen“ gemacht. Hier ist nur wenig idyllisch. Doch daran hat nicht das Meer Schuld, sondern vielmehr einige Menschen.  Drei Brüder – Favel Parrett "Jenseits der Untiefen" weiterlesen

Dem Erzähler auf der Spur – Vladimir Nabokov "Das wahre Leben des Sebastian Knight"

„Nicht auf die Einzelteile kommt es mehr an, sondern auf ihre Verbindung.“

Klassiker und Werke honoriger Autoren haben es oft schwer. Meist sind sie abseits der obligatorischen Schullektüre verdammt, in verstaubten Regalen ebenfalls verstaubt zu sein. Von eigentlich treuen Lesern vergessen oder auch mit dem Makel behaftet, für Langeweile und allzu viel Anspruch zu sorgen. Schwere Kost heißt es da – in Erinnerung an jenen Werbespot mit zwei wohl bekannten Box-Brüdern, die sich mit einem dicken Band Puschkin „herumschlagen“. Mir fiel kürzlich der Roman „Das wahre Leben des Sebastian Knight“ von Vladimir Nabokov in die Hände. Eine spontane Entscheidung, die am Ende nicht bereut wurde. Im Gegenteil. Dem Erzähler auf der Spur – Vladimir Nabokov "Das wahre Leben des Sebastian Knight" weiterlesen