Kristina Gorcheva-Newberry – „Das Leben vor uns“

„Dieses Land ist zu alt und zu störrisch“, sagte meine Großmutter immer (…).“

Sie sind jung, ihr Leben liegt noch vor ihnen. Sie wollen frei sein, die Welt sehen. Doch Anja und ihre Freundin Milka leben in Moskau. Der spätere Umbruch mit Beginn der Ära Gorbatschow und die Folgen von Perestroika und Glasnost liegen noch in gewisser Ferne. Als Leonid Breschnew, der Generalsekretär der KPdSU, 1982 stirbt, sind sie 14 Jahre alt. Kaum einer kommt heraus aus diesem riesigen totalitären Reich namens Sowjetunion. Mit ihrem Debüt „Das Leben vor uns“ schreibt die russisch-amerikanische Autorin Kristina Gorcheva-Newberry über eine Jugend im Kommunismus und ein Land, das seine Kinder frisst. „Kristina Gorcheva-Newberry – „Das Leben vor uns““ weiterlesen

Backlist #16 – Jan Kjærstad „Ich bin die Walker Brüder“

„Einige wenige Jahre besitzen wir die Fähigkeit, magisch zu denken.“

Es sind nur wenige Sekunden, die das Leben von Odd Marius Walaker verändern. Er stürzt mit seinem Fahrrad, geblendet von einer seltenen Münze. Und das auch noch auf dem Schlossplatz in Oslo. Seitdem ist nichts mehr wie es war. Der 14-Jährige spürt besondere Kräfte in sich wirken. Vor allem sein Denken und seine Wahrnehmung haben sich verschärft, sind intensiver geworden. Er glaubt, über die sogenannte W-Potenz zu verfügen, und nennt sich fortan die Walker Brüder. In seinem 2008 im Original erschienenen Roman („Jeg er brødrene Walker“) beweist der norwegische Schriftsteller Jan Kjærstad einmal mehr seine Meisterschaft für besondere, besonders skurrile Romane. „Backlist #16 – Jan Kjærstad „Ich bin die Walker Brüder““ weiterlesen

Peter Heller – „Der Fluss“

„Was macht man, bevor man die Hölle betritt?“

Ein Dorf der Cree-Indianer an der Hudson Bay ist ihr Ziel. Ihr Weg: der Maskwa River. Jack und Wynn, Studenten und beste Freunde, machen sich mit ihrem Kanu auf dem Weg quer durch die Wildnis im Nordosten Kanadas. Beide sind erfahren, mit einer überschaubaren Ausrüstung und Proviant in der nahezu menschenleeren Natur zu leben und zu überleben. Sie schrecken nicht vor der Einsamkeit und den Risiken zurück. Doch ihre Tour verläuft anders als geplant – denn zwei unheilvolle Begegnungen und ein verheerender Waldbrand sorgen für Lebensgefahr. Der Amerikaner Peter Heller legt mit „Der Fluss“ einen spannenden Roman vor, der vor allem die grandiose Landschaft in den Mittelpunkt rückt. „Peter Heller – „Der Fluss““ weiterlesen

Johan Harstad „Max, Mischa & die Tet-Offensive“

„Und wer waren wir geworden? Erinnerten wir uns überhaupt noch an uns selbst? Und wenn ja, wie lange noch?“ 

Schon als ich die norwegische Originalausgabe während einer der früheren Frankfurter Buchmessen in der Hand gehalten habe, war da dieses Gefühl, ein besonderes Buch vor sich zu haben. Dieser Name, dieses Gewicht, dieser Umfang… Sechs Jahre hat der Norweger Johan Harstad an seinem bereits 2015 in seinem Heimatland erschienenen Roman mit dem ungewöhnlichen Titel „Max, Mischa & die Tet-Offensive“ geschrieben. „Johan Harstad „Max, Mischa & die Tet-Offensive““ weiterlesen

Backlist #3 – Per Petterson „Nicht mit mir“

„Es war allerhand passiert. Die Zeit war passiert.“

Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, wird von meiner Leidenschaft für die skandinavische, speziell für die norwegische Literatur wissen. Wie Lars Saabye Christensen, Tomas Espedal oder Jan Kjærstad verfolgt mich auch sein Name und seine Bücher schon seit einigen Jahren: Die Rede ist von Per Petterson. „Pferde stehlen“ war der Roman, mit dem ich auf Petterson aufmerksam wurde. Vor einiger Zeit las ich „Ist schon in Ordnung“ und besprach es auch hier. Für die Reihe „Backlist“ griff ich kürzlich zu seinem jüngsten Werk mit dem Titel „Nicht mit mir“, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – um neugierig auf die norwegische Literatur zu machen und um angesichts der Schnelllebigkeit der Buch-Branche an ein vor wenigen Jahren erschienenes Buch zu erinnern, das es wert ist, jederzeit gelesen zu werden.    „Backlist #3 – Per Petterson „Nicht mit mir““ weiterlesen

Zwei Welten – Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege“

„Mein Etwas-Werden hatte sich in ihrem Fahrwasser vollzogen.“

Zweifellos: Die Neapolitanische Saga um die beiden Mädchen und späteren Frauen Elena und Lila ist ein literarisches Phänomen,  über das man noch in einigen Jahren reden wird. Und sicherlich werden die vier Bücher über deren Freundschaft über die Kindheit hinaus weiterhin gelesen werden. Da spielt es wohl kaum mehr eine Rolle, dass ein ehrgeiziger Journalist die wahre Identität hinter dem Pseudonym Elena Ferrante nach ausgiebiger Recherche herausgefunden hat. Im Mittelpunkt steht das Werk. Punkt! Das wird allzu sehr deutlich, als der nunmehr dritte Band sogleich nach seinem Erscheinen Rang eins der Spiegel-Bestsellerliste belegte, während die Erinnerung an die Schlagzeilen nahezu verblasst sind. Eine Erscheinung, für die ich persönlich Genugtuung empfinde, denn aller journalistischer Eifer in Ehren, ein schützendes Pseudonym sollte ein Pseudonym bleiben.  „Zwei Welten – Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege““ weiterlesen

Spuren – Anne von Canal „White Out“

„Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, sie ist noch in Bewegung.“

Von einem Eisberg sind nur ein Fünftel bis ein Achtel zu sehen, der überwiegende Teil des Kolosses liegt unter der Wasseroberfläche. Er ist ein beliebtes symbolisches Bild und kann wohl auch bemüht werden, wenn es um Dinge geht, die wir unterschätzen. Unterschätzt werden oft die Wirkungen von Erinnerungen. Sie sind das große Thema in dem neuen Roman von Anne von Canal mit dem Titel „White Out“, und dieser führt ins ewige Eis: in die Antarktis. „Spuren – Anne von Canal „White Out““ weiterlesen

Mut – Frida Nilsson „Siri und die Eismeerpiraten“

„Die guten Dinge hinterlassen gute Spuren … und die schlimmen Dinge hinterlassen schlimme Spuren.“

Das Eismeer: eine weiße weite unwirtliche Welt. Stolze Schiffe segeln von Hafen zu Hafen, von kleinen Inseln zu winzigen Schären. Fische und Meerjungfrauen tummeln sich im Wasser. Ja, auch stolze Meerjungfrauen. Die Geschöpfe sind nicht nur Seemannsgarn. Es gibt sie wirklich. Auf ihrer Reise von ihrer Heimatinsel Blautum nach Senkum lernt Siri ein solch merkwürdiges Wesen kennen. Es ist nur eine von vielen ihrer besonderen Begegnungen auf ihrer ungewöhnlichen und gefährlichen Reise. Siri will ihre kleine Schwester Miki befreien, die von den gefürchteten Eismeerpiraten rund um Kapitän Weißhaupt gekidnappt wurde.  In ihrem neuen Kinderbuch erzählt Frida Nilsson diese abenteuerliche Geschichte. „Mut – Frida Nilsson „Siri und die Eismeerpiraten““ weiterlesen

Schmerz – Hanya Yanagihara „Ein wenig Leben“

„Er wollte loslassen, er wollte, dass die Kreatur in seinem Inneren sich in einen Schlaf begab, aus dem sie nie wieder erwachte.“ 

Ein Buch, über das viele sprechen. Dessen Cover ein Hingucker ist, das man einfach anschauen muss: Der Roman „Ein wenig Leben“ der Amerikanerin Hanya Yanagihara ist seit seiner Veröffentlichung im Januar dieses Jahres noch immer in aller Munde. Nicht umsonst erhielt ich kürzlich eine kurze Nachricht einer ehemaligen Mitschülerin, mit der ich einst den Deutsch-Leistungskurs an der Penne absolviert hatte: „Hast du schon dieses Buch gelesen?“. Ich musste verneinen und zugeben, dass auch der ebenfalls sehr dickleibige neue Roman von Paul Auster noch in meinem Regal darauf wartet, gelesen zu werden. Von dem jüngsten Werk von Jonathan Safran Foer ganz zu schweigen. Doch diese kurze Botschaft via Facebook ließ mich schließlich zu dem Buch mit dem markanten Cover-Foto greifen und ich begann zu lesen. „Schmerz – Hanya Yanagihara „Ein wenig Leben““ weiterlesen

Lebenswege – Elena Ferrante „Die Geschichte eines neuen Namens“

„(…) und es gibt kein Zurück, das Leben führt uns, wohin es will.“ 

Vier Bände, ein Welterfolg, eine lebenslange Freundschaft und die Offenlegung des Pseudonyms der Autorin: Viel ist bereits über das #FerranteFever geschrieben worden, die Begeisterung für die Neapolitanische Saga über die ungleichen Mädchen und späteren Frauen Lila und Elena. Wie es meistens bei literarischen Phänomen und Spitzentiteln ist, die von den Verlagen umfangreich beworben werden – es scheiden sich die Geister daran. Die einen loben, die anderen verschmähen das Buch. Nach dem ersten Band „Meine geniale Freundin“ habe ich den zweiten Band mit dem Titel „Die Geschichte eines Namens“ gelesen. Und ich kann bereits an dieser Stelle sagen: Das Fieber hält an. Vor allem aus einem besonderen Grund heraus.  „Lebenswege – Elena Ferrante „Die Geschichte eines neuen Namens““ weiterlesen