Andreas Tjernshaugen – „Das verborgene Leben der Füchse“

„Der Fuchs ist ein geheimnisvolles Tier.“

Was ihm nicht alles nachgesagt wird. Er sei ein hinterlistiger Hühner- und Gänsedieb, ein Schlauberger. Zu seinem Leidwesen wurde er einst wegen seines kostbaren Pelzes gejagt und wird heute noch in Pelz-Farmen gehalten. Dabei sind Begegnungen mit einem Fuchs in freier Natur wahre Glücksmomente. Von solchen berichtet der Norweger Andreas Tjernshaugen in seinem Buch „Das verborgene Leben der Füchse“, das eine erkenntnisreiche Lektüre dank einer Mischung aus Reportage und Sachbuch bereitet.

Ausgestattet mit Thermoskanne und Tarndecke

Bei Naturfreunden löst der Name des Autors und der Titel vielleicht eine Erinnerung aus. Denn hierzulande wurde Tjernshaugen mit seinem Buch „Das verborgene Leben der Meisen“ bekannt. Zudem wurde sein Band „Von Walen und Menschen“ ins Deutsche übertragen. Nun geht es ab in den Wald, genauer gesagt in jenen nahe dem Oslofjord bei Nesodden. Gemeinsam mit seiner Hündin Topsy kundschaftet er das Areal aus oder legt sich geduldig stundenlang auf die Lauer, um den Rotpelz zu beobachten. Zünftig ausgestattet mit Fernglas, Thermoskanne und Tarndecke.

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Eines Tages stößt er auf eine Fähe mit Welpen, die er aufgrund ihrer Färbung Schabracke nennt, sowie auf einen Rüden, den er kurzerhand den Namen Schokoeis gibt. Er entdeckt einen Fuchsbau mit einem System aus verschiedenen Gängen, trifft auf seinen Touren allerdings immer wieder auch auf andere Tiere: wie Dachs, Rehwild oder verschiedene Vogelarten.

Seine detailreichen Schilderungen verbindet Tjernshaugen in den zahlreichen Kapiteln des Buches mit seinem Wissen. Er berichtet über die Lebensweise des Fuchses und dessen weite Verbreitung aufgrund einer besonderen Anpassungsfähigkeit. Zwar sei der Fuchs mit Hund und Wolf verwandt, allerdings ähnele er in seiner Lebensweise einer Katze, schreibt der Norweger an einer Stelle, nicht ohne an mehreren Stellen seine Begeisterung für die Tiere durchklingen zu lassen. Er erzählt von den unterschiedlichen Arten und deren Bedrohung durch Krankheiten wie die Tollwut und die Räude und wie der Fuchs zunehmend den Stadtraum einnimmt. Ein Kapitel widmet sich dem deutschen Zoologen und Verhaltensforscher Günter Tembrock, ein anderes der Pelztierzucht, der das norwegische Parlament allerdings einen Riegel vorgeschoben hat: Ab 2025 ist die Pelztierzucht in dem nordischen Land verboten.

„Der Fuchs lebt im Großen und Ganzen trotz des Reglements der Menschen wie ein Vogelfreier und ist daher für mich eine Art Symbol für Freiheit und Selbständigkeit.“

Eine besondere Mischung entsteht, wobei der Autor nicht nur vor der „Haustür“ bleibt. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Dänemark und Deutschland, um nach eigenen Lektüreerfahrungen als Anlass ein spezielles Kapitel der Kulturgeschichte des Fuchses zu ergründen: Wie kam er in den Tiergeschichten zu seinen unterschiedlichen Namen?

Mehrere Bücher über Natur und Umwelt

Tjernshaugen, 1972 in Nesodden geboren, ist ausgebildeter Soziologe, der sich seit Jahren in seinen Büchern der Natur sowie Umweltproblemen widmet. Er steht in Verbindung mit dem Cicero Zentrum für Klimaforschung in Oslo und dem norwegischen Rat für Biotechnologie und hat im Bereich der Technologie-Politik promoviert. Mehrere Jahre war er als Redakteur für das Große Norwegische Lexikon tätig. Gerade ist sein neuer Band „Insektene i hagen“ („Insekten im Garten“) erschienen. Neben seiner Autoren-Tätigkeit hält er auch Vorträge.

Das Erstaunliche an diesem lehrreichen wie unterhaltsamen Buch ist nicht nur die Vielfalt an Informationen und Themen. Tjernshagens Sprache ist darüber hinaus sehr zugänglich. Er kann sein Wissen sehr verständlich vermitteln, so dass sich sein Band durchaus auch als Familienlektüre eignet. Zahlreiche Fotografien von Füchsen in verschiedenen Ländern entstanden – darunter eine Aufnahme eines Tieres, das auf der Insel Malmøya im Regen stehend und durchnässt durch das Fenster eines Hauses blickt, sowie Bilder von Welpen und vom seltenen Schneefuchs – lassen wohl das Herz jedes Tierfreundes höher schlagen. Und noch ein Tipp: Andreas Tjernshaugen hat einen eigenen Instagram-Account, wo er regelmäßig Tierfotos postet.


Andreas Tjernshaugen: „Das verborgene Leben der Füchse“, erschienen im Insel Verlag, in der Übersetzung aus dem Norwegischen von Ulrich Sonnenberg; 214 Seiten, 18 Euro

Foto von Martin Sepion auf Unsplash

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