Herbstlese(n) – Ein Blick in die Vorschauen

Mit Blick in die im Frühjahr nach und nach erschienenen Vorschauen der verschiedenen Verlage ist ja schon seit einigen Wochen gefühlt wieder Herbst. Was uns die bunte Jahreszeit literarisch in den kommenden Wochen und Monaten so beschwert, stelle ich nach dem Durchstöbern der Verlagsprogramme an dieser Stelle vor. Welche kommenden Titel mein Interesse geweckt haben? Ich kann nur soviel sagen, es sind nicht wenige. Und das ist auch gut so.

Deutschsprachige Literatur

Über das bewegte Leben der Künstlerin Hannah Höch erzählt Miku Sophie Kühmel in „Hannah“ (S. Fischer, Juli), über die drei großen Frauen Erika Mann, Greta Garbo und Marlene Dietrich die Autorin Angela Steidele in „Ins Dunkel“ (Suhrkamp, August). Anhänger von Peter Stamm können sich über den Erzählband „Auf ganz dünnem Eis“ freuen (S. Fischer, Oktober). Ich bin gespannt auf Berit Glanz‘ neuen Roman „Unter weitem Himmel“ (Piper, August) und nicht minder auf „Gesellschaftsspiel“ von Dora Zwickau (Piper, Juli) sowie Christian Poschenrieders neuen Roman „Fräulein Hedwig“ (Diogenes, Oktober).

Lina Schwenk erzählt in „Blinde Geister“ eine Familiengeschichte von den 50er-Jahren bis in die Gegenwart (C.H. Beck, August). Mathilde und Max Beckmann stehen in Marianne Ludes‘ Roman „Trio mit Tiger“ im Zentrum (Penguin, August). Eine Vater-Tochter-Geschichte stellt Michael Stavarič in den Mittelpunkt seines neuen Romans „Die Schattenfängerin“ (Luchterhand, August). Über den Feuersturm in Hamburg 1943 und Schuld schreibt Hinrich von Haaren in „Wildnis“ (Wallstein, Juni). Ein Roman, der durch die DDR-Zensur in Vergessenheit geriet: „Karen W.“ von Gerti Tetzner (Aufbau, August). Mit „Jahre zwischen Hund und Wolf“ gibt es einen neuen Roman von Henning Ahrens zu entdecken (Klett-Cotta, August).

Von West nach Ost

Ich freue mich sehr auf den neuen Roman von Stefan Hertmans „Dius“ (Diogenes, Oktober) und nicht minder auf Ian McEwan mit „Was wir wissen können“ (Diogenes, September). Spannende Wiederentdeckungen sind „Die längste Reise“ von E.M. Forster (Nagel und Kimche, November) und „Der Himmel fällt“ der Italienerin Lorenza Mazetti (Nagel und Kimche, August). Nach „Über die See“ erscheint von Mariette Navarro „Am Grund des Himmels“ (Kunstmann, August). Mit „Unbeugsam wie die See“ gibt es einen neuen Roman von Emilia Hart (Harper Collins, August). Der Franzose Sorj Chalandon zählt mittlerweile zu meinen Lieblingsautoren; von ihm erscheint „Herz in der Faust“ (dtv, September). Gespannt bin ich auch auf Donal Ryans neuen Roman „Die Königin von Dirt Island“ (Diogenes, Oktober).

Mit „Im Herzen der Nacht“ erscheint der zweite Band der Aubrey-Familiensaga von Rebecca West (btb, Oktober). „Nirwana“ heißt der neue Roman des Niederländers Tommy Wieringa (Hanser, Juli). Marko Dinićs Roman „Buch der Gesichter“ wird als Erinnerungsliteratur in moderner Form beschrieben (Zsolnay, August). Eine Wiederentdeckung: Charlotte Mew und ihr Erzählband „Einige Arten zu lieben“ (C.H. Beck, Juli). Es war das Lieblingsbuch der italienischen Buchhändler: „Der Mädchenname“ von Aurora Tamigio (btb, Oktober). Der Franzose Gaspard Koenig erzählt in seinem Roman „Humus“ von den Sorgen um die Zukunft des Planeten und die Rolle von Würmern (Matthes & Seitz, Juli). Ein weiterer Roman des großen Franzosen Romain Gary gilt es zu entdecken: „Europäische Erziehung“ (Wagenbach, August). Ich freue mich auf ein weiteres Buch von Alba de Céspedes: „Was vor uns liegt“ (Insel, Oktober). Er zählte zu den wichtigsten Stimmen der italienischen Nachkriegsliteratur: Mario Rigoni Stern, dessen Roman „Tönle“ erscheint (Kampa, September).

Nach „Schmales Land“ gibt es einen weiteren Roman von Christine Dwyer Hickey: „Alle unsere Leben“ (Unionsverlag, August). Auf eine Insel zwischen Sizilien und Tunis entführt Claudia Lanteri in „Die Insel und die Zeit“ (Folioverlag, August). Vom Booker-Prize-Gewinner Paul Lynch erscheint mit „Jenseits der See“ ebenfalls ein neuer Roman (Klett-Cotta, Juli). Julian Barnes hat mit „Abschiede“ ein Buch über einen Schriftsteller geschrieben – nämlich über sich selbst (Kiepenheuer & Witsch, Januar). „Neues von den Unerwünschten“ heißt ein neuer Erzählband des Literaturnobelpreisträgers J. M. G. Le Clézio (Kiepenheuer & Witsch, August).

Über den großen Teich

Miguel Brunnefoy führt in „Der Traum des Jaguars“ nach Venezuela und in die Geschichte einer Familie (Eisele, August). Claire Osnetsky war für „Hirschtier“ mit dem Pen/Faulkner Award nominiert (Ecco, Januar). Die mehrfach preisgekrönte US-Amerikanerin R. F. Kuang braucht man wohl nicht mehr vorstellen – von ihr erscheint mit „Katabasis“ ein neuer Backstein (Eichborn, August). T.C. Boyle-Fans müssen meist nie lange warten: He is back mit „No Way Home“ (Hanser, September).

Als literarische Entdeckung wird Ben Shattuck bezeichnet, dessen Roman „Die Geschichte des Klangs“ (Hanser, Juli) erscheint. „Weißes Licht“ von Eric Puchner war ein New-York-Times-Bestseller (Hanser, September). Von der großen Erzählerin Joy Williams gibt es Band zwei mit „Stories 2“ (dtv, August). Eine Wiederentdeckung ist auch Bette Howland, die in „W-3“ über ihren Aufenthalt in der Psychiatrie schreibt (btb, März). Gespannt bin ich auf den neuen Roman von Callan Wink namens „Bärenzähne“ (Suhrkamp, September) und auf den neuen Streich von Louise Erdrich mit dem Titel „So war die Welt“ (Aufbau, Oktober).

Literatur aus dem hohen Norden

Der norwegische Literaturnobelpreisträger Jon Fosse ist zurück mit seinem Roman „Vaim“, Teil eins einer neuen Trilogie (Rowohlt, Dezember). Kjell Westös neuer Roman heißt „Dämmerung“ (Piper, Januar). Aus Island kommt Gudrún Eva Minervadottir mit „Überlebensstrategien“ (btb, Januar) sowie Audur Ava Ólafsdóttir mit „Eden“ (Insel, Oktober). Auch von der Schwedin Ann-Helen Laestadius gibt es mit „Die Rückkehr der Rentiere“ einen neuen Roman (Hoffmann & Campe, Oktober). Die Romanreihe „Über die Berechnung des Rauminhalts“ von Solveig Balle findet eine Fortsetzung (Matthes & Seitz, Oktober).

Über das Volk der Sami erzählt die Norwegerin Kathrine Nedrejord in „Acht Jahreszeiten“ (Eichborn, Oktober), über eine schicksalhafte Begegnung im Eis die Finnin Inkeri Markkula in „Wo das Eis niemals schmilzt“ (mare, September). Als ein wohl sehr besonderes Buch erscheint „Aniara“, ein Weltraumepos in 103 Gesängen, des Schweden Harry Martinson (Guggolz, August). Mit Kristin Vego und ihren Roman „Spät am Tag“ gilt es, eine neue Stimme der norwegischen Literatur zu entdecken (Insel, August). Auf die Faröer Inseln führt William Heinesen in seinem Roman „Noatun“ (Guggolz, August). Vom dänischen Märchendichter Hans-Christian Andersen erscheint „Im Land der Mitternachtssonne“ (Andere Bibliothek, August).

Ganz viel Nervenkitzel – Krimis & Thriller

Als große Anhängerin der norwegischen Krimiqueen Anne Holt freue ich mich auf „Zwölf ungezähmte Pferde“ (Atrium, September). Ihr Landsmann Jo Nesbø ist mit „Minnesota“ ebenfalls zurück (Ullstein, Januar). Gespannt bin ich auf Jake Lamars „Viper’s Dream“ (Edition Nautilus, September). Mathijs Deen schickt in „Die Lotsin“ seinen Ermittler Cupido wieder auf Ermittlungstour (mare, August). Er ist ein Kultautor: der Schwede Hakan Nesser, von dem mit „Eines jungen Mannes Reise in die Nacht“ ein neues Buch erscheint (btb, September). „Verschworen“ heißt der fünfte Teil der erfolgreichen Island-Krimi-Reihe von Eva Björg Ægisdóttir (Kiepenheuer & Witsch, September).

Andreas Pflüger hat mit „Kälter“ einen neuen Thriller geschrieben (Suhrkamp, Oktober), und auch Zoran Drvenkar legt mit „Asa“ ein neues Buch vor (Suhrkamp, August). Michael Connelly entführt in „Der Inselcop von L.A.“ ins sonnige Kalifornien (Kampa, September), hingegen nach Grönland Christoffer Petersen in „Sieben Gräber für den Winter“ (Kampa, Oktober). Das Krimi-Duo Voosen-Danielson ist zurück: „Schwüre, die wir brechen“ heißt der neuestes Streich des  deutschen-schwedischen Autoren-Ehepaares (Kiepenheuer & Witsch, August).

Sachbücher für den Kopf

Thomas Steinfeld entführt mit „Rauschen in der Nacht“ in die Welt der Wildgans (Rowohlt, Oktober). Wie sich die Welt bewegt, erzählt Sophia Kimmig in „Move!“ (Hanser, September). Freunde von Sylvain Tesson können sich auf sein neues Buch „Mit den Feen“ freuen (Rowohlt, Oktober). Über „Geniale Bäume“ hat Harriet Rix geschrieben (dtv, August), über den „Duft der Wälder“ Dominique Roques (Harper Collins, September). David van Reybrouck verbindet in seinem Essay „Die Welt und die Erde. Wie können wir sie bewahren“ einen Doppelleucht-Globus mit den globalen Herausforderungen unserer Zeit (Suhrkamp, August).  Andrea Fischer berichtet über „Die Gletscher“ (C.H. Beck, Oktober).

Der berühmte Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat „Das große Buch der Evolution“ geschrieben (Hoffmann & Campe, November). Mehrere Titel widmen sich der Literatur und dem Schreiben: Steffen Martus mit „Erzählte Welt“ (Rowohlt, Oktober), „Schreiben in finsteren Zeiten“ von Helmuth Kiesel (C.H.Beck, Oktober) sowie Roger Willemsen mit „Liegen Sie bequem?“ (S. Fischer, September). Der Niederländer Adwin de Kluyver entführt in „Der geträumte Norden“ in die Arktis (mare, September). Über wandernde berühmte Frauen berichtet Annekke Lubkowitz in „Rebellinnen zu Fuß“ (Kein & Aber, August). Dem Thema Tod, Sterben und Trauer bei Tieren widmet sich Susanna Monsó in „Das Schweigen der Schimpansen“ (Insel, August). Über das Jahr 1956 in Mascha Kalékos Leben erzählt Volker Weidemann in „Wenn ich eine Wolke wäre“ (Kiepenheuer & Witsch, Oktober).

Der Norweger Erling Kagge führt in „Mein Nordpol“ an eben jenen (Insel, Oktober). Nach Oktopus, Schwein und Kolibri gibt es mit Sy Montgomery nun ein „Tête-à-Tête mit einer Schildkröte“ (Diogenes, Oktober).  Mit „Aufrecht“ erscheint das Prequel von Lea Ypis Bestseller „Frei“ (Suhrkamp, September). Gespannt bin ich auf ein großes Stück Nature Writing: „Ein Jahr in der Natur“ von Josephine Johnson (Andere Bibliothek, Oktober). Mit „Vom Herzasthma des Exils“ hat Ursula Krechel eine politische Kulturgeschichte über Flucht und Migration geschrieben (Klett-Cotta, Juli).

Weitere Ausblicke auf den Herbst geben die Blogs „Buch-Haltung“, „Literatur-Reich“, „Literaturleuchtet“ in gleich zwei Beiträgen zu Großverlagen und unabhängigen Verlagen sowie „Elementares Lesen“


Foto von Mark König auf Unsplash

12 Kommentare zu „Herbstlese(n) – Ein Blick in die Vorschauen

  1. Was für tolle Entdeckungen! Da wandert einiges auf meine Wunschliste, zum Beispiel „Humus“ von Gaspard Koenig, das neue Buch von Louise Erdrich und „Sieben Gräber für den Winter“. Und vielen Dank für die Erwähnung, liebe Constanze 😊

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  2. da hast du dir ja sehr viel vorgenommen! Einiges davon (z.B.aus dem Guggolz Verlag) landet sicher auch auf meiner Leseliste

    liebe Grüße , Elvira

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    1. Ich schaffe sicherlich nicht alles, für mich ist das eher eine Art Erinnerungsliste mit den Büchern, die mich neugierig machen. Und ich denke, ich werde im Verlauf der Zeit dann noch weitere spannende Titel entdecken. Liebe Grüße nach Berlin

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  3. Das ist eine sehr feine Auswahl geworden, Constanze. Und ich habe auch schon ein paar Überschneidungen zu den Titeln entdeckt, die ich mir mal lose notiert hatte. 😊 Die neuen Bücher von Steidele und Poschetsrieder… aber ich kann mich da nur Deiner Meinung anschließen, das scheint ein vielversprechender und wunderbarer Leseherbst zu werden. Herzliche Grüße, Barbara

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    1. Vielen Dank, liebe Barbara, für Deinen Kommentar. Ja, es wird ein toller Herbst, wenn man nur immer mehr Zeit zum Lesen hätte. Wir lesen im Übrigen in Kürze im Lesekreis Steideles letzten Roman „Aufklärung“, ich bin gespannt. Herzliche Grüße

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      1. Das stimmt. Lesezeit kann man gar nicht genug haben. Und „Aufklärung“ mochte ich sehr und habe ich wirklich gerne gelesen. Wie sie mit Augenzwinkern das Gestern mit dem Heute verbindet und über Musik sowie die Frauen der Familie Bach erzählt, ist großartig. Herzliche Grüße!

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  4. Liebe Constanze, vielen Dank für deine Erinnerungsliste. Die Arbeit, die dahinter steckt kenne ich, von daher doppelt Danke!
    Ich habe für mich noch nicht DIE Titel entdeckt und werde noch ein bisschen suchen und mich inspirieren lassen.
    Liebe Grüße von der Ostsee

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    1. Sehr gern, liebe Vera. Ja, es macht schon Arbeit, es ist aber auch eine Freude zu sehen, was in den kommenden Wochen und Monaten so alles erscheint. Du wirst sicherlich auch Deine Titel finden. Manchmal entdecke ich später auch immer wieder Bücher, die mich neugierig machen. Hab` eine schöne Zeit am Meer. Liebe Grüße

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      1. Ich bin jetzt auch alle deine Verlinkungen durchgegangen. Wunderbar! Sehen wir uns in Frankfurt? Entschuldige, wenn ich es ggf. schon mal anderer Stelle gefragt habe – momentan ist ganz schön viel los…

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