Mammutwerk über großen Feldherrn

Für Alfred Döblin ist Lützen eine Marginalie. In seinem historischen Roman „Wallenstein“ nimmt die große Schlacht im Jahr 1632 nur wenige Zeilen ein. „Vom nebligen Herbstmorgen bis zum Abend acht Stunden zerhieben sich die Heere zwischen dem dünnen Mühlgraben und Floßgraben bei Markranstädt und Lützen (….). Am Abend und in der Nacht standen die beiden Heere noch auf dem Feld und rissen aneinander. Tot war Gustav Adolf und Tausende aus allen Regimentern der Schweden und der Kaiserlichen“, schreibt Döblin in seinem 1920 erschienenen Werk. Doch Literatur nimmt sich bekanntlich die Freiheit zu verknappen, Kontraste anders zu setzen.

Für Historiker ist die Schlacht bei Lützen der Stolperstein des großen Feldherrn Albrecht Wenzel Eusebius Wallenstein, der Anfang von seinem Ende. 50-jährig wird er, nur mit einem Nachtgewand bekleidet,  am 25. Februar 1634 im böhmischen Cheb/Eger mit einer Partisane ermordet.
Mit der aktuellen Sonderausstellung „Die blut’ge Affair’ bei Lützen. Wallensteins Wende“ widmet sich das Museum des Schlosses Lützen seinem Leben und Wirken. Ein gleichnamiger Band, im Verlag Janos Stekovics erschienen, begleitet die Exposition. Er ist keine schmale Broschüre, die bequem in eine Damenhandtasche passt. Er eignet sich angesichts seiner Schwere und Größe auch nicht unbedingt als Bettlektüre.  Er verlangt vielmehr schon mit dem ersten Blättern von dem Leser Respekt ab für den Aufwand, den die beiden Herausgeber, Museumsleiter Maik Reichel und Inger Schuberth von der schwedischen Lützenstiftung, betrieben haben. So viel Lob vorab.

In einem gemeinsamen Aufsatz erklären sie das Projekt. Nach der Gustav-Adolf-Ausstellung 2007 in Lützen wurde die Idee geboren, auch den Widersacher des Schwedenkönigs ins Haus zu holen. Besser gesagt: Dokumente, Fotos und Exponate, die Archive, Museen, Bibliotheken und Privatpersonen aus Deutschland, Schweden, Tschechien und der Schweiz zur Verfügung stellten und Einblicke in das Leben Wallensteins und seine Zeit geben. Reichel und Schuberth gingen zudem auf Reisen. Sie besuchten jene Orte, in denen Spuren des Feldherrn zu finden sind, von den Städten Güstrow und Stralsund in  Mecklenburg-Vorpommern über das Museum Zirndorf im Fränkischen bis hin nach Cheb/Eger, Wallensteins Sterbeort, sowie Prag und Jicin, wo sich dessen einstige Besitztümer befinden.

Eine Auswahl der insgesamt 6.000 Fotos, die Verlagschef Janos Stekovics mit nach Dößel zurückbrachte, schmücken den Band und  illustrieren die Aufsätze von Wissenschaftlern aus Deutschland, Schweden und Tschechien auf prachtvolle Weise. Die Texte widmen sich verschiedenen Arbeitsfeldern der Geschichtswissenschaft. Das neue Fach der Schlachtfeldarchäologie  erhält ebenfalls Raum.  So berichtet Ausgrabungsleiter André   Schürger von der Arbeit in Lützen, gemeinsam mit internationalen Experten ihres Fachs. Welches Bild hat sich die Kunst, speziell die bildende Kunst und die Literatur, von Wallenstein gemacht – auch diesem Thema zeigt das   300 Seiten starke  Buch.  Mit Friedrich Schiller und Golo Mann treten große Namen in Erscheinung. Angst vor diesen und dem Mammutwerk sollte indes keiner haben. Der Band schafft auf wunderbare Art und Weise Wissen, beim Fachmann wie auch beim Laien.  Er ist ein Schatz.

„Die blut’ge Affair‘ bei Lützen.Wallensteins Wende“ erschien im Verlag Janos Stekovics
304 Seiten, 24,80 Euro