Von Fallada bis Herrndorf – Ausblick auf das Kinojahr 2016

Literatur und Film pflegen eine enge Beziehung. Das Kino kommt nicht ohne große Geschichten aus, die meistens die Literatur liefert. Im Gegenzug machen Verlage gute Geschäfte, wenn Titel auf die große Leinwand kommen – durch den Verkauf der Filmrechte und höhere Verkaufszahlen. Aktuell erweist sich die Verfilmung des Science-Fiction-Romans „Der Marsianer“ von Andy Weir als Kassenschlager. Zudem wird die Diskussion über eine mögliche Besiedlung des Planeten neu entfacht; siehe aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Geo“. Ich habe mal in die Glaskugel, besser gesagt in das weltweite Netz geschaut, auf der Suche nach Literaturverfilmungen, die im kommenden Jahr in die Kinos kommen.

Görlitz hat es mal wieder geschafft: Nach den Dreharbeiten zur Verfilmung des Romans „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink bot die sächsische Stadt an der polnischen Grenze erneut die Kulisse für einen Kino-Streifen. Unter dem Titel „Alone in Berlin“ wurden im Frühjahr Szenen nach dem Roman „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada (1893-1947) aufgenommen. In den Hauptrollen: Emma Thompson und Brendan Gleeson als Ehepaar Quangel. Ebenfalls mit von der Partie: Daniel Brühl. Regie führte der Schweizer Regisseur Vincent Perez. Falladas Roman zeigt, wie ein Ehepaar Anfang der 40er Jahre auf seine Weise im Dritten Reich den Nationalsozialisten Widerstand leistet. Mit dem Werk feierte der Aufbau-Verlag Berlin einen der größten Erfolge der letzten Jahre. Görlitz hat mittlerweile einen besonderen Namen verliehen bekommen: Görliwood!

Ebenfalls sehr viel Aufmerksamkeit erhielt die Nachricht, dass Kultregisseur Fatih Akin („Gegen die Wand“) die Regie für die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs (1965-2013)  nicht minder kultigen Roman „Tschick“ übernommen hat, nachdem Produzent Marco Mehlitz und Regisseur David Wnendt die gemeinsame Arbeit vorzeitig beendet hatten. Man kann gespannt sein, wie die besondere Freundschaft zwischen Andrej/Tschick (Anand Batbileg) und Maik (Tristan Göbel) und ihre gemeinsamen Erlebnisse filmerisch erzählt werden. Mit dem 15. September steht bereits ein Starttermin fest.

Bleiben wir im Bereich der Jugendliteratur. Andreas Steinhöfel zählt da sicherlich zu den erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Autoren in diesem Metier. 1998 erschien sein bezaubernder Roman „In der Mitte der Welt“. Für die Coming-of-Age-Geschichte des Jungen Phil, der seine Zuneigung zum gleichen Geschlecht erkennt, führt der Österreicher Jakob M. Erwa Regie. Hauptdarsteller Louis Hofman bekam im Januar für seine Darstellung des Wolfgang im Jugenddrama „Freistatt“ den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Bester Nachwuchsdarsteller verliehen.

Mit seinem Bestseller „The Circle“ hat der Amerikaner Dave Eggers die Diskussion über die gesellschaftliche Rolle des Internets neu entfacht. Im September haben die Dreharbeiten für die Romanverfilmung begonnen. Die Rolle der Mae Holland übernimmt keine Geringere als Emma Watson, berühmt geworden als Hermine in den Harry-Potter-Filmen. An ihrer Seite: Tom Hanks als einer der drei weisen Männer.

Natürlich dürfen auch in 2016 die Animationsfilme nicht zu kurz kommen: Und auch in diesem beliebten Genre kündigen sich Literaturverfilmungen an. Klein und Groß können sich unter anderem auf „Pinocchio“ freuen. Märchenhaft wird es bei „Charming“. In „Batman. Bad Blood“ und „Tim und Struppi 2“ werden allseits bekannte Comic-Figuren zum Leben erweckt. Ein Klassiker, der als Disney-Streifen nahezu Kult-Charakter hat, wird im kommenden Jahr mit realen Schauspielern erzählt: Rudyard Kiplings (1856-1936) Roman „Das Dschungelbuch“. Und diese Neuverfilmung versammelt großen Namen – als Stimmengeber: Bill Murray (Balu), Ben Kingsley (Baghira) und Scarlett Johansson (Kaa). Der Kinostart wird für den 14. April 2016 angekündigt.


Für alle Fans von Nicholas Sparks: 2016 wird es wieder romantisch. „The Choice – Bis zum letzten Tag“ kommt in die Kinos. Mit dem 5. Februar steht schon einmal der amerikanische Kinostart fest. Es ist bereits Sparks elfter Roman, der den Weg auf die große Leinwand findet. In den Hauptrollen: Benjamin Walker als Travis und Teresa Palmer als Gabby. Taschentücher bereithalten!

Um das Niveau ein wenig zu erhöhen, drehen wir das Rad der Zeit ein großes Stück zurück. Auf drei Klassiker können Kinofreunde besonders gespannt sein, weil sich mit den Vorlagen, die zudem zu den Klassikern der Weltliteratur zählen, auch reichlich Action ankündigt. Mit „Die Argonauten“ wurden die Abenteuer des griechischen Helden Iason neu verfilmt. Die Antike spielt ebenfalls eine Hauptrolle in der Neuverfilmung von „Ben Hur“. Die Vorlage von Lew Wallace war im Jahr 1880 erschienen. Die Hauptrolle übernimmt Jack Huston. Mit Morgan Freeman als Ildarin wird einer der großen Star-Schauspieler Hollywoods zu sehen sein. Starttermin ist der 10. März 2016.  Und um bei den Legenden zu bleiben: Mit „King Arthur“ bringt Regisseur Guy Ritchie seinen neuesten Streich in die Kinos.

Den Erfolg ihres Romans „Suite française“ hat die Schriftstellerin Irène Némirovsky (1903-1942) nicht mehr erleben können. Mit 39 Jahren wurde sie in Auschwitz ermordet. Dabei galt die aus der Ukraine stammende Jüdin als große literarische Hoffnung in ihrer neuen Heimat Frankreich. An jenem Werk schrieb sie bis zu ihrer Verhaftung und Deportation. Ihre beiden Töchter hielten das Manuskrip versteckt, das allerdings erst 2004 in Frankreich veröffentlicht wurde. Erzählt wird darin von den Kriegsjahren, als Frankreich von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde. Seit einigen Jahren veröffentlicht der Knaus Verlag die Werke der Autorin in regelmäßigen Abständen. Gerade erschienen: der Roman „Zu zweit“. Die Romanverfilmung von „Suite francaise“ wird auf der Seite von Random House für den 19. November dieses Jahres, bei Filmstart.de allerdings erst für den 14. Januar 2016 angekündigt.

Ebenfalls im kommenden Jahr sollen folgende Literatur-Verfilmungen erscheinen: George Orwells „Die Farm der Tiere“, „Das kalte Herz“, ein Mächen von Wilhelm Hauff, „Alice im Wunderland 2“ nach Lewis Carolls Klassiker, „Peterchens Mondfahrt“ von Gerdt von Bassewitz sowie Daniel Defoes „Robinscon Crusoe“.

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

6 Comments

  1. Ich schließe mich Birgit an: Offensichtlich muss ich doch wieder das Kinoprogramm mehr in den Blick nehmen – über die neue James-Bond-Geschichte hinaus. Irgendwie ist der Kino-Besuch doch arg ins Abseits geraten.
    Vielen Dank für den schönen Überblick, Claudia

    Gefällt 3 Personen

    1. Ich denke, es lohnt sich immer mal, ins Kinoporogramm zu schauen. Vielleicht gibt es ja in Deiner Nähe auch Programmkinos, die Arthouse-Filme zeigen. Da gibt es immer wieder Perlen zu entdecken, ich mag da vor allem französische und skandinavische Filme. Viele Grüße

      Gefällt 1 Person

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