Nur Neulinge – Ein Blick in die Herbstvorschauen

Zugegeben: Den zweimal jährlich erscheinenden Vorschauen blicke ich mittlerweile mit Vorfreude, aber auch mit einigem Grausen entgegen. Klar, neuen Bücher haftet etwas Faszinierendes an, zugleich wird die Wunsch-Leseliste gefühlt um einiges länger, und die Titel der letzten Monate sind alles andere als „abgearbeitet“. Ich habe mich in den vergangenen Tagen mit den Programmen der Verlage trotzdem etwas näher beschäftigt. Doch während ich mich in den Vorausblicken der Vergangenheit sowohl mir bereits vertraute als auch mir noch unbekannte Autoren und ihre Werke aufgezählt habe, konzentriere ich mich diesmal nur auf die „Neulinge“, auf die ich mich besonders freue.

Vom Eis, dem Fluss und der Stille

Allen Naturfreunden sei an dieser Stelle gesagt: Das Thema Natur und das Bewusstsein für alles Grüne, für Flora und Fauna sowie besondere Landschaften bleibt in der Literatur en vogue. So geht es mit Birgit Lutz und ihrem Buch „Heute gehen wir Wale fangen“ (btb, Oktober) nach Grönland, mit dem Roman „Wasser atmen“ von Elisabeth Klar (Residenz Verlag, August) sogar in die Antarktis. „Ein Stück Land“ von John Lewis-Stempel (Dumont, Oktober) beschreibt ein Leben mit Tieren und Pflanzen. Katharine Norbury erzählt in „Die Fischtreppe“ (Matthes & Seitz, September) von einer Reise entlang eines Flusses – von der Mündung bis zur Quelle. Einen ganz speziellen Thema widmet sich der Norweger Erling Kagge in seinem Buch „Stille“ (Insel, Oktober).

 

Frankreich wird das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse sein. Das spiegelt sich auch in den Vorschauen vieler Verlage wider. Hervorheben möchte ich allerdings vor allem zwei Werke, die sich mit großen Künstlern beschäftigen: Graham Bobb hat eine Biografie über Arthur Rimbaud geschrieben (open house, Herbst). Der Freundschaft zwischen Rainer Maria Rilke und Auguste Rodin widmet sich hingegen die Amerikanerin Rachel Corbett (Aufbau, Oktober). Für den renommierten Prix Concourt war der in Burundi geborene, jedoch seit seiner Jugend in Frankreich lebende Autor Gaël Faye mit seinem Roman „Kleines Land“ (Piper, Oktober) nominiert.

Gelobte Werke und Wiederentdeckungen

Über den großen Teich geht es unter anderem mit dem Roman „American war“ von Omar el Akkad, der für seinen Erstling reichlich Kritiker-Lob geerntet hat (Fischer, Juli). Auch Catherine Lacey zählt mit ihrem Roman „Niemand verschwindet einfach so“ zu den interessanten Stimmen Amerikas (Aufbau, August). Mit seinem Roman „Stellt euch vor ich bin fort“ war Adam Haslett für den Pulitzer Preis, den National Book Award und den National Book Critics Circle Award nominiert (Rowohlt, Januar 2018). Unter dem Titel Wiederentdeckung erscheinen „Transit der Venus“ von Shirley Hazard (Ullstein, September) und „Babbit“ von Sinclair Lewis (Manesse, September).

 

Aus „deutschen Landen“ stammend und interessant erscheinend: gleich zwei Romane von Jochen Missfeldt mit dem Titel „Solsbüll“ sowie „Sturm und Stille“ über die Liebe von Theodor Storm und Doris Jensen (beide Rowohlt, August). Theresia Enzensberger erzählt in „Blaupause“ von den Bauhaus-Jahren (Hanser, Juli).  In die Geschichte zurück geht auch Michael Roes in seinem historischen Roman „Zeithain“, der über den jungen Friedrich dem Großen handelt. Besonders spannend für mich: Das Dorf in Sachsen bei Riesa (Landkreis Meißen) ist zugleich mein Heimatort.

 

Die Literatur Skandinaviens ist bekanntlich immer für eine Entdeckung gut. In seinem Roman „Die Hoffnung“ erzählt der Däne Michael Vraa über eine abenteuerliche Reise auf einem Segelschiff zu Beginn des 19. Jahrhunderts  nach Westindien (Hoffmann & Campe, September). Mit „Willkommen in Amerika“ erscheint ein Roman von Linda Boström Knausgård, der Ehefrau des norwegischen Bestseller-Autors (Schöffling, August). Die Galapagos-Affäre ist Thema des Romans „Das schwarze Paradies“ der Norwegerin Ida Hegazi Høyer (Residenz, September). Ebenfalls aus Norwegen: Vigdis Hjorth und ihr Roman „Bergljots Familie“, der mit dem Kritiker- und dem Buchhändlerpreis des Landes geehrt wurde (Osburg Verlag, September).

Bunt gemischt

Besonders freue ich mich zudem auf: „Das Ende“ des Ungarn Attila Bartis (Suhrkamp, Oktober), „Der große Wahn“ von Sebastian Falks (mare, August),  „Und es schmilzt“ der Niederländerin Lize Spit (Fischer, August), „Die Fremden“ von Vicente Valero (Berenberg Verlag, September) sowie aus der Krimi-Ecke auf „Maiglöckchenweiß“ von Christian Schünemann & Jelena Volíc (Diogenes, September). Und last but not least. „Acht Berge“ von Paolo Cognetti (DVA, September).

PS: Der Vollständigkeit halber gibt es dann doch noch eine Hand voll mir bekannte und geschätzte Autoren, von denen Neues zu erwarten ist: Ljudmila Ulitzkaja „Jakobsleiter“ (Hanser, August), John Williams „Nichts als die Nacht“ (dtv, September), Pierre Lemaitre „Drei Tage und ein Leben“ (Klett & Cotta, September) und Uwe Timm „Ikarien“ (Kiepenheuer & Witsch, September).

Eine interessante Liste kommender Titel hat auch Ilja Regier auf seinem Blog „Muromez“ sowie Stefan Mesch zusammengestellt. Und auf welche Bücher freut Ihr Euch?


Foto: pixabay

1 Comment

  1. Erst mal muss ich sagen: mir geht es ebenso wie Dir. Ich habe fast schon Bammel davor, mir die neuen Vorschauen anzusehen, weil ich doch noch so viel „liegen“ habe – und zur Zeit so wenig Zeit zu lesen. Aber ich habe doch glückliche Umstände schon ein Buch aus dem Herbstprogramm von DTV lesen dürfen, das mich einfach umgehauen hat. „Der gefährlichste Ort der Welt“ – von Lindey Lee Johnson. Unglaublich echt, mit einem wahren Lesesog, konzeptionell klug und stark hat es mich in ein absolutes Leseloch fallen lassen, weil ich von der Geschichte, den Geschichen nich los kam. Und sonst freue ich mich auf vielfältige Erscheinungen aus dem Diogenes Verlag – hier darf ich vorab gerade „Wie man es vermasselt lesen“ – was sehr unterhaltend und witzig aber auch tiefgründig geschrieben ist. Manch Vorschau habe ich mir noch gar nicht angesehen … und werde es wohl auch erst tun, wenn ich meine Stapel durch habe. LG, Bri

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