Gauguin im Schuppen – Jean-Luc Bannalec "Bretonische Verhätnisse"

Die Idylle in Pont Aven bekommt Risse. Der bekannte und geschätzte Hotelier Pierre-Louis Pennec liegt erstochen im Restaurant seines Hotels. Kommissar Dupin nimmt die Ermittlungen auf. Doch irgendwie will es nicht wirklich vorwärts gehen – trotz zahlreicher Gespräche mit der Familie, den Angestellten und Freunden des Ermordeten, trotz einer intensiven Spurenanalyse. Und wer sollte eigentlich den 91-Jährigen töten, wenn er sowieso schon schwer herzkrank ist und nur noch eine kurze Lebenszeit zu erwarten hat? Und was hat es mit einer Änderung seines Testaments zu tun?  Dupin steht vor einem Rätsel und der Druck ist groß, den Mörder zu überführen und die Tat aufzuklären. „Gauguin im Schuppen – Jean-Luc Bannalec "Bretonische Verhätnisse"“ weiterlesen

Das Böse – Ferdinand von Schirach "Schuld"

„Es waren ganz normale Männer, und niemand hätte geglaubt, dass so etwas passiert“, heißt es in der ersten Geschichte, in einem ihrer ersten Absätze. Man ahnt leise, das Böse findet seinen Weg in sonst harmonische Zeiten. Es schreckt vor nichts zurück und versteckt sich hinter der Maske der Harmlosigkeit und nutzt den Moment der Überraschung.

Ferdinand von Schirach, einer der bekanntesten Strafverteidiger in Deutschland und mit seinem Erstling „Verbrechen“ von der Literaturkritik gefeiert, legt mit diesem zweiten Band nach. Und der Zwillingsbruder des ersten Buches steht diesem in nichts nach. Wieder erzählt von Schirach von seinen Fällen und Klienten, denen er in seiner nunmehr 18-jährigen Laufbahn als Jurist begegnet ist. Und wieder erfasst jede dieser Stories den Leser hoch emotional. „Das Böse – Ferdinand von Schirach "Schuld"“ weiterlesen

Tod an der Mole – Johan Theorin "Nebelsturm"

Öland sollte ihr neues Zuhause werden. Joakim und Katrine, zwei Lehrer aus Stockholm, ziehen mit ihren kleinen Kindern Livia und Gabriel auf den einst prachtvollen Bauernhof Åludden. Sie wollen die Hektik der Großstadt hinter sich lassen und das Gut auf Vordermann bringen, Zimmer und Gebäude liebevoll restaurieren. Was sie allerdings nicht wissen: Um diesen abseits gelegenen Bauernhof ranken sich zahlreiche Mythen. Selbst dessen Entstehung ist sagenumwoben, sollen die Häuser doch aus dem Holz errichtet worden sein, das von einem Schiffswrack stammte. An der Wand einer Scheune finden sich zudem Namen von Toten, die einst auf Åludden gelebt hatten und auf meist schreckliche Weise ums Leben gekommen waren. „Tod an der Mole – Johan Theorin "Nebelsturm"“ weiterlesen

Der Schwarze Tod in Paris – Fred Vargas "Fliehe weit und schnell"

An den Türen von Pariser Wohnungen taucht eines Tages und über Nacht ein merkwürdiges Symbol auf: eine spiegelverkehrte Vier mit merkwürdiger Gestalt. Zur gleichen Zeit erhält Joss merkwürdige Botschaften. Der Bretone und frühere Schiffskapitän verdient seine Brötchen mit dem Ausrufen von Botschaften, die am Tag und in der Nacht in seine Holzkiste geworfen werden. Ob Werbung für frisches Obst und Gemüse, ein Liebesschwur oder ein Fluch auf eine missliebige Person. Schon sein Großvater hat diese Tätigkeit ausgeübt, und Joss hat mehrere Jahrzehnte später und trotz moderner Medien Erfolg. Scharenweise strömen die Zuhörer auf einen Platz in einem Pariser Vorort. Und sie werden mehr, als die bedrohlichen Botschaften kein Ende nehmen.

Kommissar Adamsberg wird schließlich mit dem rätselhaften Geschehen konfrontiert. Und er spürt, dass sich hinter den Zeichen Bedrohliches verbirgt. Mit Hilfe eines Historikers und Experten für die Zeit des Mittelalters lüftet er das Geheimnis: die Vier ist ein Talisman gegen die Pest, die Botschaften, Zitate aus historischen Schriften, kündigen hingegen das Nahen des Schwarzen Todes an. Wenig später wird die erste Leiche gefunden: ein junger Mann, der stranguliert und mit Kohle eingerieben und von Rattenflöhen gebissen wurde. Und es soll nicht der einzige Tote bleiben. Die Zeit spielt gegen Adamsberg und sein Team, denn der Mörder treibt schließlich sein Unwesen außerhalb der Hauptstadt.

Der Roman „Fliehe weit und schnell“ der französischen Krimiautorin Fred Vargas, Jahrgang 1957, findet natürlich ein positives Ende. Nach einer Reihe von Morden kann man schließlich nicht von einem guten Ende sprechen. Der Täter wird geschnappt, aber bis dahin erlebt der Leser eine wunderbare Zeit mit diesem bemerkenswerten Krimi. Wer Vargas kennt, weiß, wovon ich spreche, entwirft die Autorin und gebürtige Pariserin wieder eine Story, die sich um einen mystischen Stoff und viel Geschichte dreht, und Figuren, die sehr eigen mit all ihren Fehlern, Kanten und Macken sind, wie den Kommissar, der ein schlechtes Namensgedächtnis hat, allerdings mit seinem siebten Sinn sofort die Bedrohlichkeit der Situation noch vor dem ersten Mord erkennt. Da ist Vandoosler, der Mittelalter-Experte, der unheimlich klug ist, aber Putzen muss, um sein Geld zu verdienen, oder Decambrais, der Besitzer einer Pension und Berater in allen Lebensfragen, der ein Geheimnis mit sich trägt.

Vargas erfindet so einen ganzen Kosmos merkwürdiger Gestalten, mit ihrem auf den ersten Blick sonderbaren Lebensalltag und ihrer Vergangenheit, die im Dunkeln liegt. So erscheint die Geschichte lebendig und düster zugleich, auf alle Fälle kreativ und charmant, vor allem auch dank der Idee mit der Gestalt des Ausrufers und die ebenfalls mit Spannung zu lesende Einbettung der Historie der Pest im Mittelalter und der Neuzeit. Und an Spannung fehlt es dem Roman ebenfalls nicht. Erst auf den letzten Seiten wird der überraschende Mörder enttarnt; hinter dessen Treiben eine düstere Vergangenheit und ein ebenfalls scheußliches Verbrechen steckt.Vargas baut den Spannungsfaden sukzessive auf, ohne jedoch allzu sehr den Leser auf die falsche Fährte zu bringen. Schnell wird so ein Verdächtiger von seiner Schuld wieder frei gesprochen.

Wer die Bücher der französischen Autorin mag, wird erneut nicht enttäuscht werden, wer als Krimi-Fan sie noch nicht kennt – na aber, für den wird es langsam Zeit. Mit ihr kann man so manch anderen Schriftsteller ruhig vergessen.

Der Roman  „Fliehe weit und schnell“ von Fred Vargas erschien in der Übersetzung von Tobias Scheffel 2003 im Aufbau Verlag, 2006 auch als Taschenbuch.
399 Seiten, 8,95 Euro