Blätterrascheln – Blick in die Herbstvorschauen

Ich muss gestehen: Meine Leseliste, erstellt nach einem Blick in die Frühjahrsvorschauen, habe ich nur ankratzen können. Viele Titel warten noch auf ihre Lektüre, und schon geben die Verlage die Programme für den kommenden Herbst und Winter heraus. Ergo: Die Wunschliste wird immer länger. Hier sind einige Titel, die mich neugierig machen oder deren Verfasser ich kenne und sehr schätze. 

Wiederbegegnung mit alten Bekannten

Der Lese-Herbst, der bei vielen Verlagen schon im Juli und August Anlauf nimmt, ist reich gefüllt mit großen Namen, deren neueste Streiche sicher der eine oder andere schon ersehnt hat. Vor allem über den großen Teich beziehungsweise allgemein aus dem englischsprachigen Raum kommen spannende Neuerscheinungen von „alten Bekannten“.

Der Amerikaner Jonathan Safran Foer hat seinen nunmehr dritten Roman geschrieben, der in deutscher Übersetzung den auffordernden Titel „Hier bin ich“ trägt (Kiepenheuer & Witsch, November). Sein älterer Landmann Don DeLillo legt seinen neuen Roman „Null Grad Kelvin“ vor. (Kiepenheuer & Witsch, Oktober). Von Richard Yates erscheinen Short Stories unter dem Titel „Eine letzte Liebschaft“ (DVA, September).  Meg Wolitzers neuer Roman trägt den Titel „Die Ehefrau“ (Dumont, September). „Die Unvollkommenheit der Liebe“ heißt das kommende Werk von Elizabeth Strout (Luchterhand, September). Reif Larsen ist auch wieder da – mit „Die Rettung des Horizonts“ (S. Fischer, August). Den Namen Jack London brauche ich sicherlich nicht näher zu erläutern: Mit „Mord auf Bestellung“ kommt ein Krimi des Amerikaners in die Buchläden (Manesse, August).  Denis Johnson nimmt in „Die lachenden Ungeheuer“ seine Leser mit nach Afrika (Rowohlt, Januar).  Von einem der größten Intellektuellen, Noah Chomsky, gibt es den neuen Band „Wer beherrscht die Welt“ (Ullstein, Oktober), von Louise Erdrich ihren neuen Roman „Ein Lied für die Geister“ (Aufbau, Oktober).  Nach seinem  bezaubernden Bestseller „Der Hase mit dem Bernsteinaugen“ erscheint von Edmund de Waal mit „Die weiße Straße“ eine Liebeserklärung an das Porzellan (Zsolnay/Deuticke, September). Auch Ian McEwan war in der vergangenen Zeit nicht untätig: Es erscheint sein Roman „Die Nussschale“ (Diogenes, November). Richard Flanagan kommt mit „Die unbekannte Terroristin“ in die Buchhandlungen (Piper, September).

Aus dem Bereich deutschsprachige Literatur richtet sich meine Vorfreude auf Eugen Ruge und seinen neuen Roman „Follower“ (Rowohlt, August). Nach seinen viel beachteten Roman „89/90“ lädt Peter Richter in seinem Essay „Dresden Revisited“ in die sächsische Landeshauptstadt ein (Luchterhand, August). Von Christa Wolf erscheinen Briefe – zusammengefasst unter dem Titel „Briefe 1952 – 2011“ (Suhrkamp, November). Von Marlene Streeruwitz wird „Yseut“ erscheinen (S. Fischer, September). Nach ihrem wunderbaren Roman „Wir machen Musik“ gibt es von Gisela von Wysocki mit „Wiesengrund“ ein neues Buch. Christoph Ransmayr hat „Cox oder Der Lauf der Zeit“  geschrieben (S. Fischer, Oktober).  Sowohl Friedrich Ani mit „Nackter Mann, der brennt“ als auch Melanie Raabe mit „Die Wahrheit“ entsenden neue Werke um die Gunst des Krimi-Lesers (Suhrkamp, August/btb, August). Von Lukas Hartmann gibt es mit „Ein passender Mieter“ ebenfalls ein neues Werk (Diogenes, September).

Flandern & die Niederlande: Die Frankfurter Buchmesse ruft 

Flandern und die Niederlande stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vom 19. bis zum 23. Oktober. Zahlreiche Verlage stellen sich mit Neuerscheinungen ein. Über Margriet de Moor mit „Schlaflose Nacht“ (Rowohlt, August), Geert Mak „Die vielen Leben des Jan Six“, eine Geschichte einer Amsterdamer Dynastie, (Siedler, Oktober) und Cees Noteboom „533 Tage. Berichte von der Insel“ (Suhrkamp, September) freue ich mich besonders, da ich diese Autoren sehr schätze. Neue Entdeckungen sind für mich: Gerbrand Bakker „Jasper und sein Knecht“ (Suhrkamp, September) und Bert Wagendorp „Ein Sommer, der das Fieber des Lebens in sich trug“ (btb, August). Mit „Vor Mitternacht“ von Ida Simons wird eine der größten literarischen Wiederentdeckungen der letzten Jahre angekündigt (Luchterhand, Oktober). In seinem kommenden Roman „Geronimo“ fragt sich Leon de Winter, ob die Jagd nach Osama bin Laden wirklich so geschehen ist, wie berichtet wurde (Diogenes, August). Von Willem Frederik Hermans gibt es gleich zwei Bände: „Die Dunkelkammer des Damokles“ und „Unter Professoren“ (beide Aufbau, August), von Allard Schröder den Roman „Der Hydrograf“ (mare, Oktober).

Ab in den Norden

Wer mich kennt oder meinen Blog regelmäßig liest, wird wissen, dass ich den hohen Norden sehr schätze: literarisch und landschaftlich. Diese Titel haben meine besondere Aufmerksamkeit. Wer den letzten Teil der autobiografischen „Min kamp“-Reihe von Karl Ove  Knausgård erwartet, muss sich noch etwas gedulden. Fans brauchen allerdings nicht traurig sein. Es erscheint mit „Das Amerika der Seele“ ein Essay-Band des Norwegers (Luchterhand, Oktober). Gut ein Jahr nach dem Tod des Schweden Henning Mankell gibt es mit „Die schwedischen Gummistiefel“ seinen letzten Roman und eine Wiederbegegnung mit Fredrik Welin aus „Die italienischen Schuhe“ (Zsolnay/Deuticke, August).  Mit „Die Schwalben fliegen so hoch, dass man sie kaum sehen kann“ erscheint ein neuer Roman des Schweden Åke Edwardson – aber es ist kein Krimi (Ullstein, Oktober)! Den gibt es von Arne Dahl mit „Sieben minus eins“ (Piper, August). Musikalisch wird es mit dem norwegischen Pianisten und Autor Ketil Bjørnstad und seinem neuesten Buch „Mein Weg zu Mozart“ (Insel, August). Gespannt bin ich auch auf den bereits mit Preisen ausgezeichneten Band „Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen“ des Norwegers Morten A. Strøksnes. Barbara Beuys berichtet in ihrer neuen Biografie „Die Malerin aus Finnland“ über die Künstlerin Helene Schjerfbeck (Insel, August). In die eisige Welt der Nordwestpassage führt Kathleen Winter mit ihrem Reisebericht „Eisgesang“ (btb, November). Mit Olli Jalonen und einem Roman „Von Männern und Menschen“ geht es in die finnische Provinz (mare, Juli), mit dem Norweger Tor Evan Svanes und „Ins Westeis“ nach Grönland (Osburg Verlag, August).

Neue Ufer

Seit einiger Zeit entdecke ich die Literatur Frankreichs für mich. Besonders sehne ich dem neuen Roman von Delphine de Vigan mit dem Titel „Nach einer wahren Geschichte“ entgegen. Ihre Werke „No & Ich“ sowie „Das Lächeln meiner Mutter“ haben mich verzaubert (Dumont, August).  Auch Fans von Alex Capus werden sich freuen: Mit „Das Leben ist gut“ erscheint sein neuester Streich. Mit dem Prix Interallié und den Prix du Roman Fnac geehrt wurde der Franzose Laurent Binet für „Die siebte Sprachfunktion“, einem Krimi, in dem der Philosoph Roland Barthes zum Mordopfer und sein Kollege Michel Foucault zum Zeugen wird (Rowohlt, Dezember). Von Louise de Vilmorin erscheint der Roman „Der Brief im Taxi“ (Dörlemann, August). Die jüdische Buchhändlerin Françoise Frenkel erzählt in „Nichts, um sein Haupt zu betten“ ihre eigene Flucht durch halb Europa während des Zweiten Weltkrieges (Hanser, Juli).

Weitere besondere Neu- und Wieder-Entdeckungen

Vorschauen wären ja nur halb so faszinierend, gäbe es nicht neue Namen, die zu entdecken lohnen. Ich bin vor allem gespannt, ob in Deutschland der Elena-Ferrante-Virus ausbricht wie in vielen Ländern auch. „Meine geniale Freundin“ geht mit einer Erstauflage von 100.000 Exemplaren an den Start (Suhrkamp, September). Die Rückbesinnung auf die Natur scheint weiter ein Trend zu sein: Von Neil Ansell erscheint „Tief im Land. Meine Jahre in den Wäldern von Wales“ (Allegria, August). Eine Wieder-Entdeckung könnte der Roman „Ein Monat auf dem Land“ des Engländers J.L. Carr sein, der 1980 für den renommierten Booker-Prize nominiert war (Dumont, Januar). Über den großen Teich kommen „Ein unbesiegbarer Sommer“ von Wendi Stewart (Nagel & Kimche, Juli), „Amerikanische Erfindungen“ von Rivka Galchen (Rowohlt, Dezember), „Geister“ von Nathan Hill (Piper, Oktober), „Justins Heimkehr“ von Bret Anthony Johnston (C.H. Beck, Juli), „Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney (Klett-Cotta,  und „Das Geheimnis der verlorenen Zeit“ von John Wray (Rowohlt, September). Weitere Vorfreude gilt: „Das Spiel der Hundert Blätter“ von Varujan Vosganian (Zsolnay/Deuticke, August), „Shark“ von Will Self (Hoffmann & Campe, Oktober), „Dampfschiff nach Argentinien“ von Alexei  Makushinsky (Hanser, August), „Cooper“ von Eberhard Rathgeb, „Mittellage“ von Wilhelm Gass (Rowohlt, November) und „Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod“ von Gerhard Jäger (Blessing, September).

 

Diese persönliche Auswahl erhebt natürlich nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Und sicherlich finde ich in den nachfolgenden Wochen und Monate neue interessante Titel, die mir spannend erscheinen. Vielmehr soll dieser Beitrag animieren, in den Vorschauen der Verlage zu blättern, um  eigene Favoriten zu entdecken.  Wer mag, kann mir seine kommenden Lieblinge via Kommentar mitteilen. Ich bin gespannt!

Weitere interessante Vorschauen gibt Ilja Regier auf „Muromez“, Friedrike Kipar auf „Die Buchbloggerin“ und Caterina Kirsten auf „Schöne Seiten“.