„Mit gutem Gewissen bestellen“ – Im Gespräch mit Angelika Siebrands

Wer Bücher kaufen möchte, kann dies auf verschiedenen Wegen tun. Eine Buchhandlung aufsuchen oder von zu Hause bequem per Internet bestellen. Viele greifen dabei auf die großen Anbieter und Plattformen zurück. Eine Entwicklung, die den lokalen Buchhandel seit Jahren vor einer großen Herausforderung stellt. Doch wie es geht, ohne schlechtes Gewissen online Bücher zu bestellen, erklärt Angelika Siebrands, Geschäftsführerin der genialokal GmbH, die den gleichnamigen Onlineshop genialokal betreibt. Wie hat damals alles angefangen?

Angelika Siebrands: Viele unserer Buchhandlungen hatten bereits Onlineshops, aber richtig funktioniert hat es nicht. Auch haben viele Buchhändler gar nicht die Zeit, sich mit dem Thema Onlineshop so zu beschäftigen, wie man das angesichts der Konkurrenz im Netz tun muss. Daher haben wir unsere Energien gebündelt, um was richtig Gutes gemeinsam zu machen, und so ist aus vielen kleinen Teelichtern nun ein größerer Leuchtturm mit größerer Strahlkraft geworden. Gemeinsam kann man nun ganz andere Aktionen starten, die einer alleine niemals könnte. Und alle Buchhändler profitieren.

Was waren die größten Herausforderungen?

Natürlich mussten wir am Anfang viel Überzeugungsarbeit leisten und die Gratwanderung zwischen professionellem Shop mit optimalem Angebot für den Leser und den Ansprüchen der Händler lösen. Es ist uns gelungen, weil wir immer versucht haben, alle mitzunehmen, und schon im Vorfeld viele Erfahrungen unserer Buchhändler eingeflossen sind.

Was ist das Anliegen und das Besondere des Onlineshops?

Wir möchten natürlich das wundervoll breite Schaufenster der Literatur zeigen. Es ist so unglaublich toll, wie viele spannende und interessante Bücher ständig erscheinen. Wir wollen auch Autoren und Verlagen eine Bühne für ihre Bücher geben, die nicht gleich auf einer Bestenliste auftauchen.

AngelikaSiebrands
Angelika Siebrands

Unsere Buchhändlerinnen und Buchhändler entdecken ständig neue Schätze, die ihre Leserschaft suchen, wir wollen unsere Begeisterung dafür teilen, mit allen Buchbegeisterten. Und was wir ganz besonders fördern wollen, ist der direkte Austausch der Kunden mit ihrer Buchhandlung, deshalb haben wir von Anfang an den Fokus auf die Lieferung in die Buchhandlung und auch die Anzeige der Bestände in den Buchhandlungen gelegt. Wir möchten, dass die Kunden ihrer Buchhandlung treu bleiben – auch im Netz, egal ob per Sofortreservierung mittels click und collect oder bei der Lieferung direkt nach Hause.

Wer gehört zum Kundenstamm?

Unsere Kunden sind überall. Meist sind es Leute, die die persönliche Auswahl ihres Buchhändlers oder ihrer Buchhändlerin schätzen und darauf auch im Netz nicht verzichten wollen. Und natürlich auch alle, die fair einkaufen wollen und den lokalen Handel gerne unterstützen.

Warum sollte ich genialokal nutzen?

Na, weil wir genial sind: Bei uns bekommt man über eine  Million Bücher über Nacht, im Gesamtkatalog haben wir über zehn Millionen Titel. Da können sie ihr Buch am nächsten Morgen gleich in ihrer Buchhandlung abholen. Wir bieten mit unserem Onlineshop und dem kostenlosen und DHL-schnellen Versand sehr guten, zeitgemäßen Service. Aber was uns auszeichnet, ist, dass hinter uns 600 inhabergeführte Buchhandlungen stehen – Bücherliebhaber und vor allem Persönlichkeiten, die mit ihrem Engagement und motivierten Einzelhandel unsere Ortschaften und Innenstädte lebenswert und lebendig machen.

Wären Sie böse, wenn ich den Namen Amazon erwähne? Versteht man sich als Gegenentwurf?

Böse bin ich natürlich nicht; mit Amazon müssen wir uns auseinandersetzen, und die machen ja vieles gut, aber: Gegenentwurf passt schon – auch wir sind ein Onlineshop, aber eben nicht nur: Bei uns kann man mit guten Gewissen Bücher online bestellen, da es direkt den Buchhandlungen zu Gute kommt. Unsere Buchhändlerinnen und Buchhändler engagieren sich vor Ort auf unzählige Arten, veranstalten Lesungen und Veranstaltungen, unterstützen Kindergärten und Schulen und vieles mehr. Wer bei genialokal kauft, unterstützt den lokalen Handel vor Ort, keine Onlinekrake.

Was zählt zum Sortiment, was wird am meisten verkauft und wo gibt es noch Potenzial, das es gilt, auszuschöpfen?

Über genialokal.de können über zehn Million Titel bestellt werden – da ist dann alles dabei: Besteller, Klassiker, Ratgeber, Kochbücher, Reiseführer, Kinderbücher, eBooks: all das, was in Buchhandlungen und auch online gekauft wird. Was das Sortiment angeht, brauchen wir uns nicht zu verstecken.

Wie erreichen Sie sowohl weitere teilnehmenden Buchhandlungen als auch Kunden?

Viele Buchhandlungen kommen aktiv auf uns zu, wollen dabei sein. Andere werden von uns angesprochen. Inzwischen können wir ja auch zeigen, dass genialokal funktioniert, das macht es einfacher, neue Buchhandlungen zu überzeugen.

Kann das Stöbern bei genialokal das Stöbern im Buchladen ersetzen?

Nein, und das soll es ja auch nicht! Die Bücher sehen, anfassen, reinblättern, die Gespräche mit den Buchhändlern und Buchhändlerinnen sind das, was uns besonders macht. Der Shop ist vor allem ein Service an die heutigen Nutzer, um mobil und jederzeit das gewünschte Buch bestellen zu können – idealerweise in die genialokal-Buchhandlung in seiner Nähe. Denn dorthin wollen wir die Leute ja bekommen.

Wie steht das Gros der Buchhandlungen aus Ihrer Erfahrung allgemein zum Onlineverkauf?

Alle unsere Buchhandlungen wissen um die Notwendigkeit, auf allen Kanälen präsent zu sein, wir von genialokal unterstützen sie mit unserer Onlineredaktion und zentralem Onlinemarketing, auch mit Aktionen an den Point of Sales. Das führt dazu, dass unsere Buchhandlungen auch am Onlineshop Spaß haben.

Wo sehen Sie die Zukunft des Buchhandels? Wie werden Bücher in 20 Jahren verkauft/gekauft?

Ja, eine Kristallkugel, um in die Zukunft zu sehen, hätte ich wirklich gerne. Ich glaube aber, so wahnsinnig viel wird sich im Kern nicht ändern. Wir Menschen sind soziale Wesen, es ist schön, auf der Couch zu liegen und ein Buch zu lesen, aber richtig lebendig wird es doch erst, wenn ich mit einem anderen Menschen darüber sprechen und diskutieren kann. Ich denke, das wird immer so bleiben. Leserinnen und Leser finden sich immer.

 

genialokal ist ein Gemeinschaftsprojekt der eBuch eG, der Genossenschaft unabhängiger Buchhandlungen, der eBuch Service GmbH und Co.KG und der Libri GmbH. Onlinegegangen ist die Plattform im Jahr 2015 zur Leipziger Buchmesse.

Foto: pixabay

5 Gedanken zu „„Mit gutem Gewissen bestellen“ – Im Gespräch mit Angelika Siebrands“

  1. es freut mich sehr, dass du mit diesem Interview der Genossenschaft, der auch unsere Buchhandlung angehört einen höheren Bekanntheitsgrad verschaffst! Wir sind wirklich sehr angetan von der geniallokal – Idee – und es funktioniert auch wunderbar! Das sagen nicht nur wir, sondern auch unsere Kunden. Es ist ja immer gut, wenn man online der Großmacht Amazon etwas entgegenzusetzen hat!

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  2. Bei dem Thema bin ich ziemlich zweigeteilt. Auf der einen Seite sehe ich tote Innenstädte mit null Einkaufsmöglichkeiten und dem traditionellen Schaufensterbummel. Aber auf der anderen Seite sollte der Buchhandel das Thema nicht ignorieren und sich ordentlich präsentieren. Ob nun der Weg, eine gemeinsame Plattform zu betreiben, der richtige und einzige ist, kann und muss diskutiert werden. Ich habe für mich entschieden, als „Einzelkämpfer“ zu arbeiten und auch die technischen Möglichkeiten meines Buchgrosshändlers zu nutzen.
    Hans-Georg Fischer aus Fischers Bücherstube in Freyburg an der Unstrut
    http://www.fischerbuch.de

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