Der weltweite illegale Tierhandel ist ein Milliarden-Geschäft, das kräftig boomt. Egal ob es sich dabei um beliebte Haus- oder exotische Wildtiere handelt. Während die Tiere und die Natur leiden, machen kriminelle Banden, die meist grenzüberschreitend agieren, das große Geld. In eben jene Szene führt Florian Wacker mit dem Auftakt seiner neuen Krimi-Reihe, in der die Staatsanwältin Greta Vogelsang im Mittelpunkt steht.
Tod eines Zollfahnders
Die Juristin aus dem Dezernat für Umweltverbrechen und Artenschutzdelikte in Frankfurt/Main wird während ihrer Bereitschaft an den Main gerufen. Am Ufer wurde die Leiche eines Mannes gefunden. Als sie erfährt, dass es sich dabei um den Zollfahnder Lars Mathissen handelt, glaubt sie nicht, dass sein Tod die Folge eines Unfalls war, wie es zuerst für die Ermittlungsbehörden erscheint. Mathissen, der unter den Kollegen als akribisch und beflissen galt, hatte den Kontakt zu Vogelsang gesucht. Er hatte handfeste Hinweise für den illegalen Handel mit Glasaalen und Frankfurt/Main bildet dabei einen wichtigen Dreh- und Angelpunkt.

Der Fall liegt allerdings nicht in der Zuständigkeit der Staatsanwältin. Vielmehr hat Ermittler Uwe Fähnrich von der Abteilung für Kapitalverbrechen das Sagen, die Behörden stehen sich mitunter gegenseitig im Weg und in den Teams ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Erst als Greta Vogelsang wichtige Dokumente von Mathissens Tochter erhält, schlagen die Ermittlungen eine richtige Richtung ein, die zu einem chinesischen Restaurantbesitzer führen.
Wacker verteilt die Handlung seines Romans geschickt auf mehrere Schauplätze und gibt damit einen Einblick in das internationale Schmuggler-Netzwerk, in dem auch Personen unfreiwillig, oft auch unter Androhung von Gewalt hineingezogen werden. Wie die Chinesin Mian oder der junge Franzose Paul. Beide sind auf der Suche nach einem guten und sicheren Leben und geraten in die illegalen Machenschaften. Mit teils erschütternden Folgen.
Bestände dramatisch geschrumpft
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) gilt als vom Aussterben bedroht. Einst einer der häufigsten Fischarten, sind die Bestände in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten infolge von Massenfischfang, Umweltverschmutzung und Krankheit dramatisch geschrumpft. Der Handel wird streng reglementiert. Trotzdem wird die Fischart von Europa aus in rauen Mengen nach Asien geschmuggelt, wo sie unter anderem in Hongkongs Supermärkten verkauft wird. Der Fisch ist in Europa, Kleinasien und Nordafrika verbreitet. Zur Fortpflanzung zieht er nur einmal im Leben durch den Atlantik in die Sargassosee. Von dort wandern später die Larven wieder zurück in die Flusssysteme. An Flughäfen sind in der Vergangenheit Zoll und Polizei immer wieder lebende Baby-Aale ins „Netz“ gegangen. Die sogenannte Glas-Aale werden meist in Koffern transportiert.

2022 gelang Europol ein Schlag gegen die organisierten Banden. Am Flughafen in Frankfurt/Main konnten Aale im Wert von 1,9 Millionen Euro beschlagnahmt werden. Die europäische Polizeibehörde schätzt den Profit mit dem Schmuggel von Glasaalen auf jährlich drei Milliarden Euro weltweit. Ein solcher Fall bildet denn auch die Grundlage für Wackers Roman, der für seine Recherche Kontakt zu einer Staatsanwältin hatte, die einen Fall bearbeitet und im Dezernat für Umweltstrafsachen gearbeitet hat.
Blicke ins Privatleben
Mit Greta Vogelsang hat der Frankfurter Autor, aus dessen Feder bereits die Romane „Stromland“ und „Weiße Finsternis“ stammen, denn auch eine charismatische Figur geschaffen, deren Privatleben ebenfalls erzählt wird. Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie – ihr Vater war Straßenbahnfahrer, die Mutter Verkäuferin – ist sie ihren Weg gegangen. Sie lebt mit ihrem Mann Mika und zwei Katzen namens Marx und Engels unter einem Dach. Die Demenz-Erkrankung ihrer Mutter bereitet ihr und ihrem Vater Sorgen und stellt das Leben der Familie zunehmend auf den Kopf. Erinnerungen der Heldin führen zurück in ihre Kindheit. Ein Ereignis aus der Vergangenheit beschäftigt sie innerlich.
„Die Spur der Aale“ bereitet eine spannende Lektüre und blickt in einen faszinierenden Bereich der Ermittlungsarbeit einer speziell eingerichteten Behörde. Die Story ist dicht und stringent erzählt, wenngleich der Roman etwas mehr Umfang hätte haben können. Denn der reale Hintergrund, der illegale Tierhandel, ist aktueller denn je und gerade auch das Schicksal der Aale sehr speziell. Im Juli gibt es den zweiten Fall von Greta Vogelsang. „Der goldene Tod“ führt in ein ebenfalls besonderes Metier: in den kriminellen Wildfleisch-Handel. Ich bin denn mal gespannt.
Florian Wacker: „Die Spur der Aale“, erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, 17 Euro
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