Der Preis der Stiftung Buchkunst

Ein Buch besteht nicht nur aus Geschichten, Gedanken, Poesie. Es ist vielmehr ein Gesamtkunstwerk, in dem Sprache auf Gestaltung trifft, diese sich bestenfalls in perfekter Harmonie ergänzen und die Sinne ansprechen. Bei der Wahl eines Buches sind für mich nicht nur ein interessanter Titel, der womöglich bekannte Name eines Autors oder eine Besprechung entscheidend; auch die Gestaltung regt mich zum Kauf an. In Deutschland fördert die Stiftung Buchkunst in besondere Weise das Bewusstsein um das gut gemachte und besondere Buch: Sie verleiht einmal jährlich einen eigenen Preis.     

plakette_Var1_sw_4c_final.jpgBis jedoch die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung vergeben wird, ist es ein langer Weg. Allerdings nicht nur weil rund 800 Bücher für den Wettbewerb „Schönste deutsche Bücher“ von den Verlagen ins Rennen geschickt werden. Zwei Expertenjurys wählen die 25 schönsten Bücher – je fünf in den Kategorien  Allgemeine Literatur, Wissenschaftliche Bücher, Schul- und Lehrbücher, Sachbücher/Ratgeber/Kunst- und Fotobücher sowie Ausstellungskataloge/Kinder- und Jugendbücher – aus, im Nachgang kürt ein weiteres Gremium abschließend den Sieger. Das Preisgeld fließt in den Verlag, dessen Engagement damit neben dem Einsatz aller Beteiligten gewürdigt wird. Alle drei Jurys werden vom Vorstand der Stiftung Buchkunst berufen und bestehen aus Vertretern unterschiedlicher Professionen. „Eine gute Gestaltung legt nicht nur Wert auf Lesebändchen, Papier und Typografie“,  erklärt Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst. Allgemeines Ziel der Stiftung sei es, mit dem Preis eine Botschaft mitzuteilen. Der Fokus liege dabei vor allem auf gut gestaltete Gebrauchsbücher, wie Hesse weiter erläutert. Dass der Preis, der erstmals 1984 vergeben wurde, die Verkaufszahlen eines Buches deutlich anhebt, glaube und wolle man indes nicht. „Obwohl uns das natürlich sehr freuen würde“, sagt die Geschäftsführerin.

Allerdings können sich manche ausgezeichneten Titeln auch zu Klassikern entwickeln, wenn sie es nicht schon sind. So zählte der Duden und der Diercke-Atlas in der Vergangenheit zu den schönsten deutschen Büchern. Im vergangenen Jahr erhielt das Buch „69 Hotelzimmer“ von Michael Glawogger (Die andere Bibliothek) den Preis, der am 3. Oktober im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main  überreicht wurde. In der Begründung bemerkte Karin Schmidt-Friderichs, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Buchkunst: „Da lag ein Buch auf dem Tisch, das mit wenig Aufwand ein Feuerwerk entzündet. Ein Buch, das auch beim wiederholten Anschauen noch etwas Neues bietet: Denn erst im Laufe des Tages entdeckte ein Juror die Leuchtfarbe, die das Cover nachts leuchten lässt.“ In einem Begleitband zum Wettbewerb wird jeder ausgezeichnete Band vorgestellt, interessante Hinweise zur Gestaltung, zu Format, Einband, Papier, Schrift und den am Projekt beteiligten Firmen gegeben. Wer diesen Band in den Händen hält, wird sich so schnell nicht davon lösen können. Denn er ist selbst ein Kunstwerk, das auch noch wunderbar nach Buch riecht.

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Neben dem Wettbewerb „Die schönsten deutschen Bücher“ rief die Stiftung Buchkunst mit dem Förderpreis für junge Buchgestaltung eine weitere Auszeichnung ins Leben. Im vergangenen Jahr nahmen 148 kreative Buchideen teil, wurden letztlich drei Sieger mit 2.000 Euro belohnt. Im Mittelpunkt stehen bei diesem Wettstreit, den es seit 1989 gibt, innovative und zukunftsweisende Konzepte zur gestalterischen Weiterentwicklung des Mediums. Zudem ist die Stiftung seit 1991 für den internationalen Wettbewerb „Schönste Bücher aus aller Welt“ verantwortlich, der bereits seit 1963 in Leipzig durchgeführt wird. Auf der Leipziger Buchmesse werden am Stand der Stiftung alle eingereichten Titel nach Ländern sortiert ausgestellt und den Messebesuchern präsentiert. Das Preisgeld – sowohl für den Förderpreis als auch den Preis der Stiftung – werden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gestiftet.

Die Stiftung Buchkunst mit Hauptsitz in Frankfurt/Main und einem Büro in Leipzig begeht in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. 1966 gegründet, stehen hinter der Institution mehrere Zustifter. Das sind die Städte Frankfurt/Main und Leipzig, die Deutsche Nationalbibliothek mit ihren Standorten in Frankfurt/Main und Leipzig sowie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Hinzukommt eine Reihe Förderer, zu denen die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die beiden deutschen Buchmessen, der Freundeskreis der Stiftung, das Land Hessen und das Kulturamt der Stadt Frankfurt/Main, die VG Wort sowie die Fazit-Stiftung zählen. Fragt man indes die Geschäftsführerin der Stiftung, auf welchen Stand die deutsche Buchkunst im Vergleich zu anderen Ländern stehe, zeigt sich Katharina Hesse diplomatisch und weist auf zwei „mutigere“ Länder: „Deutschland macht tolle solide Bücher. In den Niederlanden und in Schweden wird jedoch mehr experimentiert.“