Margot Douaihy – „Verbrannte Gnade“

„Verletzte Menschen verletzen Menschen. Und geheilte Menschen heilen Menschen.“

Schwester Holiday ist ein lebender Widerspruch. Ihr bisheriges Leben teilt sich in ein Davor und Danach. Sie war Punkmusikerin und den Drogen nicht abgeneigt. Nun ist sie Nonne und unterrichtet Gitarre in der katholischen Klosterschule Saint Sebastian in New Orleans. Ihre Tattoos versteckt sie unter einem Halstuch und Handschuhen, in aller Verborgenheit raucht sie. Ein verheerender Brand in der Schule, bei dem Hausmeister Jack stirbt und zwei Schüler verletzt werden, gibt ihr keine Ruhe. Sie beginnt zu ermitteln. Denn die Ereignisse weisen gewisse Parallelen mit ihrem vorherigen Leben auf.

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Julia Phillips – „Cascadia“

„Das Träumen half.“ 

Im äußersten Nordwesten der USA nah an der Grenze zu Kanada zwischen den Weiten des Pazifik und den hohen Bergen der Rocky Mountains liegt Kaskadien. Ein Name wie aus einem Märchen oder einem Fantasy-Roman. Wie bei ihrem viel beachteten Debüt „Das Verschwinden der Erde“, das in Kamtschatka angesiedelt ist und auf der Shortlist des National Book Award stand, führt sie in ihrem neuesten Werk „Cascadia“ wieder in eine ganz besondere Region mit einer atemberaubenden Natur.     

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Uwe Wittstock – „Marseille 1940“

„Der europäische Kontinent ist wohl verloren.“

Wer das Viertel rund um den Potsdamer Platz in Berlin aufmerksam erkundet, wird womöglich ein Straßenschild länger in Augenschein nehmen, das auf den amerikanischen Journalisten Varian Fry (1907-1967) hinweist. Fry war Fluchthelfer und Initiator eines Netzwerkes, das mit Sitz in Marseille während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung Frankreichs Hunderte Menschen vor Verfolgung und Tod bewahrt hat. Uwe Wittstock erzählt in seinem großartigen Band „Marseille 1940“ dessen Geschichte und die vieler anderer.

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Rivka Galchen – „Jeder weiß, dass deine Mutter eine Hexe ist“

„Man kann nicht aufdecken, was wahr ist, wenn man danach geht, wie viele Leute es für wahr halten.“

In den Gesammelten Werken des berühmten Mathematikers und Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) findet sich ein besonderes Dokument: ein auf den 2. Januar 1616 datierter Brief an den Senat zu Leonberg. Mit diesem Schreiben beginnt die Verteidigung von Keplers Mutter Katharina, die wenige Jahre später in einem Hexenprozess angeklagt wurde. Die kanadisch-amerikanische Schriftstellerin Rivka Galchen nimmt dieses historische Ereignis zum Anlass für ihren aktuellen Roman „Jeder weiß, dass deine Mutter eine Hexe ist“.

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Ron Rash – „Der Friedhofswärter“

„Es hatte Blackburn immer berührt, dass etwas so Fragiles wie eine Blume die Toten länger ehren konnte als Stein. Länger als die Erinnerungen sogar, viel länger.“

Er ist jung, die Toten und ihre letzte Ruhe sind für ihn Alltag. Blackburn Gant ist gerade mal 16, als er Friedhofswärter in dem kleinen Ort Blowing Rock in North Carolina wird. Es sind die 50er-Jahre. Nach dem großen weltumspannenden Krieg ziehen erneut junge Männer an die Front. Blackburns Freund Jacob kämpft auf der anderen Seite der Erde in Korea. Als er lebend, aber versehrt zurückkommt, ist nichts mehr, wie es war. Ron Rash erzählt in seinem Roman „Der Friedhofswärter“ von einer ungeheuerlichen Intrige, aber auch von bedingungsloser Freundschaft und Loyalität.

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Elsa Morante – „La Storia“

„Du hast jetzt traurigere Augen.“ 

Vielleicht mag die kommende Frankfurter Buchmesse im Oktober Anlass sein, dass man „La Storia“ von Elsa Morante (1912-1985), einer der großen italienischen Romane des 20. Jahrhunderts, in einer Neuübersetzung wieder- und neuentdecken kann und sollte. Schließlich steht die Literatur vom „Stiefel“ im Mittelpunkt, Italien ist Gastland. Aber der Wälzer mit seinen mehr als 700 Seiten ist und bleibt eines: aktueller denn je. An vielen Stellen der Welt herrscht Krieg, der je nach Schauplatz mehr oder weniger Schlagzeilen erzeugt. Vom gewaltvollen Aufeinanderprallen von Mächten, dem keiner entfliehen kann, handelt Morantes Meisterwerk, das mich tief berührt hat wie zuletzt kein Buch. „Elsa Morante – „La Storia““ weiterlesen