Eine Wiederbegegnung mit Ketil Bjørnstad

Neulich fiel sie mir wieder in die Hände: die CD mit dem kurzen wie prägnanten Titel „Grace“ und dem zarten und elfenbeinfarbenen Gesicht einer Frauen-Plastik auf dem Cover. Das Album von Ketil Bjørnstad enthält nicht nur eines meiner Lieblingslieder: „Lovers Infiniteness“.  Darüber hinaus begleitet mich der Norweger mit seinen Werken schon seit einigen Jahren – sowohl mit seinen Romanen als auch mit seiner Musik. Grund genug, ihm nun einen Beitrag zu widmen – zusammen mit der wunderbaren Nachricht als Anlass, dass Norwegen das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse 2019 sein wird.

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Ketil Bjørnstad Foto: nomo/Wikipedia

Bjørnstad gilt als Multitalent. 1952 in Oslo geboren, debütierte er mit gerade mal 16 Jahren als Pianist bei einem Konzert des Philharmonischen Orchesters Oslo. Nur wenige Jahre später erschien sein erster Lyrikband „Alene ut“. Mehr als 30 Bücher sind bis heute aus seiner Feder entstanden. Bemerkenswert sicherlich seine Roman-Trilogie über den Pianisten Aksel Vinding aus den drei Bänden „Vindings Spiel“, „Der Fluss“ und „Die Frau im Tal“ sowie die Biografien über die beiden berühmten Künstler seines Landes, Edvard Munch und Edvard Grieg. Ich lernte den Autor indes dank der beiden Romane „Villa Europa“ und „Oda“  (alle Suhrkamp Verlag beziehungsweise Insel Verlag) kennen. Im August erscheint mit „Mein Weg zu Mozart“ im Insel Verlag ein neues Buch. Darin verbindet der Jazzpianist persönliche Erinnerungen an sein eigenes Schaffen mit dem Leben des berühmten österreichischen Komponisten.

Mit Blick auf die enge Verbindung von Literatur und Musik im Leben des Norwegers sollte indes ein Name nicht fehlen. Und der führt wiederum zu jenem Lieblingslied zurück. Mehrmals setzte sich Bjørnstad mit dem Schaffen des englischen Dichters John Donne (1572 – 1631) auseinander. Nicht nur vertonte Bjørnstad Texte auf dem eingangs erwähnten Album „Grace“. Im Herbst 2014 veröffentlichte der Norweger mit „A Passion für John Donne“ ein weiteres musikalisches Werk, das seine Leidenschaft für den Dichter zeigt; das insgesamt nunmehr vierte.

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John Donne Foto: Wikipedia

Das Shakespeare-Jubiläumsjahr könnte nun einen guten Anlass bieten, sich auch mit dessen literarischem Zeitgenossen zu beschäftigen. Donne  wurde 1572 in London geboren. Nach seinem Studium bereiste er Europa. Er wirkte als Sekretär, Mitglied des Parlaments und in späteren Jahren als Priester. Donne schrieb Lieder, Sonette, teils auch satirische Verse. Einer seiner Texte hat auch Jahrhunderte nach seinem Tod wieder Eingang in die Literatur gefunden, als Zitat aus „Meditation XVII“:

„No man is an island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main. If a clod be washed away by the sea, Europe is the less, as well as if a promontory were, as well as if a manor of thy friend’s or of thine own were. Any man’s death diminishes me because I am involved in mankind; and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee.“

 

„Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt dir selbst.“

„Niemand ist eine Insel“, die ersten Worte, wählte Johannes Mario Simmel als Titel für einen seiner Romane, die Passage „whom the bell tolls“ verwendete Ernest Hemingway für sein Werk, das in der deutschen Übersetzung als „Wem die Stunde schlägt“ bekannt ist. Wo sich dann der Kreis auch wieder schließt: Auch dieser Text findet sich auf dem Album „Grace“ von Ketil Bjørnstad.