Ein norwegischer Traum 2.0 – Ausblick auf den Literaturfrühling und die Leipziger Buchmesse

Der Traum geht weiter. Nach dem Gastland-Auftritt Norwegens 2019 auf der Frankfurter Buchmesse ist das nordische Land nur sechs Jahre später Ehrengast auf der Leipziger Buchmesse vom 27. bis 30. März kommenden Jahres unter dem Motto „Traum im Frühling“.

Breites Programm, viele LEseorte

Fast 40 Autorinnen und Autoren werden in Leipzig erwartet, darunter Karl Ove Knausgård, Matias Faldbakken, Johan Harstad, Trude Teige und Maja Lunde, etwa 100 Veranstaltungen stehen auf dem Programm, verteilt auf zahlreiche Kultur-Locations wie das Haus des Buches, das Theater der Jungen Welt, die Schaubühne Lindenfels oder die Grieg-Begegnungsstätte. Schwerpunkte des Gastlandauftritts werden sein: die aktuelle sowie historische Literatur, Krimis, Sachbuch, Kinder- und Jugendliteratur sowie die Literatur der Sami, des indigenen Volkes im Norden Skandinaviens. „Das ist eine große Ehre für uns, und die Vorfreude ist groß“, sagte Ellen Hognes, Projektmanagerin bei der staatlich geförderten Organisation Norwegian Literature Abroad (Norla), während einer Online-Präsentation des kommenden Gastland-Auftritts.

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Bereits auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse gab es einen ersten Vorgeschmack auf den Gastland-Auftritt Norwegens  in 2025 – hier Messechefin Astrid Böhmisch.

Norla organisiert wie in Frankfurt 2019 erneut das Programm. Die Organisation bahnt den Weg norwegischer Literatur in zahlreiche Länder, unterstützt Übersetzungen und den Austausch von Verlagen, Autoren und Übersetzern. 1978 gegründet, wurden seit 2004 mehr als 8.000 Bücher in über 73 Sprachen übersetzt. In Anlehnung an den norwegischen Literaturnobelpreisträger Jon Fosse reicht die norwegische Regierung einen Übersetzerpreis aus, die mit 500.000 Norwegischen Kronen (rund 43.000 Euro) dotierte Auszeichnung erhielt der deutsche Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel.  Deutschland gehört zu den größten Märkten, Deutsch ist die Sprache, in die am häufigsten übersetzt wird. Mit dem Gastland-Auftritt in Leipzig kommen wieder eine ganze Reihe Titel auf den Buchmarkt – von sowohl bekannten SchriftstellerInnen als auch neuen literarischen Stimmen. Wie ein Blick in die Vorschauen verrät.

Belletristik – neue Romane & Wiederentdeckungen

Vigdis Hjorth zählt zu den ganz großen norwegischen SchriftstellerInnen, von ihr erscheint nach „Die Wahrheiten meiner Mutter“ und „Ein falsches Wort“ ein weiterer Roman: „Wiederholung“ (Fischer, Februar). Was habe ich diesen dicken Wälzer geliebt! Nach „Max, Mischa und die T-Offensive“ hat Johan Harstad mit „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ erneut ein Backstein von Buch geschrieben (Ullstein/Claasen, Januar). Wahnsinnig freue ich mich auch auf einen neuen Roman von Jan Kjærstad, einer meiner Lieblingsautoren: „Eine Zeit, zu leben“ (Septime, Februar). Mit Sigrid Boo (1898-1953) und ihrem Roman „Dienstmädchen für ein Jahr“ wird die Reihe „rororo Entdeckungen“ fortgesetzt (Rowohlt, Februar).

Bleiben wir bei den Klassikern: Tarjei-Vesaas-Fans können sich auf „Frühlingsnacht“ freuen (Guggolz, März). Mit „Nichts wächst im Mondschein“ erscheint eine weitere  Wiederentdeckung: der Kult-Klassiker aus dem Jahr 1947 von Torborg Nederaas (Luchterhand, März). Mit „Bleib bei mir“ gibt es auch einen neuen Roman von Hanne Ørstavik zu entdecken (Karl Rauch Verlag, Februar). In Norwegen gilt Oliver Lovrenski als Shooting Star. Sein autobiografisches Debüt „bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann“ erschien, als er gerade mal 20 war. Mit dem Erstling gewann er den Norwegischen Buchhändler-Preis und stand auf der Shortlist des Brage-Literaturpreises sowie monatelang auf den Bestsellerlisten des Landes (Hanser Berlin, Februar). Ein Roman über die Einsamkeit des Daseins, die Liebe und den Tod mit dem Titel „Letzte zärtliche Augenblicke“ kommt von Kjersti Anfinnsen (Septime, Januar).

Auch Anhänger von Tomas Espedal bekommen mit „Lust. Früchte des Lesens und des Lebens“ für ihr Buchregal Nachschub (Matthes & Seitz, März). Und was wäre ein norwegisches Jahr nicht ohne einen neuen Roman von Karl Ove Knausgård: „Die Schule der Nacht“ heißt der nächste Teil der Morgenstern-Serie (Luchterhand, März). Die Liste der großen Namen lässt sich mit Linn Ullmann fortsetzen: Von ihr erscheint der Roman „Mädchen, 1983“ (Luchterhand, Juni). Mit seinem Buch „Vergesst unsere Namen nicht“ feierte Simon Stranger auch in Deutschland einen großen Erfolg. „Museum der Mörder und Lebensretter“ heißt sein neues Buch (Eichborn, März). „Alles,  wovor ich Angst habe, ist schon passiert“ ist der Titel des neuen Romans von Wencke Mühleisen (Nagel & Kimche, März). In das Norwegen des 18./19. Jahrhundert entführt Edvard Hoem mit seinem Roman „Der Geigenbauer“, der nun als Taschenbuch erscheint (Unionsverlag, Februar). Ebenfalls in die Vergangenheit entführt der Kinderbuchklassiker „Auf sich gestellt“ des norwegischen Kinderliteratur-Pioniers Rasmus Löland (1861-1907), der erstmals auf Deutsch erscheint (Krause Verlag, Februar).

Über die Faszination Wald und ein Familiengeheimnis hat der Künstler und Autor Lars Elling sein Debüt geschrieben: „Die Prinzen vom Birkensee“ (Penguin, Februar). Eine norwegische Familiengeschichte gibt es mit „Oberes Tor, unteres Tor“ von Geir Gulliksen (btb, März). Bjarte Breiteig führt mit seinem Roman „Der Tøyen-Effekt“ in den Osloer Stadtteil (luftschacht, März). Für den Auftakt ihrer Eismeer-Trilogie erhielt Ingeborg Arvola  den renommierten Brage-Literaturpreis. Nun kann der erste Band mit dem Titel „Der Aufbruch“ in deutscher Sprache gelesen werden (btb, März).  Mit dem Band „Grabbeigaben“ wird an den Schriftsteller und Künstler Tor Ulven (1953-1995) erinnert (Droschl, März). Sie braucht man wohl hierzulande nicht mehr vorstellen: Maja Lunde. Ihr sogenanntes Klima-Quartett wurde ein Bestseller. Nun erscheint ihr „Die Windmacherin“ – ein Sommerbuch für die ganze Familie (btb, März). Inger Bråtveit gehört zu den interessantesten jüngeren Stimmen. „Überall ist Wasser“ heißt ihr autobiografisches Buch (btb, März).

Sachbuch und noch mehr

Vor zwei Jahren erschien ihr Roman „Das Haus über dem Fjord“ in deutscher Übersetzung. Nun legt Kristin Valla mit „Ein Raum zum Schreiben“ ein persönliches Buch vor (mare, März). Zudem beschäftigt sich die Norwegerin in „Die Schüsse von Tiflis“ mit der teils tragischen Lebensgeschichte der Musikerin, Schriftstellerin und erotischen Ikone Dagny Juel (Weidle Verlag, März). Dag O. Hessen begibt sich mit seinem Buch auf „Die Spur des Vielfraßes“ (Kommode, März).

Erika Fatland führt ihre Leser schon seit Jahren in besondere Gegenden der Welt. In ihrem neuen Band „Seefahrer“ beschäftigt sie sich mit Portugals vergangenem Weltreich, dafür gab es im November den Preis der norwegischen Buchhändler (Insel, Mai). Mit „Ich bin nicht aufbrausend. Ich habe nur eine kürzere Reaktion auf Bullshit“ zitiert Marta Breen Elizabeth Taylor und versammelt in ihrem Band feministische Sprüche (btb, Februar). Kristin Gjesdal legt mit „Rebellinnen der Philosophie“ einen Band über Frauen, die das Denken der Moderne geprägt haben, vor (Eichborn, März). Erst im Herbst, aber damit in der Nähe zum Winter führt uns Weltentdecker und Abenteurer Erling Kagge mit „Mein Nordpol“ in die tiefste Arktis (Insel, Oktober).

Krimi & Thriller

Mit „Felsengrund“ setzt Aslak Nore seine Saga um die mächtige Familie Falck fort (Kiepenheuer & Witsch, März). Mit seinem Spionageroman „Linges Mission“ führt Østein Wiik in die Zeit des Zweiten Weltkriegs (Pendragon, März). Von der Psychologin und Autorin Helene Flood gibt es mit „Die Witwe“ einen neuen Psychothriller (btb, März). Ingar Johnsrud ist Krimifans durch sein Krimidevüt „Der Hirte“ bekannt. Von ihm erscheint mit „Echokammer“ ein Polit-Thriller, der in Johnsruds Heimat hochgelobt wurde (Droemer Knaur, März). Mit „Nebelstille“ kann der erste Band der Anton-Brekke-Reihe von Jan-Erik Fjell erneut entdeckt werden. Der Roman war erstmals 2011 unter dem Titel »Der stumme Besucher« auf Deutsch erschienen (Goldmann, April).

Trude Teige stand mit ihren beiden Romanen „Als Großmutter im Regen tanzte“ und „Und Großvater atmete mit den Wellen“ hierzulande auf den Bestsellerlisten. Doch die Norwegerin hat auch eine ausgeprägte Krimi-Ader. Von ihr erscheint „Das Haus, in dem das Böse wohnt“ (Aufbau, Mai). Last but not least: Jørn Lier Horst reiht sich ein in die Riege der Krimi-Autoren, die ich sehr gern lese. Sein Kommissar William Wisting zählt wohl mittlerweile zu den Kult-Helden. Mit „Wisting und die Untiefen der Vergangenheit“ kommt ein neuer Band (Piper, Mai).

Die Übersicht wird bei „Neuentdeckungen“ in den Vorschauen weiter aktualisiert. Wer einen allgemeinen Überblick über das literarische Frühjahr 2025 erhalten möchte, schaut am besten auf den Blogs „Buch-Haltung“, „Literatur-Reich“ und „Elementares Lesen“ vorbei.


Foto von Maryan Ivasyk auf Unsplash

8 Kommentare zu „Ein norwegischer Traum 2.0 – Ausblick auf den Literaturfrühling und die Leipziger Buchmesse

  1. Liebe Constanze, ich kann deine (Vor)Freude total verstehen und als ich die Mails und Einladungen zu den Veranstaltungen erhalten habe, musste ich die ganze Zeit an Dich denken. LBM25 wird DEINE Messe :). Den besten Überblick bekomme ich ja wieder dir. Viel Freude mit den ganzen Neuerscheinungen. Lieben Gruß

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    1. Liebe Vera, Danke für Deinen Kommentar. Ja, das wird wieder ein Fest. Ich bin leider nur einen Tag direkt auf der Messe, da ich eine mehrtägige Recherchereise plane, Einladungen habe ich leider noch nicht erhalten, bis auf eine für die Vorstellung des Programms nun im Januar in Berlin. Ich werde allerdings dort sein. Ich wünsche Dir noch für das neue Jahr alles Gute. Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder. Liebe Grüße aus Naumburg

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