Der Herbst wird norsk – Blick in die Vorschauen I

Leser meines Blogs wissen, dass ich zweimal im Jahr einen Überblick über kommende Neuerscheinungen gebe. Einmal für das Frühjahr, einmal für den Herbst. Dieses Jahr wird es ein klein wenig anders sein. Denn für Freunde norwegischer Literatur ist 2019 bekanntlich ein großes Fest. Das skandinavische Land ist unter dem Motto „Der Traum in uns“ Gastland auf der Frankfurter Buchmesse vom 16. bis 20. Oktober. Mit Blick auf die Fülle an Veröffentlichungen und Veranstaltungen ziehe ich an dieser Stelle erst einmal mit großem Respekt vor allen den Hut, die dazu beitragen. Verlage, Autoren, Übersetzer, Buchhandlungen und den Mitarbeitern von Norla (Norwegian Literature Abroad), die den Gastauftritt initiieren und organisieren.

Meine Übersicht über die kommenden Neuerscheinungen gibt es deshalb in zwei Teilen. In diesem Beitrag stelle ich die norwegischen Bücher vor, in einem kommenden weitere interessante Titel aus dem deutschsprachigen Raum sowie anderen Ländern, die mir besonders ins Auge gefallen sind. Hat es schon im Frühjahr vereinzelt Bücher aus dem Norden gegeben, kommt in den kommenden Monaten eine wahre Flut an Titeln auf den Buchmarkt – von hierzulande bekannten sowie bisher noch nicht bekannten Autoren. Zudem erscheinen Werke norwegischer Schriftsteller, die in ihrem Land als Klassiker gelten. Diese Liste hat allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, für weitere Tipps wäre ich sehr dankbar.

Ich beginne mit jenen Autoren, die ich sehr mag, deren Werke ich in den vergangenen Jahren sehr gern gelesen habe und die in meinen Regalen schon einige Meter einnehmen. Da ist beispielsweise Lars Saabye Christensen. Nach seinem erst jüngst erschienenen glanzvollen Roman „Magnet“ gibt es „Die Spuren der Stadt“ (September, btb). Fans von Per Petterson können sich freuen: Sein neuester Streich erscheint mit dem Titel „Männer in meiner Lage“ (Hanser, August). Ein ganz großer ist Jan Kjærstad. Sein Roman „Das Norman-Areal“ habe ich verschlungen. In Kürze kann „Berge“ gelesen werden (Septime, September). Fortgesetzt wird die Autobiografie des Jazz-Pianisten und Autors Ketil Bjørnstad: „Die Welt die meine war. Die Siebziger Jahre“ heißt der zweite Band (Osburg Verlag, September). Von Jostein Gaarder gibt es „Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht“ (Hanser, Juli). Den Namen Karl Ove Knausgård brauche ich wohl nicht vorzustellen. Er widmet sich in „So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche Edvard Munch und seine Bilder“ seinem berühmten Landsmann (Luchterhand, September). Von seinem Kollegen und Freund Tomas Espedal erscheint „Das Jahr“ (Matthes & Seitz, September). Wer sich mit autobiografischer Literatur aus Norwegen beschäftigt kommt an Merethe Lindstrøm nicht vorbei. Auf ihren Band „Aus den Winterarchiven“ folgt Tage in der Geschichte der Stille“ (Matthes & Seitz, August). Zu meinen ersten Leseerlebnissen norwegischer Literatur zählt zweifellos Erik Fosnes Hansen mit „Der Choral am Ende der Reise“. Er ist zurück mit „Ein Hummer-Leben“ (Kiepenheuer-Witsch, August). Sehr begeistert hat mich in den vergangenen Jahren die schmalen, aber sehr bewegenden Romane von Hanne Ørstavik; zuletzt „So wahr wie ich wirklich bin“. Mit „Die Zeit, die es dauert“ kommt ein neues Werk auf den Markt (Karl Rauch Verlag, September).

Bisher sind Roy Jacobsens Teile der Insel-Saga um die Geschehnisse auf dem Eiland Barrøy in den Einzelbänden „Die Unsichtbaren“ und „Weißes Meer“ erschienen. Mit „Die Unsichtbaren“ gibt es nun eine Komplett-Ausgabe (C.H. Beck, Juli). Ja, und auch ein Krimi darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Alle Fans von Ermittler Harry Hole aufgepasst. Er ist wieder zurück – in Jo Nesbøs Roman „Messer“ (Ullstein, August). Zu den Exportschlagern zählt Maja Lunde. Ihr Roman „Die Geschichte der Bienen“ wurde 2017 in Deutschland das meist verkaufte Buch. Nach „Die Geschichte des Wassers“ setzt sie ihre Reihe zum Thema Umwelt und Natur mit „Die Letzten Ihrer Art“  fort (Oktober, btb). Ein Norwegen-Jahr ohne Jon Fosse wäre undenkbar. Aus seiner Feder erscheint „Der andere Name“ (Rowohlt, September) als Teil eines dreibändigen Romanprojektes. Von Tausendsassa Erling Kagge gibt es mit „Große Kunst für kleines Geld“ einen nächsten Band (Insel, September). Der eine oder andere wird vielleicht den schwedischen Autor Steve Sem-Sandberg kennen.  Geboren wurde er allerdings in Oslo. Sein neuester Roman „Der Sturm“ führt zudem nach Norwegen (Klett-Cotta, August).

Mit dem Gastland-Auftritt freue ich mich natürlich, noch unbekannte Autoren und neue Stimmen der vielfältigen norwegischen Literatur kennenzulernen. Dazu zählt Ida Hegazi Høyer mit ihrem Roman Trost“ (Residenz Verlag, August) und Helga Flatland mit „Eine moderne Familie“ (Weidle, September). Gøhril Gabrielsen führt mit ihrem Roman „Die Einsamkeit der Seevögel“ in den hohen Norden des Landes (Insel, August). Lotta Elstad widmet sich in „Mittwoch also“ dem brisanten Thema Abtreibung (Kiepenheuer-Witsch, August). Einen Band mit Erzählungen unter dem Titel „Königin-Maud-Land ist geheim“ gibt es von der jungen Autorin Line Madsen Simenstad (mare, August). Thure Erik Lunds Band trägt den markanten Titel  „Das Grabenereignismysterium“ (Droschl, August). Tor Ulvens gestaltet in „Ablösung“ einen Erzählreigen um 15 Protagonisten (Droschl, August). Für „Leksikon om lys og mørke“ erhielt Simon Stranger im vergangenen Jahr den Norwegischen Buchhändlerpreis. Der Roman erscheint mit dem Titel „Vergesst unsere Namen nicht“ (Eichborn, September). Auf 1100 Seiten und zwei Bänden verteilt sich das Gesamtwerk von Kjell Askildsen, der Norwegens Beckett genannt wird (Luchterhand, Oktober). Interessant erscheint mir auch Maria Kjos Fonn  mit „Kinderwhore“ der vom Erwachsenwerden unter Extrembedingungen erzählt (Cultourbooks, September). Den Sachbuch-Bereich bereichern Torolf Kroglund mit „Reise mit Aal“ (Edel Books, September) sowie Andreas Tjernshaugen, der bereits mit seinem Buch „Das verborgene Leben der Meisen“ hierzulande bekannt wurde, mit seinem neuen Band „Von Walen und Menschen“ (Residenz Verlag, September).

Auch an bereits verstorbene Autoren wird gedacht. Die Ausgabe „Im wilden Paradies“ widmet sich Henrik Wergeland (1808 – 1845) – dessen Gedichten und Prosa (Wallstein, August). Von den Kulturautor Agnar Mylke (1915 – 1994) erscheinen zwei Bände:  „Liebe ist eine einsame Sache“ und „Das Lied vom Rubin“ (Ullstein, September). Von Tarjei Vesaas (1897 – 1970) gibt es das „Das Eisschloss“, von Aksel Sandemose (1899 – 1965) „Ein Flüchtling kreuzt seine Spur“ zu lesen (beide Guggolz, August). Im Alter von 46 Jahren nahm sich Stig Sæterbakken 2012 das Leben. An ihn erinnert der Band „Durch die Nacht“ (Dumont, Juli). 

Nicht unerwähnt soll die Zeitschrift „die horen“ sein, die ihre 275. Ausgabe der neuen norwegischen Literatur widmet (Wallstein, September). Wer einige norwegische Stimmen kennenlernen möchte, greift zu „Heimatland. Was es bedeutet, norwegisch zu sein“ mit Texten unter anderem von Siri Hustvedt, Karl Ove Knausgård und Dag Solstad sowie weiteren (Luchterhand, September). Und wer vielleicht einen Ausflug in die Welt der Märchen mag, dem sei der BandDie Puppe im Gras“, illustriert von Kat Menschik, ans Herz gelegt (Galiani September).  

Ich wünsche allen einen wunderbaren nordischen Literaturherbst, auf das viele Autoren und Werke hierzulande entdeckt und gelesen werden. Welche Bücher wollt Ihr unbedingt lesen? Ich freue mich auf Tipps und Kommentare! Ha det bra!

10 Gedanken zu „Der Herbst wird norsk – Blick in die Vorschauen I“

  1. Eine wunderbare Zusammenstellung! Ich freue mich besonders auf die Romane von Lars Saabye Christensen und Erik Fosnes Hansen und auf die mir unbekannte Gøhril Gabrielsen. Im Sachbuch-Bereich habe ich noch zwei Tipps: Torolf Kroglund und seine „Reise mit Aal“ und Andreas Tjernshaugen mit seinem neuen Buch „Von Walen und Menschen“.

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  2. Ich freue mich auch schon darauf, ein wenig norwegische Literatur zu entdecken, ein paar Bücher, die du hier vorstellst, hatte ich mir auch schon notiert. Ich freue mich schon darauf, hier über die vorgestellten Bücher zu lesen! Viele Grüße!

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