„Der Norden hat mich dann nie wieder losgelassen“ – Ein Interview mit Übersetzer Andreas Donat

Die Norwegerin Hanne Ørstavik zählt zu den bedeutendsten Autorinnen ihres Landes. 2004 erhielt sie für ihren Roman „Presten“ („Die Pastorin“) den renommierten Brageprisen. Ihre Werke erscheinen in deutscher Übertragung im Karl-Rauch-Verlag – in der Übersetzung von Andreas Donat. In einem Interview spricht der österreichische Übersetzer und Pianist über das Besondere an Ørstaviks Romanen und der norwegischen Sprache.

Wie sind Sie zu einem Übersetzer für das Norwegische geworden?

Andreas Donat: Das ist eine recht lange Geschichte… Ich habe immer schon einen merkwürdig starken Bezug zu Skandinavien gehabt, bereits als Kind war ich von Dänemark und Schweden begeistert – mit meiner Familie haben wir immer wieder in diesen Ländern Urlaub gemacht. Ich habe mich da oben irgendwie zu Hause gefühlt, irgendetwas in mir hat sehr stark mit der Landschaft und der Kultur dort resoniert. Als ich etwa 13 war, hatte mein älterer Bruder eine dänische Freundin, bei der habe ich eine Zeit lang Dänisch-Unterricht genommen, aber die Beziehung hielt leider nicht sehr lange und so kam mir meine Dänisch-Lehrerin abhanden. Mit 14 kam ich zum ersten Mal nach Norwegen, und das hat mich damals richtig umgehauen. Wir sind damals mit Zelt und VW-Bus durch das Land gereist, und ich war von der Schönheit richtig erschüttert. Liv Ullmann hat in ihrem Buch „Wandlungen“ einen Satz über eine norwegische Landschaft geschrieben, der etwa so lautet: „die Landschaft ist von einer solchen Schönheit, dass es wehtut“ – das habe ich damals auch so empfunden.

Übersetzer Andreas Donat mit Hanne Ørstavik                                                     Foto: Donat

Jedenfalls hat sich damals in mir etwas aufgetan, und der Norden hat mich dann nie wieder losgelassen. Vieles lief über die Musik, ich hörte ständig Lieder von Grieg und schwedischen Komponisten, und schon damals liebte ich die Sprache in den Liedern, aber ich war auch völlig besessen von den Filmen von Ingmar Bergman und Lars von Trier, und von nordischer Literatur. Nach der Matura begann ich dann, an der Uni Norwegisch zu lernen, und als ich zwei Jahre später zum Studieren nach Norwegen ging, konnte ich die Sprache schon gut genug, um mich ausschließlich auf Norwegisch zu verständigen – und so ist es recht schnell fließend geworden.

Ich weiß noch, dass ich schon damals mit dem Gedanken gespielt habe, Literatur zu übersetzen, aber ich hatte keine Ahnung, wie man die Sache angehen sollte, und letztlich nahm das Klavierspielen ja auch mehr als genug Zeit in Anspruch, so dass dieser Wunsch immer wieder einschlief. Sprache und Schreiben waren in meiner Kindheit und Jugend neben der Musik immer sehr wichtig für mich gewesen, aber seit ich mich für den Weg als Pianist entschieden hatte, und so etwas tut man recht früh, in meinem Fall im Alter von 13-14, und die meiste Zeit übend am Klavier verbrachte, trat das Schreiben immer mehr in den Hintergrund.

„Jedenfalls hat sich damals in mir etwas aufgetan, und der Norden hat mich dann nie wieder losgelassen.“

Vor circa drei Jahren lernte ich bei einem Hauskonzert den Dänisch-Übersetzer Peter Urban-Halle kennen und fragte ihn direkt danach, wie man denn Literatur-Übersetzer wird, und er hat mich damals sehr gut beraten und mir erklärt, dass man im Prinzip einfach sein Glück versuchen und sich auf Eigeninitiative hin mit Übersetzungsvorschlägen an die Verlage wenden muss. Das habe ich ein Jahr später schließlich auch getan, als ich Roskva Koritzinskys Erzählband „Ich habe die Welt noch nicht gesehen“ in die Hände bekam und völlig verliebt in dieses Buch war. Ich habe damals zwei der Erzählungen aus dem Buch übersetzt und sie an ein paar Verlage geschickt. Und dann hatte ich ein Riesenglück, denn der erste Verlag, bei dem ich anrief, war der Karl Rauch Verlag, und der Verlagsleiter Hans Koch war sehr interessiert, ihm gefielen die Erzählungen und meine Übersetzung, und circa einen Monat später hatte ich meinen ersten Übersetzervertrag. Ich konnte es kaum fassen. Ein paar Monate später wurde ich dann gefragt, ebenfalls für Karl Rauch die Übersetzung von Hanne Ørstaviks „Die Zeit, die es dauert“ zu übernehmen, da die dafür vorgesehene Übersetzerin das Projekt aus Zeitgründen nicht machen konnte. So kam ich innerhalb von sehr kurzer Zeit an zwei wunderschöne Übersetzungsprojekte, wofür ich unglaublich dankbar bin, weil mich diese Arbeit immer noch sehr glücklich macht. Die beiden Bücher wurden sehr gut aufgenommen, und so ist die Sache sehr rasch ins Rollen geraten: Ich übersetze jetzt seit etwas mehr als zwei Jahren und arbeite gerade an meiner fünften Romanübersetzung – was ich selber manchmal gar nicht glauben kann.

Was ist das Besondere an dieser nordischen Sprache?

Ich finde, die skandinavischen Sprachen spiegeln in gewisser Weise ihre Landschaften wider: Norwegisch ist am archaisch-wildesten, das Schwedische vielleicht am melodiösesten, idyllischsten, und Dänemark am gemütlichsten. Es gibt aber gerade im Norwegischen so viele unterschiedliche Dialekte, dass man vom Klanglichen her gar keine einheitlichen Aussagen treffen kann. Als ich Norwegisch lernte, war mir der Unterschied zum Schwedischen etwa gar nicht besonders bewusst, ich redete Norwegisch mit Menschen aus Schweden und wir verstanden einander, und teilweise finde ich die Unterschiede der einzelnen Dialekte innerhalb des Norwegischen größer als etwa die zwischen Norwegisch und Schwedisch. Alle skandinavischen Sprachen haben meiner Meinung nach im Vergleich zum Deutschen etwas Offenes in ihrem Ausdruck, was sich vielleicht durch ihre Struktur ergibt. Während man im Deutschen schon am Satzbeginn ganz genau wissen muss, was man sagen möchte, da das Verb erst am Satzende kommt, ist man da in den nordischen Sprachen viel freier, da der Bezug zum Verb ja schon gegeben ist. Das Deutsche muss daher spezifischer sein, was beim Übersetzen sehr interessant sein kann, aber auch viele Fragen aufwirft.

Andreas Donat im Gespräch mit Hanne Ørstavik auf der Frankfurter Buchmesse 2019

Sie übertragen seit Jahren die Werke von Hanne Ørstavik ins Deutsche. Worin liegt der Reiz ihrer Bücher, was sind aber auch die Herausforderungen, ihre spezielle Sprache adäquat zu übersetzen?

Meine Geschichte mit Hanne Ørstavik reicht in Wirklichkeit noch viel länger zurück: „Kjærlighet“ (Liebe) war einer der ersten norwegischen Romane, den ich gelesen habe, das war an der Uni, und ich fand damals schon, dieses Buch muss unbedingt ins Norwegische übersetzt werden, weil ich wollte, dass meine Freunde und meine Familie es lesen können. Und damals, an der Uni, schrieb ich eine Arbeit über „Die Zeit, die es dauert“, weil ich von Ørstavik so begeistert war. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich „Die Zeit, die es dauert“ tatsächlich selber übersetzen durfte, was ich mir damals natürlich nie hätte träumen lassen.

„Sie spürt so nah wie möglich dem Realen nach, einer psychischen Wahrheit, im Bewussten wie im Unbewussten.“

Ich denke, was Hanne Ørstavik ausmacht, ist ihre Direktheit, im Ausdruck wie in der Sprache. Sie spürt so nah wie möglich dem Realen nach, einer psychischen Wahrheit, im Bewussten wie im Unbewussten, ihre Romane sind in gewisser Weise psychologische Studien, in denen sie quasi mit einem Seziermesser psychische Vorgänge untersucht. Und sie baut keine riesigen Geschichten um die Konflikte herum, sie schildert in einer sehr klaren Sprache, was tatsächlich passiert, wobei sich das Meiste im Inneren der Personen abspielt. Und dabei benutzt sie eine sehr eigene, sehr spontane, assoziative, teilweise auch ins Mündliche gehende Sprache, die sich in ihrer Einfachheit und ihrer offenen Struktur nicht immer so ohne Weiteres ins Deutsche übertragen lässt.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Autorin und Übersetzer vorstellen?

Ich glaube, das ist bei jedem unterschiedlich. Bei meinen ersten Übersetzungen habe ich mich überhaupt nicht getraut, die Autorinnen (Hanne Ørstavik und Roskva Koritzinsky) mit Fragen zu behelligen, ich hatte auch fast keinen Kontakt mit den beiden, bis wir einander schließlich bei Lesungen und im Zusammenhang mit der Buchmesse in Frankfurt kennengelernt haben. Aber dann hat es ziemlich rasch geklickt und wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden und bei den Lesungen sehr viel Spaß miteinander gehabt. Für mich war das eine sehr schöne Erfahrung, es nicht nur mit großartigen Autorinnen, sondern auch mit wunderbaren Menschen zu tun zu haben. Daher hatte ich dann auch keine Hemmungen mehr, beim nächsten Buch („Roman. Milano“) Hanne um Rat zu fragen.

Im Februar letzten Jahres hat sie mich und meinen Freund sogar für ein paar Tage zu sich nach Mailand eingeladen, und damals haben wir auch die Gelegenheit genutzt, detailliert über meine Fragen bezüglich der Übersetzung zu reden, über bestimmte Bilder oder Ausdrücke etwa, die mir nicht ganz klar waren, und wenn ich wissen wollte, welche Aspekte eines Wortes oder Bildes für die Autorin wichtig waren. Hanne versteht sehr gut Deutsch, insofern war das ein ziemlicher Luxus, den man bestimmt nicht immer hat. Ich denke, im Normalfall arbeitet man selber, so weit man kommt, und schreibt dann eine E-Mail an die Autorin/den Autor, in der man seine Fragen stellt, und hofft auf das Beste. An einer solchen E-Mail arbeite ich gerade, an Gine Cornelia Pedersen, deren Debütroman „Null“ ich gerade übersetze.

Wie gehen Sie an die Übersetzung eines Werkes heran? Haben Sie eine besondere Arbeitsweise?

Ich gehe da recht intuitiv vor; erstmal gibt es eine Rohfassung, in der ich noch nicht viel festlege und mir Alternativen offen lasse. Dann wird das Ganze immer konkreter, ich versuche, einen homogenen Tonfall zu finden, der dem Original entspricht, aber gleichzeitig auch meiner sein muss, das heißt, ich muss an ihn glauben. Das ist eigentlich ganz ähnlich zu dem, was ich beim Klavierspielen auch mache: Ich spiele die Musik von jemand anderem, ich möchte aber, dass es so klingt, als wäre sie mir selber eingefallen. Ich habe ja noch nicht allzu viele und keine allzu langen Bücher übersetzt und hatte meist auch keinen Zeitdruck, insofern gab es beim Übersetzen bei mir immer recht viele Durchgänge; und dann kommt ja noch das Lektorat, wo man sich noch einmal mit dem Ganzen beschäftigt und alles Mögliche ein weiteres Mal hinterfragt.

Norwegen war 2019 das Gastland der Frankfurter Buchmesse – mit einer großartigen Präsentation. Haben Sie das Gefühl, dass das Interesse für die Literatur des Landes hierzulande gewachsen ist?

Ehrlich gesagt, kann ich das nur schwer beurteilen, aber nachdem es ja wirklich eine Flut von Übersetzungen ins Deutsche gab, würde ich schon annehmen, dass die norwegische Literatur seither mehr wahrgenommen wird. Wobei ich den Eindruck habe, dass es gerade den Deutschen in der norwegischen Literatur häufig zu dunkel zugeht. Themen wie Tod, Krankheit, psychische Probleme, komplizierte Familien- und Beziehungskonstellationen, die ja tatsächlich sehr stark vertreten sind in der norwegischen Literatur, scheinen den Lesern hierzulande nicht sonderlich zuzusagen. Dazu kommt, dass es eine Tendenz dazu gibt, sich sehr auf die sprachliche Darstellung seelischen Innenlebens zu konzentrieren, was oft auf Kosten äußerer Handlung geht. Und dann stellt sich den Verlagen natürlich bei Übersetzungen auch immer die Frage, wer wird das kaufen? Daher wird vieles gar nicht erst übersetzt, auch wenn es großartig ist.

Welche norwegischen Autoren können Sie empfehlen, die entweder bereits übersetzt worden sind oder bisher noch nicht?

Was „meine“ Autorinnen – bislang waren es tatsächlich nur Frauen – angeht, würde ich sie alle empfehlen. Ich habe bisher nur Bücher übersetzt, an die ich wirklich geglaubt habe und die ich als Bereicherung ansehe. Das wären also Hanne Ørstavik, deren sehr persönliches neuestes Buch „ti amo“, in dem es um die Krebskrankheit ihres Mannes geht, im Herbst herauskommen wird, und Roskva Koritzinsky, deren Erzählband „Ich habe die Welt noch nicht gesehen“ nach wie vor zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört. Ich liebe ihre Sprache und ihre Beobachtungsgabe, sie erzählt extrem reflektiert und scharfsinnig und zugleich poetisch.

Im Herbst kommt beim Luftschacht Verlag etwas ganz Besonderes heraus: „Null“, der Debütroman von Gine Cornelia Pedersen, ein innerer Monolog einer jungen Frau auf ihrem Weg in etwas, was von der Psychiatrie als „Psychose“ bezeichnet wird; eine Art dramatisches Punk-Gedicht, das einen sehr starken Sog besitzt, den Leser erschüttert und doch voller (Galgen)-Humor steckt. Im Frühjahr 2022 erscheint dann der Roman „Skabelon“ von Malin Rønning, eine mystische und naturbezogene Familiengeschichte in einem norwegischen Wald, und wahrscheinlich mein erstes Jugendbuch: „Wenn wir doch nur Löwen wären“ von Line Baugstø, ein Roman zum Thema Transidentität.

Von den vielen anderen Autorinnen und Autoren, die in den letzten Jahren übersetzt wurden, würde ich unbedingt Merethe Lindstrøm empfehlen, übersetzt von Elke Ranzinger bei Matthes & Seitz, und Tarjei Vesaas, übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel bei Guggolz.

Für die Übersetzung des jüngsten Romans von Hanne Ørstavik „Roman. Milano“ wurden Sie vom österreichischen Kulturministerium mit der Übersetzungsprämie 2020 geehrt. Was ist es für ein Buch, was ist das Spezielle an diesem Roman?

Das ist ein sehr stilles, poetisches Buch über die Selbstreflexion einer jungen Künstlerin, die sich mit ihrem Unbewussten und ihrer Vergangenheit auseinandersetzen muss, um ein Gefühl wie Liebe in sich überhaupt zulassen zu können. Der Roman ist eigentlich eine Aneinanderreihung von Bildern aus dem Leben der Protagonistin und hat etwas sehr Lyrisches, Kontemplatives. Die Stadt Mailand mit ihren vielen Kanälen fungiert in gewisser Weise als symbolischer Hintergrund dieser Reise ins Innere, die in einer sehr eigenen, sehr persönlichen Sprache beschrieben ist. Es geht ums Fremdsein, um den Wunsch nach Zugehörigkeit; und um den Willen, unermüdlich an sich selbst zu arbeiten. Ein Buch, das sich nicht leicht erschließt, in dem es aber sehr viel zu entdecken gibt.

Immer wieder ist zu hören, dass die Übersetzer nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen. Was sollte aus Ihrer Sicht geschehen, dass sie mehr in den Fokus rücken und mehr gewürdigt werden?

Das liegt wohl an dem Umstand, dass eine gute Übersetzung sich nicht wie eine Übersetzung liest; je besser der Übersetzer oder die Übersetzerin, desto unsichtbarer wird er/sie, desto mehr vergisst man, dass ein Übersetzer überhaupt an dem Buch beteiligt ist; dabei müsste es eigentlich umgekehrt sein. Der VdÜ setzt sich sehr stark dafür ein, dass Übersetzer sichtbarer werden, und ich denke, dass es Ansätze für eine positive Entwicklung gibt. Es gibt zum Beispiel wenige, vor allem kleinere Verlage, die etwa den Namen der Übersetzer auf die Umschlagseite drucken. Es wäre schön, wenn sich dieser Trend etwas verbreiten würde.

„Warum nicht Lesungen mit Übersetzern veranstalten…“

Ich finde auch, dass bei Buchpräsentationen unbedingt der Übersetzer/die Übersetzerin eingeladen werden sollte, und zwar nicht nur als Dolmetscher, sondern als Autor der Übersetzung, was auch zu einer anderen Wahrnehmung führen würde. Und gerade in Zeiten wie diesen, wo es mit dem Reisen schwierig ist, aber im Freien zumindest Lesungen stattfinden können (hoffentlich auch dieses Jahr): Warum nicht Lesungen mit Übersetzern veranstalten, selbst wenn der Autor/die Autorin nicht dabei sein kann?

Schließlich läge es natürlich an den Medien, Übersetzer zu erwähnen und dem Lesepublikum ins Gedächtnis zu rufen, dass es uns gibt – wie zum Beispiel mit einem Interview in einem Literaturblog.

Sie sind zugleich Pianist. Wie schaffen Sie es, beide Welten, die musikalische wie die literarische, zusammenzuführen beziehungsweise zu vereinbaren?

Ich habe festgestellt, dass das Übersetzen von Literatur dem Interpretieren von Musik an sich sehr ähnlich ist. Als Übersetzer interpretiere ich einen Text, versuche, ihm nach Möglichkeit gerecht zu werden, dasselbe mache ich, wenn ich ein klassisches Musikstück interpretiere. Insofern hat sich für mich nicht allzu viel geändert. Das Klavierspielen ist für mich allerdings in den letzten Jahren zugunsten des Übersetzens sehr stark in den Hintergrund getreten, eine Zeit lang habe ich sogar überhaupt nicht gespielt. Ich wollte etwas Neues ausprobieren, und gerade jetzt, in Corona-Zeiten, bin ich über diese Entscheidung sehr froh. Bücher werden ja immer noch gelesen, während es in den Konzertsälen leider still ist, für alle Beteiligten eine Katastrophe. Ich hoffe aber, dass ich in Zukunft wieder mehr spielen werde, vor allem im Bereich der Liedbegleitung gibt es noch vieles, worauf ich Lust hätte. Diesen Februar hätte ich im Kammermusiksaal der Philharmonie Katharina Schüttler mit Liedern von Kurt Weill begleiten sollen – daraus ist nun leider nichts geworden.

Was das Zusammenführen der beiden Welten betrifft: Ich habe tatsächlich einmal bei einer Lesung aus „Die Zeit, die es dauert“ auch Klavier gespielt, was erstaunlich gut funktioniert hat. Der Roman spielt ja im Winter in Nordnorwegen, und ich habe am Anfang der Lesung eine Suite eines norwegischen Komponisten gespielt, „Nordlandsbilder“. Die Leute waren dann gewissermaßen schon auf die Landschaft eingestimmt, und es wurde eine sehr atmosphärische und konzentrierte Lesung daraus. Veranstaltungen dieser Art kann ich mir auch in Zukunft vorstellen.

Andreas Donat studierte Skandinavistik an der Universität Wien und absolvierte eine Ausbildung als klassischer Pianist in Wien, Berlin und Oslo. Er lebt heute in Berlin. Hanne Ørstavik, 1969 in der Finnmark geboren, debütierte 1994 mit dem Roman „Hakk“. Für „Presten“ erhielt sie 2004 den norwegischen Brageprisen. Zuletzt in deutscher Übersetzung erschien ihr Roman „Roman.Milano“. Die Schriftstellerin lebt heute in Mailand. 

4 Thoughts

  1. ein sehr schönes Interview! Ich schätze die Arbeit von Übersetzern sehr, in unserer Buchhandlung finden auch immer wieder (wenn nicht gerade eine Epidemie das verhindert) Lesungen mit Übersetzern statt. Z.B. mit dem auch hier erwähnten Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel, der den großartigen Tarjej Vesaas übersetzt hat.
    Eine gute Idee, hier immer mal wieder „Literaturmenschen“ zu befragen!

    Gefällt 1 Person

    1. Es wird Zeit, dass ich mal wieder in Eure schöne Buchhandlung komme. Ich finde es spannend, wenn Literaturmenschen von ihrer Arbeit erzählen, und da bietet sich die Form des Interviews ganz wunderbar an, wie ich finde. Vielen Dank für Deinen Kommentar und viele Grüße

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