Joachim B. Schmidt – „Ósmann“

„Im Skagafjord gibt es Geistergeschichten wie Muscheln am Strand.“

Er ist ein Hüne, der nach Gammelhai stinkt und Robbenblut trinkt. Tag ein, Tag aus setzt er mit seiner Seilfähre Mensch und Tier über die Tiefen des Skagafjords. Bei Sturm und bei Sonnenschein. Im äußersten Norden Islands, dort wo die Grönlandsee das herbe Land ablöst, ist Ósmann eine Institution. Nach seinem Helden Kalmann hat Joachim B. Schmidt eine weitere besondere Gestalt zum Leben erweckt – oder sollte man vielmehr sagen: wiedererweckt.

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Kristin Valla – „Ein Raum zum Schreiben“

„Das Schreiben formte die Tage.“

Daphne du Maurier und ihr Haus in Menabilly, Edith Whartons Villa „The Haunt“, Toni Morrisons Hausboot: So wie Schriftstellerinnen namhaft wurden, so bekannt wurden oft auch ihre Häuser, in denen ihre Werke entstanden sind. Schreiben fordert Rückzug, formt den Drang nach einem persönlichen Raum. Über Autorinnen und ihre Schreibräume erzählt die Norwegerin Kristin Valla in ihrem Buch „Ein Raum zum Schreiben“ – verknüpft mit ihrer eigenen Suche nach einem geeigneten Ort, die sie nach Südfrankreich führte.

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Lars Elling – „Die Prinzen vom Birkensee“

„Finde den Schlüssel und verlasse das Bildarchiv. Werde sehend.“ 

Wie ein grüner Gürtel umgibt die Marka Oslo. Nördlich der norwegischen Hauptstadt breitet sich die Nordmarka aus. Ein riesiger Wald mit Hügeln und Seen – so groß wie etwa Halb-Berlin. Die beiden Brüder Arnstein und Truls werden von ihrem Vater in die Nordmarka geschickt. Nicht nur für wenige Tage, sondern für mehrere Wochen. Dort sind sie allein auf sich gestellt. Sie müssen sich ihre Nahrung selbst jagen oder fangen. Die beiden Jungen haben zueinander eine enge Bindung, sie sind Gefährten, Vertraute. 70 Jahre später, im betagten Alter, sprechen sie indes kein Wort mehr miteinander. Ein Zaun zieht sich durch das gemeinsame, einst elterliche Grundstück im Kvartsveien, das Haus ist geteilt. Und Arnsteins Enkel Filip fragt sich warum.     

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Jan Kjærstad – „Eine Zeit, zu leben“

„All diese Geschichten, denke ich.“

Ein Tag im März 2019. Oslo, ja Norwegen steht Großes bevor. Im Nationaltheater feiert die Inszenierung „Hedda Gabler“ nach dem Drama von Henrik Ibsen Premiere. Kein Geringerer als der berühmte Theatermacher Kyrre Ellingsen führt Regie, die Hauptrollen sind mit Hedda Christine Foss als Hedda und Hendrik Adler als Assessor Brack prominent besetzt. Für die Schauspieler und das Publikum wird der Abend jedoch anders als gedacht. Der norwegische Schriftsteller Jan Kjærstad hat mit seinem neuesten Roman „Eine Zeit, zu leben“ weit mehr als ein Buch über Theater und den großen Ibsen geschrieben.

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Traum im Frühling – Norwegen als Gastland auf der Buchmesse Leipzig

„Det er den draumen me ber på at noko vedunderleg skal skje, at det må skje (…)“.*

Das sind die ersten Verse aus dem Gedicht „Det er den Draumen“ des norwegischen Lyrikers und Übersetzers Olav H. Hauge (1908 – 1994). Es stand 2019 als Motto über dem eindrucksvollen Gastland-Auftritt Norwegens zur Frankfurter Buchmesse. Allerdings: Der Traum ist noch längst nicht ausgeträumt und findet seine Fortsetzung nun zur diesjährigen Leipziger Buchmesse vom 27. bis 30. März. Zu meiner großen Freude, denn die Literatur des nordischen Landes fasziniert und begleitet mich seit vielen Jahren.

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Johan Harstad – „Unter dem Pflaster liegt der Strand“

„Alle Vororte haben Ambitionen, zumindest anfangs.“

Vor fünf, sechs Jahren erschien ein dicker Wälzer mit dem ungewöhnlichen Titel „Max, Mischa und die Tet-Offensive“ in deutscher Übersetzung. Ein Buch, das einen verschlingt, das man trotz seiner handtaschenuntauglichen Größe mit sich herumschleppt, um so oft es geht, darin zu lesen. Nun ist der Norweger Johan Harstad zurück – mit einem ebenso umfangreichen Roman mit mehr als 1.100 Seiten. In Sachen Themen- und Schauplatzvielfalt sowie in puncto Zeitsprüngen erlebt man mit dem neuesten harstadschen Streich eine Art Déjà-vu.

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