Trauma – Juli Zeh „Neujahr“

„Da war etwas, aus dem es kalt heraufwehte.“

Lanzarote: Die trockene und karge Vulkaninsel im Atlantik mit ihren schwarzen Stränden und Bergmassiven ist Ziel vieler Touristen. Henning, seine Frau Theresa und die beiden gemeinsamen Kinder Jonas und Bibbi zieht es ebenfalls auf das spanische Eiland. Die Familie verbringt die Tage des Jahreswechsels auf der kanarischen Insel. Doch für den jungen Mann wird es alles andere als ein erholsamer Urlaub, weil diese Reise in die Ferne nicht nur die Disharmonie des Paares offenlegt. Er wird während einer Radtour hinauf in die Berge konfrontiert mit einer düsteren Episode aus seiner Kindheit, an die er sich bis zu jenem Tag nicht erinnert.  Trauma – Juli Zeh „Neujahr“ weiterlesen

Geschichte (n) – Bernd Wagner „Die Sintflut in Sachsen“

„Gerade der Rhythmus der Worte erzeugte in mir eine unbekannte Art von Rausch (…).“

Wurzen – die Stadt an der Mulde. Bekannt für Joachim Ringelnatz, Kekse und Kurzkoch-Reis; der Milchreis ist im Übrigen sehr empfehlenswert. Wurzen ist die Große Kreisstadt des Landkreises Leipzig, die Messestadt mit ihrem Trubel ist also sehr nah, sowie die Geburtsstadt des Schriftstellers Bernd Wagner. Hier kommt er 1948, drei Jahre nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg, zur Welt, hier wächst er auf und verbringt Kindheit und Jugend. Sowohl dieser sächsischen Stadt in der Provinz als auch der Geschichte seiner Familie widmet er sich auf sehr persönliche Weise in seinem aktuellen und autobiografischen Roman „Die Sintflut in Sachsen“. Geschichte (n) – Bernd Wagner „Die Sintflut in Sachsen“ weiterlesen

Von Stimme und Lampenfieber – Warum ich vorlese

Denke ich an meine Kindheit zurück, fallen mir vor allem natürlich das Lesen und das Verschwinden in den geliebten Büchern und Geschichten ein. Aber es gab da noch eine andere Szene: Ich mit der Haarbürste in der Hand „singe“ einen Hit der Pet Shop Boys. Warum nun gerade die Pet Shop Boys kann ich nicht genau sagen. Aber ich gab jedenfalls als Sängerin in meinem Playback mein Bestes. Gestenreich sprang und tanzte ich in meinem Kinderzimmer umher, die Bürste als Mikrofon vor meinem Gesicht. Warum ich nicht wirklich sang, bis heute nur allein meist während des Autofahrens, liegt daran, dass ich meine Stimme, ihre Tonlage und den sächsischen Akzent, in den ich immer noch leicht verfalle, nicht wirklich mochte und bis heute nicht wirklich mag. Auch das obligatorische Sprechtraining während meines Studiums hat mir nicht geholfen, ein A eben wie ein A auszusprechen und nicht wie ein Zwischending von A und O.

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Stumm – Linda Boström Knausgård „Willkommen in Amerika“

„Die Sprache nahm das Licht mit. Es tanzte nicht mehr über die Wände der Wohnung.

Tragische Ereignisse lassen einen verstummen. Die elfjährige Ellen spricht kein Wort mehr, seitdem ihr Vater gestorben ist. Ein bizarres Schuldgefühl quält das Mädchen. Doch das Leben in der Familie geht weiter, und zwischen der Trauer und Melancholie mischt sich wieder etwas Helligkeit, weil auch das Miteinander die Familie trägt. Über all das lässt Linda Boström Knausgård in ihrem Roman „Willkommen in Amerika“ Ellen berichten – auf eindrückliche Weise.

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Bücher mit Geschichte(n) – Meine persönlichen Schätze

Spätestens mit einem Umzug wird jeder, der Bücher aus Leidenschaft liest und sammelt, bemerken, was über die Jahre, ja Jahrzehnte zusammengekommen ist. Als ich im Herbst vergangenen Jahres von einer Wohnung in die andere ziehen wollte, entstanden in meinem früheren Wohnzimmer, im Flur und im Schlafzimmer regelrechte Kistenberge. Es ist schwer, mit Worten zu beschreiben, welchen Gesichtsausdruck die Mitarbeiter des Umzugsunternehmens machten, als ich ihre  Frage, was denn in den Kisten denn so sei, kurz und knapp, aber durchaus selbstbewusst zu beantworten wusste: Bücher. Rund 80 Prozent der Kisten waren mit Büchern gefüllt, im Rest der Kartons waren Kleidung sowie Geschirr untergekommen. Doch nicht die Menge ist entscheidend. Einige der Bücher verbinde ich mit besonderen Erinnerungen. Sie erzählen Geschichten, zeigen auch, welche Bücher ich besonders schätzen gelernt habe. Es sind eben Schätze, bei denen nicht der einstige Kaufpreis entscheidend ist. Von einigen dieser Geschichten möchte ich Euch nun berichten.

Londiste

Ich bin in der DDR aufgewachsen. In früheren Berichten habe ich dann und wann geschrieben, wie schwer es damals war, an bestimmte Bücher zu kommen. Beziehungen waren wichtig, um an die sogenannte Bückware, jene unter dem Ladentisch, zu kommen oder sich aus dem „Westen“, verbotene und geliebte Titel und Autoren schicken zu lassen. Es konnte auch geschehen, dass man zu Reisen in die Sowjetunion auf Bücher stieß, die hier zwar gedruckt worden waren, aber nie den Weg in die hiesigen Buchläden fanden. Mein Vater brachte mir in den 80er Jahren einen Band mit Ludwig Bechsteins Märchen mit, als er ein paar Tage in Leningrad weilte. Zu Geburtstagen und zum Weihnachtsfest erhielt ich stets ein Buch, mein Taschengeld floss meistens in den Kauf neuer Lektüre. Eines dieser geliebten Bücher aus Kindheitstagen ist „Der Elefant Londiste“ des estnischen Dramatikers Iko Maran (1915 – 1999). Das Buch mit Illustrationen von Heldur Laretei erzählt die Geschichte des Jungen Siim, der zu seinem Geburtstag einen Spielzeug-Elefanten geschenkt bekommt. Es ist noch antiquarisch erhältlich.

Söhne

Zu den prägenden Erinnerungen an meine Kindheit zählen auch Winnetou und Old Shatterhand,  die wohl bekanntesten Figuren der Welt von Karl May (1882 – 1912). Der gebürtige Sachse zählt zu den produktivsten Autoren seiner Zeit und wohl bis heute zu den meist gelesenen. Von Kult zu sprechen, scheint mir nicht übertrieben zu sein. Bis heute wird sein literarisches Erbe gepflegt, gibt es unter anderem auch eine Karl-May-Gesellschaft, die mit zu den größten literarischen Vereinigungen Deutschlands zählt und in diesem Jahr in Bad Kösen tagen wird. Doch ich komme etwas vom Thema ab, denn mit May und seiner Welt, die er erschuf, ohne jemals die Weiten Amerikas gesehen zu haben, habe ich bisher wenig am Hut. Vielmehr machte ich in der Jugend die Bekanntschaft mit der Autorin Liselotte Welskopf-Henrich (1901 – 1979) und ihrem mehrbändigen Werk „Die Söhne der großen Bärin“. Welskopf-Henrich reiste in den 60er und 70er Jahren in die USA und Kanada, um das Leben der Dakota-Indianer zu studieren. Während ich Winnetou und Old Shatterhand nur auf dem Fernsehbildschirm in Form der schon legendären Verfilmung mit Pierre Brice und Lex Barker sah, den Tod des Indianerhäuptlings zutiefst betrauerte und als Kind das Karl-May-Museum in Radebeul besucht habe, las ich später den ersten Teil „Harka“ der Welskopf-Henrich-Reihe und war begeistert. Irgendwie war es mir in jener Zeit nicht möglich, weitere Bände in die Hand zu bekommen. Jahre und Jahrzehnte vergingen, bis ich in der Stadtbibliothek Naumburg, die ich regelmäßig und häufig besuche, im dortigen Bücherflohmarkt auf eine Komplett-Ausgabe, erschienen als Paperback im Altberliner Verlag, stieß und sie natürlich (für wenig Geld) erwarb.

Muzot

Geht es um Bücher und meine Bücherleidenschaft kann und muss ich von meiner Mutter erzählen. Sie führte mich früh an die Literatur, besuchte mit mir die Dorfbücherei, kaufte die eben erwähnten Buchgeschenke. Die Literatur verband uns. Wir sprachen oft darüber, empfahlen oder liehen uns Titel aus. Bis sie im Januar verstarb und eine riesige, nicht und niemals zu schließende Lücke entstand. Unter ihren Bücher-Nachlass fand ich jenen Roman, der zu ihren Lieblingsbüchern zählte und von dem sie mir häufig berichtet hat: „Der Zauberer von Muzot“ von Ernst Moritz Mungenast (1898 – 1964). Ihre Ausgabe stammt aus der Büchergilde Gutenberg von 1939 und aus dem Bestand meines Urgroßvaters väterlicherseits. Der nicht unumstrittene Roman erzählt von der Geschichte einer Familie in Metz und zugleich von der Historie von Mungenasts Heimat Lothringen. Die Ausgabe hat mit der Zeit sehr gelitten und braucht  dringend die Zuwendung  eines Buchbinders.

Märchen

Ein Blick in meine Bücherregale verrät meine Leidenschaft für die Literatur des Nordens. Neben zahlreichen zeitgenössischen Romanen gehört zur Sammlung auch ein recht dicker Band: „Eventyr“, mit den gesammelten Märchen von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Die beiden Schriftsteller könnte man als die „Grimm-Brüder“ Norwegens bezeichnen, sammelten sie doch wie Jakob und Wilhelm Grimm Märchen ihrer Heimat, nachdem sie das Land mehrfach bereist haben. Wer erfahren will, was es mit den mystischen und wohl auch gefürchteten Trollen auf sich hat, sollte die norwegischen Volksmärchen lesen. Dieser illustrierte und mehr als 600 Seiten umfassende Pracht-Band aus dem J.M. Stenersens Forlag Oslo hat eine weite Reise hinter sich. Ihn fand ich in einer Buchhandlung in Trondheim, während ich im Januar/Februar 2015 mit der Hurtigruten die norwegischen Küste entlang reiste; eine atemberaubende Tour auf der MS Polarlys von Bergen bis Kirkenes und zurück, bei der ich auch das Nordlicht sehen konnte.

Polar

Apropos Schwergewicht und Kälte: Gehen wir noch ein wenig weiter in Richtung Norden oder auch ganz weit in den Süden. Seit einigen Jahren bin ich fasziniert von den eisigen Welten der Arktis und Antarktis. Ob Reiseberichte, Bildbände oder Bücher über die großen Entdecker – ich lese sie sehr gern. Vor einigen Jahren machten einstige Kollegen mir ein besonderes Geschenk: „Mythos Nordpol. 200 Jahre Expeditionsgeschichte“ des französischen Polar-Forschers Jean Malaurie. Klar, dass da wenig später mit „Der Ruf des Nordens“ ein weiterer Band den Weg in meinen mehr und mehr anwachsenden Polar-Bestand fand.


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Selbstfindung – Elizabeth Strout „Die Unvollkommenheit der Liebe“

„Vermutlich schlingern die meisten so durch ihr Leben, halb wissend und halb blind, bedrängt von Erinnerungen, die unmöglich wahr sein können.“

Rückblicke haben oft einen ambivalenten Charakter. Und immer bleibt dabei die Frage, welchen Ereignissen der Vergangenheit stellt man sich in seinen eigenen Erinnerungen, welche werden eher unterdrückt, gemieden, ausgeblendet. Meist sind es vor allem überraschende, teils auch tragische Geschehnisse, die Erinnerungen hervorholen. Wegen einer Infektion nach einer Blinddarm-OP liegt Lucy Barton für mehrere Wochen im Krankenhaus. Eines Tages sitzt ihre Mutter am Bett, völlig überraschend. Denn Mutter und Tochter haben sich gemieden und einige Jahre lang nicht gesehen, aber nun vieles zu berichten. Selbstfindung – Elizabeth Strout „Die Unvollkommenheit der Liebe“ weiterlesen

Warum ich lese

Mit seinem Beitrag „Warum ich lese“ hat Sandro Abbate auf seinem Blog „novelero“ ein Thema berührt, das nachfolgend viele weitere Blogger beschäftigt hat. Unterschiedliche Einblicke in Lesebiografien und persönliche Gedanken sind so entstanden. Dies ist nun meine Geschichte. Warum ich lese weiterlesen

Abstieg – Tim Winton „Schwindel“

„Engel ziehen weg, Kumpel. Sie sterben. Sie werden alt. Sie lassen dich allein.“

Er ist ganz unten, allerdings zugleich auch oben. Der einst berühmte Umweltaktivist Tom Keely steht nach der Scheidung und dem Jobverlust vor den Scherben seines Lebens. Er wohnt im zehnten Stock eines Hochhauses in Fremantle, nicht weit von der westaustralischen Metropole Perth entfernt. In seinem unaufgeräumten Appartement lebt er zurückgezogen in einer selbst gewählten Isolation. Trübsinn und Selbstmitleid bestimmen seine Gedanken, Untätigkeit, Alkohol und Tabletten seinen von Geldnöten beherrschenden Alltag. Dann tritt mit Gemma und ihrem sechsjährigen Enkel Kai die Vergangenheit in sein Leben und verändert es schlagartig.  Abstieg – Tim Winton „Schwindel“ weiterlesen

Dorf ohne Idylle – Szilárd Borbély „Die Mittellosen“

„Vater sagte, es gibt Zahlen, die man nicht teilen kann. Sie haben keinen anderen Teiler als die Eins und sich selbst. Seither versuche ich jede Zahl zu teilen. Ich mag die, die keinen Teiler haben. Die so sind wie in diesem Dorf wir. Aus den anderen herausragen.“

Ein Junge lebt in einem Dorf. Mit seinen Eltern, der älteren Schwester, einem jüngeren Bruder. Die Familie ist arm und wohnt in einem Erdhaus mit Lehmwänden etwas abseits des Ortes. Der Vater hat oft keine Arbeit und trinkt, die Mutter weiß manchmal nicht weiter und droht, sich das Leben zu nehmen. Eine Spirale der Gewalt setzt sich in Gang: Die Eltern schlagen die Kinder, die Kinder töten kleine Tiere. Auch der Junge, der von seinem Leben erzählt. Dorf ohne Idylle – Szilárd Borbély „Die Mittellosen“ weiterlesen

Die Macht der Bücher – Almudena Grandes „Der Feind meines Vaters“

„Die Wahrheit ist das, was passiert ist und uns gefällt, aber auch das, was passiert ist und uns so abscheulich vorkommt, dass wir alles darum geben würden, es ungeschehen zu machen.“

Nichts ist, wie es scheint. Das merkt Antonio Perez, von allen nur Nino oder wegen seiner Körpergröße auch Knirps genannt, schnell. Er ist zehn und lebt mit seinen Eltern und den beiden Schwestern Dulce und Pepe in der Kaserne des kleinen andalusischen Dorfes Fuensante de Martos. Ninos Vater ist Beamter in der Guardia Civil, der paramilitärischen Polizei, deren Aufgabe es ist, gegen politisch Andersdenkende vorzugehen. Denn man schreibt das Jahr 1947 und Diktator Franco ist an der Macht. Die Macht der Bücher – Almudena Grandes „Der Feind meines Vaters“ weiterlesen

Nach dem Abgrund – Ralf Bönt „Das kurze Leben des Ray Müller“

„Laut einer meiner Schülerinnen gibt es ein mathematisches Gesetz, nach dem jeder, an den man denkt, mindestens halb so oft auch an einen schon gedacht hat.“

Was hebt die eigene Welt aus den vertrauten Angeln, wie kann einem der Teppich unter den Füßen weggezogen werden? Wann wird aus Unschuld Schuld? Marko Kindler weiß darüber eine Geschichte zu erzählen, es ist seine eigene. Er blickt zurück auf die vergangenen Jahre, als er in einer Gefängniszelle auf den Psychologen wartet, nachdem er seinen nur wenige Wochen alten Sohn entführt hat. Dabei lief es für den Juristen, Übersetzer und Krimi-Autor doch alles wie am Schnürchen, nachdem er aus einem Tief wieder nach oben gekommen war. Nach einer gescheiterten Beziehung trifft er auf die Journalistin Lycile, das Paar bekommt mit dem kleinen Ray nach zahlreichen Fehlgeburten endlich das ersehnte Kind. Doch der Schein einer perfekten Familie trügt. Denn allzu viel ist passiert in jenen Jahren.  Nach dem Abgrund – Ralf Bönt „Das kurze Leben des Ray Müller“ weiterlesen

Recht der Religionen – Ian McEwan „Kindeswohl“

„Religionen, moralische Prinzipien, auch ihre eigenen, waren wie Gipfel in einem dichtgefügten Gebirgszug, aus großer Entfernung gesehen: keiner eindeutig höher, wichtiger, wahrer als die anderen. Wie sollte man da urteilen.“

Das Leben eines Kindes ist fremdbestimmt. Da sind die Lehrer, Erzieher und vor allem die Eltern, die über das Wohl und den Weg eines Kindes entscheiden. Bekannt ist auch der Terminus Vormund, der aus dem Althochdeutschen stammt. Der Begriff „Munt“ bedeutet „Schutz“. In den meisten Fällen übernehmen die Eltern diese wichtige Rolle, manchmal jedoch mit ungeahnten und erschreckenden Folgen. Denn die Eltern selbst haben sich für ein Leben mit drastischen Regeln entschieden. Ihrer Religion wegen. Glauben und Glaubensgemeinschaften sind derzeit ein sehr brisantes Thema, meist jedoch mit Blick auf die Auseinandersetzungen zwischen ihnen. Der englische Autor Ian McEwan widmet sich in seinem neuesten Roman „Kindeswohl“ einer nicht weniger interessanten Facette. Wie beeinflusst die Religion das Familien-Leben und das ungefährdete Heranwachsen eines Kindes?  Recht der Religionen – Ian McEwan „Kindeswohl“ weiterlesen

Jasper, Lada und die Schleie – Max Scharnigg "Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau"

„Irgendwo bei Lada musste es so etwas auch geben, ein Rohr, aus dem klein gestückelt all das schoss, was sie vorn aus den Büchern in sich hineinfraß.“

Hoch hinaus reckt sie sich in den Himmel. Und jedes Jahr kommt ein Stückchen hinzu. Die hölzerne Hofstange ist das Wahrzeichen von Pildau. Ein verträumtes Gehöft, das etwas abseits liegt und für den sechsjährigen Jasper Honigbrod das Zuhause ist. Hier wohnt er gemeinsam mit Vater Max und dem Großvater. Während der eine tagtäglich dem Sohn eine Guten-Morgen-Geschichte über den Großwesir und den Reiseritter Robert erzählt und sich anschließend in seine riesige Stallbibliothek verdrückt, kümmert sich der Ältere der drei Generationen um den Garten und die Schleie, die im Weiher unsichtbar ihre Runden zieht. Pildau ist jedoch nicht nur ein Ort merkwürdiger Begebenheiten und Bräuche. Besondere Geschichten ranken sich um die Bewohner, die eines Tages plötzlich Zuwachs bekommen. Denn Autor Max Scharnigg lässt seine drei männlichen Schützlinge im Roman „Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau“ nicht allein.   Jasper, Lada und die Schleie – Max Scharnigg "Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau" weiterlesen

Beschützerinstinkt – Derek B. Miller "Ein seltsamer Ort zum Sterben"

„Seine Erinnerungen wurden mit dem Alter einfach immer lebendiger. Die Zeit verstrich auf eine neue Art. Wenn man keine Zukunft mehr hat, besinnt sich der Geist auf sich selbst. Das war keine Demenz. Es war die einzige rationale Antwort auf das Unvermeidliche.“ 

Das Leben liegt nahezu hinter ihm. Doch noch einmal wagt das Schicksal Sheldon heraus – mit einem gewaltigen Satz auf die andere Hälfte der Weltkugel geht es für ihn von New York nach Norwegen, wo seine Enkelin Rhea, verheiratet mit einem Norweger, mittlerweile lebt. Sheldons Frau ist zuvor gestorben, ihr gemeinsamer Sohn schon längst tot. Im Vietnam-Krieg hat er als Soldat sein Leben gelassen, angetrieben von den Ermunterungen seines Vaters. Jetzt könnte der kauzige Amerikaner seinen Ruhestand in einem der reichsten Länder der Welt verbringen, Norwegisch lernen, frischen Fisch genießen. Beschützerinstinkt – Derek B. Miller "Ein seltsamer Ort zum Sterben" weiterlesen