Dennis Lehane – „Sekunden der Gnade“

„Was ist nur los mit dieser Welt, Detective?“

1974. Richard Nixon steht vor dem Rücktritt als Präsident der USA, das Land zieht seine letzten Soldaten aus Vietnam ab. Intel stellt den ersten vollwertigen 8-Bit-Mikroprozessor vor. VW bringt den VW Golf heraus. Schwergewichtsboxer Muhammad Ali gewinnt gegen George Foreman und wird Weltmeister. In jenem Jahr kommt es in Boston zu Unruhen zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung. Der Grund: ein Erlass, nach dem künftig städtische Busse schwarze Kinder zu Schulen transportieren, die bisher durchgehend „weiß“ waren und umgekehrt. In jene spannungsgeladene Zeit führt Dennis Lehane mit seinem neuen Roman „Sekunden der Gnade“.

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Tom Kromer – „Warten auf nichts“

„Ich bin ein Mensch und ich habe Hunger.“

Sein Zuhause ist die Straße. Er lebt von der Hand in den Mund, zieht von Suppenküche zu Suppenküche, von Armenhaus zu Armenhaus. Leerstehende Gebäude oder Waggons bieten ihm nur kurzzeitig ein Obdach. Arbeit findet er wie so viele andere keine. Es sind die harten Jahre der Weltwirtschaftskrise, die Zeit der großen Depression nach dem Börsencrash 1929. Der Amerikaner Tom Kromer (1906-1969) hat seine Erlebnisse niedergeschrieben, als er – ganz unten – obdachlos ist, als Hobo durch das Land reist. Sein eindrücklicher Roman „Warten auf nichts“ erschien 1935, geriet in Vergessenheit und kann allerdings nun (wieder)-entdeckt werden; erstmals auch in deutscher Übersetzung. „Tom Kromer – „Warten auf nichts““ weiterlesen

Tess Gunty – „Der Kaninchenstall“

„Manchmal geht es zu wie im Irrenhaus, oder? Ich meine, so viele Leben, die gerettet werden müssen.“

Dünne Wände, hellhörig, beengt, geruchsintensiv. Meine Erinnerungen an einen Kaninchenstall sind noch recht lebendig. Mein Vater hielt die flauschigen Vierbeiner, wir lebten auf dem Land. Wenn ich als Kind nicht folgte, hieß es: „Du kommst gleich in den Kaninchenstall!“. Es ist niemals passiert, ich blieb immer vor der Tür stehen und gab den Tieren Heu, Möhrchen und eine Streicheleinheit. Kaninchen finden sich an vielen Stellen in den mehrfach preisgekrönten Debüt der US-amerikanischen Schriftstellerin Tess Gunty – nicht nur im Titel des ungewöhnlichen Romans. „Tess Gunty – „Der Kaninchenstall““ weiterlesen

Joy Williams – „Stories“

„Wenn man erwachsen wird, fällt ein Schatten auf einen. Alles ist sonnig, und dann taucht über einem dieser verdammte Flügel oder irgend so was auf.“

Auf die literarischen Jahre der jüngeren Vergangenheit blickend, scheinen die USA für uns Europäer noch immer ein recht unbekanntes Land zu sein. Denn welch großartige (Wieder)-Entdeckungen sind doch zuletzt gemacht worden. Man meint, die herrliche Geschichte des süßen Breis als Vergleich zu bemühen oder vielleicht auch zu glauben, es gäbe ein schwarzes Loch, wo all die in Übersee (einst) bekannten und viel gelesenen Schriftsteller hineingefallen sind, um an der anderen Seite des Atlantiks nie aufzutauchen. Nun erscheint wieder ein Name, der „da drüben“ oft und viel und mit großer Bewunderung ausgesprochen wird, doch hierzulande selbst Kenner zwingt, die Suchmaschine zu benutzen: Joy Williams.  „Joy Williams – „Stories““ weiterlesen

Janet Lewis – „Draußen die Welt“

„Es gab sie noch immer, diese Welt in ihrer erfreulichen Mittelmäßigkeit.“ 

Ihr Leben ist auf den ersten Blick so unaufgeregt alltäglich. Mary Perrault kümmert sich um Haus und Grundstück, um ihren Mann und die vier Kinder. Mit ihrer Familie lebt sie in der kalifornischen Provinz, im Santa Clara Valley, malerisch zwischen Bergen, Meer und Marschland und unweit von Sacramento gelegen. Ihr Haus ist ein Hort der Gastfreundschaft und Sicherheit. Doch auch die tragischen Schicksale und die großen Ereignisse der Welt machen nicht Halt vor ihrer Tür. Mit ihrem Roman „Draußen die Welt“ erzählt die amerikanische Schriftstellerin und Lyrikerin Janet Lewis (1899 – 1998) vom Alltag einer amerikanischen Familie sowie den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre und Anfang der 30er-Jahre.  „Janet Lewis – „Draußen die Welt““ weiterlesen

Doreen Cunningham – „Der Gesang in den Meeren“

„Das Meer war voller Leben, schien Bewusstsein zu haben, Bewegung zu wollen.“

Von den Lagunen in der Baja California bis zum Arktischen Ozean vor der Küste Alaska erstreckt sich ihr Revier. Doch Giganten brauchen auch ein Riesenreich. Ein ausgewachsener Grauwal kann eine Länge von 15 Metern und ein Gewicht von bis zu 40 Tonnen erreichen. Und sie sind Langstrecken-Wanderer. Die im Ostpazifik beheimatete Population legt auf ihrer jährlichen Reise bis zu 10.000 Kilometer zurück – so viel wie keine andere Säugetierart auf der Erde. Die britische Umweltingenieurin und Wissenschaftsjournalistin Doreen Cunningham begleitete auf einer Tour die auf vielerlei Art imposanten und friedvollen Tiere vom Süden bis in den hohen Norden. Ihre Reise führt dabei auch zu einer inneren Heilung. „Doreen Cunningham – „Der Gesang in den Meeren““ weiterlesen