Im Blutrausch – Wajdi Mouawad „Anima“

„Die Welt ist groß und weit, doch die Menschen gehen immer ausgerechnet dorthin, wo es ihnen die Seele zerreißt“

Sie wissen ganz genau, was wir tun. Selbst wenn wir uns unbeobachtet fühlen. Sie riechen unseren Schmerz, unsere Furcht. Obwohl wir womöglich weit entfernt von ihnen sind. Tier und Mensch vereint zwar der gleiche Ursprung in grauer Urzeit, doch mit den Jahrmillionen der Evolution haben wir uns voneinander getrennt: Wir sind zu Herrschern und zur Bestie geworden. Weil gewalttätig gegen die Natur und gegen uns selbst. Der kanadische Autor mit libanesischen Wurzeln, Wajdi Mouawad, erzählt darüber in seinem erschütternden und einzigartigen Roman „Anima“.

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Paradies in Gefahr – Morten A. Strøksnes „Das Buch vom Meer“

„Das Meer, das uns fast unendlich vorkommt, ist im Universum nicht mehr als ein Tropfen.“

Mit einer dünnen Angel am Ufer zu stehen, im Rücken hoch aufragende Berge, voraus die Weite des Meeres, füllt einen mit Demut und dem Gefühl einer gewissen Verlorenheit. Geschehen vor einigen Jahren in Nordnorwegen auf der Insel Senja. Ich hatte damals wenig Anglerglück. Die Fische zogen einen weiten Bogen um mich. Zugegeben: Meine Reaktion auf einen Fisch, wie er den Köder schluckt, wäre wohl eine eher unbedarfte, ungeschickte gewesen. Mein Vater war da der Angler und Experte in der Familie. Wie muss man sich wohl fühlen, wenn man mit einem kleinen Schlauchboot aufs Nordmeer fährt, um einen riesigen Fisch zu fangen, dem Schauergeschichten vorauseilen? Der Norweger Morten A. Strøksnes hat in „Das Buch vom Meer“ darüber geschrieben, und das erzählt nicht nur von jenem speziellen Abenteuer, das in dem langen Nebensatz „oder Wie zwei Freunde Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen“ bereits angedeutet wird. „Paradies in Gefahr – Morten A. Strøksnes „Das Buch vom Meer““ weiterlesen →

Verloren – Leon de Winter „Geronimo“

„Deine Geschichte ist wahnwitzig, aber nichts ist wahnwitziger als die Wirklichkeit.“

Am 11. September 2001 starben in New York rund 3.000 Menschen. Die Bilder der brennenden Türme des World Trade Centers, der Männer und Frauen, die aus hoch gelegenen Stockwerken sprangen, und der von Staub überzogenen Passanten und Rettungskräfte haben die Welt schockiert. Zu dem verheerenden Selbstmordattentat bekannte sich wenig später Al-Qaida, ein Anschlag auf das Pentagon und ein Flugzeugabsturz in Pennsylvania folgten. Zum meist gesuchten Mann der Welt wurde wenig später Usama bin Laden ernannt, der Kopf des islamistischen Terror-Netzwerkes.  25 Millionen Dollar waren auf ihn ausgesetzt. „Verloren – Leon de Winter „Geronimo““ weiterlesen →

Ränkespiele – Louise de Vilmorin „Der Brief im Taxi“

„Oh, wenn der Zufall die Hand im Spiel hat, muss man mit allem rechnen.“

In der heutigen digitalen Zeit wohl selten, aber möglich: Ein Brief geht verloren. Nicht auf der Straße oder bei der Post, sondern in einem Taxi. Der Vorfall bildet den Auftakt für ein Kammerspiel der besonderen Art – um Liebe und Eifersucht und die vermeintliche Suche nach einem Neuanfang. Nach dem wunderschönen Band „Dame mit Fuchs“ des Engländers David Garnett hat der Dörlemann-Verlag mit „Der Brief im Taxi“ der Französin Louise de Vilmorin (1902 – 1969) einen weiteren Buchschatz zurück in die literarische Erinnerung geholt. „Ränkespiele – Louise de Vilmorin „Der Brief im Taxi““ weiterlesen →

Erschütterungen – Callan Wink „Der letzte beste Ort“

„Aber man darf dabei nicht vergessen, dass es direkt unter der äußeren Schale immer noch die Strömung gibt.“

Das Land ist weit, von entrückender Schönheit, doch manch einer scheint, verloren, entwurzelt zu sein. Überraschende, meist tragische Ereignisse werfen das Leben für einen kurzen Moment aus der Bahn. Dann geht es weiter – das Leben; in seiner alltäglichen Konsequenz. Der Amerikaner Callan Wink schreibt davon. Für seinen in diesem Jahr veröffentlichten Debüt-Band mit Stories – jüngst bei Suhrkamp mit dem Titel „Der letzte beste Ort“ erschienen – hat der 32-Jährige in seinem Heimatland bereits viel Lob erhalten. Vergleiche werden gezogen – mit großen und bekannten Namen wie Richard Ford oder Philipp Meyer. Sicher ist, dem jungen Autor ist so einiges zuzutrauen.  „Erschütterungen – Callan Wink „Der letzte beste Ort““ weiterlesen →

Treue Seele – Jakob Wegelius „Sally Jones – Mord ohne Leiche“

„Nichts ist schlimmer als das Warten auf etwas Schreckliches. Nicht einmal das Schreckliche, auf das man wartet.“ 

In der Literatur gibt es viele berühmte tierische Helden, abgesehen  von jenen unzähligen Geschöpfen aus Märchen und Fabeln. Man denke nur an den Wal Moby Dick, die Protagonisten aus „Unten am Fluss“ und „Der Wind in den Weiden“ und all jene tierischen Ermittler, die in den vergangenen Jahren knifflige Kriminalfälle lösen konnten – von Katzen bis Schafen. Sally Jones wird ebenfalls in einen Kriminalfall hineingezogen. Allerdings als Zeugin und Angehörige des vermeintlichen Mörders. Ihr Freund Henry Koskela, ein finnischer Seemann, soll in Lissabon einen Mann getötet haben. Koskela wird verhaftet und wegen Mordes verurteilt. Sally Jones muss nicht nur abtauchen, um nicht ebenfalls in die Fänge der Polizei geraten. Sie plant, die Unschuld ihres Gefährten zu beweisen. Doch an dieser Stelle sollte noch verraten werden, dass Sally Jones eine Gorilla-Dame ist, die vorzugsweise als Maschinistin im Blaumann wertvolle Dienste leistet.  „Treue Seele – Jakob Wegelius „Sally Jones – Mord ohne Leiche““ weiterlesen →